Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 8 (20.2.1931)
- Date
- 1931-02-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3062972-3064453-3064461--18261-3083273- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE WAHRHEIT S«ttc j A"Sr,chcf,«on Sdimidl-Nazzolh welche unter streng orthodoxer Aufsicht des Rabbinates hergestellt werden, heuer besonders gilt geraten sind. Die Mazzoth werden aus dem feinsten Mehl erzeugt. Seit vielen Jahren genießen die „Schmidl-Mazzoth" das beste Renommee Zentrale: N. BRODETZKY, Wien, II, Bezirk, Leopoldsgasse Nr. 43 Telephon A 60-2-63, A 46-1-90, A 41-9-32 «-—■«■--—b«-«-«-— in allen besseren Geschäften zu haben englische Springprozession. Die neue Palästinaerklärung der englischen Regierung ist nun erschienen. Diese „authentische Interpretation des Weißbuches", wie das Dokument in seinen einleitenden Zeilen genannt wird, ist in Form eines Briefes des britischen Premierministers Ramsay Mac Donald an den Präsidenten der Jewish Agency, Professor Dr. Chaim Weizmann, publiziert worden. Der Tatsache, daß der Brief nicht, wie erwartet, vom Außenminister Henderson, dem Vorsitzenden des Komitees, das die Londoner Verhandlungen mit der Jewish Agency geführt hat, sondern vom Ministerpräsidenten selbst unterzeichnet wurde, kommt wohl besondere Bedeutung zu; es geht aus ihr die Absicht hervor, aller Welt zu beweisen, daß es sich Iiier um einen hochpolitischen Akt handelt. Daß diese Politik echt englisches Diplomatengepräge trägt, wird die Zionisten nicht hindern, den Brief, den der derzeitige Lenker der Geschicke des englischen Weltreiches an ihren Führer Weizmann geschrieben hat, als eine außerordentlich bedeutungsvolle Errungenschaft hinzustellen. Die oft bewährte britische Regierungskunst kommt aber in diesem Dokumente, dessen Wichtigkeit absolut nicht verkannt werden darf, beinahe in jedem Punkte zum Ausdrucke. Das Ganze mutet bei genauem Studium wie die berühmte Springprozession an, bei der die Wallfahrer bekanntlich einen Schritt vorwärts, darnach aber prompt zwei Schritte rückwärts machen. So gibt auch die englische Regierungserklärung manchmal sogar in einem Satze zuerst Zugeständnisse, die sie dann durch Verwahrungen entweder einschränkt öder aber oft ganz illusorisch macht. Nach dieser Methode wird scheinbar den Forderungen der streitenden Parteien Rechnung getragen, insbesondere werden, wie gesagt, die Zionisten beschließlich nicht verpflichtet ist, die Idee, das ideale Wesen des Judentums zu kennen und er sich eben nur an „Tatsachen" hält, wenn man ihm zubilligen müßte, daß diese „Einzelnen" zu häufig vorkommen, um eben noch als Einzelne betrachtet werden zu können, so wäre damit ja erst nur ein Charakterzug, aber noch lange nicht der Gesamtcharakter, die Idee des jüdischen Volkes gekennzeichnet worden, die jenen einzelnen negativen Zügen entgegensteht und an der die Juden unverändert und unverbrüchlich festhalten. Wenn es nämlich wirklich so wäre, wenn der Materialismus wirklich der vorherrschende Zug im Charakter des Juden wäre und wenn diese Juden tatsächlich eine so unbeschränkte Macht ausübten, wie kommt es dann, daß in Dostojewskis Romanen, die alle Erscheinungen und Ideen Rußlands fast völlig widerspiegeln, wie kommt es — fragen wir — daß jener angebliche Einfluß des Judentums auf die Entwicklung Rußlands fast gar nicht oder nur sehr spärlich zutage tritt und daß Glanz und Elend seiner russischen Gestalten sich im streng geschlossenen Kreis, im durchaus abgeschlossenen Milieu privaten Russentums abspielen? Dieser Einfluß müßte ja überall und immer wieder in Erscheinung treten, er müßte das von Dostojewski angegebene Ausmaß desselben angenommen, an hervorragender Stelle sichtbar sein. So scheint es also, und wird durch den eben erwähnten, hochwichtigen Umstand erhärtet — daß es sich bei dem sogenannten „jüdischen" Materialismus doch nur um die Abirrung Einzelner, wenn auch leider zahlreicher Einzelner handelt, von denen unabhängig sich das innere und äußere Schicksal Rußlands vollzieht. Denn die wahre Idee, die Idee des Judentums, des ganzen jüdischen Volkes ist nicht materialistisch, ist dem Materialismus feindlich. Das Judentum, das der Welt die Erkenntnis des einzigen außerweltlichen moralischen Gottes vermittelt hat, kann nicht materialistisch sein: es ist höchstens realistisch, weil es seine sittlichen Ideen ins Reale umsetzen will und sein Glaube ist — wie wir ihn nennen" möchten — ein realistischer Gottesglaube. Dostojewski kennt auch diese tiefste Idee des Judentums, kennt sie besser als manche zeitgenössische Juden selbst: nur vermochte er sie mit „gewissen Tatsachen" nicht in Einklang zu bringen. „Ist es nicht sonderbar," ruft er aus. „daß man sich einen Juden ohne Gott gar nicht denken kann?" Kaum jemals ist der Charakter des Juden knapper und treffender gekennzeichnet worden. haupten, einen Haupttreffer gemacht zu haben, der sich aber nur allzu bald als eine Niete erweisen wird. In der Vorwoche haben im englischen Unterhaus wiederholt Debatten über die englische Palästinapolitik stattgefunden. Sie sind äußerst lehrreich gewesen, lehrreicher in mancher Beziehung als das ausführliche Schreiben des englischen Ministerpräsidenten. Im Mittelpunkt dieser Debatten stand eine Erklärung des englischen Ministerpräsidenten, die trotz ihrer lakonischen Kürze vielsagend ist. Eine an ihn gerichtete Anfrage, ob der Brief der Regierung eine Aenderung der bisherigen Palästinapolitik bedeutet, wurde von ihm kategorisch verneint. Eine weitere Frage, warum dann Professor Weizmann angeblich zufrieden sei, beantwortete Mac Donald mit einem Hinweis auf die durch den Regierungsbrief vorgenommene Beseitigung mancher Mißverständnisse und stellte dann für jeden, der lesen kann, ganz eindeutig fest: „Eine Aenderung unserer bisherigen Palästinapolitik aber bedeutet der Brief nicht!" Damit ist die Bedeutung des Briefes ganz klar gekennzeichnet. Er bezweckt die „Beseitigung gewisser Mißverständnisse und Mißdeutungen, die «■■■■■»■■•■■■■■■■■■»■■■»■••■■•■■■•■■■■■■•■■•••■•»■■••■■■■•■■■■»••«••■p» : Behördl. autor. Häuseradministration j .ADOLF KRALL I IV., Schleifmahlgasse 11 [ { Telephon B 28-1-46 : | empfiehlt sich zur Ober- { I nähme von Verwaltungen { i Erstklassige Referenzen \ Dostojewski vermag, trotzdem er den idealen und ewigen Charakter der jüdischen Idee erkannt hat, dennoch kein abschließendes Urteil über die Vertreter dieser Idee fällen, da ihn die Wahrnehmungen in der Wirklichkeit zu sehr verwirren. So muß er denn sagen: „. . . noch ist die Zeit für ein endgültiges Urteil über dieses Volk nicht gekommen, trotz der verflossenen vierzig Jahrhunderte; noch steht das letzte Wort aus, das die Menschheit über dieses mächtige Volk zu sagen hat." Und obwohl er sehr häufig vom krassen „Materalismus" der Juden spricht, kann er nicht umhin, diese erleuchteten Sätze niederzuschreiben: „Hier ist nicht die Seibsterhaltung die erste Ursache, sondern eine Idee, die mit sich fortreißt, die leitet und erhält; hier handelt es sich um etwas Weltbeherrschendes und Ewiges, worüber das „letzte Wort" zu sagen die Menschheit vielleicht noch gar nicht fähig ist. Daß der religiöse Charakter in dieser Idee das Uebergewicht hat - - darüber kann kein Zweifel bestehen." Man sieht, bis zu welcher idealen Auifassung des jüdischen Gedankens Dostojewskis Anschauungen sich erheben können. Danach ist aber der logische Widerspruch in der Konsequenz seiner Argumentation nur zu augenscheinlich. Dieser Widerspruch bei einem Menschen- und Völkerpsychologen vom Formate Dostojewskis muß zu Reflexionen anregen. Aber, nicht nur die Gegner der Juden, sondern — auch die Juden selber. Er müßte sie anregen zu einer strengen Selbstprüfung und sie ermannen, über einzelne negative Seiten ihres Charakters nicht die große, die positive Seite ihres Wesens, die ewige, jüdisch-religiöse Idee zu vergessen. Wenn sie an dieser festhalten, dann werden sie auch ihre Fehler und Vergehen mit mehr Mut und Offenherzigkeit eingestehen dürfen, wie alle andern Menschen auch, die eben als Menschen dem Irrtum und der Verfehlung ausgesetzt sind. War also Dostojewski Antisemit? Wenn diese Frage nun unbedingt beantwortet werden müßte, wenn man vermeinte, auf ein Etikett nicht verzichten zu können, so würde die Antwort lauten: Ja, er war Antisemit. Ein Nachsatz jedoch müßte folgen: Aber ein Antisemit, mit dem das jüdische Volk sich ehrlich und ehrenhaft auseinanderzusetzen vermöchte, von dem es lernen könnte. Und das ist viel! hinsichtlich der im Weißbuch dargelegten . . . Politik der Regierung in bezug auf Palästina entstanden sind," und will nur „gewissen kritischen Einwänden der Jewish Agency Rechnung tragen". Eine Aenderung der Politik der englischen Regierung gemäß den „Verpflichtungen des Mandates, wie sie bisher verstanden worden sind" (die Zitierungen sind aus der wörtlichen deutschen Uebersetzung des Briefes entnommen), ist nicht geplant. Mit dieser prinzipiellen Einschränkung muß das Schreiben Mac Donalds gelesen werden. Das Triumphgeschrei, das die Zionisten wahrscheinlich über den neuesten Erfolg ihrer Politik anstimmen werden, verliert angesichts dieser Einschränkung aber seine Kraft, es bleibt von den ganzen „Errungenschaften" nur die Tatsache eines gewissen Entgegenkommens in manchen mehr oder weniger wichtigen Punkten, nicht aber in den Hauptgrundsätzen übrig. Die Zionisten werden als eine solche Errungenschaft vor allem den ersten Passus des Briefes hinzustellen versuchen, wonach „das Weißbuch von 1930 . . . anerkennt, daß das Mandat eine Verpflichtung gegenüber dem jüdischen Volke und nicht nur gegenüber der jüdischen Bevölkerung von Palästina ist". Ein herrliches Zugeständnis! Aber fragen wir uns, was es in Wirklichkeit zu bedeuten hat. Das Mandat, das sich auf die bekannte Balfour-Deklaration stützt, spricht tatsächlich von einer „Errichtung einer nationalen Heinistätte für das jüdische Volk in Palästina". Aber ist dieses „jüdische Volk" bei Erlassung der Balfour-Deklaration wie auch des Mandates denn gefragt worden, ob es in seiner Gesamtheit (denn der Begriff „Volk" schließt die Allgemeinheit ein) diese „Errichtung einer nationalen Heimstätte in Palästina" auch wirklich wünscht. Wir leugnen nicht, daß es große Massen im Judentum gibt, die aus politischen, religiösen, wirtschaftlichen oder sozialen Gründen nach Palästina, dem Lande der Väter, tendieren. Aber stellen diese Kreise „das jüdische Volk" dar? Sicher ist. daß die zionistische Organisation, die sich im Zeitpunkte der Erlassung der Balfour-Deklaration die Führung des „jüdischen Volkes" arrogierte — so wie sie auch heute noch die gleiche „Arroganz" bekundet — und von der damaligen britischen Regierung aus wohlverstandenen militärpolitischen Gründen als die Repräsentanz des „jüdischen Volkes" anerkannt wurde, nie und nimmer das Recht besaß, im Namen dieses Gesamtvolkes Mitteilungen des Sekretariats der „Union deutschösterreichischer Juden" IX„ Berggasse 4. — Tel. A 19-2-77. Parteienverkehr: Montag bis Freitag von 10 bis 11 vorm. und 4 bis 5 Uhr nachm. Sonntag von 9 bis 11 vorm. Die Rechtshilfe- und Beratungsstelle der „Union'* für Unbemittelte amtiert jeden Montag von V26 bis 7 Uhr nachm. Unentgeltliche Stellenvermittlung: Anmeldungen täglich während des Parteienverkehres. Stellengesuche: Magazineur (in), Geschäfts- oder Bürodiener, Vertreter iür Seiden- und Textilbranche, Buchhalter, Korrespondent (auch in ungarischer Sprache), Stenotypistin (auch Englisch und Französisch), Kontorist (auch Buchhaltung), Herrenschneider. Zuschriften zu richten an die „Union" IX., Berggasse 4. Tel. A 19-2-77. Das Sekretariat der „Union" bittet die verehrlichen Mitglieder, es von freiwerdenden Stellen brieflich oder telephonisch zu verständigen.