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Die Wahrheit · 1931-02-06 · Heft 6 (6.2.1931) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 6 (6.2.1931)
Date
1931-02-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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ieite o DIE WAHBMEfT Veranstaltungskalender der »Union0. Mittwoch, den 11. Februar, Y2S Uhr abends, im Klubsaal des Cafe Elsahof, VII., Neubaugasse 25, Mitgliederversammlung der Bezirksorganisation VI/VH, Reg.-Rat Dr. Max Lenk, „Deutschland erwache, Juda verrecke!" Donnerstag, den 12. Februar, V28 Uhr abends, im Klubsaal des Grand Cafe Central, IL, Taborstraße 8, Vortragsabend. Frau Luise Fischer-Treu über „Die Psychologie des Nationalsozialismus und seine Bekämpfung". 3 8 Die Union «eHfscBösterreicnisclier Joden und die Jugendgruppe des Leopoldstädter Tempelvereines „Aesctael Awrohom" veranstalten anläßlich des MJRIMFESTES Sonntag, den 8. März, 7 Uhr abends, im Fest- Saale des Hotel Continental, IL, Taborstraße. eine AKADEMIE MIT Mitwirkende: Walter Hub er (Burgtheater), Christi Giampietro, Suse Michalek, Max Brod, Viktor Stern au, Kantor I. Rosenwald, Liesl Weinberger (Tanzschule Bodenwieser). Conference: Fred Kurt. Erstklassige Jazzmusik. „The Hot Fellows." Kartenvormerkungen im Sekretariat der „Union", IX., Berggasse 4, Tel. A 19-2-77, in der Redaktion der „Wahrheit", IL Heinestraße 13, Tel. R 46-2-16, und beim Obmann der Jugendgruppe Erich Wechler, IL, Josefinengasse 4. Tel. R 41-7-79. JüdisAelhtentafeL Budapest Oberhausmitglied Dr. Samuel Glückst ha 1, Vizepräsident der Pester israelitischen Kultusgemeinde, wurde zum lebenslänglichen Mitglied des hauptstädtischen Munizipalausschusses gewählt Gent Wie „Die Wahrheit" bereits gemeldet hat, •wurde Professor Robert Haas, ein französischer Jude, zum Direktor der Völkerbundssektion für Verkehr und Transit ernannt. Diese Ernennung erhält dadurch eine besondere Bedeutung, daß in dieses Ressort die Frage der Kalenderreform, an der die Judenheit der ganzen Welt besonders interessiert ist, gehört Haas ist 40 Jahre alt, war früher Professor an der Pariser Universität, dann Chef des Verkehrsdepartements beim Völkerbund._ IV. Hebräisches Konzert Das am 1. Februar im Konzerthause veranstaltete Konzert zeigte in seinen künstlerischen Darbietungen ein hohes Niveau. Jede einzelne der — allerdings allzu zahlreichen — Nummern verdient ehrliche Anerkennung und ungeschmälertes Lob. Besonders die hebräische Suite, vom Komponisten Juliusz Wolfsohn, unter Begleitung des Wiener Symphonie-Orchesters exekutiert, und das Brandmannsche symphonische Poem „Hechaluz", vom Komponisten mit hinreißendem Temperament dirigiert, lösten Beifallsstürme aus. Musikalisch und gelanglich stand das Konzert sicherlich auf anerkennenswerter Höhe. Aber, liebe Zionisten, was. außer der Sprache der Liedertexte war an diesem Konzerte hebräisch? Wird Wagners Lohengrin dadurch, daß diese Oper mit unterlegtem italienischen Texte aufgeführt wird, zu einer italienischen Oper? Wo in aller Welt sind in Wolfsohns Suite oder Brandmanns Symphonie hebräische Motive zu finden? Doch bestenfalls russisch-jüdische oder polnischjüdische Motive! Abgesehen von dieser Falschmeldung, konnte man mit der Aufführung sehr zufrieden sein. GROSSFLEISCHHAUEREI f »GM. KORNMEHL S»SS«SB«SSS»aaaaa»SSaaaaaaa*«a»aa*«*^BMB»aaSB»aSnl WIEN MXn BERdOASSE NR. 19 FILIALE! XVIII., WÄHRINQERSTRASSE »7 Telephon Nr. A 17499 and A 16-S-34 Lieferant «r Mallanstalten AbteilungenfürKoscherfleisch —tsr Aufsieht des ehns. Rsbblnates der Ist. KnHnsg■ msind e Wisn. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Wahrheiten vom Jage Die Wahrheitsucher werden verfolgt Der karpatho-russischeStaatsanw a 11 hat wegen Verleitung zu falscher Zeugenaussage das Strafverfahren gegen den ungarischen, in Karpathorußland lebenden Redakteur Emil Handelsmann und gegen den Schuldirektor Pazuchanic von Nova Simera, dem Schauplatz der karpatho-russischen „Ritualmordversuchs-Affäre", eingeleitet Dies ist bereits der dritte Fall, in welchem Entlastungszeugen und solche Personen, die durch publizistische Tätigkeit den Nachweis zu führen versuchten, daß der „rituale" Inhalt der Affäre konstruiert sei, strafrechtlich verfolgt werden. Das Strafverfahren wurde auf Wunsch des Kommandanten der Gendarmeriestation in Perecin eingeleitet, der behauptet, daß beide Beschuldigte seinerzeit in der Schule in Nova Simera auf die beiden Kinder Vasil Kostja und Helene Bogdan „einen Druck ausgeübt" hätten. Die Kinder hatten ursprünglich angegeben, daß ihnen Juden Blut abgezapft hätten, aber später in Gegenwart des Schuldirektors Pazuchanic und des Redakteurs Handelsmann gestanden, daß sie sich d i e g a n z e Sache ausgedacht hätten. In den beiden Verhandlungen vor dem Bezirksgericht in Velka Berezna haben die Kinder nochmals bestätigt, daß sie ihre ursprüngliche Behauptung, die Juden hätten ihnen Blut abgenommen, sich ausgedacht hätten. Der Eindruck, daß man sich bemühe, einen Ritualfall mit allen Mitteln zu konstruieren, um vor der Oeffentlichkeit des Auslandes den Schein objektiven Vorgehens aufrechtzuerhalten, wird durch die neuerlich angeordneten Strafanzeigen bekräftigt. In der jüdischen Oeffentlichkeit wird der neue Schritt der karpatho-russischen Staatsanwaltschaft schärfste Entrüstung auslösen. Der Kopf rollt. . . Der nationalsozialistische Reichstagsäbgeordnete Heines sprach in einer Versammlung über die Ziele der nationalsozialistischen Partei und über die Art, wie er und . seine Anhänger sich die Führung des Staates vorstellen. Hierbei sagte er unter anderem: „Wenn wir an die Macht gekommen sein werden, dann wird in aller Ruhe ein deutscher Staatsgerichtshof eingesetzt werden. Dieser Gerichtshof wird in aller Sachlichkeit und Nüchternheit zu entscheiden haben über schuldig oder nichtschuldig des Volks- und Landesverrates. Da gibt es nur eine Strafe: DerKopfroll t!" Nicht einmal wehren sollen wir uns. Dem Salzburger „Eisernen Besen" geht die Tätigkeit der dortigen Ortsgruppe der „Union" wider den Strich. Er zetert deshalb in seiner letzten Nummer voller Galle über die „Vereinigung („Union") der Juden von Salzburg, die sich zur Aufgabe gestellt hat, alle jüdischen Kräfte in Stadt und Land zum Kampfe gegen das volksbewußte Deutschtum, welches antijüdisch gesinnt ist, zu organisieren und widerstandsfähig zu machen. Das kann ein furchtbares Gemetzel werden, wenn der alte und junge Kohn, die Löwys aller Sippen, die Pollacks, Schwarz und Ornsteine zur großen Entscheidungsschlacht antreten." Gott, wie witzig! „Juda verrecke!" am deutschen Reichstagsgebäude. Kürzlich haben bisher noch unbekannte Täter an der Haupteingangstür zum Reichstag in der Holzverkleidung mit einem Meißel ein großes Hakenkreuz eingekratzt. Darunter stehen die Worte „Juda verrecke!". Auf die Ergreifung der Täter wurde eine Belohnung ausgesetzt. „Liebe deinen Nächsten!" Der Präsident der litauischen Republik, Smetana, hat auf einer Konferenz litauischer Pfadfinder eine Ansprache gehalten, in der er die antisemitische Bewegung scharf verurteilte und die Pfadfinderbewegung zum Kampf gegen den Rassenhaß, der gegenwärtig unglücklicherweise unter der litauischen Schuljugend verbreitet werde, aufforderte. Präsident Smetana führte Klage darüber, daß manche christliche Religionslehrer das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" so auslegen, daß es sich nur auf Christen beziehe, und mit dieser Auslegung den Eindruck erwecken, als ob ttadto^^ Radio, neueste Typen, auch Umbau und Tausch alter Apparate. Schallplatten hervorragendster Künstler und neuester Sdüager.audiTausch.Zahlungserleichtening. Radiohaus „ELPHORA" I.» Demlnlkanerbastel 22, Tel. R 24-4-16 (I., Kai 7;») Haß und Verfolgung gegenüber den Juden berechtigt wären. Die Jugend dürfe dem schädlichen Einfluß des Rassenhasses nicht zum Opfer fallen. — Wie verträgt sich diese Auffassung mit den drakonischen Maßnahmen der litauischen Regierung gegen die „Ausländer", durch die tausende litauischer Juden in ihrer Existenz schwer bedroht sind? VonWodke zu Woche | Reg.-Rat Dr. S. Krenberger | Das Wiener Judentum hat in diesen Tagen einen Mann verloren, der zu seinen Besten gehörte. Reg.-Rat Dir. Dr. S. Krenberger, der am 1. d. M., kurz nach Beendigung seines 70. Lebensjahres, nach langem Leiden sanft verschieden ist, war ein guter Mensch und ein guter Jude. Seine Menschlichkeit bewies er in seinem Lebensberufe als Pädagoge für Kinder, die eine grausame Natur nicht in den Vollbesitz aller geistigen und physischen Kräfte gesetzt hat. Was Dr. Krenberger auf dem Gebiete der Erziehung dieser Kinder geleistet hat, wird ihm stets zur Ehre gereichen, insbesondere sein Wirken als Direktor des früheren Israelitischen Taubstummen-Institutes. Die Erfolge, die Dr. Krenberger hier erzielen konnte, sind Ruhmesblätter in der Geschichte der Pädagogik. In gleicher Hingabe wie seinem edlen Lebensberufe widmete sich Dr. Krenberger auch allen jüdischen Dingen. Er konnte von sich sagen, daß nichts Jüdisches ihm fremd sei, denn auf allen Gebieten des jüdischen Lebens war er schaffend und tätig mit einer Begeisterung, die überhaupt Merkmal seiner hervorragenden Persönlichkeit war. Ehedem dem Kreis um Theodor Herzl angehörend, hat er sich bald vom politischen Zionismus abgewandt und ist sogar nach dem Umstürze mit aller Vehemenz gegen den jüdischen Nationalismus aufgetreten. Seine Angriffe gegen diese dem österreichischen Judentum abträgliche Bewegung richtete er damals hauptsächlich in der „Wahrheit", zu deren fleißigsten Mitarbeitern er in jener Zeit gehörte. (Wir veröffentlichen auch an einer anderen Stelle unserer heurigen Nummer einen seiner im Jahre 1920 erschienenen ausgezeichneten Artikel, dessen Inhalt noch heute aktuell ist und dessen Schlußfolgerungen auch nach 11 Jahren ihre Richtigkeit behalten haben.) Dr. Krenberger war einer der Mitbegründer des Hietzinger Tempelvereines, lange Jahre sein Präsident und Ehrenpräsident. Er schuf auch die Organisation der Wiener Tempelvereine und gehörte dem Kultusvorstand durch vier Jahre (1920—1924) an, in welcher Zeit er sich namentlich als Obmann der Unterrichtskommission der Gemeinde große Verdienste um dieselbe erwarb. Mit besonderer Hingebung widmete er sich dem Vereine „Einheit", den er vor 25 Jahren mitbegründen half und den er als vorbildlich fürsorgliches Vorstandsmitglied aus seinen kleinen Anfängen bis zu seinem heutigen ausgedehnten Wirkungskreise begleitete. So war Dr. Krenberger überall unermüdlich tätig und überall, wo er hingebungsvoll gewirkt, wird sein Andenken unvergessen bleiben. Seiner gramgebeugten Gattin, Laura und seiner treuen Tochter Seiina wendet! sich in diesen Tagen, da dieser edle Mensch und gute Jude von uns ging, die allgemeine Teilnahme zu. * Dienstag, den 3. d. M.. fand auf dem Zentralfriedhofe (III. Tor) das Leichenbegängnis des Herrn Regierungsrates Dr. S. Krenberger statt. Der Sarg war, vom Trauerhause kommend, am Hietzinger Tempel vorbeigeführt worden, um den Toten, der um dieses schöne Gotteshaus sich so viele Verdienste erworben, eine letzte Ehrung zu erweisen. In der Zeremonienhalle hatten sich u. a. eingefunden: Präsident Prof. Dr. Alois Pick und Vizepräsident Dr. J. O r n s t e i n, die Kultusvorsteher Baurat Wilhelm Kempler, Wolf Pappenhcim, Michael S t e r n f e I d und Dr. Josef T i c h o, Regierungsrat Dr. E. A d 1 e r. Amtsleiter W. F r e i s t a d t, eine Abordnung der Schulverwaltung der Gemeinde, geführt vo»

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