Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1931-01-30 · Heft 5 (30.1.1931) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 5 (30.1.1931)
Date
1931-01-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064453-3064458--18237-3083246
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

wordenen Sprechabende der Bezirksorganisation Leopoldsfcdt der „Union" unter dem Vorsitz des rührigen Obmannes dieser Bezirksorganisation, Herrn Dir. Gustav Kol min, statt. DerRemarque- Film-Rummel hat in der Leopoldstadt so sehr die Gemüter erregt, daß die diesen beschämenden Ereignissen gewidmete, aber einige Zeit nach denselben stattgehabte Veranstaltung der „Union", regem Interesse begegnete, das sish in einem ganz ausgezeichneten Besuche der Versammlung manifestierte. Der Referent, Dr. Ernst Feldsberg, dessen Ansichten über dieses Thema den Lesern der „Wahrheit" aus einem jüngst jerschienenen Leitartikel unseres Blattes bekannt ist, zeigte in ausgezeichneter Weise das System auf. dessen sich unsere antisemitischen Gegner der verschiedensten Couleur bedienen, um zu ihrem Ziele, der Entrechtung der Juden auf deutschem und österreichischem Boden zu gelangen. Er besprach die Schädlichkeit des Nationalismus, auch des jüdischen, mit dem er sich in kritischer Weise eingehend befaßte. Seine Ausführungen wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen und entfesselten eine Debatte, die gleichfalls auf sehr hohem Niveau stand. Als erster sprach Rabbiner Dr. A. Kaminka, der zunächst einige Zurückhaltung gegenüber den Bestrebungen des Pazifismus aus taktischen Gründen empfahl. Er wandte sich hierauf den jüdischen Problemen der Gegenwart zu und plädierte zum Zwecke des Kampfes gegen die Schädlinge in unseren eigenen Reihen für eine Zusammenfassung aller positiv jüdisch orientierten Gruppen und Vereinigungen. Dr. Felix Tänzer bekannte sich in temperamentvollen Worten als Pazifist und verlangte, daß auch die ludenschaft dieser erhabenen Idee rückhaltslos Gefolgschaft leiste. Die Sammlung des Judentums könne nur dann erfolgen, wenn unsere Jugend die Kenntnis von der heroischen Geschichte unseres Volkes erhalten werde. Präsident Dr. J. O rnste in befaßte sich mit der Idee der „Union", die nicht nur auf Oesterreich beschränkt sei, sondern Glaubensbrüder in aller Herren Länder erfülle. (Lebhafter Beifall.) Ing. Hugo Koditscliek verwies auf die Notwendigkeit der Heranziehung der indifferenten Schichten des Judentums und beleuchtete die heute so notwendige jüdische Abwehrarbeit vom wirtschaftlichen Standpunkt aus. Besonderen Eindruck machte der letzte Redner des Abends, Herr Dr. Leo Deutschländer, der wohl die Nützlichkeit des politischen Tageskampfes anerkannte, gleichzeitig aber auch die Forderung nach einer Durchdringung der Jugend mit jüdischem Geiste aufstellte. In diesem Sinne plädierte er für Ausbau des Religionsunterrichtes, dessen Bemessung mit zwei Stunden in der Woche er für nicht ausreichend fand. Gebt dem Judentum zwei Lehrjahre, wie Ihr früher dem Staate zwei Wehrjahre gegeben, schloß Doktor Deutschländer seine eindrucksvolle Rede. Mitteilungen des Sekretariate der „Union deutschösterreichischer Juden" DL, Berggasse 4. — Tel A19-2-77. Parteien verkehr: Montag bis Freitag von 10 bis 11 vorm. und 4 bis 5 Uhr nachm. Sonntag von 9 bis 11 vorm. Die Rechtshilfe- und Beratungsstelle der „Union" für Unbemittelte amtiert jeden Montag von %6 bis 7 Uhr nachm. Unentgeltliche Stellenvermittlung: Anmeldungen täglich während des Parteienverkehres. Stellengesuche: Magazineur (In), Geschäfts- oder Bürodiener, Vertreter für Seiden- und TextHbranche, Buchhalter, Korrespondent (auch in ungarischer Sprache), Stenotypistin (auch Englisch und Französisch), Verkäufer (Kommis), Kontorist (auch Buchhaltung), Herrenschneider. Zuschriften zu richten an die „Union", IX., Berggasse 4. Tel. A 19-2-77. Veranstaltungskalender der „Union". Montag, den 1. Februar, V28 Uhr abends, im Klubsaal des Cafe L 0 v r a n a, III., Löwengasse 36. Mitgliederversammlung der Bezirksorganisation III. Mittwoch, den 4. Februar, 7 Uhr abends, im Klubzimmer des Cafe National, II., Taborstraße 18. Vorstandssitzung der Bezirksorganisation II und Sitzung des Vergnügungskomitees. ■ Die g 5 Union deufschösferreicblscner Juden 5 g und die ■ ■ Jugendgruppe des Leopoldstädter Tempeivereines ■ g „Aeschel Awrobom" g g veranstalten anläßlich des g S PURIMFESTES S ■ D ■ Sonntag, den 8. März, 'AS Uhr abends, im Fest- ■ g Saale des Hotel Continental, IL, Taborstraße. eine g S AKADEMIE MIT TANZ S ■ ■ ■ Mitwirkende: g ■ Paul Pranger (Burgtheater). g ■ Christi Grampietro. ■ g Suse Michaiek, g- ■ Max Brod, g ■ Viktor Sternau, ■ g Kantor I. Rosen wald u. v. a. 5 g Conference: Fred Kut t. g ■ Erstklassige Jazzmusik. „The Hos Fellows." g ■ ■ S Kartenvormerkungen im Sekretariat der „Union", ■ g IX., Berggasse 4, Tel. A 19-2-77 und beim Obmann g ■ der Jugendgruppe Erich Wechsler, II., Josefineng ■ gasse 4. Tel. R 41-7-79. ■ Jüdis€fkelfhrentafel. Melbourne. Donnerstag, den 23. Jänner, fand die Angelobung- Sir Isäac Alfred I s a a c s als Q eneralgou verneur von Australien statt. Die Angelobungszeremonie ging in der traditionell feierlichen und pompösen Weise vor sich. Die Amtsbestätigungsurkunde wurde vom australischen Ministerpräsidenten J. H. S c u 11 i n auf Grund des ihm vom König übertragenen Rechtes unterzeichnet. Rom. Kapitän P o n t r e m o 1 i, eiu naher Verwandter von Professor Aldo Pontremoli, der bei der von General Nobile geführten Nordpolfahrt der „Italia" den Tod fand, wurde zum Admiral in der italienischen Kriegsmarine ernannt. Professor Aldo Pontremoli war mütterlicherseits ein Enkel des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Luigi Luzzatti. Das Verordnungsblatt des italienischen Kriegsministeriums enthält außerdem die Ernennung des jüdischen Obersten Umberto Pugliese zum Generalmajor. New York. Der Präsident des Jeschiwah College von New York Samuel Levy" wurde als Nachfolger Julius Millers, der in den Obersten Gerichtshof berufen wurde, zum Bezirks Vorsteher von Manhattan gewählt. Genf. Der Völkerbundsrat hat den Leiter der Abteilung des Völkerbundsekretariates für Transit und Verkehr, Haas, einen französischen Juden, zum Direktor ernannt Haas ist der erste Jude, der den Rang eines Direktors im Völkerbundsekretariat bekleidet Das Sekretariat der „Union" bittet die verehrilcnen Mitglieder, es von freiwerdenden Stellen brieflich oder telephonisch zu verstSn- GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNMEHL WIEN IX., BEROOASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINQERSTRASSE »7 Telepboa Nr. A 17-349 and A 16-9-34 Ltetamt Mr Hsllautaltea AbteilungenfürKoscherflelsch Mtar Jtofsleht 4m mbrm. RabbfnaU* dar lar. InHMgtmtad« Wlaaj. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Radio und Orammopfione Radio, neueste Typen, auch Umbau und Tausch alter Apparate. Schallplatten hervorragendster Künstler und neuesierSchlflger.auchTausch. Zahlungserleichterung. c« Radiohaus „ELPHORA I., Doailnlkanerbastei 22, Tel. R 24-4-16 Wahrheiten vom Page In Thüringen droht Schächtverbot. Der Gesetzgebungsausschuß des Thüringischen Landtages nahm am 23. d. M. das SchächtVerbotsgesetz in zweiter Lesung an. Dafür stimmten die Nationalsozialisten, der Landbund und die Vertreter der Wirtschaft sparte i. Der Stimme enthielten sich die Deutsche Vo 1 kspartei, die Sozialdemokraten und die Kommunisten, so daß also gegen das Gesetz niemand stimmte. Nach der Sitzung wurde vom Fraktionsführer der deutschen Wirtschaftspartei mitgeteilt, daß die Wirtschaftsparteiliche Fraktion die Stellungnahme ihres Vertreters im Gesetzgebungsausschuß nicht billige. Die Wirtschaftspartei sei in ihrer großen Mehrzahl aus wirtschaftlichen Gründen gegen die Annahme des Gesetzes. Dies sei auch von den Thüringischen Handelskammern als durchaus beachtlich anerkannt worden. Judenfrage und Wirtschaftsnot in Rumänien. In New York fand die Jahreskonferenz des Verbandes der rumänischen Juden Amerikas statt. Der rumänische Gesandte in Washington Dr. D a v i 1 a hielt auf der Konferenz eine Ansprache, in der er erklärte, der gegenwärtigen rumänischen Regierung sei es a bsolut e rnst mit der Bekämpf ung des Antisemitismus, doch müßten die amerikanischen Juden dessen eingedenk sein, daß die Hauptursache der antisemitischen Ausschreitungen in Rumänien in der schwierigen Wirtschaftslage des Landes zu suchen sei. Gesandter Daviia appellierte an die rumänischen Juden Amerikas, mitzuhelfen zur Besserung der Wirtschaftslage Rumäniens. Der Präsident des amerikanisch-jüdischen Kongresses Bernhard Deutsch brachte die Anerkennung der amerikanischen Juden für die. seitens der rumänischen Regierung zur Bekämpfung des Antisemitismus ergriffenen Maßnahmen zum Ausdruck, fügte jedoch hinzu: „Ich kann der Auffassung, daß die den Juden auf Grund des Friedensvertrages von Versailles zustehenden Rechte ihnen erst gewährt werden sollen, wenn die wünschens werte Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse Rumäniens eingetreten ist, nicht zustimmen." Schließlich wurde von der Konferenz der Beschluß gefaßt, die Juden Rumäniens weitgehend zu unterstützen. Unreife Akademiker. Am Mittwoch, den 14. Jänner, sprach der Direktor des Centrai-Vereines, Dr. Ludwig Holländer, in der ZeitungswissenschaftlichenVereini- Kung an der Universität München über das Thema „Die jüdische Presse Deutschlands". Er widerlegte das Schlagwort von der sogenannten jüdischen Presse und gab aufschlußreiche Darlegungen über die wirkliche jüdische, d. h. die von Juden iür Juden und für Nichtjuden unter besonderer Betonung ihres weltanschaulichen jüdischen Charakters geschriebene Presse, und kennzeichnete Standort, Umfang, Einfluß und politische Richtung dieser „echten" jüdischen Zeitungen, auch der in 0 esterreich erscheinenden. Insbesondere legte er die vom Standpunkte gesellschaftswissenschaftlichen Erkenntnisses wichtige Unterscheidung über das Wesen der verschiedenen jüdischen Richtungen eingehend dar, um von diesen Gesichtspunkten aus die innere Bedeutung nicht nur der jüdischen Zeitungen, sondern auch der Zeitschriften den Hörern nahe zu bringen. Der Vortrag war von über 200 Personen besucht; von denen die Mehrzahl Angehörige der Hochschule waren. Leider befand sich unter diesen auch eine Anzahl von jungen Leuten, die den Ausführungen des Redners nicht mit dem Willen folgten, sich über eine ihnen unbekannte Materie belehren zu lassen, sondern die nur in der Absicht gekommen waren, durch andauernde Zwischenrufe Störungen zu verursachen. Die Versuche scheiterten allerdings an der Sicherheit, mit der Doktor Holländer den Zwischenrufern, die hauptsächlich* bei den Ausführungen ^des Redners über die Verbundenheit des jüdischen Lebens in Deutschland mit den allgemeinen Erscheinungen der deutschen Entwicklung randalierten, zu begegnen verstand. Es muß aufs tiefste bedauert werden, daß akademisch gebildete Menschen:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.