Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 8 (20.2.1931)
- Date
- 1931-02-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 9 VonWodke zu Wodke Berlin. Wiederum hat der Tod eine tiefe Lücke in die Reihe der Führer der Berliner Jüdischen Gemeinde gerissen. Einen Tag nach dem Ableben des früheren Vorsitzenden, zuletzt stellvertretenden Vorsitzenden der Berliner Jüdischen Gemeinde, Kommerzienrat Gerson Simon, verstarb im Alter von 67 Jahren Herr Eugen Caspary, der Vorsitzende des Wohlfahrts- und Jugendamtes der Berliner Jüdischen Gemeinde und frühere langjährige Vorsitzende der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen "Juden. 40 Jahre seines Lebens hat Caspary ehrenamtlich im Dienste der Jüdischen Gemeinde gearbeitet, und seine Arbeit war vorbildlich für das Wohlfahrtswesen in den übrigen deutschen Großgemeinden. 1863 in Berlin geboren, propagierte er mit 27 Jahren die Arbeitsbeschaffung für die entlassenen jüdischen Strafgefangenen. Mit 30 Jahren trat er, in verschiedenen Wohlfahrtskommission tätig, für die Einführung moderner Fürsorgemethoden ein. Als Repräsentant der Jüdischen Gemeinde übernahm er die ehrenamtliche Leitung des neugeschaffenen und von ihm selbst organisierten Wohlfahrts- und Jugendamtes der Jüdischen Gemeinde und modernisierte in den Jahren größter Not, in der Zeit der Inflation, der Verarmung des Mittelstandes und der ostjüdischen Zuwanderung mit Hilfe von etwa 1000 ehrenamtlichen Helfern das Fürsorgewesen, begründete Küchen, Kinderhorte und -gärten, Jugendheime, Lehrwerkstätten, Arbeitsstuben, eine Darlehenskasse usw. Caspary führte einerseits eine konsequente Dezentralisation durch, schuf in allen Stadtteilen Bezirkskomitees, konzentrierte aber anderseits frühere Spezialgebiete wie Stiftungswesen, Waisenkommissionen. Sammelvormundschaften usw. Auch im Wohlfahrtswesen der Logen (U. O. B. B.) war er tätig, fm Jahre 1917 gründete Eugen Caspary die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und war von 1919 bis 1926 deren Vorsitzender. In zahlreichen Aufsätzen nahm Caspary Stellung zu Fragen der jüdischen. Wohlfahrtspflege. Rabbiner Dr. Max Gninwald. Wir erhalten von einer Anzahl Besucher des großen Leopoldstädter Tempels folgende Zuschrift: „Sehr geehrte Redaktion! Wir haben den ausgezeichneten Artikel des Herrn Landesrabbiners Dr. Viktor Kur rein in der vorigen Nummer Ihres geschätzten Blattes mit Interesse und Zustimmung gelesen, doch vermissen wir in demselben die Registrierung einer Leistung des Herrn Rabbiner Dr. Grunwald. für die wir Leopoldstädter Juden ihm ewig dankbar sein werden. Unmittelbar nach dem verheerenden Brande, dem der große Leopoldstädter Gemeindetempel zum Opfer fiel, wurde ein Aktionskomitee für seinen Wiederaufbau gegründet. Diese wackeren Männer haben Rabbiner Dr. Max Grunwald zu ihrem Protektor gewählt. Er war es, der von allem Anfang an mit seinem ganzen edlen Eifer den Bestrebungen dieses Komitees Nachdruck verlieh. Er war es, der unermüdlich in Wort und Schrift daran erinnerte, daß es unsere Pflicht ist, das heilige Erbe, das wir von unseren Vätern empfangen haben, in gleicher Pracht unseren Kindern wieder zu übergeben. Rabbiner Dr. Max Grunwald hat die Angelegenheit des Tempelbaues an der Spitze seiner ausgezeichneten Mitarbeiter volle vier Jahre mit nicht zu überbietender Energie betrieben, sein Name wird mit dem herrlichen Gotteshause für ewige Zeiten verbunden bleiben." Die Union demokratischer Juden in Bielitz hat am 7. Februar ihre diesjährige Generalversammlung abgehalten, welche vom Obmann, Herrn Heinrich Braun, geleitet wurde. In herzlichen Worten begrüßte er die zahlreich Erschienenen, hielt den Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf und erstattete einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit des Vereines im verflossenen Jahr, der von den Anwesenden mit lautem Beifall aufgenommen wurde. Auch die darauf folgende Wahl, in welcher der vorgeschlagene Vorstand und Ausschuß einstimmig genehmigt wurde, zeigte, daß die Anwesenden mit der Leitung und Tätigkeit des Vorstandes einverstanden sind. In einem sehr ausführlichen, außerordentlich interessanten Referat über die Weltwirtschaftskrise beleuchtete Prof. Feuerstein die jetzige Wirtschaftslage. In sehr klaren, sachlich und gedanklich außerordentlich gut durchgearbeiteten Betrachtungen sprach der Redner von der durch den Krieg hervorgerufenen politischen Weltkrise, erläuterte die sich daraus ergebende Lederhandschuhfabrik Josef TjasCmger 1., Rotenturmstraße 23 Telephon II 25-3-29 * IL, HoUandstraße 11 Telephon A 47-2-40 Weltwirtschaftskrise und beleuchtete dann die derzeitige wirtschaftliche Lage in Polen, unter besonderer Berücksichtigung der katastrophalen Situation der jüdischen Bevölkerung. Nach dem ausgezeichneten Referate wurde die Debatte eröffnet, in deren Verlaufe eine Anzahl Redner verschiedene parteiliche Angelegenheiten besprachen. — Hierauf schloß der Vorsitzende die aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung sehr stark besuchte Versammlung. Die Verwaltung der Versorgungs-Anstalt der israelitischen Kultusgemeinde, Wien IX., Seegasse 9, sendet uns folgendes Dankschreiben: „An die verehrliche Redaktion der Wahrheit, Wien. Der Aufruf in Ihrem sehr geschätzten Blatte bezüglich Spenden von Radio-Apparaten und Hörern hat einen schönen Erfolg gezeitigt. Von nah und fern haben Wohltäter unseren armen Pfleglingen solche Apparate und Hörer zur Verfügung gestellt und so diesen armen Menschen große Freude bereitet. Die gef. Leitung der israelitischen Versorgungs- und Siechenanstalt nimmt gerne den Anlaß wahr, sowohl den gütigen Spendern als auch der Redaktion den herzlichsten Dank namens der Beteilten zu übermitteln. Mit dem Ausdrucke vorzüglichster Hochachtung die Verwaltung der Versorgungsanstalt der israelitischen Kultusgemeinde Wien: Dr. H. Körner m. p., Oberverwalter Josef Popper m. p." * Die Redaktion unseres Blattes, die mit der Veröffentlichung des Aufrufes nur einer jüdischen Pflicht gerecht wurde, erneuert die Bitte an unsere Leser, durch Ueberlassung überflüssig gewordener Detektorapparate die Insassen der Anstalt zu erfreuen. Hilfsaktion der Alliance Israelite für die Juden Polens. Unter dem erschütternden Eindruck der in letzter Zeit über die entsetzliche Notlage der jüdischen Bevölkerung in Polen eingetroffenen Nachrichten hat die Alliance Israelite Universelle beschlossen, eine sofortige Hilfsaktion einzuleiten, und hat zunächst den Betrag von 100.000 Franken zur Linderung der ärgsten Not nach Polen überwiesen. 50. Geburtstag. Der in weiten kaufmännischen Kreisen bekannte leitende Direktor des Kreditorenvereines von 1870, Herr Kommerzialrat Dr. Leopold Berg, feierte dieser Tage seinen 50. Geburtstag. Was man in Rumänien schreiben darf. Ungeachtet der Maßnahmen, die die Regierung gegen die antisemitischen Geheimorganisationen und ihre Presse getroffen hat, fährt diese Presse in der blutrünstigen Hetze gegen die Juden fort. Das Hetzblatt „Salvarea Patriei si a neamului Romanesc" aus Targu- Jiu protestiert gegen die in seiner Redaktion vorgenommene Hausdurchsuchung und behauptet, die „jüdische Internationale" habe die zwei großen rumänischen Staatsmänner Jone! und Vintila Bratianu ermorden lassen, diese Internationale habe den Weltkrieg entfesselt, um die christlichen Völker einem Ausrottungskampf auszuliefern. Es heißt dann wörtlich: „Die christliche Religion und die Gefühle der Humanität bewegen uns dazu, die Kinder Judas zu warnen, daß sie um ihres Lebens willen nicht versuchen sollen, ihren Willen gegenüber der heroischen rumänischen Nation durchzusetzen. Sonst werden die Rumänen im kommenden Frühjahr mit einer noch nicht erlebten Gewalt, mit der Wut der Verzweiflung sich erheben. Und bis Europa herbeieilen wird, um eine verbrecherische und ungerechte Sache zu verteidigen, werden die Rumänien mit den Waffen in der Hand dieses göttliche und nationale Problem definitiv gelöst haben! Die die Juden beschützende Internationale wird dann kein Objekt mehr zu beschützen haben. Bis zum kommenden Frühjahr wird die Welt erfahren, daß zwischen der Theiß und dem Dnjestr der Krieg erklärt worden ist: der Krieg der christlichen Rumänen gegen die Eindringlinge aus dem Samen Judas!" Veweinsma&vidkten Chewra Kadischa I. Der Vorstand der Chewra Kadischa veranstaltet Montag, den 23. Februar 1931. 7 Uhr abends, im Gemeindetempel, Wien II., Tempelgasse 3. eine Gedächtnisfeier für die im abgelaufenen Jahre verstorbenen Vereinsmitglieder. „Chewra Kadischa" für den 16. und 17. Bezirk in Wien. Sonntag, den 22. Februar 1931. um 10 Uhr vormittags, findet im Sitzungssaale des Kultusbezirksamtes, XVI., Hubergasse 8. die 22. ordentliche Generalversammlung dieses Vereines statt. — Montag, den 23. Februar 1931, um 7 Uhr abends, veranstaltet der Vorstand des genannten Vereines, wie alljährlich, im Gemeindetempel. XVL, Hubergasse 8. für die verstorbenen Mitglieder ein feierliches Requiem. Der Jüdische Frauen-Wohltätigkeits-Verein. Wien X.. Humboldtgasse 27. veranstaltet am Samstag, den 21. Februar 1931. um 8 Uhr abends, in den Sälen des Hotel Continental. Wien IL. TaborstraBe 4. ein Maskenfest unter der Devise: Unter den Dächern von Wien. Karten sind zu haben: Im Juweliergeschäft B. Scher. Wien X., Viktor-Adler- Platz 13, sowie bei allen Vorstandsdamen. Das Retaerträgnis fließt einem eminent wohltätigen Zwecke (Kinder aufs Land) zu. SettHwarealalnrilf streng Eiscn&lTOiiigslKr.Wieii n., noMgasse s Selchwaren und Restauration Vorzüglicher Mittag- und Abendtisch zu bürgerlichen Preisen U. Pralerstraüe 5$ (Neben dem Carltheater) Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien. IL Ferdinandstraße 23/8. Montag, den 23. Februar 1931. um 'AS Uhr abends, findet im Klubsaale Wien I., Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashof, eigener Eingang, Souterrain), ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. B. Murmelstein : „Jüdischchristliche Polemik im talmudischen Z e i t a 11 e r", statt. Eintritt frei. Gäste willkommen. Ohel Rachel. Der schon seit 10 Jahren überaus segensreich wirkende Verein „Ohel Rachel" zur unentgeltlichen Ausspeisung jüdischer Notleidender, Wien IL, Kleine Pfarrgasse 8, veranstaltet am 24. Februar 1931 im großen Saale des Hotel Stefanie, II.. TaborstraBe 12, einen amüsanten Theaterabend, dessen Reinerträgnis ausschließlich den edlen Vereinszwecken zugeführt wird. Wir appellieren an unsere Gönner und Freunde und alle mitfühlenden Glaubensgenossen und bitten sie. durch den Besuch dieses Abends ein Scherflein beizutragen für unsere höchst karitativen Ziele, Karten sind erhältlich bei der Vereinsleitung: II., Kleine Pfarrgasse 8, im Cafe Buchsbaum, II.. Kleine Pfarrgasse Nr. 21 und am 24. Februar an der Kassa im Hotel Stefanie. II., TaborstraBe 12. Die Vereinsleitung. Der Frauenverein. XIV.. Storchengasse, veranstaltet am Dienstag, den 3. März 1931 in den Mariensälen, XIV.. Reindorfgasse 3, eine Künstler- Akademie. Beginn präzise J48 Uhr abends. Ihre Mitwirkung haben zugesagt: Herr Jungwirth. Staatsopernsänger Arnold, Suse Michalek. Violinvirtuose Paschkusch, Viktor Sternau. Hugo Wiener und Fritz A11 m a n n and his Band. (ßrieffrästen. Ignotus. Der Angefragte ist im Jahre 1909 aus Prag hierher zugereist und evangelisch gemeldet. Vorzügliche Mazzoth. Die von Herrn N. Brodel z k y mit großen Opfern umgebaute, wirklich mustergültige Mazzothfabrik in Floridsdorf ist nach den Grundsätzen der überaus anspruchsvollen modernen Hygiene und auf Grund der neuesten technischen Errungenschaften eingerichtet, ebenso halten die im Betriebe stehenden Maschinen jeden Vergleich mit den sonst nur in Amerika befindlichen aus. Es erübrigt sich hervorzuheben, daß selbstverständlich auch alle Kaschruthvorschriften, unter ständiger Kontrolle verläßlicher Maschgichim. peinlichst genau eingehalten werden. 7Imtfid)e Verfautdarungen der Jsraefitisdjen Xuftusgemeinöe Wien Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 21. Februar 1931, findet um 3 Uhr nachmittags der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen statt Predigten in den israelitischen Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Freitag, den 20. Februar 1931, werden bei dem um 5 Uhr 20 Minuten beginnenden Abendgottesdienst in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: 1.. Seitenstettengasse 4 (Rabbiner Dr. I. T a g 1 i c h t), II., Tempelgasse 3 (Rabbiner Dr. J. M. Bach). V., Siebenbrunnengasse la (Rabbiner Dr. M. G. M e h r e r). Samstag, den 21. Februar 1931, lA4 Uhr nachmittags, II., Pazmanitengasse 6. Religiös-populärer Vortrags-Zyklus: „Die Lehrer und Lehren der Mischnah und der Gemarah" (Rabb. Dr. Z. Taubes), 4 Uhr nachmittags Exegetischer Vortrag, XIX., Dollinergasse 3 (Rabb. Dr. A. Frankfurter). Aenderung der Telephon-Nummern der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Ab Dienstag, den 17. Februar d. J„ 8 Uhr vormittags, werden während der Amtsstunden (8 bis 3 Uhr), sämtliche Abteilungen der Israelitischen Kultusgememde Wien L. Seitenstettengasse 2—4. telephonisch unter Serie U25-5-85 erreichbar sein. Nach Schlug der Amtsstunden (3 Uhr nachmittags) sind das Präsidium und die Sitzungssäle unter den Nummern U25-5-85 und U25-5-86, die Amtsdirektion unter U25-5-87, und der Hauswart unter U25-3-88 anzurufen. Die Separatumnmera des Steueramtes: 1)29-0-02 und des Friedhoiamtes: U24-4-54 und U 27-1-64 bleiben auch weiterhin aufrecht