Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1931-01-23 · Heft 4 (23.1.1931) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 4 (23.1.1931)
Date
1931-01-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064453-3064457--18228-3083236
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Softe 6 Dg WAHRHEIT Veranstaltnngskalender der „Union". Montag, den 26. Jänner, ¥28 Uhr abends, Klubzimmer des Cafe National, IL, Taborstraße 18, Vorstandssitzung der Bezirksorganisation Leopoldstadt. Dienstag, den 27. Jänner, 348 Uhr abends, Klubzimmer des Caf6 11 i o n, HL, Löwengasse 39, Vorstandssitzung der Bezirksorganisation III/XL Donnerstag, den 29. Jänner, Klubsaal des Cafe Maria hilf, VL, MariahilferstraSe 89 a, 7 Uhr abends Vorstandssitzung und 8 Uhr abends Mitgliederversammlung der Bezirksorganisatten VI/VH. Jüdifxnethrentafel. Berlin. Der philosophische und hunioristische Schriftsteller Alexander Moszkowski. genannt,„der lachende Philosoph", der am 15. Jänner 1931 seinen 80. Geburtstag feierte, wurde 1851 in Pilica, Polen, geboren. Er schrieb unter anderem auch «Der indische Witz und \seine Philosophie" und eine Autobiographie „Panorama meines Lebens". Er ist ein Bruder des 1925 in Paris verstorbenen hervorragenden Pianisten und Komponisten Moritz Moszkowski. Er hatte früh E-i n s t e i n s Bedeutung erkannt und sie in einem populären Einstein-Buche breiten Schichten klar gemacht. Florenz. In hohem Alter verstarb in Florenz der ehemalige Minister Vito Finzi. Finzi. der Jude war, nahm ate Freiwilliger an den italienischen Freiheitskämpfen von 1866 teil und besaß eine Reihe der höchsten Auszeichnungen. In der italienischen Risorgimentoßewegung hat er eine bedeutende Rolle gespielt. Triest Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Triest, Giiacomo Sepilli. wurde mit dem Offizierskreuz der italienischen Ehrenlegion ausgezeichnet Giacomo Sepilli, der sich um die jüdische Gemeinde und die humanitären Organisationen von Triest große Verdienste erworben hat »st auch Vizepräsident der kaufmännischen Vereinigung von Triest.____-_ Jeder JCeser hat dasWowtl Xustfkwiftemtms dem &ubfUfn*m. | Theodor Nöldeke. | Mit Gemfetuung" erfüllte es mich, daß Sie dem beimgegangenen Altmeister der orientalischen Philologie, Theodor Nöldeke, in Ihrer Nummer vom 9. Jänner einen ehrenden Nachruf widmeten. Eine Bemerkung in demselben darf indes nicht unwidersprochen bleiben. Die Worte, daß der große Gelehrte rächt gerade als Freund der Juden galt, beruhen unbedingt auf völlig unzutreffender lnfor- -mation und entbehren jeder Begründung. Das gerade Gegenteil war der Fall, denn während seines go<W>egnadeten Lebens hat Nöldeke sich als Freund der Bekenner des Judentums betätigt. Mein verstorbener Bruder, ordentlicher Professor der orientalischen Sprachen an der hiesigen Universität, war in nie getrübter Freundschaft mit seinem großen Lehrer und Meister verbunden, auch der bekannte Orientalist Ign. Goldzieher, Budapest, erfreute sich seiner bleibenden Freundschaft. Seit zwei Jahrzehnten stand ich in persönlichen und brieflichen Beziehungen zu dem großen Gelehrten — seine letzte Zuschrift erhielt ich 10 Tage vor seinem Ableben — und aus der Fülle seiner Briefe habe ich hinreichende prägnante Beweise für seine ausgesprochen judenfreundliche Gesinnung in Händen.'Jeder jüdische Gelehrte, der das Glück hatte, mit Nöldeke in nähere Berührung zu treten, wird dieses Urteil uneingeschränkt bestätigen. Der Geistliche hat in dem für die Grabrede aus Maleachi gewählten Textworte „Lehre der. Weisheit war in seinem Munde und Falsch nicht gefunden auf seinen Lippen" treffend den Charakter des Verklärten gekennzeichnet. Ich hoffe, daß Sie gern Gelegenheit nehmen werden, meine Zeilen zur Kenntnis Ihrer Leser zu bringen. Michael Fraenkel, Breslau. Gibt es eine jüdische Musik? Henr Oberkantor Wiikowitsch sagt: Nein! Goethe aber sagt: Ja! Denn er schreibt (zweiter Aufenthalt in Rom vom 1. März 1788): „So haben wir eine merkwürdige Sammlung Psalmen im Hause: sie sind in italienische Verse gebracht und von einem venetianischen Nobile. Benedetto Marceilo. zu Anfang dieses Jahrhunderts in Musik gesetzt Er hat bei vielen die Intonation der Juden, teils der spanischen, teils der deutschen als Motiv angenommen usw." Das Werk ist in Venedig 1724 gedruckt. : Sollte Goethe hier bloß phantasiert haben? Es wäre doch höchst interessant auf Grund des Werkes von Marceilo festzustellen, welche Intonation Goethe aüs die der spanischen und welche er als die der deutschen Juden ansah. Prof. Dr. K a h a n, Rabbiner in Znaim. Wahrheiten vom 3fage Die Schächtfrage als Wahlparole. Auf Betreiben der Nationalsozialisten legte die thüringische Regierung dem Landtag den Entwurf eines Schächtverbotgesetzes vor. Der Entwurf ist bereits im Plenum und im Ausschuß in der ersten Lesung beraten worden! Nun wollen der Landbund und die Wirtschaftspartei dem Gesetzentwurf ihre Zustimmung nicht geben/ weil verschiedene Berufszweige dadurch -schwere wirtschaftliche Schädigungen befürchten. Auch die drei Industrie- und Handelskammern in Thüringen haben Bedenken zum Ausdruck gebracht. Alle sind gegen eine landesgesetzliche Regelung dieser Frage. Falls aber die bürgerlichen Parteien die Gesetzesvorlage ablehnen sollten, wollen die Nazis —r so erklären sie — es zur Landtagsauflös'ung treiben. Tausenden litauischen Juden die Existenz geraubt. Das litauische Innenministerium hat an alle jüdischen öffentlichen Institutionen und Privatuntemehmungen die Aufforderung gerichtet, die bei ihnen beschäftigten Personen, die nicht litauische Staatsbürger sind, zu entlassen. Nicht jüdische Institutionen und Unternehmer, die Juden nicht beschäftigen, haben eine solche Aufforderung nicht erhalten. In Litauen leben gegenwärtig über 9000 jüdische Ausländer und Staatenlose, die meist aus Rußland oder aus dem von Polen besetzten litauischen Gebiet stammen. Allen diesen hat nun die Regierung das Recht auf Arbeit und Erwerb entzogen, so daß ihnen der Hungertod droht. Zu protestieren ist ihnen verboten, die Militärzensur hat der Presse untersagt, ein Wort über diese Verordnung zu bringen. Die amerikanischen Deutschen gegen die Hitlerei. Der in Chicago tagende Deutsche- Tag-Ausschuß, die Spitzenorganisation von etwa 300 deutschen Vereinen, hatnach-stürmischen Szenen die Vertreter der Nationalsozialisten und des Stahlhelms aus seiner Mitte ausgeschlossen. Der Antrag zum Ausschluß war von VorkriegseinWanderern gestellt worden, die seinerzeit die Gründung der rechtsstehenden Organisationen noch befürwortet hatten. Die Juden — „ein ethisches, ehrenhaftes und unternehmungslustiges Element". Im Hinbhck auf die von einer mexikanischen Zeitung seit einiger Zeit betriebene Judenhetze und die von diesem Blatte gegen die Juden erhobene Beschuldigung, daß sie Handel und Industrie des Landes schädigen, hat der Verbandder mexikanischen flandelskammern der gesamten Presse eine Erklärung zur Veröffentlichung übergeben, in der zum Ausdruck gebracht wird, daß die mexikanischen Juden dem Staate auf wirtschaftlichem Gebiet wertvolle Dienste leisten, daß sie ein ethisches, ehrenhaftes und unternehmungslustiges Element darstellen und ausgezeichnete Bürger sind. Der Verband der Handelskammernerklärt, stolz darauf zu sein, Juden zu seinen Mitgliedern zählen zu dürfen. Das war nicht vortrefflich! Wir haben in Nummer 2 unseres Blattes unter diesem Titel an dem Verhalten des Herrn Israel Vortrefflich im Gerichtssaale auf Grund von unwidersprochen gebliebenen Zeitungsnotizen Kritik geübt. Wir freuen uns nun, feststellen zu können, daß Herr Vortrefflich Wert darauf legt, von seinen Glaubensgenossen nicht abfällig beurteilt zu werden, und geben mit Vergnügen der uns zugekommenen Zuschrift seines Rechtsanwaltes Dr. Josef PoIIatschek Raum. Wir hätten aber gewünscht, daß eine solche Richtigstellung gerade in der auch von Nichtjuden gelesenen Tagespresse veröffentlicht worden wäre. Das Schreiben des Herrn Dr. PoIIatschek lautet: „Ich beehre mich Ihnen mitzuteilen, daß die Darstellung in den Tageszeitungen, auf die Sie sich stützen, nicht dem tatsächlichen Verhandlungsverlauf entsprach. Ich bemerke an dieser Stelle, daß ich meinem Klienten abgeraten habe, in den Tageszeitungen zu berichtigen, um nicht hierdurch eine weitere Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Dagegen legt mein Klient Wert darauf,, gerade Ihre Notiz richtig zu stellen, sowohl weil es sich um eine spezifisch jüdische Wochenschrift handelt, als auch, weil Sie auf Grund unrichtiger Voraussetzungen das Verhalten meines Klienten glossieren. Tatsächlich hat sich Herr Israel Vortrefflich in einer durchaus einwandfreien, und korrekten Weise verantwortet, so daß der Vorsitzende des Schöffensenates keine Veranlassung hatte, beim Verhör das Verhalten des Herrn Vortrefflich als unstatthaft zu bezeichnen. Erst bei Befragung des Herrn Vortrefflich durch den Herrn Staatsanwalt kam es zu einem Zusammenstoß, in welchem der Vorsitzende Herrn Vortrefflich aufmerksam machte, daß dem Herrn Staatsanwalt auf alle Fragen geantwortet werden müsse und ein anderes Verhalten unstatthaft wäre. Bei diesem Zusammenstoß war die Rede von den. Exportmöglichkeiten überhaupt, nicht aber gerade von Mazzes, und geht Ihr Artikel sicherlich zu weit, wenn er eine absolut nicht witzig, sondern bitterironisch erteilte Antwort, die doch durch die Aufregungen erklärlich ist, derartig glossiert. Ich bitte daher loyalerweise, in Ihrem geschätzten Blatte festzustellen, daß das Verhalten des Herrn Vortrefflich kein derartiges war, welches dem Ansehen des Judentums hätte schaden können." Mildes Urteil für nationalsozialistische Rowdies. Ein Urteil, das wegen seiner Milde Aufsehen erregt, hat soeben ein Frankfurter Gericht .gefällt Angeklagt waren wegen schwerer Körperverletzung der Dekorateur Rudolf Bienmüller und der. Mitarbeiter eines nationalsozialistischen Skahdalblattes Wilhelm Wylirisky. Die Beiden befanden, sich eines Abends auf einer Bierreise in Damengesellschäft. Auf dem Börneplatz fielen sie unter den Rufen;,Das sind ja Juden, die müssen abgeschlachtet werden!" über zwei ruhig des Weges,dahergehende Juden her. Bienmüller schlug einen derselben derartig ins Genick, daß er zu Boden stürzte. Wylinsky versetzte dem wehrlos ani Boden Hegenden noch einen Kinnhaken. Auch der zweite Passant wurde schwer, mißhandelt Bei Eintreffen der Polizei flüchteten die An* greifer. konnten aber eingeholt und festgestellt werden. Vor Gericht sagten die Ueberfallenen aus, daß die An-, geklagten „Heil Hitler" riefen und daß Wylinsky ein* Messer zog. Das Gericht erkannte — ungeachtet der in letzter Zeit sich häufenden derartigen Gewalttätigkeiten — auf Je 20 Mark Geldstrafe geseh die Angeklagten. In der Begründung heißt es. daß d i e T a t zwar außerordentlich röh sei. daß man aber nicht übersehen dürfe, daß sich die Angeklagten na cii reichlichem Alkoholgenuß „in rauf 1 ustU g e r Stimmung" befanden; deshalb seien je 20 Mark Geldstrafe eine ausreichende (O.Sühne Die Weltlage der Juden. Bericht des Joint Foreign Conunittee. Am 11. Jänner fand in L"p,n.don eine Sitzung der Anglo-Jewish Ä s ä o^ fa ti 0 n stätt, auf der der Sekretär des J o i n f F o reign C omni ittees, I. M. Rieh, einen'Bericht1 über die Lage der Juden 'inr'Ä ü s 1 a n d erstattete. Trübe Aussichten, erklärte I. M. Rieh,, eröffnen1 sich den Juden auf dem Kontinent in diesem Jahre. In den meisten Ländern des Festlandes scheint sich die Lage der Juden dauernd zu verschlechtern; in immer rascherer Folge werden Angriffe gegen sie gerichtet. Der nächste Monat wird eine1 Zeit schwerer Sorgen für das Joint Foreign Com-" mittee sein. ■ .: - Bezüglich der K'a 1 e n'd e rref orm stehe fest daß der Völkerbund eingesehen hat, daß die Lösung der Frage nicht allein'auf Grund technischer Nüfzlichkeitserwägungen herbeigeführt werden kann. Es werde sich hoch Gelegenheit finden, den judischen Ständpunkt in dieser Frage vor dem Völkerbund zu vertreten. Herr Rieh verlas sodann.ein .vom American Jewish Committee gesandtes Memorandum über die kritische Lage der Juden in Deutschland. Sodann gab Herr Rieheine Schilderung der Lage der Juden in einer Reihe anderer Staaten, erwähnte die judenfeindlichen Kundgebungen in Prag und die Ritualaffäre,, die gegenwärtig die tschechoslowakischen Gerichte beschäftigt, und kündigte Schritte des Joint Foreign Committee gegenüber den neuen Maßnahmen der litauischen Regierung gegen die Staatenlos e n an. Es sei eine starke Inanspruchnahme

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.