Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 8 (20.2.1931)
- Date
- 1931-02-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT gut* V und dieses Dorf gekannt hat — schien ihm das Los beschieden zu sein, in der großen Masse der ungarischen Dorfräbbinier unbemerkt dahin zu vegetieren. Väterliche Führung oder eigener Wissensdrang ließen ihn das damals noch junge Breslauer Rabbinerseminar besuchen, das von den orthodox jüdischen Kreisen ebenso gemieden und. verpönt war, wie es hernach die von ihm geleitete Wiener Schule werden sollte. Merkwürdige Verkettung der Dinge! Gerade die Breslauer und hernach die Wiener Schule zeichneten sich darin aus, daß sie, wenn auch nicht die alten Formen, so doch das Wesen hochhielten und treu bewahrten. Schwarz hatte diese Geistesrichtung dem ausgezeichneten Lehrer und Lenker des Breslauer Seminars, dem großen Zacharias Frankl zu verdanken, dessen Lieblingsschüler er war und dessen vertrauten Umgang er genoß, eine Auszeichnung, die S c h w a r z zeitlebens mit Stolz erfüllte. Als er hernach Rabbiner in Karlsruhe geworden, mußte zwar Schwarz manche Aeußerlichkeiten mitmachen, die zur sogenannten Reform gehören, aber im Grunde genommen war er der in weitestem Maße werktätig fromme Jude, als den wir ihn jahrzehntelang auch in Wien kannten, ein Verhalten, das bei ihm durchaus Herzenssache war. Als 1893 in Wien die Israeliatische Theologische Lehranstalt begründet wurde, wurde Schwarz dank seiner vorzüglichen Charaktereigenschaften und infolge des ihm vorangehenden Rufes eines modern tüchtigen Talmudisten, wofür auch schon gelehrte Arbeiten vorlagen, als Rektor derselben an deren Spitze berufen, in welcher Stellung er volle 38 Jahre, also bis zu seinem Lebensende verblieb und in welcher er sich jene hohen Verdienste erwarb, die ihm die Achtung und Liebe aller, sowohl in Wien, als im weitesten Auslande, ja in der ganzen wissenschaftlichen Welt eintrugen. Mit väterlicher Liebe, gepaart mit Strenge, leitete er die hunderte von Jüngern, die diese rabbinische Lehrstätte aufgesucht hatten, um sie, im Vereine mit seinen Amtsgenossen, emporzuführen zu den Höhen der Wissenschaft und sie auszurüsten mit all den Gaben, die ihr künftiger Beruf von ihnen fordern würde, nicht zuletzt mit Frömmigkeit und Lauterkeit des Herzens, die er als unabweisliches Erfordernis des rabbinischen Amtes ansah; So sind denn in den fast vier Jahrzehnten seiner Wirksamkeit in unsierer Stadt eine große Anzahl von Rabbinern, Hochschullehrern und Religionsprofessoren aus dieser Schule hervorgegangen, die in Wien selbst, aber auch im nahen und; fernen Auslande, segensreich wirken. Leider mußte er den Heimgang so manches Tüchtigen in dieser Schar erfahren, und unsäglich ist der Schmerz, den er ob des frühzeitigen Hinscheidens von H. P. Chajes empfand, auf den er nicht bloß stolz war, sondern von dem er auch die materielle Hilfe für die von ihm so sehr geliebte Anstalt erhofft hatte. Es ist nämlich ein offenes Geheimnis, daß die Anstalt keineswegs die Förderung erfährt, die sie infolge ihrer Leistungen für das Gesamtjudentum und! nicht zuletzt auch für Wien selbst verdienen würde, und wie sollte das einen Mann wie Schwarz nicht geschmerzt haben und wie sollte er es nicht als Undank empfunden haben? An Pflichteifer blieb dieser Mann hinter keinem nach, wie er denn auch darin wahre Größe bekundet hatte, daß er sich in allen Lagen freundlich und friedfertig erwies und Frieden und Gerechtigkeit über alles hochhielt. Ein peinlich geregeltes Leben führend, wozu, auch seine glücklichen Familienverhältnisse viel beitrugen, konnte sich S c h w a r z bis an sein Lebensende bei bester Gesundheit erhalten und darum auch einen außerordentlichen Fleiß an den Tag legen. Er war bekannt als Frühaufsteher, der die Morgenstungen für am besten geeignet fand, sich für die alltäglichen Kollegien vorzubereiten. Denn „gelernt" hat Schwarz immer, obzwar ihm doch sein Stoff genug , vertraut war. Sein Hauptfach war, wie gesagt, der Talmud: Er hat das große Verdienst, die zahlreichen Talmudjünger, die aus dem nahen Osten zu ihm gekommen und ohnedies schon „Talmudästen" waren, in moderner Weise weiter geführt und in einer Weise ausgebildet zu haben, die in den Schwesteranstalten selten erreicht wird. Daß das eine große Tat ist, bedarf keines Beweises. Aber was diese Jünger früher nie gehört hatten, das war die talmudische Methodologie und Hermieneutik, ein Wissenfach, das von Schwarz durchaus schöpferisch und nach neuen Gesichtspunkten behandelt wurde und worin er in der ganzen Welt einzig und unübertroffen dastand. Es würde in dieser schlichten Würdigung zu weit führen, diese Schwarzsehe Neuschöpfung ihrem Wesen nach zu beleuchten, wie wir uns es denn' auch versagen müssen, die große Zahl der literarischen Werke Rektors Schwarz hier bekannt zu geben. Anläßlich seines 70. Geburtstages ist von mir eine Festschrift herausgegeben worden (1917), die alles Wissenswerte über diese Schriften enthält. Erstaunlich wird in der dort gegebenen bibliographischen Zusammenstellung der Umstand wirken, daß die von Schwarz gedruckt erschienenen Predigten und Kasualreden nach hunderten zählen; der Verblichene war nämlich ein gefeierter Kanzelredner und er selbst hielt diese Seite der rabbinischen Wirksamkeit hoch in Ehren. Darum war auch die Homiletik, die in der Anstalt in seine Hand gelegt worden war, durch ihn aufs glücklichste vertreten. Ein anderes Gebiet, worin er originelle Wege einschlug, sind seine Tosefta-Studien — auch das ein Gebiet, dessen Beschaffenheit in diesem Rahmen nicht gut erörtert werden kann. Es kann nicht schaden, wenn die Welt erfährt, daß das meiste vom Schwarzsehen Tosefta-Kommentar infolge der Ungunst der Zeiten noch nicht veröffentlicht wurde, wo es doch sicher ist, diaß der verstorbene Verfasser an diesem seinem Werke mit großer Liebe hing und sein Bestes hineingelegt hatte. Seit jener Zusammenstellung in der „Schwarz-Festschrift" hat unser großer Lehrer noch zahlreiche Schriften und Artikel veröffentlicht, die seinen Ruhm nur noch vermehren und ^tiiitHimmitiiiiniHHiiiiiiinimiinuiMiiiiiiniiitiinimnfi | VORNEHME FAMILIEN - PENSION |BBStaaFitioB,RaffBBhafls täglich 5-Uhr-Tee Alte jüdische Ritualgeräte gesucht. Im Auftrage nuw. Sammler suche ich si Preisen Qiate, alt* Rttualoerftt» in JaaJIcham Matarlal. Insbesondere Qewurzbttchsen» Chanukkaleudtfer, Thorascfamuck. Becher, Ringe» PoraeUangJaser, Wanderin« mit Jüdischer Inschrift, ebenso Stempel, Geräte für Synagogen oder solche für dl» Beerdigungsbrüderscbaft Mesusoth and Thora« deuter in Edelmetall. 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Die Israelitische Theologische Lehranstalt in Wien, die ohnedies mit der Not der Zeiten kämpfen muß, hat durch den Tod ihres ersten Rektors einen Verlust erlitten, der durch nichts zu ersetzen ist. * Die Trauernachricht von dem Ableben des allseits verehrten Herrn Rektors Hofrat Dr. Adolf Schwarz hatte sich Samstag mit Windeseile in der Wiener Judenschaft verbreitet und überall große Betrübnis ob des schweren Verlustes ausgelöst Zu der Abholung der Leiche, die sich sehr ergreifend gestaltete, waren denn auch zahlreiche Leidtragende erschienen, die in tiefer Ehrfurcht dem Sarge folgten. Auch bei dem Leichenbegängnis, das Montag, den 16. d. M. auf dem Zentralfriedhof (I. Tor) JÄ«ZEOTU€IHl?i stattfand, war eine ungemein zahlreiche Trauergemelnde erschienen. Still und bescheiden, wie Hofrat Dr. Schwan gelebt, wollte er auch begraben werden und diesem Wunsche hatte er in seinem Testament Ausdruck verliehen, so daß die Zeremonie in aller Einfachheit, ohne Chor und Ansprachen, in der dicht gefüllten Zeremonlenhalle, stattfand. Hier hatten sich u. a. eingefunden: der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Generalstabsarzt a. D. Universitätsprofessor Dr. Pick mit dea beiden Vizepräsidenten Dr. Ornsteln und Dr. Löwen-, herz sowie den Amtsdirektoren Regierungsräten Dr. E. Adler und OL Fuchsgelb, sämtliche Mitglieder des Kultus* Vorstandes, der Präsident des Bethausvorstandes Dr. E. Münz mit den Mitgliedern, der Präsident der Chewra. Kadischa Dr. Pappenheim mit den Vorstandsmitgliedern dieser Körperschaft, der Präsident der B'nai B'nth Doktor Süaßny, der Konsulent im Unterrichtsministerium Hof* rat Professor Dr. Frankfurter, der Rosen Beth Dto Rabbiner Babad, die Rabbiner Dr. Bach, Dr. Bauer, Dr. Feuchtwang, Dr. Frankfurter, Dr. Lewin, Dr. Mehret, Dr. Murmelstein. Dr. Taglicht, Dr. Taubes, Dr. Wein«; Dr. Rosenmann war in Vertretung des Kuratoriums und: des Lehikollegiums des Rabbinerseminars Dr. HildesbJat* rrer in Berlin erschienen; die Professoren Dr. Templer, Regierungsrat Singer, Dr. Zlmmels. Dr. Bronner, Doktor Qoldberger. Dr. Proßnltz. Dr. Huß, Studlenrat Stadtschulrat Dr. Redisch, der Oesamtvorstand der Badsnar Kultusgemeinde, sämtliche Schüler der Israelitischtheologischen Lehranstalt in Wien mit dem Lehrkörper unter Führung der Professoren Dr. S. Kraus und Doktor Aptowitzer, zahlreiche Vertreter von Tempel- und Bethausvereinen, eine Abordnung der „Union dentschosterreichischer Juden", Hofrat G. Engelsmann. Ober« kantor Löwit von der türkischen Qemeinde und viele Kantoren von Qemeinde- und Vereinstempeln u. v. a. Auch vom Aaslande waren Deputationen erschienen, sobemerkte man u. a. Dozent Dr. Dahlbeck von der Berliner Hochschule für jüdische Wissenschaft, Oberrabbloer Davids aus Rotterdam, Rabbiner Dr. Sicher mit einer Delegation der Prager Kultusgemeinde. Prof. Dr. HeJnemaon und Dr. Kober vom Breslauer Theologischen Seminar. Der schlichte Sarg wurde von den Schülern des Israelitisch- Theologischen Seminars in die Halle getragen, wo Oberkantor Margulies. unterstützt von Kantor Punke, die religiösen Qesänge ergreifend vortrug. Tiefe Erschütterung ging durch die Trauerversammlung, als Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz, der einzige Sohn des Verblichenen, an die Bahre seines Vaters trat, um das Totengebet zu sprechen. Der Sarg wurde hierauf zu dem von der Kultusgemeinde gewidmeten Ehrengrabe getragen, das sich gleich gegenüber dem Ausgangstore der Zeremonienhalle befindet Langsam senkte sich der Sarg in die Tiefe und die Trauerfeier, die — dem letzten Wunsche des Heimgegangenen entsprechend- — sehr schlicht, aber doch, höchst ergreifend war, war beendet * Die Trauer des Jüdisch-akademischen Vereines „Theologia". Ungeheure Niedergeschlagenheit löste der Todesfall des Rektors Hof rat Prof. Dr. A. Schwarz namentlich in den akademischen Kreisen aus. Die Hörer an der israelitisch-theologischen Lehranstalt beschlossen eine 30tägige Trauer. Die Vorlesungen entfallen für eitle Woche. Bevor der Rektor seine letzte Fahrt antrat, nahmen seine Hörer an ihm die rituellen Waschungen vor. Hierauf gaben sie ihm, im Autobus nachfahrend, das letzte Geleite. Am Grabe hielten sie die Ehrenwache. An einem „Sijum Michnajoth" für die Zeit von 30 Tagen und einem „Sijum Gemara" für den Umlauf eines Jahre» beteiligt sich fast die ganze Hörerschaft. Außerdem findet im Vortragssaale der Lehranstalt in den nächsten Tagen eine Trauerfeier statt, bei welcher Vertreter des Kuratoriums und zwei Hörer, Moses Zickier (hebr.) und Israel Zwi Kanner (deutsch) die Verdienste ihres Rektors würdigen werden. RESIDENZ COLUMBIA S „MANNA" FABR. CHEMISCHER PRÄPARATE WIEN II., TABORSTRASSE 22 TELEPHON R 40-6-14