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Die Wahrheit · 1931-01-23 · Heft 4 (23.1.1931) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 4 (23.1.1931)
Date
1931-01-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 Rumänien macht Ordnung. Die rumänische Regierung setzt ihre Kampagne gegen die antisemitischen Terrororganisationen mit "aller Energie fort. Das Unterrichtsministerium hat seinem Zirkularschreiben an die Schuldirektionen einen Erlaß an dieRektoraie der Universität folgen lassen, in welchem diese aufgefordert werden, sämtliche Studenten, die sich innerhalb der Universität an Agitationen und Propaganda-Aktionen beteiligen, unverzüglich zu relegieren. An die Metropoliten und Erzbischöfe ist ein Zirkular ergangen, in dem die aktive Anteilnahme von Geistlichen an Vereinigungen, die Feindschaft, Haß und Gewaltanwendung gegenüber bestimmten Kategorien von Bürgern propagieren, als antichristlich, antisozial und antinationa.1 gebrandmarkt wird. Die Erzbischöfe werden aufgefordert, der Geistlichkeit die Abhaltung von Gottesdiensten für derartige politische Vereinigungen, die Vereidigung von Mitgliedern solcher Vereinigungen und die Vornahme von Fahnenweihen zu verbieten. Bei der Sichtung der in den verschiedenen terroristisch-antisemitischen Klubs und Zellen vorgefundenen Archive und Korrespondenzen wurden sensationelle Entdeckungen gemacht. In Siebenbürgen wurden Pläne zur Bewaffnung der sogenannten „Bataillone des Kreuzes" gefunden, in dem palastartigen Parteihaus der Cuzisten in Jassy wurden Korrespondenzen und Pläne beschlagnahmt, aus denen hervorgeht, daß anfangs Februar ein Kongreß aller Antisemiten Rumäniens einberufen und die Führung der Bewegung in die Hände des Generalstabschefs der Organisation „Erzengel Michael", Corneliu Zelea Codreanu, gelegt werden sollte. Es war sogar die Beseitigung Cuzas für den Fall, daß er sich weigern sollte, die Parteileitung zu übergeben, in Erwägung gezogen. Es wurde einwandfrei festgestellt, daß die Pläne der Vereinigungen „Eiserae Garde" und „Erzengel Michael" darauf abzielten, die bestehende Staatsform zu ändern und einzelne Politiker, die ihnen im Wege standen, zu beseitigen. In der Wohnung des Codreanu in Focsani wurde ein Manifest gefunden, dessen Inhalt darauf schließen läßt, daß eine ganze Reihe von terroristischen Attentaten geplant war. In den Bukowinaer Filialen der Organisation „Erzengel Michael" wurden größere Mengen von Explosivstoffen und Waffen gefunden. Aehnliche Funde sind auch in Siebenbürgen gemacht worden. Die Vermutung liegt nahe, daß der Bombenanschlag auf ein jüdisches Haus in Kandreny im Sommer vorigen Jahres von Mitgliedern der Ver eiidgung „Erzengel Michael" verübt wurde. Im Zusammenhang mit der Auffindung der kompromittierenden Dokumente in den Parteilokalen der antisemitischen Organisationen und der Aufdeckung der Waffenlager in der Bukowina und in Siebenbürgen wurde eine Anzahl weiterer Verhaftungen antisemitischer Führer vorgenommen. Der Justizminister hat an alle Gerichte ein Rundschreiben gesandt, in dem darauf aufmerksam gemacht wird, daß es an der Zeit sei, mit der bisherigen Praxis eines allzu milden Verfahrens gegen antisemitische Terroristen Schluß zu machen. Nach der Meinung der Zeitung „Dimineatza" ist diese Maßnahme darauf zurückzuführen, daß sich die Polizei wiederholt darüber beklagt hat, daß ihr Werk durch die Justizbehörden einfach zunichte gemacht wird. König Carol empfing den Innenminister Mihalache in besonderer Audienz. Der Minister informierte den König über den Gang der Untersuchung gegen die terroristisch-antisemitischen Organisationen „Erzengel Michael" und „Christliche Liga". Der König erkundigte sich eingehend nach allen Details und verlangte zum Schluß, daß die Untersuchung mit aller Energie fortgesetzt und die Schuldigen der verdienten Strafe zugeführt werden. Das lebhafte Interesse, das der König für die Bekämpfung der antisemitisch-terroristischen Bewegung bekundet, hat im ganzen Lande einen ausgezeichneten Eindruck gemacht. Die bisherige Aktion der Regierung hat den Beweis erbracht, daß die Terroristen beabsichtigten, ganz Rumänien zunächst durch eine Reihe von blutigen Attentaten und Pogromen in Unruhe zu versetzen," um auf den Ruinen der zusammengebrochenen Ordnung eine Diktatur mit Codreanu an der Spitze aufzurichten. Angesichts der umfassenden Sicherheitsmaßnahmen der rumänischen Regierung dürfte nunmehr mit einer Störung von Ruhe und Ordnung in nächster Zeit nicht zu rechnen sein. Der Pfarrer als Brandstifter. Der Pfarrer Berendei, auf dessen antisemitische Hetze die Brandstiftung in Borscha zurückzuführen ist, wurde wegen Beleidigung des ehemaligen Präfekten von Sighet, Juga, dem er vorgeworfen hatte, er sei von den Juden gekauft, zu einer Geldstrafe von 1500 Lei und dreijährigem Verlust der bürgerlichen Rechte verurteilt. Kleider sofort Zahlung später Herren- und Damenkleider nach MaB und fertig nur erstklassige Stoffe, bis '2 Monate Kredit Klelderhaus Werler, Wien XVI., OitaKrlnaerstr. Ii Tet azi-sui Zweierlei Maß. Am 30. November 1930 fanden die Wahlen sur Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde statt. Ihr Ergebnis war von unbestreitbarer Eindeutigkeit: die liberale Liste errang mit 24 Mandaten die absolute Majorität, von den weiteren 9 Listen fielen 5 völlig aus, die restlichen 4 Listen errangen insgesamt 17 Mandate. Klarer konnte der Wille der Wähler woW kaum zum Ausdruck kommen. Echt^PerserteDpic^ durchwegs günstige Gelegenheitskäufe, werden mit ganz kleinem Nutzen im WIEDNER HÖBELHEIM Inh. JULIUS GÖTZL Händig, beeld Sichv. u. Scha 7mei>ter IV .ScHLEIFMOHlGASSE la TELEPHON B 24-1-62 billigst abgegeben; daselbst sind auch elegante Schlaf- und Speisezimmer. Herrenzimmer, teils neu, teils gebraucht, zu verkaufen. Seit dem Wahltage sind 6 Wochen verstrichen, eine Bestätigung des Wahlergebnisses von der zuständigen Aufsichtsbehörde ist noch nicht erfolgt Der Grund ist inzwischen bekannt geworden: gegen die Gültigkeitserklärung der Wahl sind bei der Aufsichtsbehörde 14 Proteste eingegangen. Diese müssen geprüft und bearbeitet werden, ehe die Entscheidung getroffen werden kann. Liest man die Proteste, so kann man sehr bald zwei Gruppen unterscheiden. Die eine Gruppe bilden die Proteste von Gemeindemitgliedern, die über Mängel der Wahlorganisation, insbesondere der Wählerliste, entrüstet sind, die andere Gruppe bilden Proteste, die offensichtlich im Dienste der geschlagenen zionistischen Partei eingereicht sind. Es ist wohl nur zu verständlich, daß letzten Endes durch die Einreichung der Proteste keine Neuwahl herbeigeführt, sondern lediglich der Wandel der Mehrheitsverhältnisse hinausgezögert werden soll. Noch peinlicher aber werden die Dinge, wenn man sich an das Verhalten der Jüdischen Volkspartei nach den Wahlen des Jahres 1926 erinnert, als die Zionisten die Mehrheit m der Berliner Gemeinde erlangten und die Liberalen gegen diese Wahl protestierten. Am 15. November 1926 unter- GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMEHl UMMMMBHHMaaMBBHMBBaB WIEN IX., BERQOASSS NR. 1» FILIALE XVIII., WAHRINdERSTRASSB 9t relepüoaNr. A 17*99 and A 15-9-34 Llafarant für HaJIaMtalta* AbteilungenförKoscherfleisch aater Aufsieht 4am ehrar. Rabbiutas dar lar. Kultuagamaiiida Vlaa. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen breitete die Fraktion der Jüdischen Volkspartei der Repräsentantenversammlung eine Erklärung, die folgenden Wortlaut hatte: „Die Jüdische Volkspartei hält an ihrer grundsätzlichen Autfassung fest. Die am 16. Mai 1926 gewählte Repräsentantenversammlung ist die gesetzmäßige Vertretung der Gemeinde. Wahlproteste an die Staatsbehörden sind unzulässig, weil sie mit der im Artikel 137 der Reichsverfassung gewährleisteten Autonomie der Gemeinde in Widerspruch stehen. Deshalb dürfen die eingelegten Proteste die Einberufung der neuen Repräsentantenversatnmluns nicht verhindern. Diejenigen Personen und Parteien, von denen die Proteste aussehen, haben die Gemeinde aufs Schwerste geschädigt. Die Fraktion der Jüdischen Volkspartei lehnt es ab. in die Verhandlung der heute unterbreiteten Vorlagen einzutreten, weil die Versammlung nicht als die gesetzliche Vertreterin anzusehen ist. Wir erklären alle heute zu fassenden Beschlüsse für ungültig." Nun ist wohl die Frage erlaubt, ob die Führer der Jüdischen Volkspartei auch heute ihre Auffassung zu verwirklichen wünschen, nach der „die eingelegten Proteste die Einberufung der neuen Repräsentantenversammlung nicht verhindern dürften." Raflioond6rammopHone Radio, neueste Typen, auch Umbau und Tausch alter Apparate. äcaaUpt&tten hervorragendster Künstler und neuesierSdüager.aachTausch.Zahiungserleichterung. Radiohaus „ELPHÖRA" l., Doalnikanerbasiei 22, Tal. «24-4-1« 100 Jahre Zündhölzchen. Die Erfindung eines italienischen Juden. Dem in Florenz erscheinenden „Israel" (corrlere israeiitico) entnehme ich den Hinweis, daß eben das erste Jahrhundert nach der Emndung des Zündhölzchens seitens eines Juden, namens Sansone V a 1 obra (geboren am 24. Oktober in Fossano) abgelaufen ist. Der Genannte gehörte mit seinem Bruder zu den eifrigsten Anhängern jener Autständischen, welche das „Risorgimento", die Unabhängigkeit des geeinten Italien tatkräftig förderten. Mit chemischen und physikalischen Studien beschäftigt, gelang ihm die Erzeugung einer aus Phosphor, Chlor u. a. bestehenden Pasta, welche halbtrocken sehr leicht durch keibung in Brand geriet. Da ihm gleichzeitig die Idee kam. die Spitze eines in Phosphor getauchten Hölzchens mit einem Tropfen dieser feuchten Masse zu versehen und eintrocknen zu lassen, war das Zündholz erfunden. Politisch veidächtig und mit geheimnisvoller Arbeit in einem kleinen Laboratorium beschäftigt, geriet er bald in Gefangenschaft und wäre wahrscheinlich zum Tode verurteilt worden, wenn das plötzliche Ableben des Papstes Leo Xll. und die Intervention des damaligen spanischen Gesandten ihm nicht die Flucht aus dem Gefängnis ermöglicht hätten. Er fand zuerst in Forli, dann in Lucca und zuletzt in Neapel, dort in der Villa Rothschild bei Glaubensgenossen Zuflucht Ein Patent auf seine Erfindung zu erlangen, war ihm als Juden unmöglich. Er mußte sich auf eine sehr bescheidene Fabrikation (in einem kleinen Palast unter der Brücke di Chiaia) beschränken, da wegen der Feuergefährlichkeit ihm Schwierigkeiten erwuchsen. Das erste, nach zäher Ueberwindung aller Widerstände in den Handel gebrachte Dutzend Zündhölzer kostete einen Dukaten} Die Erfindung machte Aufsehen und der königliche Hof bemächtigte sich der ganzen Produktion (im Jahre 1831). Valobra gelang es, dieselbe zu steigern, ein größeres Gebäude dafür zu errichten, aber es ei stand bald auf dem unbehinderten Wege der Nachahmung eine bedeutende Konkurrenz, und zwar zuerst in Ungarn, dann in Schweden. In Italien wurde bald an Stelle des Hölzchens auch ein Wachsstäbchen verwendet Nach dem am 18. März 1883 in Neapel erfolgten Tode Valobras ging die Fabrik in das Eigentum seiner einzigen Tochter. Esther, über. Es ist interessant, daß auch in Oesterreich ein Jude die erste größere Streichhölzeifabrik errichtet hat. der unter dem Namen „Zündhölzel-Pollak" bekannte Großindustrielle, der später das Adelsprädikat ..von Rudin" erhielt und das erste große Studentenheim für Techniker in Wien in der Mayerhofgasse und auch den Kindergarten in der Ca8teliezgasse gründete. Ober-Med.-Rat Dr. H. Haase.

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