Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 9 (27.2.1931)
- Date
- 1931-02-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Alles spricht davon da6 die altrenommierten Schmidl-Nazzolh welche unter streng orthodoxer Aufsicht des Rabbinates-hergestellt werden, heuer besonders gut geraten Sind. Die Mazzoth werden aus dem feinsten Mehl erzeugt Seit vielen Jahren genießen die „Schmidl-Mazzoth" das beste Renommee Zentrale: N. BRODETZKY, Wien, IL Bezirk, Leopoldsgasse Nr. 43 Telephon A 60-2-63, A 46-1-90, A 41-9-32 In allen besseren Geschäften zu haben i^—^—^^ Gerechtigkeit! Im „Univers Israelite" macht Dr. Ernest Meyer in Form eines Appells an den Völkerbund den Vorschlag, die internationale Gerichtsbarkeit, deren Kompetenz bisher auf zwischenstaatliche Streitigkeiten beschränkt war, durch Einsetzung eines Appellationshofes für eine gewisse Gruppe von Urteilen nationaler Gerichtshöfe zu erweitern. Dr. Meyer weist auf die große Reihe von offensichtlichen Fehlurteilen hin, die in der letzten Zeit in den verschiedenen, vom Kampf der Nationalitäten und Konfessionen zerrissenen Staaten ergangen sind, .und die das moralische Bewußtsein der Kulturwelt aufs tiefste verletzten und empörten. Nicht zu reden von der" weit zurückliegenden Affäre Dreyfus, die beinahe mit dem furchtbarsten Justizmorde geendet hätte, braucht man nur an die verschiedenen Pogromprozesse in Rumänien zu denken, bei denen man sich nicht gescheut hat, gegen die Opfer der Pogrome Anklagen zu erheben, um sie nachher freizusprechen und die Pogromisten mit lächerlich kleinen Strafen zu bedenken. Man erinnere sich an den Ha Ismann- Prozeß mit seinen seltsamen Erscheinungen, an die Verurteilung der jüdischen Metzger in Litauen wegen eines angeblichen Mordes auf Grund lächerlicher Indizienbeweise, an die immer wieder auftauchenden Prozesse wegen angeblicher Ritualmorde. In all diesen Fällen, so meint Dr. Meyer, müßte sowohl den Parteien als eventuell auch der nationalen oder religiösen Gemeinschaft, der der Verurteilte angehört, eine Berufung an den internationalen Appellationsgerichtshof, dem alle Welt wegen seiner Unabhängigkeit und Uninteressiertheit höchstes Vertrauen entgegenbringen würde, gestattet sein. Der Vorschlag ist, meint der Frankfurter „Israelit" dazu, so logisch und vernünftig, daß er für sich selber spricht. Leider aber läßt sich kaum annehmen, daß er in absehbarer Zeit Verwirklichung findet. Der Völkerbund ist noch lange nicht so weit, daß er dem eifersüchtig über seine Unabhängigkeit wachenden Souveränitätsbewußtsein der neugeschaffenen östlichen Staatengebilde einen Zügel anlegen und dem Rechtsbewußtsein der Kulturwelt und dem öffentlichen Gewissen eine so sieghafte Genugtuung verschaffen könnte, wie es der Vorschlag Dr. Meyers voraussetzt. Grandsätze für zionistische Wahlproteste. Am 30. November 1930 fanden in der Berliner jüdischen Gemeinde die Wahlen zur Repräsentantenversammlung statt, durch die die bisherige unter zionistischer Führung stehende Mehrheit durch eine antizionistische Majorität ersetzt wurde. Eine Bestätigung der Wahlen ist bisher, nach drei Monaten, noch nicht erfolgt, da von zionistischer Seite Wahlproteste eingereicht worden sind, die noch der Prüfung unterliegen. Auf mehrfache Hinweise auf das in völligem Widerspruch stehende Verhalten der Berliner Zionisten im Jahre 1926 und 1930, das in diesen Blättern bereits einmal kritisiert wurde, hüllt sich die Leitung der „Jüdischen Volkspartei" in tiefstes Schweigen. Für zionistische Wahlproteste scheinen eben folgende Grundsätze maßgeblich, die die Berliner „Jüdische Liberale Zeitung" in ihrer letzten Nummer anführt: § l. Wahlproteste an die Staatsbehörden sind unzulässig, weil sie mit der im Art 137 der Reichsverfassung gewährleisteten Autonomie der Gemeinde in Widerspruch stehen. Abs. 1 gilt nur, falls der Ausfall der Wahlen für die Jüdische Volkspartei günstig gewesen ist Haben die Wahlen hingegen eine liberale Mehrheit geschaffen, so sind Wahlproteste an die Staatsbehörden als zulässig zu betrachten, da Art 137 der Reichsveriassung die Autonomie der Gemeinde nur begrenzt anerkennt §2. Bei der Staatsbehörde eingelegte Proteste dürfen mit Rücksicht auf § 1 Abs. 1 die Einberufung der. neuen Repräsentantenversammlung nicht verhindern. Abs. 1 gilt nur, falls der Ausfall der Wahlen für die Jüdische Volkspartei günstig gewesen ist Haben die Wahlen hingegen eine liberale Mehrheit geschaffen, so |»Muiiiininiii«iiiiiiim^ I fORNEflilE fAPIILIEN - PENSION I Xi'yf* m X' XSlr!: täglich 5-Uhr-Tee ISEHNEBING TELEPHON 11 [Hochstraße 43 _ neben Hotel Panhans g Mäßige Preise, Zimmer mit Pension S 12.—aufwärts M Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser j s in jedem Zimmer. Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein» Besitzer j hat die Einberufung der alten Repräsentantenversammlung zu erfolgen, solange; eine Bestätigung der Wahlen aussteht §3. Hat die neue, noch nicht bestätigte Repräsentantenversammlung eine zionistischen Interessen geneigtere Mehrheit als die alte, so sind Beschlüsse der alten Repräsentantenversammlung gemäß den Bestimmungen der §§ 1,1 und 2,1 im voraus für ungültig zu erklären. Abs. 1 gilt nur, falls der Ausfall der Wahlen für die Jüdische Volkspartei günstig gewesen ist Hat hingegen die neue, noch nicht bestätigte Repräsentantenversammlung eine zionistischen Interessen weniger geneigte Mehrheit als die alte, so ist die Herbeiführung von Beschlüssen der alten Repräsentantenversammlung gemäß den Bestimmungen der §§ 1,2 und 2,2 zu betreiben. §4. Werden Wahlproteste eingelegt so ist hiergegen in der weitesten Oeffentlichkeit mit aller Entschiedenheit Sturm zu laufen. Abs. 1 gilt nur gegenüber liberalen Protesten im Falle eines für die Jüdische Volkspartei günstigen Ausfalles der Wahlen. Werden hingegen von zionistischer Seite gegen eine den Zionisten ungünstige Wahl Proteste eingelegt so ist hierüber in der Oeffentlichkeit völliges Stillschweigen zu bewahren. §5. Bei der Durchführung von § 4 sind Kraftausdrücke, wie „verbrecherisch", „frivol" usw. anzuwenden, unter Hinweis darauf, daß dringendste soziale Aufgaben, wichtigste Finanzfragen und gewaltige Verwaltungsaufgaben der Gemeinde infolge der Proteste nicht erledigt werden können. Abs. 1 gilt nur, falls der Ausfall der Wahlen für die Jüdische Volkspartei günstig gewesen ist Haben die Wahlen hingegen eine liberale Mehrheit ergeben, so ist zu betonen, daß durch die eingelegten Proteste die Arbeiten der Gemeinde keinerlei Verzögerung erleiden. § 6. Bei der Durchführung von § 4 ist ferner insbesondere an das jüdische Selbstbewußtsein zu appellieren und es ist mit Schärfe zu verdammen, daß man innerjüdische Angelegenheiten einer nichtjüdischen („christlichen") Behörde zur Entscheidung unterbreitet. Abs. 1 gilt nur, falls der Ausfall der Wahlen für die Jüdische Volkspartei günstig gewesen ist Haben die Wahlen hingegen eine liberale Mehrheit ergeben, so ist zu betonen, daß die Proteste bei der zuständigen durch Gesetz und Gemeindestatut bestimmten staatlichen Aufsichtsbehörde eingereicht sind. Staatlich geprüfte Pianistin (langjährige Schülerin des Prof. Wolf söhn) erteilt Klavier- Unterricht Routinierte Korrepetltorin und Begleiterin, Zuschriften an das Sekretariat der „Union". Jeder j£eser hat dasWortl Zustfuiiften. «ras dem (ftiofifaim. Die Stellungnahme der jüdischen Frau zur Politik. Die Mutter, die die hohe Mission, ihre Kinder; geistig und körperlich zu erziehen, erfüllt, müßte sich ihrer Lebensauffassungen und Prinzipien klar, sein, um das denkende, heranwachsende Kind im richtigen Sehen und Begreifen unterweisen zu können, wenn das reale Leben mit den vielen- Problemen an es herantritt. Der Jugendliche hört und liest die divergierendsten Meinungen über viele Lebensfragen, zu denen er gerne Stellung nehmen möchte. Gewöhnlich sind es Phrasen, tönende Schlagworte, die glänzen und blenden, die anziehen und ihre jungen, skrupellosen Anhänger zu begeisterten Fahnenträgern machen. Welcher politischen Richtung man angehöre — diese Frage wird bereits in der Schule angeschnitten und mit roten Köpfen darüber disputiert. Ja, gewiß, man müsse sich doch zu einer Partei deklarieren, sich mit einer Richtung identifizieren können, sonst zähle man zu den Indolenten, zu den Passiven! die ihre Lebensaufgabe nicht erfüllen, die Drohnen im Weltgetriebe sind. Die Jugend will vor ihrer nächsten Umgebung keine Unwissenheit eingestehen, sie schämt sich vor den Eltern und Geschwistern, geistige Blößen zu zeigen, doch wie und wo sich orientieren, sich umfassenden, intensiven Einblick in die Politik verschaffen? Erzieher der Kinder, Mütter in erster Reihe, sollten ihren Kindern aus dem Chaos des politischen Lebens und Hassens so manches berichten, das zur Aufklärung dienen müßte. Wir Frauen, von der Natur und dem Gesetze der Ethik zu Friedenshüterinnen bestimmt, müssen uns vor Augen halten, daß die Politik es ist, die den Menschen dem Menschtum entfremdet, ihn, der sich einmal für eine bestimmte Idee entscheidet, sich dafür exponiert, zum Fanatiker stempelt. Die Begleiterscheinungen dieser Stürmer sind Scheuklappenallüren für alles Konträre, Indolenz, Haß gegen Alles, das nicht die gleiche Fahne hißt: „Bist du nicht mein Freund, wirst du mein Feind!" ist das Motto der Politiker, das sich nicht nur in der Theorie, sondern auch im Alltag auswirkt. Die Politik kennt nur Anhänger und Gegner einer Richtung und wertet weder Fähigkeiten im Menschen, noch dessen Persönlichkeit, nur sein färbiges Bekenntnis und wird allmählich zum Misanthropen an jenen, die anders denken. Wenn wir scharf und klar sehen, müssen wir zu der Ansicht gelangen, daß die Politik nicht veredelnd, sondern demoralisierend wirkt und beeinflußt. Die geistreichen Worte der Denkerin Lily Braun: „Wir müssen wählen zwischen der fremden Wahrheit und unserer Wahrheit. Wir werden zu Lügnern, wenn wir bequem und gedankenlos nach der fertigen Wahrheit der anderen greifen. Wer wahr sein will, muß frei sein von den Ketten, in die Erziehung und Bildung uns geschmiedet haben! Was du nicht selbst erwirbst, ■■■■■■iuniiiiiiiniiiiiiiuniiii| jj Berühmte jüdische Männer 5 s onfl f ranen in der Musih ■ ■ u. A. Alfred GrOnfeld, Bronislav Hubermann, 5 ■ Fritz Kreisler, Moszkowsky, Rubinstein, ■ 5 Jascha Helfez, jehudo Menuhln, Mischa 5 ■ Elmann, Josef Rosenblatt, Sulzer, Dushkln, ■ ■ Erika Norlnl und das Rose«Quartett können 5 ■ Sie jederzeit in Ihrem Heim auf elektrisch aufge- ■ ■ » nommenen Schallplatten hören. S ■ Ausführliche Verzeichnisse auf Wunsch kostenlos im ■ ■ Musikhaus LEO TUBLIN; ■ Cnaslk*Vnlonl ■ ■ Wien L, Jasomirgottstraße 6. — Tel. U 26-9-84 ■