Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 5 (30.1.1931)
- Date
- 1931-01-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite iiori ' zu besitzen, die litauische Staatsbürgerschaft zu verleihen. Die gesamte jüdische Bevölkerung Litauens befindet sich in einem Zustand von Panik und Verzweiflung. Die jiddische Presse kann jedoch infolge der scharfen Zensur, die unter der in Litauen herrschenden Militärdiktatur geübt wird, der Stimmung der jüdischen Massen nicht in vollem Maße Ausdruck verleihen. Die jiddischen Zeitungen sind in den letzten Tagen mit großen weißen Flecken erschienen. In jenen Absätzen, die dem Stift des Zensors entgangen sind, wird die neue Verordnung der litauischen Regierung als der schwerste Schlag bezeichnet, von dem das Judentum Litauens jemals betroffen wurde. Hitler-Interviews. M. W. schreibt in der Berliner „Jüdischen Rundschau": Vor einigen Monaten versuchte eine jüdischamerikanische Journalistin in beruflicher und weiblicher Sensationsgier Hitler zu interviewen. Da die Dame offenbar auf Grund ihrer Physiognomie sofort als Jüdin zu erkennen war, bekam sie einen Korb und wurde, noch bevor sie die heiligen Hallen der Hitler-Burg betreten hatte, hinausgeworfen. Wir haben jener Dame den Hinauswurf neidlos gegönnt, denn es ist wirklich ein Beweis absoluter Würdelosigkeit, wenn sich Juden dazu drängen, mit Herrn Hitler in Berührung zu kommen. Die Erfahrung der amerikanisch-jüdischen Journalistin schmeckte jedoch einen gewissen Frankel, der gleichfalls amerikanischer Journalist, aber blond ist, nicht ab, und er versuchte bei Hitler sein Glück. Ihm. gelang es auf Grund seiner unverdächtigen Physiognomie, zum Nazi-Führer vorzudringen und von diesem ein Interview zu bekommen. Bekanntlich werden Herrn Hitler die Interviews mit Gold aufgewogen, so daß sowohl Hitler wie auch Frankel materiell aus dieser Zwiesprache klingenden Nutzen, und nicht zu knapp, gezogen haben. Herr Frankel fragte Hitler über seine Stellung gegenüber den Juden und bekam die Antwort, die Hitler, in der Oeffentlichkeit und für die Oeffentlichkeit befragt, geben muß: nämlich daß er ein unentwegter Antisemit ist und nach Erlangung der Macht in Deutschland die Juden von jeder öffentlichen Betätigung ausschließen, sofern sie deutsche Staatsangehörige sind, und rücksichtslos ausweisen werde, wenn sie sich erst seit 1914 in Deutschland befinden. Diese jüdische Interviewerei Hitlers ist ein Unfug sondergleichen. Wenn sensations- und dollarhungrige jüdische Journalisten politischen Erwägungen nur ein klein wenig Kaum gewähren würden, so-müßten sie sich als Juden sagen, daß Hitler, befragt, aus agitatorischen Gründen betonen muß, daß er am antisemitischen Programme festhält. Es ist nämlich nicht richtig, wie seinerzeit in einem Teil der Presse behauptet wurde, daß Hitler in seinen für das Ausland bestimmten Erklärungen vom Antisemitismus abgerückt wäre. Das hat er gar nicht nötig. Denn ähnlich wie die meisten bürgerlichen Parteien in Deutschland betrachten auch die ausländischen politischen Faktoren den Antisemitismus Hitlers nicht als dessen größten Schönheitsfehler. Sie würden mit christlichem Erbarmen über den Judenhaß der Nationalsozialisten hinwegsehen, wenn die Nationalsozialisten ihnen sonst genehm wären. Da das Ausland aber den Nationalsozialismus aus tausend Gründen ablehnt, so macht es sich nicht schlecht, als ersten dieser tausend Gründe den Judenhaß der Nationalsozialisten anzuführen. Ist es also schon allgemein politisch unklug, wenn jüdische Journalisten Hitler über seine bekannte Stellung zu den Juden ausfragen, so ist es vom jüdischen Standpunkte aus würdelos, wenn jüdische Journalisten immer wieder versuchen, unter Anwendung von Täuschungsmitteln sich beim Judenhasser Hitler einzuschleichen. Was soll damit bewiesen werden? Der Mut dieser jüdischen Journalisten? Gieren diese jüdischen Zeitungsmänner nach der Sensation, als Juden Auge in Auge mit dem Antisemitenfürsten beisammen zu sein? Diese Herren mögen es sich gesagt sein lassen: es ist kein Zeichen von besonderem Mut, mit Herrn Hitler Unterredungen zu pflegen, sondern vielmehr ein Beweis eines Opfers an Intellekt und an jüdischer Würde und einer Geschäftstüchtigkeit, die dem Grundsatz des non olet huldigt. Veröffentftdfungen der Union öeutsdjösterreidjisdjer Juden. Prachtvolle echte Perserteppiche durchwegs selten günstige Gelegen* heitskäufe sowie elegante Möbel, wie Speise-, Schlaf- und Herrenzimmer werden zu ganz außerordentlich billigen Preisen abgegeben. Besichtigung ohne jeden Kaufzwang im WIEDNER MBBELHEIM INH. JULIUS GDTZL Hsadelsger. beeid. Sachv.a.SchStnnelater IV.,SCHLEIFMU HLGASSE1« TELEPHON B 24-1-62 » Jewish Agency undAgudas Jisroel. In der vergangenen Woche haben in Berlin Besprechungen zwischen Vertretern der Jewish Agency und Beauftragten der Agudas Jisroel stattgefunden. Die Besprechungen sollen im Verlauf dieser Woche unter Hinzuziehung weiterer maßgebender Persönlichkeiten fortgeführt werden. Die der Leitung der Agudas Jisroel nahestehende, in Wien erscheinende „Jüdische Presse" äußert sich zu diesen Besprechungen wie folgt: „Man erinnert sich, daß die „Kenessio Gedaulo" mit Zustimmung des Rabbinischen Rates eine Resolution faßte, die eine Beteiligung der Agudo an der Jewish Agency dann für denkbar erklärte, wenn die Agency ihr Arbeitsgebiet auf wirtschaftliche und politische Dinge beschränken, alles Kulturelle ausschließen und alsdann ihre gesamte Tätigkeit der Autorität des Religionsgesetzes unterstellen werde. Hnrenmi DaniDileiler Nur Ia-Qualitäten nach Maß und fertig lagernd, eventuelle Zahlungserleichte. rangen bis zu t Jahr werden gewährt. .XEIDER-UNIOh £v/lENVLKuernena.6 TeLB202l3 Aus der Antwort, die der Vorsitzende des Administrativ-Komitees der Agency der Agudas Jisroel erteilte, ging bereits hervor, daß die Agency sichnichtin derLage sehen werde, diese Bedingungen der Agudas Jisroel zu genehmigen, daß sie aber dennoch Verhandlungen über eine Kooperation der beiden Körperschaften auf dem Gebiete der Erez Jisroel-Arbeit für wünschenswert halte. Diese Kooperation zum Gegenstand einer zwangslosen Besprechung zu machen, ist die Aufgabe der in Berlin zusammentretenden beiderseitigen Kommissionen. Wir sind überzeugt, daß die Besprechungen von dem schweren Ernste der gegenwärtigen Lage erfüllt und von dem Bewußtsein getragen sein werden, daß die religiösen, politischen und wirtschaftlichen Probleme, die sich für Klal Jisroel an Erez Jisroel knüpfen, durch die Ereignisse der beiden letzten Jahre und durch die aktuelle Krise an Gewicht nicht verloren, sondern erheblich gewonnen haben. Die verzweifelte Lage, in der sich Millionen jüdischer Brüder in der ganzen Welt befinden, muß ja die Sehnsucht und den festen Willen, nach Erez Jisroel auszuwandern, mit elementarer Gewalt von Tag zu Tag steigern und die Orthodoxie kann vor dieser Entwicklung, die sich jetzt sogar in Amerika geltend macht, ihr Auge keinen Augenblick verschließen. Sie muß daher aufs ernsteste prüfen, wie sie ihrer Verantwortung gerecht wird und welche Möglichkeiten bestehen, unter gewissenhafter Wahrung ihrer absoluten organisatorischen Selbständigkeit und kompromißloser Durchsetzung ihrer religiösen Prinzipien eine praktische Zusammenarbeit mit allen am Erez Jisroel interessierten Kreisen im Interesse des jüdischen Volkes zu ermöglichen.** Union"' Veranstaltungen Die Neukonstituierungen unserer Bezirksorganisationen schreiten mit Erfolg fort. Nachdem die in den Bezirken 2, 3, 6, 7, 10, 11, 16, 17 und 2t von den Mitgliedern dieser Bezirke gewählten Ausschüsse bereits wieder konstituiert worden waren, hielt in der Vorwoche auch die Bezirksorganisation IX der „Union" die konstituierende Mitgliederversammlung für das laufende Jahr ab. Die am 20. v. M. im Klubsaal des Cafe City stattgehabte Versammlung nahm einen schönen Verlauf. Auf die einleitenden Referate des Herrn Dr. Ernst Feldsberg, der sich mit der politischen und wirtschaftlichen Lage der Juden in Oesterreich befaßte, und des Herrn Reg.-Rates Dr. Max Lenk, der die innerjüdische Situation beleuchtete, folgte eine lebhafte Debatte, an der sich die Herren Max Eisner, Michael Max Weiß und Bernhard K o h n beteiligten. Hierauf schritt die Versammlung zur Neukonstituierung des Ausschusses der Bezirksorganisation. Da der bisherige Obmann. Herr Moriz Oesterreicher, der auch diese Versammlung leitete, sein Domizil gewechselt hat. wurde an seiner Stelle auf Vorschlag des Herrn Michael Max Weiß Herr Dr. Ernst Feldsberg zum Obmann der Bezirksorganisation gewählt. Er erklärte, dieses Amt in Erwartung der Unterstützung durch die Mitglieder des Bezirkes anzunehmen, und dankte dem bisherigen Obmann für seine Tätigkeit Dem neuen Obmann wurde ein großer Ausschuß zur Seite gestellt, der auch seine Arbeiten bereits aufgenommen hat. Schließlich sprach noch der Präsident der „Union", Herr Dr. J. O r n s t e i n, über die Tätigkeit der unionistischen Mandatare in der Kultusgemeinde. Seine Ausführungen wurden mit großem Beifall aufgenommen. * Am 21. v. M. veranstaltete die „Union deutschösterreichischer Juden" einen Vortragsabend im Klubsaal des Ingenieur- und Architektenvereines, auf dem Herr Dr. phil. et rer. pol. Franz Josef Weiß ein Referat über „Die soziale und wirtschaftliche Lage der Juden in Oesterreich" hielt. Der Vorsitzende der Veranstaltung, Herr Reg.-Rat Dr. Max Lenk, betonte in seinen einleitenden Worten, daß es sich hier um den Vortrag eines ernsten Wissenschaftlers handle, mit dessen politischen Ansichten wohl ein Teil der Mitglieder der „Union" nicht übereinstimme, doch verdiene seine ernste wissenschaftliche Betrachtung der jüdischen Probleme unsere Aufmerksamkeit. Das Referat, das eine emsige Studienarbeit darstellt und von dem Referenten mit jugendlichem Feuer vorgetragen wurde, begegnete in seinem politischen Teile tatsächlich einigem Widerspruch. Präsident Dr. J. Ornstein übte bei aller Anerkennung des hohen geistigen Niveaus des Vortrages in einer eingehenden Rede Kritik an der subjektiven Einstellung des Redners. Nach dem Schlußworte des Vortragenden beendigte der Vorsitzende die Versammlung, indem er den temperamentvollen Redner als einen Jüdischen Abraham a Santa Clara" bezeichnete, der uns gehörig die Leviten lesen wolle. Den Vortrag des Herrn Dr. F. J. Weiß geben wir von der dieswöchentlichen Nummer ab in Fortsetzungen wieder, da auch wir der Ansicht sind, daß ein ernster Wissenschaftler Gehör finden muß, selbst wenn man mit manchem, was er zu sagen weiß, nicht einverstanden sein kann. * Am 22. d. M. fand im Klubsaal des Grand- Cafe Central wieder einer der rasch beliebt ge- LEBENSVERSICHERUNQS-QESELLSCHAPT PHÖNII WIEN. 1. BEZIRK. R1EMRRQASSE 2 Versicherungsbestand per Mitte 19iu......... - 2450 Millionen Schilling Prämienand Zinseneinnahmen im Iahte 1929 12S . Gaiintiemittel per Ende 1929 300 , . ... . Auszahlungen an die Verlieherten im Jahre 1929 ...... 30'/» , .