Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 9 (27.2.1931)
- Date
- 1931-02-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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3fifte 6 Dg WAHRHEIT Diskussion «ab Herr Prof. Dr. M. Eisler eine begriffliche Formulierung der jüdischen Kunst, die heute in neuen Firmen wiedergeschaffen werden müßte, Prof. Dr. J. Bronner erzählte von den Schwierigkeiten, mit denen das jüdische Museum zu kämpfen hat Im Schlußwort bat der Referent, daß die „Union" den von ihr eingeschlagenen Weg jüdischer Kulturarbeit weiter fortsetzen möge. Veransfaltungskalender der „UNION" Mittwoch, den 4. März, 8 Uhr abends, in den Räumen der „Union", IX., Bergeasse Nr, 4. Sitzung des Zentralvorstandes. Donnerstag, den 5. März, Uhr abends, im Klublokal des Cafe Cen tr a 1, IL, Taborstraße 8, Mitgliederversammlung der Beziriesorganisation IL Vortrag S. Taubes: „Psychologie des Antisemitismus4'. Voranzeigen. Dienstag, den 10. März, Y2S Uhr abends, im Goldsaal des Cafe Silier,!. Bz., Schwedenplatz, cand. Phil. Julius Carlebach (Hamburg): „Das Problem der jüdischen Jugend'*. Donnerstag, den 12. März, V28 Uhr abends, im Festsaal des Handelsmuseutns, DL, Berggasse 16, Professor der katholischen Universität rreiburg, Schweiz, Dr. Vinzenz Zapletal, „Simson und seine Zeit". * Sonntag, den 15. März, 10 Uhr vorm., Besuch des „Jüdischen Museums", IL, Malzgasse 16. Führung durch Kustos Prof. Doktor Jakob Bronn er. Rechtzeitige Anmeldungen an das Sekretariat der „Union" erbeten. Die «eattcMMerrcldilscher and die Jaden Jageadgrappe des LeopofdstSdter TempeJvereloes „Aeschef Awronom" veranstalten anläßlich des ■ SoonUg, den 8. März, 7 Uhr abends, im Fest« ■ Saale des Hotel Continental, IL, Taborstraße. eine 2 AKADEMIE MIT TANZ S Mitwirkende: 8 Walter Haber <Burgtbeater), S Doddy Delisson Suse Micfaaiek, Max Brod, Viktor Stern au, Kantor L Rosenwald, Liesl Weinberger (Tanzschule Bodenwieser). Conference: Fred Kurt. Erstklassige Jazzmusik. „The Hot Fellows." Eintrittspreis S 3.— Kartenvonnertamgen im Sekretariat der „Union", DC, Berggasse 4, Tel. A 19-2-77, in der Redaktion der „Wahrheit", II, HeinestraBe 13, Tel. R 46-2-16, und beim Obmann der Jugendgruppe Erich Wecbler, IL, Josefinengasse 4. Tel. R 41-7-79. Die Pessacfa-flilfe für die russischen Juden. Der Schwiegersohn des Oberrabbiners S c h n e e r s o h n („Lubawitscher Rebbe"), Herr S. G d u r a r y, teilt der Ita mit, daß es sich bei der Pessach-fiilfe für die Juden Rußlands, für die Rabbi Schneersohn einen Aufruf erlassen hat, nicht um Mazzoth-Sendungen, sondern um Mehlsendungen handelt Die Durchführung von Mazzothsendungen nach Rußland ist in Anbetracht des außerordentlich hohen Zolls nicht möglich. Es empfiehlt sich daher, nur Pessach-Mehlpakete zu senden. NÄCHHILFE :o.>. Latein, Französisdi und Italie- - Illach erteilt billigst geübter Lehrer Anfragen a. d. Administration Wahrheiten vom Sage Rückkehr zur Barbarei. Das offizielle Organ der katholischen Kirche „Osservatore Romano" veröffentlicht unter dem Titel „Rückkehr zur Barbarei" einen Artikel, in dem Hitler und der Nationalsozialismus in schärfster Form verurteilt werden. „Osservatore Romano" findet sehr scharfe Ausdrücke gegen diePseudomoral der Anhänger Hitlers, die den Grundsatz proklamieren, daß Schwache und Kampfunfähige aus dem gesellschaftlichen Leben ausgestoßen und eventuell auch umgebracht werden dürfen. Diese Moral, erklärt das Organ des Vatikans, erinnert an die p r i m itivsten Anschauungen barbarischer Völker. Im Interesse der Erhaltung der Gesundheit der ganzen Menschheit, schreibt „Osservatore Romano" zum Schluß, sei die Internierung der Schöpfer des neuen „hitlerischen Moralkodex" in einer A n s t a 11 f ü r. g e m e i n g e f ä h r1 i c h e wahnsinnige Verbrecher wünschenswert. Die erste Konsequenz des zionistischen Parteitages. In der österreichischen zionistischen Bewegung hat sich ein „bedeutungsvolles" Ereignis vollzogen. Oberbaurat Robert Stricker, der seit dem Austritte der von ihm geführten „Demokratischen Zionisten" aus dem Weltverband der radikalen Zionisten sozusagen keine politische Heimat mehr hatte, hat nun den Anschluß an eine Organisation gefunden, der seine Mannen stets mit besonderer Sympathie gegenüberstanden. Die Führerschaft — wie großartig sich das anhört — der Demokratischen Zionisten hat letzthin mit Zweidrittelmajorität beschlossen, sich der Union der Ziönistenrevisionisten anzuschließen. Stricker ist damit bei einem Endpunkt seiner zionistischen Entwicklung angelangt, der man eine gewisse Geradlinigkeit nicht absprechen kann. Auch der politische Gegner muß es anerkennen, daß Strickers ganzes Sinnen und Trachten immer nur auf die „Eroberung des Judenstaates" gerichtet war. Wenn er nun heute dieses Ziel selbst bei den radikalen Zionisten nicht erreichbar sieht, weil auch diese letzthin den Kompromißweg beschritten haben, so ist es nur folgerichtig, daß er sich nun den ganz extremen Revisionisten anschließt Die wissen, was sie wollen, und das führt Stricker zu ihnen. Er war seit jeher ein Gegner jeglicher . Kompromißpolitik und deshalb immer Weizmanns erbitterter Feind. Ob die Revisionisten, wenn sie einmal an die Macht gelangen sollten, nicht ebenfalls Opportunitätspolitik machen werden, bleibe dahingestellt. Das eine aber ist klar: bleiben sie — auch als führende Majorität — auf der jetzt bezogenen Linie des entschiedenen Anspruches auf Palästina als Judenstaat, dann muß eine solche konsequente Politik endlich einmal Klarheit in dieses für die gesamte Judenheit höchst bedeutungsvolle Problem bringen und wird voraussichtlich zum Zwist mit den Arabern und auch zum Bruch mit England führen. Stricker mag auch diese Konsequenz schon bedacht haben, es entspricht aber seiner, jedem Kompromiß abgeneigten politischen Natur auch hier noch den äußersten Radikalismus für,die Judenheit besser als opportunistische Schaukelpolitik zu finden, wie sie bei der heutigen zionistischen Mehrheit gang und gäbe geworden ist VonWodke zu Wothe Herr Präsident Prof. Dr. A. Pick und Herr Kultusvorstand Börserat I. Glück hatten am letzten Sonntag nachmittags einen Autounfall, der glücklicherweise recht glimpflich ablief. Die beiden Herren hatten der vom Hietzinger Tempelverein für den verstorbenen Regierungsrat Dr. H. Krenberger veranstalteten Trauerfeier beigewohnt. An der Kreuzung Schönbrunner Schloßallee und Hietzinger Hauptstraße fuhr in das von ihnen besetzte Auto ein Privatauto hinein und warf ihren Wagen um. Er wurde schwer beschädigt, sämtliche Fensterscheiben gingen in Trümmer. Börserat I. Glück blieb erfreulicherweise vollkommen unverletzt und konnte sich selbst aus dem Wrack des Wagens befreien. Präsident Prof. Dr. Ä. Pick erlitt wohl eine Muskelzerrung im Rücken, doch ist die Verletzung glücklicherweise so leicht, daß der Patient in einigen Tagen wieder hergestellt sein dürfte. Die beiden Herren, die ein gütiges Geschick aus einer sehr gefährlichen Situation errettet hat, Radlonnderammopflone Radio/neueste Typen, auch Umbau und Tausch älter Apparate. Schallplatten hervorragendster Künstler und neuester Schlager, audiTatisch. Zahlungserleichterung. Radiohaus „ELPHORA" I.» Domlnlkanerbastel 22, Tel. R 24-4-16 (I., Kai 7/») wurden, als die Nachricht von dem glücklich verlaufenen Autouniall bekannt wurde, mit Glückwunschkundgebungen aus allen Kreisen der Wiener Judenschaft überschüttet. Allenthalben wurde der. großen Freude über die glückliche Errettung Ausdruck gegeben. Die Chewra Kadischa I veranstaltete, wie alljährlich, auch heuer am Vorabend des traditionell len Todestages Moses (Montag, den 23. d. M., 7 Uhr abends) im großen Leopoldstädter Tempel eine Gedächtnisfeier für die im abgelaufenen Jahre verstorbenen Vereinsmitglieder. Der 'erhebenden Feier wohnte ein zahlreiches Publikum bei, man bemerkte u. a. den Vizepräsidenten der Kültusgemeinde Dr. J. O r n s t e i n und die Kultusvorsteher Börserat I. Glück, Edmund Hof mann und Börserat J. H. Waltuch, zahlreiche Vorstandsmitglieder der Chewra Kadischa mit Präsident Dr. W. P a p p e n h e i m an der Spitze, viele Mit-' glieder des Delegiertenverbandes der Chewra Kadischa, geführt von dessen Präsidium (Dr. Ernst Feldsberg, Paul Schwarzstein und Ehrenobmann Josef Dohan), viele Mitglieder des Bethausvorstandes mit Präsident Dr. E. M ü n z an der Spitze, Amtsleiter W. F r e i s t a d t ü. v. a. Nach dem von Oberkantor G. Marguli es vorgetragenen Maariw-Gebete und dem von ihm unter Assistenz eines großen Chores ergreifend rezitierten Schiwissi hielt Rabbiner Dr. I. Tag licht die Gedenkrede, in der er, von der Lichtgestalt Moses, des Verkünders der Herzensgüte und Menschenliebe ausgehend, das menschenfreundliche Wirken der Chewra Kadischa eingehend würdigte. Er gedachte sodann, während die Trauerversammlung sich von ihren Plätzen erhob, der im abgelaufenen Jahre dahingeschiedenen Vereinsmitglieder, insbesondere des Vorstandsmitgliedes Jakob Tr eb i t s c h und des vor einigen Tagen zu Grabe getragenen unvergeßlichen Ehrenmitgliedes des Vereines, Rektor Hofrat Dr. Adolf Schwarz. Mit einem eindrucksvoll El mole rachamim des Herrn Oberkantor G. Margulies fand die erhebende Trauerfeier ihren Abschluß. Verlobungsanzeige. Fräulein Käthe S t e r n f e 1 d, Tochter des . bekannten Kultusrates und Vorstandsmitgliedes der „Schifrschul" Herrn Michael Sternfeld, hat sich mit Herrn Samuel Wilhelm von Freudiger, Sohn des in ungarischen orthodoxen Kreisen überaus hochgeschätzten Herrn Abraham von Freudiger! verlobt. Trauerkundgebung für Reg.-Rat Direktor Doktor S. Krenberger s. A. Sonntag, den 22. Februar fand um 5 Uhr nachmittags im Tempel XIII., Eitelbergergasse, ein vom israelitischen Tempelverein für den XIII. Bezirk dem Andenken seines langjährigen Präsidenten und Ehrenpräsidenten Reg.-Rat Dr. S. Krenberger gewidmeter Trauergottesdienst statt. Zu der Trauerfeier hatten sich die Familienmitglieder des Verblichenen, der Gesamtvorstand des Tempelvereines unter Führung des Präsidenten H. K u n e r, sowie zahlreiche Freunde und Verehrer des Verstorbenen eingefunden. In Vertretung^ der Wiener israelitischen Kultusgemeinde erschien Präsident Prof. Dr. Alois Pick; ferner sah man Delegationen sämtlicher Wiener Tempelvereine mit Verbandspräsidenten Kultusvorsteher Börserat I. Glück an der Spitze, Abordnungen humanitärer und Frauenvereine, sowie Vorstandsmitglieder und Mitglieder der „E i n h e i t", dessen Schriftführer Reg.-Rat Dr. S. Krenberger ein Vierteljahrhundert war. Nachdem I. Kantor Stern das Minchagebet und Oberkantor S. Einhorn, begleitet von dem Tempelchor den Trauerpalm „Schiwissi" wirkungsvoll^ zum Vortrage gebracht, betrat. Rabbiner Prof. Dr. Lewin die Kanzel, um dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf zu halten, der auf die Anwesenden einen mächtigen Eindruck machte. Er schilderte den Lebenslauf des Dahingeschiedenen, sein Familienleben und gedachte des hingebungsvollen, aufopferungsvollen. Wirkens dieses ausgezeichneten Menschen, das nebst dem