Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2 (9.1.1931)
- Date
- 1931-01-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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WAHRHEIT Seite 5 tenwerk der Hilfe aller, ob Christen oder Juden, ob {jläubige oder Atheisten, die mit uns einig sind in der Ueberzeugung, daß nicht Proteste und Resolutionen Außenstehender oder wilde Ausbrüche auf der einen Seite und Klagen auf der Anderen, sondern nur eingehendes Studium und ernstlicher Wille zum Verstehen die jüdische Frage einer Lösung näher bringen und es den Juden und ihren Mitmenschen ermöglichen werden, mit ganzem Herzen und int gegenseitiger Achtung für die volle Entwicklung der einzelnen Völker und der Menschheit zusammenzuarbeiten." Felix M. Warburg 60 Jahre. Ein großer Mensch und ein großer Jade. Am 14. Jänner 1931 vollendet Felix M. Warburs Präsident des American Joint Distribution Committee und des Administrative Committee der Jewish Agency, -sein 60. Lebensjahr. Das amerikanische Judentum rüstet sich zur festlichen Begehung dieses Tages.' Felix M. Warburg wurde 1871 in Hamburg geboren, ging 1894 nach Amerika, wo er 1900 naturalisiert wurde. Er heiratete Frieda Schiff, die Tochter von Jacob H. Schiff, und wurde 1896 Teilhaber des Bankhauses Kuhn, Loeb & Co. und Leiter mehrerer großer Gesellschaften. Felix M. Warburg wandte sich schon bald nach seiner Uebersiedlung nach New York dem Gebiete der sozialen Fürsorge zu, auf dem er gewaltige Werke schuf. Er ist auch ein großer Förderer von Kunst und Wissenschaft in den Vereinigten Staaten. Er selbst besitzt eine außerordentlich wertvolle Kunstsammlung, die den Studierenden und Kunstinteressenten jederzeit offen stehr. Sie enthält Werke großer Meister wie Raphael, Botticelli, Bellini, Lorenzetti und einige der besten Radierungen von Rembrandt und Dürer. Mit seiner Hilfe wurden Museen eingerichtet, außerdem ist Warburg Mitbegründer und Förderer einer großen Zahl öffentlicher Institutionen, denen er nicht nur seine Kräfte, sondern auch große Geldsummen widmet. Ganz hervorragend aber ist Felix M. Warburgs indisches Wirken. in New York wurde unter seiner Aegide der Zusammenschluß aller jüdischen philanthropischen Gesellschaften zu einer „Federation of Jewish Charities" vollzogen und dadurch eine durchgreifende Reform des jüdischen Wohlfahrtswesens in der größten jüdischen Gemeinde der Welt erreicht. Er wurde der erste Vorsitzende der „Federation of Jewish Charities", die unter seiner Leitung bewundernswerte Erfolge erzielt hat. Der „Federation" gehören an 21 Krankenhäuser, ferner Waisenhäuser, Beratungsstellen und unzählige andere Wohlfahrtseinrichtungen, deren gemeinsames Budget rund 5 Millionen Dollar jährlich beträgt. Gegenwärtig ist Herr Warburg Vorsitzender des Verwaltungsrates der „Federation". Unter seiner Aegide wurde die „Training School for Jewish Social Workers" gegründet. Er ist mit dem „Bureau of Jewish Social Research", welches das Gebiet der sozialen Fürsorge in zahlreichen Städten Amerikas kontrolliert, eng verbunden. Die aus Europa kommenden Hilferufe haben das amerikanische Judentum aufgerüttelt Alle Schichten der amerikanischen Juden vereinigten sich zur Gründung des „Joint'Distribution Committee for Jewish War Sufferers", das für die Bedürfnisse von Millionen Juden in den vom Kriege heimgesuchten Gebieten sorgte. Felix M. Warburg wurde zum Vorsitzenden des Verwaltungskomitees gewählt und hat diesen Posten noch jetzt, nach 16 Jahren, inne. Felix M. Warburg besuchte wiederholt Palästina und widmet sich hingebungsvoll dem Studium der Lage in diesem Lande. Dies befähigt ihn, als Mitglied der Joint 'Pa'lestine Survey Commission, die 1928 ein ausführliches Gutachten über den jüdischen Palästinaaufbau ausarbeiten ließ, wertvolle Anregungen für <ien Aufbau zu geben. Unter der Führung von Louis Marshall nahm Felix M. Warburg an den Vorbesprechungen, die der Gründung der erweiterten Jewish Agency vorangingen, führenden AnteiL Bei der konstituierenden Versammlung der Jewish Agency in Zürich im Sommer 1929 wurde Herr Felix M. Warburg zum Vorsitzenden des Administrative Comittee der Jewish Agency gewählt Es ist seine Hoffnung, daß das Land allen jenen Juden offen stehen wird, die in anderen Ländern verfolgt werden oder denen es in anderen Ländern an Beschäftigungsmöglichkeiten fehlt. durchwegs günstige Gelegenheitskäufe, werden mit ganz kleinem Nutzen im WIEDNER MÖBELHEIM Inh. JULIUS GÖTZL Händig, beeid. Sachv. tt. Scbatzmeteter IV.fSCHLEjFM0HUIASSE1a TKLBPNON B 34-1-62 billigst abgegeben; daselbst sind auch elegante Schlaf- und Speisezimmer, Herrenzimmer, teils neu. teils gebraucht, zu verkaufen. Der Gedanke einer palästinensischen U n i v e r s it ä t fand in Felix M. Warburg einen großen Förderer. Er spendete 500.000 Dollar für diese Institution. Feiix M. Warbwrg ist Mitglied des Verwaltungsrates der „Library Corporation", des „ Jewish Theologien! Seminary of America", das er seit einem Vierteljahrhundert in hervorragender Weise fördert Lehrer des traditionellen Judentums, nicht nur in ganz Amerika, sondern auch in Europa sind aus diesem Seminar hervorgegangen. Einer seiner Schüler ist Oberrabbiner des britischen Reiches, ein anderer ist Landesrabbiner in einer Provinz in Deutschland, ein dritter ist einer der Führer des jüdischen Lebens in Kanada geworden. Viele Jahre hindurch war Felix M. Warburg Präsident der „Young Men's Hebrew Association". Wahrheiten vom Ja&e Rumänien macht Ordnung. Infolge der in letzter Zeit sich häufenden Studentenunruhen hat die Regierung schärfste Maßnahmen getroffen, um in Zukunft alle derartige Ausschreitungen zu verhüten. Es wurde beschlossen, Studenten, die an solchen Unruhen teilnehmen, sofort zum Militärdienst einzuberufen. Wenn sie öffentliche Aemter bekleiden, werden sie ihrer Posten enthoben. Außerdem wird eine ständige Ausschließung von Hoch- und Mittelschulen angedroht. Es wurde ferner die strafrechtliche Verfolgung aller jener Personen beschlossen, die der antisemitischen Organisation „Erzengel Michael" oder der Organisarion „Rote J u g e n d" angehören. Ferner soll demnächst ein Ausnahmsgesetz erlassen werden, wonach alle Anschläge gegen die Sicherheit des Staates spätestens innerhalb 48 Stunden abgeurteilt werden. Der neue Chef der liberalen Partei Rumäniens. Der an Stelle des verstorbenen Vintilo B r a t i a n u zum Chef der Liberalen Partei Rumäniens gewählte hervorragende rumänische Staatsmann 1. G. Duca. früherer Innen- und Außenminister, gehört zu den wirklich liberalen Männern Rumäniens. Bei verschiedene» Gelegenheiten hat er seiner Sympathie und Freundschaft für das Judentum Ausdruck gegeben. Er war auch der erste rumänische Politiker, der mit der Union rumänischer Juden ein Wahlbündnis schloß. Er ist einer der populärsten Männer j&t!jRu'nänien, un(j man glaubt, daß durch seine Wahl zuRf Präsidenten der Liberalen Partei dieser Partei der Weg zur Macht wieder geebnet ist. Eine jüdische Abordnung, bestehend aus dem Vizepräsidenten der Union rumänischer Juden Horia Carp, Dr. Mayersohn und Dr. Joseph Bercovitz, besuchte Herrn I. G. Duca und beglückwünschte ihn zur Uebernahme der Führung der Liberalen Partei. Herr Duca erklärte, er schätze heute wie immer die Bemühungen der jüdischen Bevölkerung um das Wohl des Landes. Gerade in dieser so schweren Zeit wirke sich die loyale und tüchtige Mitarbeit der Juden besonders wertvoll für die großen Notwendigkeiten des Landes aus. Die Mitglieder der Delegation gaben der Hoffnung Ausdruck, daß eine kommende liberale Regierung unter Duca's Leitung die die Juden interessierenden Probleme in freiheitlicehr und fortschrittlicher Weise behandeln werde. Das war nicht vortrefflich! Vor dem Schöffensenat des Landesgerichtes I (Vorsitz Oberlandesgerichtsrat Dr. Mihatsch) erregte dieser Tage ein Prozeß gegen den Mazzesbäcker Ignaz Vortrefflich wegen fahrlässiger Krida, der mit der Verurteilung des Angeklagten zu einem Monat strengen Arreste sbedingt endete, unliebsames Aufsehen. War schon der Gegenstand des Prozesses nicht sehr rühmenswert, so muß die unglaubliche Art der Verantwortung des Herrn Vortrefflich entschiedenste Mißbilligung gerade in jüdischen Kreisen finden. Denn es gereicht dem i Judentum wohl nicht zur Ehre, wenn ein Angeklagter, dessen Beruf ihn gewissermaßen in den Vordergrund der jüdischen Oeffentlichkeit stellt, sich vor Gericht in einer Weise benimmt, die der Vorsitzende mit Recht als unstatthaft zurückweist Herr Vortrefflich glaubte einen besonders guten Witz damit zu machen, daß er auf die Frage des Staatsanwaltes Dr. Furier, an welche Seestädte er bei dem dorthin beabsichtigten Export, von Mazzes gedacht habe, verlegen lächelnd, antwortet: „J e d 1 e s e e und Breitensee". Das war nicht vortrefflich, Herr Vortrefflich! Derartige Mätzchen im Gerichtssaal können dem Ansehen des Judentums nur schaden und deshab ist es Pflicht, sie gerade von jüdischer Seite mit Entrüstung: abzulehnen. Die Scbechltafrage im Gemeinderat von Paris. 1 Der Gemeinderat von Paris1 hat sich vor einigen-Tagen mit der Frage der Schechi.ta befaßt und seiner Ueberzeugung dahin Ausdruck gegeben, daß GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNMEHL UMaMMMMBHMHMHMMM WIEN OL, BIROOASSB NR. 1» ■ILUUEi XVIII., WAHRINaiRSTRASM Vt Telephon Nr. A 17*99 and A 1S-9-34 Uafaraat für HaHaastalta* AbteilungenforKoscherfleisch antei» Aufsteht das ahrw. Rabblaate» lar. Kultusa«">«fa'* Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen vom Standpunkt der Humanität gegen die rituelle Schächtung kein Einwand erhoben werden kann. Im offiziellen Organ der Pariser Stadtgemeinde ist ein Artikel aus der Feder des Präsidenten des französischen Tierschutz Vereines Dr. Foveau de Coumelles er-, schienen, in dem erklärt wird, daß sich auf Grund sorgfältiger Untersuchungen die jüdische S chä c h t me th od e als die humanste Schlachtungsart erwiesen hat. Die Lage der jüdischen Hochschüler in Frankreich. In der Zeit vom 25. bis 27. Dezembe v. J. tagte in Paris ein Kongreß der jüdischen Hochschüler Frankreichs, dessen Beratungen zum großen Teil dem Problem der Auswanderung der jüdischen Jugend aus den Gebieten mit starker jüdischer Bevölkerung gewidmet waren. In einem ausführlichen Emigrationsreferat wurde darauf hingewiesen, daß durch die Erschwerung des Hochschulstudiums iür Juden in Polen Hunderte jüdischer Studenten zur Auswanderung nach Frankreich gezwungen wurden, wo die Zahl der jüdischen Hochschüler von Monat zu Monat steigt Gegenwärtig gibt es an den französischen Hochschulen über 5000 jüdische Studenten aus dem Ausland. Der Antisemitismus an den französischen Universitäten breitet sich immer mehr aus. Einzelne Gruppen französischer Hochschüler versuchen, Hitlermethoden in Frankreich einzuführen. So drang in der Universitätsstadt Tours ein Trupp von Antisemiten in einen Saal ein, in dem ein von jüdischen Hochschülern verunstalteter Ball stattfand, um Unruhen hervorzurufen. Die Angreifer wurden jedoch rasch an die Luft gesetzt und dürften eingesehen haben, daß in Frankreich für Faschismus kein Raum ist Die antisemitische Bewegung an den französischen Hochschulen wird hauptsächlich von Professor Boso gefördert, der für die Einführung eines gegen ausländische Hörer, in erster Reihe gegen Juden, gerichteten Numerus clausus eintritt_ JüdisdkeitaentafeL London. Der KönigvonEngland hat anläßlich des Ablebens von Lord Melchett an Lady Melchett ein Beileidsschreiben gerichtet, in dem es unter anderem heißt: „Mit tiefem Bedauern haben die . Königin und ich die Nachricht von dem Tode Lord Melchetts vernommen. Wir versichern Sie und Ihre Angehörigen unseres tiefempfundenen Mitgefühls anläßlich des unwiederbringlichen Verlustes, der Sie betroffen hat. Die andauernde und hingebungsvolle Arbeit des Verblichenen im Interesse der Hebung des industriellen Lebens unseres Landes hat meine uneingeschränkte Anerkennung gefunden." Paris. Trotz der lebhaften Kampagne, die die nationalsozialistische Presse Frankreichs gegen den Plan geführt hat, Jacques Stern, der ein aus Deutschland gebürtiger Jude ist in die neugebildete französische Regierung aufzunehmen, ist dieser definitiv zum Marineunterstaatssekretär ernannt worden. Unterstaatssekretär Stern ist neben dem Handelsstaatssekretär Leon Meyer das zweite jüdische Mitglied des Kabinetts Steeg. London. Professor Einstein hat die Einladung des Vizekanzlers der Rhodes-Stiftung, zu Pfingsten 1931 die Rhodes-Gedenk vor lesungen an der Universität zu Oxford zu halten, angenommen. Den Bestimmungen des Regulativs der Rhodes-Stiftung zufolge wird Prof. Einstein während des kommenden Sommersemesters in Oxford seinen Wohnsitz nehmen. Die Institution der Rhodes-Gedenkvorlesungen wurde von der Rhodes-Stiftung auf Grund testamentarischer Bestimmungen des im Jahre 1902 verstorbenen berühmten südafrikanischen Staatsmannes, Ministerpräsidenten der Kapkolonie und Gründers von Rhodesia Cecil John Rhodes geschaffen. Das Lektorat wird jährlich einer gewöhnlich außerhalb Englands lebenden Persönlichkeit von hervorragender Bedeutung im öffentlichen Leben, in der Wissenschaft in Literatur oder Wirtschaft verliehen. Eiiltiieaiii».j!hliift{in