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Die Wahrheit · 1931-02-13 · Heft 7 (13.2.1931) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 7 (13.2.1931)
Date
1931-02-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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"Seite 0 DIE WAHRHEIT und zwar im Hinblick darauf, daß nach dem Krieg und namentlich während der Inflationszeit unkontrollierbare Elemente, über die offenen Grenzen, zum Teil illegal, nach Deutschland gekommen seien. Es werde, mit gewissen Ausnahmen, eine zwanzigjährige Aufenthaltsdauer gefordert werden müssen. Unter den durch Beschluß des Reichsrates bestätigten Einbürgerungen handelt es sich u. a. um mehrere angesehene Persönlichkeiten, unter ihnen den in der ganzen Welt bekannten Tennismeister Deutschlands Daniel Prenn, der Jude und in Polen gebürtig ist Die S 9«IM Jodca dealscfcdsterrelc&lsclier und die Jagendgrnppe des Leopoldstädter Tempelvereines „Aeschel Awrohotn" veranstalten anläßlich des s ■ ■ : ■ fi! t i Sonntag, den 8. März, 7 Uhr abends, Im Fest» Saale des Hotel Continental, IL, TaborstraBe. eine AKADEMIE MIT TANZ Mitwirkende: Walter Huber (Burgtheater), Christi Giampietro, Suse Michaiek, Max Brod, Viktor Stern au, Kantor I. Rosenwald, Liesl Weinberger (Tanzschule Bodenwieser). Conference: Fred Kurt. Erstklassige Jazzmusik. „The Hot Fellows." Kartenvonnerkungen im Sekretariat der „Union", IX., Berggasse 4, Tel. A 19-2-77, in der Redaktion der „Wahrheit", II* Heinestraße 13, Tel. R 46-2-16, und beim Obmann der Jugendgruppe Erich Wechler, II* Josefinengasse 4. Tel. R 41-7-79. Veransfalfmigskalender der „Union". Donnerstag, den 19. Februar, %8 Uhr abends, im Goldenen Saal des Cafe S i 11 e r, L, Schwedenplatz: stad. phil. Julius Carlebach (Hamburg), Airjüdische Ritualkunst, One kulturgeschichtliche Betrachtung an Hand ▼obi Lichtbildern. Judische Kunst — eine Abwehrfrage? Angesichts der Ankündigung des Vortrages „Altjüdische Ritualkunst", den ich Donnerstag, den 19. d. M. in der „Union" halten werde, wird sich mancher Freund dieser Vereinigung fragen, ob ein derartiges Vortragsthema überhaupt in den Rahmen der „Union" hineingehört Ganz abgesehen davon, daß man sich endlich einmal mit dem Gedanken vertraut machen sollte, daß Themen, die die Wertigkeit des jüdischen Menschen behandeln, also sein schöpferisches Schaffen auf dem Gebiete der Kultur, zumindest ebenso wichtig sind wie die Zurückweisung von antisemitischen Angriffen, wird heute leider auch jüdisch-künstlerische Tätigkeit in das politische Tagesgeplänkel einbezogen. Ein kleines derartiges Erlebnis möge das beweisen. Im Kunstgeschichtlichen Seminar wird der Impressionismus besprochen, also jene malerische Ausdrucksweise, die den Eindruck einer Landschaft unter der Einwirkung von Licht und Luft geben möchte. Es wird erwähnt, daß diese Malweise den Deutschen weniger liegt als den Franzosen. Und Liebermann, der große deutsche Impressionist? Liebermann, so meinte der Vortragende, braucht in diesem Zusammenhang nicht berücksichtigt zu werden, denn er war Jude. Man sieht, wie hier die Kunst aus einer politischen Absicht heraus betrachtet wird. Und man wirft der jüdischen Religion vor, daß sie die Kunst unterdrücke, daß sie kunstfeindlich sei. Der Beweis? Das Bildnisverbot, „Du sollst dir kein Bildnis machen". Wie immer, so ist auch dieses Zitat falsch, weil es aus dem Rahmen gerissen ist. Der Nachsatz des Verbotes nimmt nämlich auf den Götzendienst Bezug und erklärt das vorangegangene Verbot durch „du sollst dich nicht vor ihnen bücken und ihnen dienen, ich bin der Ewige dein Gott". Aber kunstgeschichtliche Forschung zeigt, daß jedes Gerät, das im jüdischen Kultus verwendet wurde, daß jeder Synagogenbau der früheren Zeit ein feines ästhetisches Empfinden des jüdischen Menschen zeigt. Und damit wird sich mein Vortrag auseinander zu setzen haben. stud. phil. Julius Carlebach (Hamburg). Wahrheiten vom Sa£e Noch immer keine Abschaffung der antijüdiscben Gesetze in Polen. Der Senat der polnischen Republik hätte in seiner letzten Sitzung die vom Sejm bereits in dritter Lesung angenommene Gesetzesvorlage der Regierung betreffend Abschaffung der noch aus der Zeit des Zarenregimes und der militärischen Okkupationen während der Kriegszeit stammenden gesetzlichen Beschränkungen gegen die jüdische Bevölkerung endgültig verabschieden sollen. Entgegen der allgemeinen Erwartung aber hat der Senat gemäß einem Antrag seiner juridischen Kommission beschlossen, die Regierungsvorlagen von.der Tagesordnung abzusetzen, so daß die Angelegenheit für längere Zeit begraben ist In der jüdischen Bevölkerung Polens und in den demokratischen Kreisen der Republik hat das Verhalten des Senats Enttäuschung und Empörung hervorgerufen. Zahlreiche jüdische Existenzen in Frankreich bedroht Auf Grund einer soeben erschienenen Verordnung werden künftighin Personen, die nach dem 1. Juli 1930 nach Frankreich eingewandert sind, keine Arbeitsbewilligung erhalten. Da durch diese Verordnung die Existenz zahlreicher Juden bedroht erscheint, beabsichtgt eine Reihe jüdischer Organisationen durch eine Intervention bei der Regierung auf eine Milderung der neuen Bestimmung hinzuwirken. Im Hinblick auf die Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage in Frankreich dürfte sich die Regierungnicht zu Konzessionen geneigt zeigen. •<•» „Goldmacher" Tausend und „der Jude". Besondere Sensation erregte in München der .Prozeß gegen den „Goldmacher" Tausend, der es verstanden hat unter der Vorgabe nationaler Ziele aus dem Kreise des General Ludendorff Hunderttausende von Mark zu erschwindeln. Im Bericht über den Prozeß vom 29. Jänner fand sich nun die Zeugenaussage: „Herbert Meinhold habe dann Tausend persönlich um die Rückgabe seiner Gelder ersucht. Tausend habe geantwortet, er werde sofort zum Juden gehen, habe aber doch kein Geld beigebracht" Hierzu übermittelt Rabbiner Dr. Rosenthal-Köln der Presse folgende Erklärung: „Ich weiß sehr wohl, daß im Munde eines solchen Mannes der Ausdruck ,Ich geh' zum Juden' weder subjektiv eine Verächtlichung zu bedeuten braucht noch objektiv eine solche bedeuten kann. Trotzdem unterdrücke ich nicht mein Erstaunen, weder über die ungerügte Zulassung dieser Bemerkung, noch über ihre Verbreitung durch die Presse. Es ist hier nicht der Ort zu wissenschaftlichen Erörterungen der Beziehung der Juden zum ^Geldhandel, ihr Hineindrängen in diesen Beruf aus wirtschaftlichen und kirchlichen Beweggründen, ihre Ausbeutung als Gläubiger durch ihre Schuldner, die in der Form erzwungener Schuldenerlasse durch das ganze Mittelalter sich hindurchzieht. Aber es darf hingewiesen werden auf die Groteske, daß bei einem Rechtsverfahren über die Geldgeschäfte eines Tau- GROSSFLEISCHHAUEREI IIIGM. KORNMEHL ^mmmmmmmmmmmmm^^amm^mmmmmmmmmmmm^m WIEN IX* BERQOASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINaERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99and A T6-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenmrKoscherfleisch unter Aufsieht de* ahrw. Rabblnatas dar lar» BMtaageaaalBde WkM. Sämtliche Pleiscbsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Radionn^^ Radio,.neueste Typen, auch Umbau und Tausch aller Apparate. Sdiallplallen hervorragendster Künstler und neuester Schlager, auchTausch. Zahlungserleichterung. Radiohaus „ELPHORA" I., Oemlnikanerbaslel 22, Tel. R 24-4-16 (Im Kai 7/»> * send und seiner Mitbeteiligten dieses Wort sich hervorwagt und wie eine Selbstverständlichkeit angehört und weitergeleitet wird. Wohl erben sich Vorurteil, grundloser Haß und insbesondere billige Rückversicherung für allgemeine menschliche Schwächen wie eine ewige Krankheit fort. Aber es gibt Augenblicke, in denen es heißt aufzumerken und in den Abgrund menschlicher Irrung und jahrhundertealten Selbstbetruges hinabzuleuchten — um der Wahrheit und Gerechtigkeit, nicht um der Juden wiHen. Ein solcher Augenblick scheint mir in der Münchener Gerichtsverhandlung vom 29. Jänner versäumt worden zu sein." VonWodke %u Wodke Berlin. Kommerzienrat Gerson Simon, der frühere Vorsitzende und zuletzt stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der Jüdischen G e m e i n de B e r 1 i n, ist am 6. Februar in seiner Berliner Wohnung, 72 Jahre alt, verstorben. Der Hingang dieser in Berlin wie im ganzen Reiche hoch angesehenen jüdischen Persönlichkeit hat in weiten Kreisen Trauer hervorgerufen. Gerson Simon gehörte zu den angesehensten und beliebtesten Persönlichkeiten des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens Berlins. Sohn einer bekannten jüdischen Familie des Rheinlandes, kam er in verhältnismäßig jungen Jähren nach der Reichshauptstadt, wo er Inhaber der großen Spitzen-Firma Jacob & Richter wurde, die heute nach Aufnahme verwandter Unternehmungen als Jacob & Richter-Siegmund Strauß jr., Vereinigte Spitzenhäuser A. G., firmiert Gerson Simon war ein vorbildlicher Kaufmann; von seinen Berufsgenossen hoch verehrt, stand er seit langen Jahren an der Spitze zahlreicher kaufmännischer Organisationen. Im Textil-Großhandelsverband nahm er eine führende Stellung ein. Auch die Regierung hat ihn häufig in wirtschaftspolitischen Dingen zu Rate gezogen. So hat er an den letzten deutsch-italienischen Handelsvertragsverhandlungen in hervorragender Weise mitgewirkt. Gerson Simon, der sich schon in seiner Jugend im Rheinland intensiv jüdisch betätigt hat, widmete sich seit Jahrzehnten in Berlin öffentlicher Wohlfahrts- und Gemeindetätigkeit. Mehrere Jahre lang gehörte er der Repräsentanz der Berliner Jüdischen Gemeinde ah. Vor mehreren Jahren begründete er mit Professor Dr. M. Sobernheim, Rabbiner Dr. Weisse und Frau Eschelbacher die Religiöse Mittelpartei für Frieden und Einheit in der Gemeinde. Diese Partei entsandte ihn neuerdings in die Repräsentanz, dann in den Vorstand der Gemeinde, der ihn zum Vorsitzenden der Gemeinde wählte. Nach der Wahl Georg Kareskis zum Vorsitzenden gehörte Gerson Simon dem Vorstand als stellvertretender Vorsitzender an. Er vertrat seine Partei auch n der Landesversammlung der preußisch-jüdischen Gemeinden. Professor William Hechler gestorben. Im Alter von 86 Jahren verstarb in London der Theologe der Anglikanischen Kirche, Prof. William Hechler, einst ein Freund Theodor Herzls und bis zuletzt ein Anhänger der Idee eines „jüdischen Staates" in Palästina. Professor Hechler war beherrscht von dem Gedanken, daß das Reich des Messias kommen werde, wenn Palästina von Juden besiedelt sein wird. In den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts trat er als ein der englischen Botschaft in Wien zugeteilter Hofkaplan in Beziehungen zu Theodor Herzl, kurz nachdem Herzl sein Buch „Der Judenstaat" veröffentlicht hatte und an dem Aufbau der zionistischen Weltorganisation geschritten war. Hechler war es, der die Zusammenkunft zwischen Theodor Herzl und dem Großherzog Friedrich von Baden (Hechler war früher Erzieher eines der Söhne des Großherzogs gewesen) vermittelte, die als eine Vorbereitung zu einer Zusammenkunft zwischen Theodor Herzl und Kaiser Wilhelm II. gedacht war. Später arrangierte Hechler ein direktes Zusammentreffen zwischen Theodor Herzl und Wilhelm IL in der Nähe der jüdischen Ackerbauschule Mikweh Israel?ur Zeit des Besuches Wilhelms II. in Palästina im Jahre 1898. In seinen Tagebüchern erwähnt Theodor Herzl oft die freundschaftliche Mittlertätigkeit Hechlers zugunsten des Zionismus. Herzl setzte seinem christlichen Freunde auch ein literarisches Denkmal in seinem utopischen Roman „Altneuland", in welchem Hechler in der Gestalt des „Reverend Hopkin" gezeichnet ist. Auszeichnung. Herr Direktor Alfred Rechnitz e r (Wien XIX) wurde ins Handelsministerium als Beirat der Statistischen Kommission berufen und mit dem Titel Kommer zial rat ausgezeichnet. Todesfall Frau Rosa Therese Stransky. die Witwe nach dem Sekretär im Rabbinate der israelitischen KuKusgemeinde Jonas Stransky, ist am 4. Februar 1. J. in der Versorgungsamstalt gestorben. Sie stand im 82. Lebensjahre und befand sich seit zehn Jahren in Pflege der Anstalt. V

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