Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1931-01-23 · Heft 4 (23.1.1931) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 4 (23.1.1931)
Date
1931-01-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3064453-3064457--18226-3083234
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seile 4 DIE WAHRHEIT SeK&wareBfabrttf streng £iscn«lllönigsDer,Wfen II., fflaidgasse 5 Selchwaren und Restauration Vorzüglicher Mittag- und Abendtisch zu bürgerlichen Preisen Ii.. Praterstraße SS (Neben dem Carltheater) nes Nachfolgers mit allen. Mitteln zu verhindern suchte, nun auf einmal erklärt, er sei „unabsetzbar", so mag er darüber rechten, mit wem er will, die jüdische Oeffentlichkeit ist mit dem Wiener Kultusvorstand eines Sinnes, der aus sehr triftigen Gründen hier eine Regelung eines schon unhaltbar gewordenen Zustandes vorgenommen hat. Die jüdische Oeffentlichkeit, die von einer kleinen Clique in Sachen Mayersohn mblestiert wird, weiß dem Kultusvorstand für diese Regelung nur Dank. Wenn sonst ein „Komitee" zur irgendwelchem Zwecke sich konstituiert, so ist neben der Angabe des Zweckes das Wichtigste die Bekanntgabe der dem betreffenden Komitee angehörigen mehr oder minder prominenten Mitglieder. Das „Komitee zur Wahrung der Rechte des Herrn Rabbiner Mayersohn" hat eine solche Bekanntgabe — es wird schon wissen, warum — bisher unterlassen. Wir konnten uns aber Einblick in die Praktiken dieses Komitees verschaffen und haben da z. B. erfahren, daß ein dein Komitee angehöriger Bankier, Adolf Hecht, beim Kultuspräsidenten erschien, um im Namen des Vereines „Nordost" gegen Mayersohns Pensionierung zu protestieren. Daraufhin erschien aber eine Vertretung der Vereinsleitung in der Kultusgemeinde und erklärte, daß Herr Hecht kein Recht hatte, im Namen des Vereines vorzusprechen. Der Verein als solcher habe kein Interesse an Mayersohn. Diese Episode aus dem Kampfe um die „Wahrung der Rechte des Herrn Rabbiner Mayersohn" ist sehr lehrreich. Die Herren, die sich und ihrem Idol die Gefälligkeit des Lärmschlagens machen zu müssen glauben, sollten doch, bevor sie schießen, wenigstens die Höflichkeit besitzen, sich — vorzustellen. Das Wiener Judentum ist mit der Neubesetzung der rechtmäßig vakant gewordenen Stelle des Rosch-Beth Din durchaus einverstanden. Gleich wie der Verein „Nordost" haben zahlreiche polnische Landsmannschaften und Bethausvereine den Herrn Rabbiner Babad, dem auch sie bei seiner Ankunft in' Wien einen überaus herzlichen Empfang bereitet hatten, der treuen Gefolgschaft versichert. Wem zu Gefallen — außer Herrn Rabbiner Mayersohn — „arbeiten" also die Herren des so auffallend anonymen Komitees? Rabbiner Mayersohn hat Herrn Rabbiner Babad vor ein Din Thora geladen. Das ist seine Sache. Aber entspricht es der Würde eines Rabbiners, in ein solches von ihm selbst verlangtes schwebendes Gerichtsverfahren einzugreifen, in der Art, wie es sein „Komitee" tut, unter anderem mit Communiqu6s, deren Dai Stellung teilts der Wahrheit widerspricht und deren Veröffentlichung in mancher Hinsicht auf eine Illoyalität zurückzuführen ist? Wie mag es nur zu erklären sein, daß in dem letzten vom Mayersohn-Komitee veröffentlichten Communique dem neuen Rosch-Beth Din Worte in den Mund gelegt werden, die er nicht gesprochen hat? Wenn sich die Herren an ihr Versprechen, das CommuniquS vor der Veröffentlichung zur Durchsicht und Ueberprüfung des Inhaltes vorzulegen, gehalten hätten, dann hätten sie sich den berechtigten Vorwurf der Illoyalität ersparen können. Kann Herr Rabbiner Mayersohn es verantworten, daß mit solchen Machinationen, die doch wirkungslos bleiben müssen, seine Gefolgsleute die primitivsten Gesetze des Ahstandes verletzen? Herrn Rabbiner Mayersohn, den die jüdische Oeffentlichkeit mehr als drei Jahrzehnte Gelegenheit hatte, kennen und schätzen zu lernen, wird es nicht gelingen, in ernsten Kreisen den Eindruck zu erwecken, daß ihm ein Unrecht geschehen sei, daß er etwa in seiner rabbinischen Würde gekrankt und zu Unrecht depossediert worden sei. Sein Gehaben ist zu durchsichtig, um nicht seine wahren Absichten erkennen zu lassen. An der Feinheit und dem guten Gewissen seines Nachfolgers gleiten alle Ränke ab. Herr Rabbiner Mayersohn mag heute — das wäre menschlich verständlich — verbittert sein. Aber die Ursachen dieser Verbitterung, die muß er schon in sich selber suchen. Er mag in ruhigen Stunden sein Inneres erforschen und mit sich zu Gerichte gehen und wir wünschen ihm, daß er aus dieser Selbstprüfung jene ruhige Gelassenheit finde, die ein jüdischer Würdenträger der gesamten Oeffentlichkeit gegenüber schuldet. Die Herren der Kultusgemeinde taten, wie wir glauben, recht daran, sich durch das Geschrei und Getue eines~ pensionierten Funktionärs und seiner wenigen Getreuen nicht aus ihrer würdigen Reserve bringen zu lassen, obwohl wir zugeben müssen, daß nicht jede Gemeindeverwaltung eine Veröffentlichung, wie jene, die Rabbiner Mayersohn vor einigen Wochen ausgerechnet im „Neuen Wiener Journal" vom Stapel .gelassen hat, ruhig hingenommen hätte. Ein welterfahrener Rabbiner sollte auch bedenken, daß „die Flucht in die Oeffentlichkeit" nicht immer dem Flüchtenden zum Segen gereicht, daß es ein deutsches Sprichwort gibt, in dem die Worte „Sonne" und „Butter" vorkommen, und daß man auch die Geduld des Vornehmen nicht auf eine zu harte Probe stellen dürfe. Herr Rabbiner Mayersohn braucht der jüdischen Oeffentlichkeit nicht allzu viel von seiner Persönlichkeit mitzuteilen. Es gibt ja schon heute ganze Mayersohn-Legenden. Und so erzählt man sich eine gar nicht heitere Geschichte, wie man einem nicht erwünschten Bräutigam einen Laufpaß zur Ausreise verschafft und einem nicht erwünschten Nachfolger die Bewilligung zum Aufenthalt zu hintertreiben sucht. Wir alle haben ein Interesse daran, den Mantel des Vergessens über die Vergangenheit zu breiten, und hoffen, daß Herr Rabbiner Mayersohn, der wahrlich keinen Grund hat, mit seinem Schicksal unzufrieden zu sein, in Zukunft der jüdischen Oeffentlichkeit nur angenehme Ueberraschungen bereiten wird. Sein großes jüdisches Wissen und seine Stellung als Rabbiner eines angesehenen Vereinstempels geben ihm hierzu reichlich Gelegenheit. ) Nathan Straus. | Ein großer Menschenfreund und ein großer Jude. Im hohen Alter von 83 Jahren verstarb am 11. Jänner in New York Nathan Straus, der große jüdische Philanthrop und Menschenfreund. Nicht nur in Amerika, sondern in der ganzen Welt hatte der Verstorbene, dessen menschenfreundlichem Wirken die Abwendung von viel Unglück zu verdanken ist und dessen Kinderschutzanstalten und Anstalten für Milch- Pasteurisierung. die er in zahlreichen Ländern gegründet hat, tausenden von Kindern das Leben gerettet haben, einen großen Namen. . I VORNEHME FAMILIENPENSION j vormals Dr. GRÜNBERG AM SEMMERING HOCHSTRASSE 43 (Bit HOTEL PANHANSJ i&äm^mmm Mäßige Preise (Zimmer i^S Ii ji Ftfprss : ■^■ilÄLl^Mä mit Pension von S12. - j aufw.) / Kaffeehaus und \ Tanzgelegenheit im j Hause / Besitzer:! ECKSTEIN / Telephon:! Semmering Nr. 11 ] Fließendes War»-und Kaltj wasser in Jedem Zimmer! Nathan Straus wurde im Jahre 1848 in Ottersberg (Rheinpfalz) geboren. 1854 wanderten seine Eltern mit ihm aus Deutschland nach den Vereinigten Staaten aus. Im Jahre 1872 trat er in die Importfirma seines Vaters L. Straus & Sons ein und wurde dann Teilhaber des New Yorker Warenhauses R. H. Macy & Co* sowie des Brooklyner Warenhauses Abraham & Straus. In der demokratischen Partei New Yorks spielte er von je eine führende Rolle. 1898 wurde er Präsident des New Yorker „Board of Health". Von dieser Zelt an begann seine weltumfassende gesundheitliche und philanthropische Tätigkeit Er schuf insbesondere nicht nur in den Vereinigten Staaten, die er 1911 bei dem Berliner Internationalen Kongreß zum Schutze der Kinder und 1912 beim Tuberkulose- Kongreß in Rom offiziell vertreten hat, sondern auch in zahlreichen europäischen Ländern Stationen zur Verteilung von pasteurisierter Milch. Im Jahre 1912 gründete er in Jerusalem Suppenküchen, sowie ein Health-Böro. das mit dem jüdischen Pasteur-Institut und dem deutschen Malaria-Institut zu einem Institut in Jerusalem vereinigt wurde. Während des Krieges, im Jahre . 1915, entsandte er ein Lebensmittelschiff nach Palästina und brachte dadurch der hungernden jüdischen Bevölkerung dieses Landes Hilfe. Er spendete alljährlich größere Summen für jüdische und allgemeine philanthropische Zwecke. In den Jahren 1920 bis 1922 war er Präsident des American Jewish Congress. Vor einigen Jahren gründete er in Jerusalem das große „Gesundheits-Zentrum", welches Abzweigungen in mehreren Orten Palästinas hat. Zur Erhaltung dieser Institution, die Angehörigen - aller Konfessionen offen steht, spendete er eine große Geldsumme. 1929 ließ er für das Institut ein großes Gebäude in Jerusalem aufführen. Das Gesundheitszentrum trägt seinen und seiner GattinMJna Gutherz-Straus, Namen. Lina Gutherz-Straus verstarb im Jahre 1930. Sie stand ihrem Manne in allen seinen philanthropischen Werken zur Seite, war in der amerikanischen Organisation jüdischer Frauen und Mädchen „Hadassah" an führender Stelle tätig und hat die Institutionen der „Hadassah" ungemein gefördert Nathan Straus war Ehrenbürger der Stadt New York. Die gesamte amerikanische Presse würdigte an leitender Stelle die Persönlichkeit und das weltumfassende humanitäre Wirken des Verstorbenen. Die bedeutendsten Vertreter der jüdischen und christlichen Oeffentlichkeit Amerikas. Mitglieder der Regierung und Führer fast aller großen Organisationen, haben den Hinterbliebenen ihr Beileid zum Ausdruck gebracht. Das Kondolenzschreiben des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Herbert Hoover, lautet u. a.: Durch den Tod von Nathan Straus ist unserem nationalen Leben eine verehrungswürdige Gestalt entrissen worden, deren Verlust schmerzlich empfunden werden wird; ein Führer der Judenheit. dessen Vision von hilfsbereiter Menschenfreundlichkeit über alle nationalen und konfessionellen Grenzen hinausging; ein Philanthrop, dessen Wohltaten, insbesondere die für die Kinder, bis in die ferne Zukunft weiterwirken werden. Sogar die Jerusalemer arabische Zeltung „F e 1 e s t i n" widmet dem Verstorbenen einen warmen Nachruf. Das Blatt erinnert daran, daß Nathan Straus im Jahre 1927, als die ersten Nachrichten von dem Erdbeben in Palästina in Amerika eintrafen, telegraphisch eine große Summe zur Hilfeleistung für die Opfer der Katastrophe ohne Rücksicht darauf, ob sie Juden oder Araber waren, überwiesen habe. Dieser große Vertreter der amerikanischen Judenheit hat einen großen Teil seines Vermögens philanthropischen Zwecken gewidmet und an Bedürftige ohne Unterschied der Volkszugehörigkeit zur Verteilung gebracht Dienstag, den 13. Jänner, wurde Nathan Straus in der Gruft der Familie Straus in Cyprus Hills bestattet. An dem Trauergottesdienst der im Tempel Emanu-El stattfand, nahmen viele Tausende, darunter hervorragende nicht jüdische Persönlichkeiten, teil. Die Straßen rings um den Tempel waren von einer dichten Menschenmenge erfüllt, die zur Trauerfeier nicht mehr Einlaß finden konnte. Die Trauerrede hielt Rabbiner Stephen Wise. Religions-, B?rmizwahu. Hebräisch-Unterricht erteilt f ander Kantor. Zuschriften unter „Sehr tüchtig" an die Administration d. Bl erbeten. JÄH RESIDENZ Ifllliilll ITLKHT COLUMBIA ■ „MANN A« FABR. CHEMISCHER PRÄPARATE §■ WIE* II., TABORSTRASSE 22 TEIEPHOM R 40-6-14 im»ffliBi»ai^ GARANTIERT UNUNTERBROCHENE BRENNDAUER 30 STUNDEN

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.