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Die Wahrheit · 1931-02-20 · Heft 8 (20.2.1931) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 8 (20.2.1931)
Date
1931-02-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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EchteHPege^ durchwegs günstige Gelegenheitskäufe, werden mit ganz kleinem Nutzen im WIEDNER MÖBELHEIM Inh. JULIUS GÖTZL Handig. beeld. Sachv. u. Schatzmeister IV.,SCHLEJFMUHLGASSE1a TELEPHON B 24-1-6a billigst abgegeben; daselbst sind auch elegante Schlaf- und Speisezimmer, Herrenzimmer, teils neu, teils gebraucht, zu verkaufen. In der Kinderspitalambulanz der Israelitischen Kultusgemeinde im Augarten sind im Jahre 1930 11.051 Ordinationen unentgeltlich vorgenommen worden. Die Gesamtausgaben für das Kinderspitalambulatorium haben S 34323.— erfordert. Im städtischen Versorgungshause Lainz wurde für 22 Pfleglinge, welche auf rituelle Verköstigung reflektierten. Frühstück, Mittag und Nachtmahl beigestellt und hierfür ein Betrag von S 12.470.— verausgabt. In der offenen Armenpflege sind S 123.598— für Ferienaktionen und für „Verlassene Kinder" S 106.810.— verausgabt worden. Für Jugendfürsorgezwecke aliein hat der Aufwand im Jahre 1930 S 216.377.— betragen. Die Jugendfürsorge hatte sich mit 18.089 Fällen zu befassen. Hiervon entfallen auf Jugendgerichtsfälle 1273, auf Vormundschaftsfälle 1082 und auf sonstige Pfleg- .schaftsfälle 15.734 Parteien. Das Konto „Subventionen an Vereine und Fürsorge-Aktionen" weist pro 1930 einen Aufwand von -S 141.769.— auf. Die gesamten Ausgaben für das Kapitel „Fürsorgewesen" beliefen sich im Jahre 1930 auf S 2,149.829.—. D. Friedhof- und Beerdigungswesen. Im Jahre 1930 wurden seitens der Kultusgemeinde 2431 Beerdigungen (2348 Erwachsene. 83 Kinder), ^4 Ueberführungen von Leichen nach auswärts, 139 Krematoriumstransporte und 23 Exhumierungen durchgeführt. Von den Beerdigungen entfallen auf den Zentralfriedhof (I. Tor) 687, auf den Neuen israelitischen Friedhof 1704, auf den israelitischen Friedhof im 21. Bezirk 12, und auf den Döblinger Friedhof 28 Bestattungen. Die Gebühren der 1. Klasse wurden in 31, die der II. Klasse in 83, und die der III. Klasse in 487 Fällen erlegt. Gegen Entrichtung der vollen Gebühr der IV. Klasse, welche bereits geringer ist als die Eigenkosten der Kultusgemeinde, sind 663 Berdigungen, gegen ermäßigte Gebühr der IV. Klasse 443 vollzogen worden, in 8 Fällen wurde die Beerdigung ehrenhalber unentgeltlich, in allen übrigen Fällen wegen Mittellosigkeit taxfrei vorgenommen. E. Alatrikenwesen. Vom Matrikelamte, dessen statistischer Jahresausweis für das Jahr 1930 bereits auszugsweise veröffentlicht wurde, sind im Jahre 1930 taxpflichtige Dokumente 4377, taxfreie 2035 für Parteien, ferner 6914 ex offo Dokumente für Behörden ausgefertigt worden. F. Finanzen. Die Gesamteinnahmen der Israelitischen Kultusgeincinde im Jahre 1930 haben S 6,211.414.—, die Gesamtausgaben S 6,348.749.— betragen, so daß für dieses Verwaltungsjahr allein ein Fehlbetrag von S 137.065.— resultiert, der sich um den aus den Vorjahren vorgetragenen Defizitsaldo von S 94.842.— auf S 231.907— erhöht. In Ermanglung irgendwelcher zur Bedeckung dieses Fehlbetrages heranzuziehender Fonds oder Reserven muß dieser- Fehlbetrag für das Jahr 1931 vorgetragen werden. _ Neuwahlen in der Pester israelitischen Kultusgemeinde. In einer außerordentlichen Generalversammlung unter Vorsitz des überaus verdienstvollen Präsidenten der Gemeinde, Hofrat Samuel Stern, befaßte sich die Pester israelitische Religionsgemeinde mit der Aendcrung der Gemeindestatuten. Die bisherigen Statuten gehen auf das Jahr 1904 zurück. Im neuen Statutenentwurf sind die notwendigen Reformen in kultureller und karitativer Hinsicht, weiterhin die Einbeziehung neuer Schichten., insbesondere von selbständig erwerbstätigen F r a u e n, in die Ausübung des Gemeinde- Wahlrechtes und endlich auch ein neues System der Steuerveranlagung auf Grund der Proportionalität vorgesehen. Mitglied des Kultusgemeinde ist — ganz so wie in Wien — jeder in dem Gebiete der Kultusgemeinde wohnende Jude ohne Rücksicht auf das Geschlecht, sofern er der Kultusgemeinde eine Steuer entrichtet. Es gibt eingetragene und nicht eingetragene Mitglieder. Das passive Wählrecht ist an die Bedingung des erreichten 30. Lebensjahres gebunden. — Die Generalversammlung, die dem Entwurf zustimmte, sprach dem Generalsekretär Alexander E p p 1 e r und dem Gemeindeanwalt Dr. Ernst M u n k ä c s i den Dank für ihre Bemühungen bei der Ausarbeitung der Statuten aus. Dr. Ernst B r o d y dankte dem Präsidium und dem Vorstand für diese Schöpfung. Die demnächst stattfindenden Wahlen in die Körperschaften der Gemeinde werden, auf Grund des neuen Statutes durchgeführt werden. Der Wahlkampf hat bereits eingesetzt. So stellte sich der bekannte Reichsratsabgeordnete Paul S ä n d o r an die Spitze einer neugegründeten Kultuspartei, deren Exekutive bereits 500 Namen von Rang zählt. Paul Sändor wendet sich nun an die jüdischen Wähler Budapests mit folgendem Aufruf: Unser Präsident. Als ich vor Jahr und Tag, den in Betracht kommenden Kreisen Hofrat Samuel Stern als Präsidenten empfahl, war Hofrat Samuel Stern ein neuer Mann für die Budaj>ester Judenschaft. Ich jedoch kannte sein Wirken. Ich hatte auch Gelegenheit, sein gutes jüdisches Herz kennen zu lernen und wußte, daß er eine starke Hand besitzt, ein gerechter, keinen Einflüsterungen zugänglicher, zielbewußter Mann ist, unter dessen Führung die damals von inneren Zerwürfnissen zerrissene Gemeinde die Kraft und Aktionsfähigkeit zurückgewinnen werde. Meine Ansicht bestätigte sich. Mit beispielloser Aufopferung und Einsetzung seiner ganzen Persönlichkeit hat mein geschätzter Freund die Reorganisation der Religionsgemeinde in Angriff genommen. Und was sehen wir heute? Trotz der fürchterlichen wirtschaftlichen Krise funktioniert unsere Gemeinde erstklassig, die Verwaltung ist mustergültig, die Repräsentanz aktionsfähig. Neue Institutionen wurden ins Leben, gerufen, die alten wurden ausgebaut und somit der Bestand der Religionsgemeinde gesichert All dies ist in erster Linie sein Verdienst. Hofrat Samuel Stern ging radikal vor, er hatte weder Furcht, unpopulär zu werden, noch Angst, sich Feinde zu schaffen, obwohl unsere begüterten Glaubensbrüder sehr ungehalten waren, daß er ihre Steuerleistungen wesentlich erhöht hat. Er kümmerte sich nicht darum, gerade in seinem Gesellschaftskreise angefeindet zu werden und führte seine Steueraktion unnachgiebig durch. Einsicht und Mitleid hatte er nur verarmten und zugrunde gegangenen Schichten gegenüber. Der Erfolg hat ihm Recht gegeben. Nicht nur die triste finanzielle Lage der Gemeinde hat er saniert, sondern er brachte auch die Spitäler durch seine persönlichen Bemühungen in kurzer Zeit auf ein beachtliches Niveau. Die Arbeitskraft Dr. Samuel Sterns, seine Opferfreudigkeit und seine Opferwilligkeit benötigen wir auch fernerhin dringendst. Gibt es eine „jüdische Musik"? Bemerkungen zu dem Artikel des Herrn Oberkantors Armin Wilkowit'sch in Eger. Von Oberkantor Gerson Margolies. Um gleich auf den Kernpunkt dieser Frage einzugehen, habe ich folgendes zu bemerken: Nicht der sogenannte „Steiger" allein ist das charakteristische Moment jüdischer Musik, das entscheidende Merkmal liegt vielmehr im „Stile" der Melodie (wie im folgenden Artikel Wolfs ausgeführt ist). Der „Steiger", respektive die zwei Haupttonarten (die übermäßigen Terzen und ganzen Leittöne), bilden das charakteristische Moment nicht allein der jüdischen Musik, sie sind vielmehr charakteristisch für alle orientalischen Gesänge. Das kennzeichnende jüdische Moment liegt vielmehr in der Form und im Stile der Melodie. Zum Beweise hierfür sei folgendes Beispiel angeführt: Wenn man zwei Melodien, die eine von Verdi, die andere von Mozart, beide in derselben „Tonart geschrieben, anhört, wird jeder musikalische Mensch, trotzdem sie in derselben Tonart geschrieben sind, dem Stile nach sofort erkennen, welche Melodie von Mozart und welche von Verdi stammt; dagegen wird er auch eine in derselben Tonart gesungene Melodie eines Kantors sofort als jüdisch erkennen, insoferne dieser den jüdischen Stil beherrscht. Ich will nun zu der von Oberkantor Wilkowitsch angeschnittenen Frage die Ausführungen zweier hervorragender und maßgebender Fachleute anführen. So schreibt Dr. Max Graf: „Sehr geehrter Herr Oberkantor! Auf Ihr freundliches Schreiben antwortend, teiie ich Ihnen mit, daß es meiner Ueberzeugung nach eine jüdische Musik (Synagogalinnsik, Volkslied, moderne Kunstmusik — Milner, Achron, Joel Engel u. a.) gibt, die Ausdruck des jüdischen Volkstums ist und gewiß weiterer Entwicklung und Ausgestaltung zu großen Kunstfcrmen fähig ist. Mit besten Empfehlungen Prof. Dr. Max Graf m. p." Professor Artur Wolf schreibt über „jüdische Musik": Bis zur Renaissance des jüdischen Nationalgedankens hat sich kein jüdischer Historiker. Kritiker oder Musiker die Mühe genommen, nachzuforschen, ob es eine spezifisch jüdische Musik gebe; eine diesbezüglich aufgeworfene Frage wurde im Gegenteil von diesen Herren stets absolut verneint. — Zum Zwecke historischer Vergleichung kommen hier eigentlich nur die einfachsten melodischen Gesangsformen in Betracht. Die Grundelemente einer charakteristischen sogenannten nationalen Musik liegen in den Volksliedern und den religiösen Gesängen, die vor Jahrtausenden von den Völkern erfunden, immer höher entwickelt und bis zu den ersten schriftlich niedergelegten Musikdenkmälern von Generation zu Generation mündlich überliefert wurden. Der Musikhistoriker, der sein Studienmaterial und sein Wissen in den Musikbibliotheken und Museen schöpft, hat Gelegenheit, vom vierten Jahrhundert angefangen, die christliche Musik zu studieren und zu erforschen und den Entwicklungsweg von den primitivsten Anfängen der religiösen und profanen Gesänge an bis zu den höchsten Formen des Kirchengesanges einerseits und der Volkslieder anderseits zu verfolgen. Da findet man merkwürdigerweise, daß die Musikdenkmäler der ersten christlichen Kirchengesänge eine große Aehnlichkeit mit dem jüdisch-traditionellen Tempelgesange aufweisen. Manche Musikschriftsteller frühester Zeit finden Worte höchsten Lobes für diese jüdischen Melodien, andere wieder meinen, die Begründung für dieses Lobsei wenig stichhältig. Sicher ist, daß sich nicht feststellen läßt, wie die Kir°hengesänge der ersten Christen beschaffen waren; man nimmt aber an. daß die ersten Juden-Christen den jüdischen Tempelgesang auch in ihren Kirchen anwendeten, zumal sie auch den Text der jüdischen Psalmen übernommen haben. Schon vor Jahren, während meiner Studienzeit, habe ich einige Musikscbriftsteller auf die Aehnlichkeit mancher gregorianischen Gesänge mit den jüdischen traditionellen Tempelgesängen aufmerksam gemacht und auf einen Hymnus des Guido von Arezzo hingewiesen, der eine große Aehnlichkeit mit gewissen Sabbatgesängen hat. Beispielsweise hatte seinerzeit auch der Oberkantor Moritz Sonntag in meiner Gegenwart dem Kleider sofort Zahlung später Herren- und Dameokleider nach Hill and fertig nur erstklassige Stoffe, his «2 Monate Kredit Kleiderhaus Werter, Wien XYl., Ottahrlngerstr. Ii Tel. A2i-soi Oberkantor Don Fuchs eine Melodie vorgesungen, die in einer römischen Kirchenbibliothek gefunden worden war und eine frappante Aehnlichkeit mit der traditionellen Melodie des „al na tawo bamischpat" hat. Darauf wurde mir geantwortet: „Vielleicht haben die luden diese Melodie von den Christen übernommen". Wohl bezweifelte ich diese Ansicht, aber erst in der letzten Zeit wurde die Unrichtigkeit der gegnerischen Anschauung definitiv festgestellt Die für das phonographische Archiv der Akademie der Wissenschaften in Wien aufgenommenen Gesänge der jemenitischen, persischen und syrischen Juden (aufgenommen von A. Z. ldelsohn), die seit Jahrtausenden in voller Abgeschiedenheit von den übrigen Juden leben und deren Melodien daher in ihrer vollen ursprünglichen Reinheit erhalten geblieben sind, beweisen, daß die alten Kirchengesänge den jüdisch-orientalischen Melodien nachgebildet wurden. Von der Richtigkeit dieser Beweise habe ich mich persönlich während meiner Anwesenheit in Paliistina in jemenitischen Tempeln an Sabbaten und an hohen Feiertagen überzeugt, wie auch bei Hochzeiten und den damit verbundenen Tänzen. Erst nach authentischer Feststellung dieser Tatsache kam es zu einem Umschwünge in den bisherigen Anschauungen und jetzt erst zeigten einige seriöse jüdische Musikschriftstelkr Interesse für die Erforschung der jüdisch-orientalischen Melodien. So hat beispielsweise der bekannte Wiener Musikschriftstcller Dr. Max Grat vor einiger Zeit anläßlich eines Vortrages die aiiftallende Aehnlichkeit zwischen jemenitischen Gesungsrnelodien und gregorianischen Kircheiigesäugen festgestellt. (Schluß folgt.) Versorgt die Juden Rußlands mit Mazzoth! Der vor einigen Jahren aus Rußland nach Riga übersiedelte Rabbi Schnccrsohn, der unter dem Namen „Lubawitscher Rcbbe" in der orthodoxen Welt große Verehrung genießt, wandte sich an die Jüdische Telegraphen-Agentur mit dem Ersuchen, in seinem Namen die Verwandten und Freunde russischer Juden in den Ländern Europas und Amerika, sowie überall in der Welt, durch die Presse aufzufordern, Mazzoth und Pessachmehl in Paketen an Juden in Rußland zu schicken, da in Rußland selbst den Juden fast keine Möglichkeit gegeben ist. an Ort und Stelle ihren Bedarf an Mazzoth und Pessachmehl zu decken und große Teile der russischen Judenheit der Gefahr ausgesetzt sind, an den kommenden Pessachtagen chnc Mazzoth zu bleiben und hungern zu müssen. Rabbi Schneersohn weist darauf hin, daß die Sendung von Mazzoth und Mehl in Paketen nach Rußland gesetzlich erlaubt ist. Der „Lubawitscher Rcbbe*' gibt am Schluß seines Telegrammes der Hoffnung Ausdruck, daß die Judenheit in Europa und Amerika sich beeilen werde, ihren Brüdern in Rußland zu Hilfe zu kommen. Rabbi Israel Meier Kasan aus Radun in Polen, der weltberühmte „C h o f e t z C h a j i m" (so genannt nach seinem populären Hauptwerk) wandte sich mit einem Schreiben an Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer in Berlin, das in der Form eines Aufruies an die Juden gehalten ist, und in welchem er auf die eminente Wichtigkeit der rechtzeitigen Versorgung der Juden in Rußland mit Pessachkost hinweist und die Mazzoth-Aktion als eine große und wichtige Sache für das gesamte Judentum bezeichnet. Mit einem gleichen Aufruf wendet sich der große orthodoxe Führer Rabbi Chajim Oser Grodzenski an die Weltjudenheit Wie wir erfahren, besteht in Oesterreich bereits ein Mazzoth-Komitee. dem wir gerne Spenden unserer Leser zukommen lassen würden. GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNMEHt ■«■■■■BMMMBMMI^HilMM WIEN IX., BERGOASSfi NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHR1NQERSTRASSS VT Telephon Nr. A 17-349 und A 10-9-34 Uofonmt für H*iianataite« AbteilungentürKoscherfleisch mtar Aufsieht de« ehr«. Rabbiaata» der l»s*. Kaltaagemeincle Wlaa. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen

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