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Die Wahrheit · 1931-01-30 · Heft 5 (30.1.1931) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 5 (30.1.1931)
Date
1931-01-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DDE WAHRHEIT Seite f Reiidenz-Atelier für moderne Photographie. Wien I., Fleischmarkt Nr. 1 Telephon R 29-2-80 1 Bild und 6 Karten S 25.— Spezialität: Brautaufnahmen nicht den Takt und Anstand besitzen, einen rein wissenschaftlichen Vortrag auf akademischem Boden in Ruhe anzuhören. Die Empörung des Publikums hierüber äußerte sich vor allem in lebhaften Beifallsbezeugungen für den Redner. Ein bekannter bayerischer Offizier, Generalmajor a. D. Staubwasser, gab am Schluß seinem Unmut über das unsachliche Gebaren einiger Teilnehmer durch demonstratives Verlassen des Hörsaales Ausdruck. Der Vorsitzende der Zeitungswissenschaftlichen Vereinigung München, Heinz Grünbeck, mißbilligte in seinen Schlußworten ausdrücklich das unwürdige Verhalten einzelner Kommilitonen. Trotz aller Störungsversuche war die Versammlung durchaus gelungen. Ihr Zustandekommen ist bei der besonderen Lage an der Münchener Universität als ein großer Erfolg zu bezeichnen; eine Tatsache, die auch in den Besprechungen in der führenden Presse Münchens, vor allem den „Münchener Neuesten Nachrichten", dem „Bayerischen Kurier" und der „Münchener Post", zum Ausdruck kam. VonWiutke zu Worte Bitte an unsere Leser! Die Anschaffung von Lautsprecheranlagen hat in manchen jüdischen Häusern die früher verwendeten Detektorapparate tiberflüssig gemacht. Das israelitische Versorgungshaus wendet sich an edel denkende Glaubensgenossen mit der Bitte, solche nicht mehr benötigte Detektorapparate den Siechen zu schenken, um ihnen auf diese Weise eine willkommene Freude zu bereiten. De Apparate werden auf Wunsch gerne abgeholt; Verständigung an unsere Redaktion erbeten. Sturmkatastrophe in Palästina. Eine Sturmkatastrophe, von der Palästina in den letzten Tagen heimgesucht wurde, hat im ganzen Lande schwere Schäden verursacht. Etwa 15 bis 20 Prozent der O r a n g e nernte sind vernichtet. In Haifa wurden einzeine am Meeresufer gelegene Eisenbahndämme vollkommen unterspült und die Geleise zerstört. Der neu errichtete Wellenbrecher im Hafen von Haifa wurde stark beschädigt. Ein Angestellter des Haifaer Hospitals fand durch Berührung einer vom Sturm zerrissenen Hochspannungsleitung den Tod. Im Hafen von Jaffa sind 30 Ausladeboote gesunken. Die Springflut überschwemmte die Kais und drang in zahlreiche Gebäude ein. Auch die Allenby- Straße in Tel Aviv war überschwemmt, die elektrische Beleuchtung unterbrochen. Auf dem Tiberias-See kenterte ein von fünf Chaluzim besetztes Boot. Zwei Insassen sind ertrunken, die übrigen konnten schwimmend das Ufer erreichen. Der Orkan wütete auch in anderen Küstengebieten des Mittelmeeres und hat u. a. im jüdischen Viertel von Tripolis großen Schaden angerichtet. Durch herabstürzende Trümmer eines vom Sturme abgerissenen Daches wurden zwei Juden getötet, einer schwer verletzt. Todesfall. Der bekannte volkswirtschaftliche Redakteur Jacques Sachs, der das „Zentral- Lederhandschuhfabrik Josef Tjasfinger L, Rotenfurmstraße 23 Telephon U 25-3-29 * EL, Hollandsfraße 11 Telephon R «7-2-40 blatt für Walderzeugnisse" und die „Wiener Approvisionierungs - Zeitung" herausgegeben und redigiert hat, ist im 64. Lebensjahre gestorben. Die Beerdigung fand Dienstag, den 27. d. M., am Zentralfriedhof (I. Tor), unter großer Beteiligung statt. Der Verstorbene erfreute sich in den weitesten Kreisen größter Beliebtheit und Wertschätzung. Trauerkundgebung. Für die am 16. Jänner 1. .1. verstorbene Frau Betty Adler, geb. Baß, fand am 25. Jänner, um 17 Uhr, im Tempel des Lainzer Versorgungshauses, wo sich das gesamte Komitee einfand, ein Trauergottesdienst statt. Nach dem Maariw-Gebet hielt der Obmann des Komitees, Herr Karl Altmann, der Verstorbenen einen tief ergreifenden Nachruf, wobei er besonders ihre Güte und ihr Pflichtbewußtsein hervorhob. Ein Pflegling der Anstalt. Herr S c h u 1 h o f, gedachte ebenfalls der Hingeschiedenen und dankte bei dieser Gelegenheit dem Komitee für seine ersprießliche Tätigkeit. Hierauf wurde El mole rachamim gebetet und sämtliche Herren des Komitees sowie auch die anwesenden Pfleglinge sagten gemeinsam Kaddisch. Linz. Am 17. d. M. feierte Frau Amalie Werner ihren 80. Geburtstag. Aus diesem Anlasse wurden der Gefeierten vielfache Ehrungen aus jüdischen und nichtjüdischen Kreisen zuteil, ein Beweis dafür, welch' großer Beliebtheit Frau Werner in Linzer Kreisen sich erfreut Mögen dieser edlen Frau noch viele Jahre zur Freude ihrer Lieben beschieden sein. Kl. — Fräulein Paula Weinstein, Tochter des Herrn Oskar Weinstein, Direktor der Firma Camis & Stock, hat sich mit Herrn Erwein Segal aus Wien verlobt. Die Jugendgruppe des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" veranstaltete am 27. d. M. ihren ersten Vortragsabend, dem ein sehr illustres Publikum, u. a. Präsident Dr. J. Ornstein und Obmann Oskar S c h r amek beiwohnten. Der Obmann der Jugendgruppe, Herr Erich Wechsler, begrüßte die Anwesenden. Rabbiner Dr. Zwi Taubes sprach einige einleitende Worte über das Problem des Qottsuchens, dem das Referat des Abends, temperamentvoll vorgetragen von Dr. Felix Tänzer, gewidmet war. Dr. Felix Tänzer führte u. a. aus: „Wir leben in einer entgotteten Welt Das mechanisierte Getriebe des Alltags, das unser Denken absorbiert, hat die Seele getötet und uns vergessen lassen, daß wir in einer Welt des Scheins leben. Wir müssen uns au! uns selbst besinnen, um auf dem Wege zu Gott uns selbst wiederzufinden. Wir Menschen jüdischen Glaubens können dies um so leichter, wenn wir auf das Wissen unserer Religion zurückgreifen und auf diesem Wege die schlummernde Religiosität zu neuem Leben, vor allem aber zu neuem Wirken wecken. Einer der führenden Theologen des Mittelalters, Anselm von Canterbury stellt im Ueberschwang seines Glaubens den Satz auf: „Credo, quia incredibile" (Ich glaube, weil es unglaublich). Wir können demgegenüber den Grundsatz festballen: Credo, quia sum et cogito (Ich glaube, weil ich bin und denke). Warum nennen wir uns eigentlich Juden. Die einen weisen auf die Tradition hin, ohne diese Tradition durch ihr eigenes Wirken zu erfüllen. Die anderen wieder sprechen davon, daß sie die Wiedergeburt des Nationallebens anstreben. Demgegenüber sei darauf zu verweisen, daß das natinonale Leben ein relativer Begriff sei, da sich nationale Existenz nur im Leben zwischen den Völkern auswirken und in dem Zeitpunkt beendigt sein müßte, den die Propheten Jesaia, Micha und Arnos herbeisehnen, da die Menschen über nationale und konfessionelle Gegensätze hinweg das einige Menschtum erkennen lernen. Die Erfahrung hat gelehrt daß politische Staatsgebilde ebenso wie Nationen vergehen und das, was übrig bleibt, die reine Geistigkeit „aere perennius" fortdauert Die nationale Existenz kann also das Wesen des Judentums keineswegs erschöpfen. Die Judenfrage liegt vielmehr darin, was nach einem geistreichen Wort, der einsamste, auf weltentlegener Insel befindliche einzelne Jude noch als jüdisch empfindet und damit kommen wir zwangsläufig zu dem jüdischen Glauben. Nicht Dogma und Norm, Kult und Form ist bestimmend für diesen Glauben, sondern einzig und allein das Gottsuchen auf den Wegen der übernommenen Ueberlieferung und auf dem Wege eigenen Forschens und eigener Arbeit, denn „was du ererbt von Deinen Vätern hast erwirb es, um es zu besitzen." Dieser Weg ist in den einleitenden Worten des Schemonc-Essregebetes vorgeschrieben, da der erste Satz dieses Gebetes nur in diesem Sinne verstanden werden kann. Der Deuter dieses Satzes ist Israel ben Elieser, den wir den Baal schem tauw nennen, der Begründer der letzten Blüte jüdischen Gottsuchens, jüdischer Mystik. Das Ziel dieser Richtung liegt darin. Gottes Schicksal auf Erden durch Zusammensein und Zusammenwirken von Menschen zu schmieden. Die Heiligung durch das Wissen fordert die Heiligung durch die Tat. Erst tun und dann vernehmen. Die Erfüllung dieser ethischen Forderung des Talmud bewirkt, daß der Mensch im Sinne des Bibelspruches in Wahrheit Mitschöpfer Gottes wird an der Vollendung der Werke des sechsten Tages. Durch die eigene Tat offenbart der Mensch, erfüllt das Volk den Willen Gottes, den es gesucht und es gefunden." Reicher Beifall lohnte die geistreichen Ausführungen des wegen seiner Begeisterung und Redegewalt geschätzten Redners. Israelitischer Betfaausverein, HL, Erdbergstraße Nr. 15. Am 18. d. M. fand unter dem Vorsitze des Obmannes Herrn Komm.-Rat Adolf Unger die 46. ordentliche Generalversammlung im Sitzungssaale des genUMLRflb H ERRENttObE WIEN II., FRflTERSTR TELEFON R 49-4-99 39 nannten Bethauses statt. Anschließend an die Generalversammlung richtete Obmannstellvertreter Samuel Frost eine herzliche Ansprache an den Obmann, der wir folgendes entnehmen: Herr Kommerzialrat Adolf Unger, der vor 40 Jahren Mitglied unseres Tempelvereines wurde und kurz darauf in den Vorstand gewählt wurde, ist nun auch seit 13 vollen Jahren Führer desselben. Was unser Obmann seit Antritt seiner Amtszeit geleistet hat, dafür wäre jedes Wort der Anerkennung zu gering. Im Namen des gesamten Vorstandes und aller Mitglieder sei deshalb dem hochverehrten Herrn Obmann der allerherzlichste Dank für seine bisherigen Mühen und Sorgen ausgesprochen, für all das, was er dem Vereine geleistet, was er zu seinem Wohle, zu seiner Ehre getan hat. Nicht immer war es leicht, die Pflichten zu erfüllen, die ihm sein Ehrenamt auferlegt hatte, doch immer hatte er in rastloser Arbeit und vollster Energie zielbewußt das Steuer dieses Schiffes zu lenken gewußt Der Wunsch des Redners, Herr Kommerzialrat Adolf Unger möge noch viele Jahre an der Spitze des Vereines zu dessen Gedeihen und Erfolg wirken, wurde von den Anwesenden mit Beifall unterstrichen. Tlmtüdiz Verfautßarungen der Jsraefitisdjen TCuftusgemeinöe Wien Z. 55 ex 1931. Wien, 26. Jänner 1931. Kundmachung. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien gibt hiermit bekannt, daß dl« Privatistenprüfungen aus israelitischer Religio» für Mittelschüier(innen) und Präparandinnen im ersten Halbjahre des Schuljahres 1930/31 Mittwoch, den 4. Februar 1931. von 4 bis 5 Uhr nachmittags. Wien I., Seitenstettengasse 2, II. Stock (Rabbinatskanzlei), durch Herrn Studienrat Inspektor Prof. Dr. Heinrich R e d i s c h vorgenommen werden. Die Prüfungstaxe beträgt S 5.— pro Halbjahr und ist im Vorhinein an der Kassa der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu entrichten. Die Quittung ist dem Examinator vorzulegen. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Israelitischer Jugendgottesdienst Am Samstag, den 31. Jänner 1931, findet um 3 Uhr nachmittags der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks- Synagogen statt. Predigten in den israelitischen Gemeinde- und Btezirkssynagogen. Freitag, den 30. Jänner 1931 werden bei dem um 4 Uhr 50 Minuten beginnenden Abendgottesdienst in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: VI., Schmalzhofgasse 3 (Rabbiner Dr. J. Dro» binsky), VIII., Neudeggergasse 12 (Rabbiner Dr. M Baue r), IX., Müllnergasse 21 (Rabbiner Dr. A. Z. S c h w a r z), XV., Turnergasse 22 (Rabbiner Dr. I. T a g 1 i c h t), XVI., Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach), XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. F e u c h t w a n g), XX., Kluckygasse 10 (Rabbiner Dr. B. Murmeist e i n). Samstag, den 31. Jänner 1931: H10 Uhr vorm.: Exegetischer Vortrag, XXI., Holzmeistergasse 12, Rabbiner Dr. R o s e n m a n n. H4 Uhr nachm.: Religiös-populärer Vortrag (Zyklus: „Die Lehrer und Lehren der Mischnah und der Gemarah'4, II.. Pazmanitengasse 6 (Rabbiner Drv Z. Taubes). 4 Uhr nachm.: Exegetischer Vortrag, XIX., Dollinergasse 3 (Rabbiner Dr. A. Frankfurter).

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