Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1 (2.1.1931)
- Date
- 1931-01-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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■Settel DIE WAHRHEIT dann, wie der kriegerische Stamm der Deutschen die Welt im Kriege bezwingen wollte, und sagt von den Juden: „Zu ihnen, gesellten sich die Juden, ein Volk, das weder Gewerbe noch Ackerbau kennt und sich bisher durch nichts anderes als durch räuberischen Handel fortgebracht hat." Die Jüdischnationalen haben fabelhafte Aufklärung geleistet! Systematischer Landfriedensbruch in Palästina. In letzter Zeit häufen sich Fälle von Besitzstörung und Landfriedensbruch durch Araber aui jüdischem Grund und Boden in Palästina. In verschiedenen Teilen des Landes ist es dadurch, daß Araber versuchten, jüdische Bauern an der Arbeit zu hindern oder selbst jüdischen Boden in Bearbeitung zu nehmen, vielfach zu Zusammenstößen zwischen Juden und Arabern gekommen. Die angegriffenen Juden haben in allen Fällen Widerstand geleistet, es kam zu tätlichen Auseinandersetzungen und Steinbombardements. Die Polizei war genötigt, in einigen Fällen Verhaftungen vorzunehmen. Diese Zusammenstöße müssen wegen ihrer Häufung Bedenken erregen. Sie geschehen wohl planmäßig zu dem Zwecke, die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Problem des Bodenmangels zu lenken, unter dem die Araber zu leiden erklären. Inzwischen haben die Araber gegen eine für die Juden günstige Gerichtsentscheidung über die Benützung des Infiatlandes bei Chedera Berufung eingelegt Im Hinblick auf diese Berufung hat die Polizei von Chedera die Fortsetzung der von den Juden auf den Infiatböden begonnenen landwirtschaftlichen Arbeiten untersagt Dagegen legt sie bezeichnenderweise der Fortführung der von den Arabern begonnenen Arbeiten keinerlei Hindernisse in den Weg- , Antisemitische Mörder finden ihre Jünger. Das Gericht in Warschau verurteilte den Polen Kowalczyk wegen Ermordung des Juden Israel Sprühregen zu acht Jahren schweren Kerkers. Der Mord geschah, unter ungewöhnlichen Umständen. Während sich Israel Sprühregen vor seinem Hause mit einem Freunde unterhielt schlich sich Kowalczyk an ihn heran und stieß ihm ein Messer in den Unterleib. Nach einigen Wochen erlag Sprühregen der tödlichen Verwundung. Vor Gericht erklärte Kowalczyk, er sei, als er Sprühregen jiddisch sprechen hörte, von einer solchen Wut gegen die Juden ergriffen worden, daß er den Sprechertöten mußte— An einer Elementarschule in Radom entfaltet seit längerer Zeit eine Lehrerin eine ungezügelte antisemitische Propaganda unter den polnischen Schülern. Diese Verhetzung der Kinder hat dazu geführt, daß ein 12jähriger jüdischer Schüler von einem polnischen Mitschüler durch einen Messerstich schwerverletzt wurde. Der Zustand des Kindes ist, da sich infolge der Verletzung eine Blutvergiftung eingestellt hat, bedenklich. Als die Eltern der jüdischen Schüler vor einiger Zeit gegen die antisemitische Hetze an der Schule bei der Schulleitung protestierten, wurde ihnen bedeutet, dies sei eine polnische Schule, die jüdischen Eltern mögen, wenn ihnen die Zustände nicht passen, ihre Kinder aus der Schule herausnehmen. Unerhörte Steuerschikane in Karpathorußland. Die Lage der jüdischen Bevölkerung in Karpathorußland. die in diesem Jahre durch einen harten Winter, die bestehenden Wirtschaftsverhältnisse und die nunmehr eingetretenen Rückschläge aus dem Abbruch der tschechoslowakisch - ungarischen Handelsbeziehungen noch besonders erschwert wurde, hat durch eine rücksichtslose Steuer-Eintreibungskampagne, die in den letzten Tagen einsetzte, eine neuerliche und so schwerwiegende Verschärfung erfahren, daß sich der jüdischen Bevölkerung in vielen Orten große Aufreeung bemächtigte. Die Steuerexekutoren haben in den Städten, insbesondere in Munkacz, und auf dem flachen Lande eine Reihe rücksichtsloser Exekutionen vorgenommen, und zwar auch bei gänzl'ch verarmten Familien, denen in vielen Fällen buchstäblich das letzte KoDfkissen weggenommen wurde und die nun der nackten Not preisgegeben sind. IwiHtWw PtwatlrlwF erteilt Unterricht in allen Schulgegenständen gegen äußerst mäßiges Honorar. Auskunft erteilt die Redaktion. JüdisAelhrentafeL Berlin. Am 25. Dezember starb in einem Sanatorium im Westen der weltberühmte Experimentalphysiker und physikalische Entdecker Professor Eugen Goldstein nach längerem Leiden. Goldstein wurde 1850 in Gl ei witz geboren. Er war Observator an der Sternwarte in Babelsberg. Als Schülervon Helmholtz gab er schon in seiner Doktordissertation eine fundamental wichtige Entdeckung, die elektrolytische der Kathodenstrahlen. Diesem Nachweis folgte später die Auffindung der Kathodenstrahlen. Als erster gab er auch eine Methode zur Messung der Geschwindigkeit der Strahlen an. Seine wichtigste und berühmteste Entdeckung ist aber die der Kanalstrahlen. Lange beschäftigte er sich mit dem Spektrum, die Physik verdankt ihm eine große Reihe von Entdeckungen auf dem Gebiete der Spektroskopie. Früher als in Deutschland, wo er wegen seiner Zugehörigkeit zum Judentum Zurücksetzungen erleiden mußte, wurde Eugen Goldstein in der wissenschaftlichen Welt des Auslandes gewürdigt Als Jude bekam Goldstein nicht einen Lehrstuhl und auch nicht die Möglichkeit zu freiem wissenschaftlichem Arbeiten. So bestritt er, der in den allerbescheidensten Verhältnissen lebte, die Kosten seiner Versuche zum größten Teil durch das, was er sich an Lebensunterhalt entzog. Erst als er schon in vorgerücktem Alter stand, wurde ihm die astrophysikalische Abteiking am Potsdamer Observatorium übertragen. Stets hat es Goldstein verschmäht, durch Flucht aus dem Judentum die Hemmnisse zu beseitigen, die ihm in den Weg gelegt wurden. VonWodie zu Wodke Die Kalenderfonn Das britische Kalenderref onmkomitee hat unter dem Vorsitz von, Lord Burnham eine Sitzung abgehalten, in der ChiefRabbi Hertz vom jüdischen Standpunkt auf die religiösen Bedenken gegen eine Kalender reform unter Einführung eines oder mehrerer Blankotage und eines fluktuierenden Sabbaths, sowie auf die ökonomischen und sozialen Schäden, die eine derartige Kaiendereform nach sich ziehen könnte, hinwies. Seine Ausführungen machten auf die Mitglieder des Komitees, zu denen der ehemalige Sekretär des Erziehungsausschusses Sir Amherst Selby Bigge, der Vertreter der englischen Handelskammern R. B. Dunwoody, der Abgeordnete A. G. Walkden. der Vertreter des britischen Bankenverbandes Ernest Sykes, der königliche Astronom Frank Dyson. Frau F. A. Keynes und der Sekretär des Komitees Abg. Ralph Morley gehören, einen tiefen Eindruck. Das Joint Foreign Commitee hat beschlossen. Chief Rabbi Hertz für seine kraftvolle.: Vertretung des jüdischen Standpunktes vor dem Kalenderreforrnkomitee seinen besonderen Dank zum Ausdruck zu bringen. Die Rede Chief Rabbi Hertz* soll demnächst in Druck erscheinen. Die erste Synagogengemeinde in Spanien. Zum erstenmal seit 1492, dem Zeitpunkt der Vertreibung der Juden aus Spanien, konnte sich in Madrid öffentlich eine jüdische Gemeinde zum Gebet in einem jüdischen Gottes hause, das als solches anerkannt ist, versammeln. Ein Kreis von etwa 30 Männern hat mit Genehmigung der Regierung die erste spanische Synagogengemeinde gegründet. Die Feierlichkeit selbst spielte sich in schlichtem Rahmen ab. Anwesend war auch ein Vertreter der Madrider Polizeibehörde. Der französische Bankier Bauer, der als finnischer Generalkonsul fungiert und dessen Familienmitglieds in nahen persönlichen Beziehungen zu König Alfons von Spanien stehen (die Tochter von Bankier Bauer gehört zur Suite der Königin), wurde zum Präsidenten der Gemeinde gewählt Seinen Interventionen beim König ist es vor allem zu danken, wenn jetzt nach langen Bemühungen die jüdische Gemeinde anerkannt worden ist, und er war es auch, der einen Erlaß durchsetzte, nach welchem — entgegen dem Willen der kirchlichen Behörden — auf dem Ziviifriedhof von Sevilla ein Feld für jüdische Gräber reserviert wurde. Bankier Bauer hat auch die finanziellen Lasten, die aus der Unterhaltung der Synagoge entstehen, übernommen. Nach der Gründungsfeier wurde ein Protokoll und ein vorläufiges Gemeindestatut durch den anwesenden Polizeioffizier verlesen und unterzeichnet. Der von einem Gemeindemitglied gestellte Antrag auf Anstellung eines Kultusbeamten wurde aus Mangel an finanziellen Mitteln abgelehnt. — Das Gebäude, in dem sich die Svnagoge befindet, liegt im Zentrum der Stadt. Das Fe'thaus selbst trägt sephardische Prägung; in einem Nebenraum ist eine kleine Bibliothek und eine Sammlung von Kultgeraten, aus Privatbesitz und staatlichen Museen stammend, untergebracht worden. Todesfall Donnerstag, den 25. Dezember 1930, ist der in weiten Kreisen bestens bekannte Herr Alexander Goldblatt, ehemaliger Obmann der Bezirkskommission für den 16. und 17. Bezirk nach langem, schweren Leiden im 68. Lebensjahre verschieden. Die große Beliebtheit des Verstorbenen kam bei seinem Leichenbegängnisse, welches Sonntag, den 28. Dezember, am Neuen Friedhof stattfand, zum Ausdruck, indem eine große Zahl von Verwandten und Freunden dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre erwiesen hat. Herr Rabbiner Dr- J. M. Bach hielt dem Entschlafenen einen tiefempfundenen Nachruf, in welchem er seinen Wohltätigkeitssinn und seine großen Verdienste um das Ju- : - : 4,. GROSSFLEISCHHAUEREI (liGM, KORNMEHL %m*mmm^mmmmwmmmmmmmmm^^mmmmmmammm—m ■ WKN IX., BERGOASSE NR. 19 FlUALIi XVIII., WÄHRINOIRSTRASSE VT , Telephon Nr. A 17499 ana A 164-34 Llafarant für Hallanstaltan AbteilungenfürKoscherfleisch ■Btor Anfsleht de« «hrw. Rabbtoates dmr imr. KnltnsoenMlnde Wl«n. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen ' dentum besonders würdigte. Hierauf sprach der gegenwärtige Obmann der Bezirkskommission Herr Leopold Sitzmann herzliche Worte des Dankes' und! Abschiedes. Die kantoralen Funktion«« versahen die Herren Oberkator Kogan und Kantor Harendorf mit Chor. Ehre seinem Andenken. Veretnsnacfkwidhten Mittelinngen des Vereines für indische Geschichte und Literatur. Am 17. v. M. sprach im Rahmen unserer Veranstaltungen Herr Oberrabbiner Dr. EUser Schweiger aus Neutra (Tschechoslowakei) über den „K u 11 u r a n t i s e m i t i s m u s". Der Vortragende setzte sich ausführlich mit den eigentümlichen Ansichten Oswald Spenglers auseinander, der mit angeblich „wissenschaftlicher" Methode den Judenhaß zu begründen und zu rechtfertigen sucht Die rhetorisch vollendeten Ausführungen, die in populär-wissenschaftlicher Form gehalten waren, fanden besonders dankbare Anerkennung des zahlreichen Publikums. Am 15. ds. hielt Herr Professor IL Glücksmann, Dramaturg des Deutschen Volkstheaters, einen überaus interessanten Vortrag über „Seine Exzellenz, der Jude Joseph von Sonnenfeis". Der Vortragende schilderte den Werdegang dieses hervorragenden österreichischen Juristen und Rektors der Wiener Universität, insbesondere dessen Einfluß auf die Entwicklung des Wiener Theaters durch seine „Briefe über die Wienerische Schaubühne". Josenh von Sonnenfels war auch derjenige, dem die Abschaffung der Tortur in Oesterreich zu verdanken ist. Der Vorsitzende dankte dem Vortragenden für seine vielfach neuen Mitteilungen und Ausführungen, die auch tiefes Zugehörigkeitsgefühl zum Judentum erkennen ließen. * Die am 15. ds. stattgefundene konstituierende Vorstandssitzung des Vereines brachte folgendes Ergebnis: Präsident Professor Dr. Samuel K r a u ß. Vizenräsidenten: Rabb. Dr. M. Rosen mann und Inspektor Ludwig Bato. Ferner gehören dem Vorstande die Herren Rabb. Dr. D. F e n c h t w a n g, Dozent Isidor Fischer. Obermed-Rat Dr. H. Haase. Direktor JuJ. Haber. Direktor Friedmann und Sander Wolf an. Als Kassier wurde abermals Herr Alfred May und zum Schriftführer Herr Josef Babad eewählt. Als Revisoren erscheinen die Herren Dr. Pins und Hans Heller. . KHmm\mFrmmmtfmmmvmrrmmBimmimstMBmi Ver» w*for*»'i««7 «rr «rl- Herr Dr. Leo Deutschländer. Direktor der Mädchenschulorganisation ..Reth .T'koV, snricht am Dienstag, den 6. Jänner. 5 Uhr nachmittags. Im großen Saal des V*>rb»nrieheimes. VI.. Kön'gspirzasse »«. s»ls (•»«t der Frauen-Vereine für die westlichen Bezirke Wiens über: „Die Bedeutung der Bibel für die Kultur der Menschheit". Eintritt frei, ohne Karten. Gesellschaft für Sammlung nnd Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums („Jüdisches Museum), Wien. In der am Montag, den 22. v. M„ abgehaltenen XXII. .Generalversammlung des genannten Vereines, der nunmehr seit 35 Jahre ersprießliche Kulturarbeit leistet, wurde vor Eingang in den Geschäftsbericht Hofrat Professor Dr. S. Frankfurter aus Anlaß des Jubiläums seiner zehnjährigen, überaus verdienstvollen Tätigkeit als Präsident der Gesellschaft unter lebhafter allgemeiner Zustimmung zum Ehrenmitglied ernannt. Dabei hielten der Vizepräsident Dr. Sigmund S t i a s s h y. Primarius Prof. Dr. Braun und Rabbiner Dr. T a g I i c h t, ersterer als Ehren Großpräsident des Verbandes der „Israel. Humanitätsvereine B'nei B'rith". letzterer für die Loge „Wahrheit" die Verdienste des Gefeierten würdigende Ansprachen. Hofrat Frankfurter teilte in deren Erwiderung mit. daß ihm von befreundeter Seite Beträge zur Bildung eines ..Frankfurter-Fonds" für die Zwecke des Museums zur Verfügung gestellt wurden. Aus dem hierauf vom Kustos des Museums, Prof. Dr. Jak. Bronner, erstatteten Tätigkeitsbericht für das Ja*ir 1°30 konnte man feststellen, daß die Sammlungen des Museums wuchsen und daß im Verhältnis zu der Ber'iner jüdischen Gemeinde das Museum noch immer das größte und re'r-hbaltigrcte seiner Art ist. Der vom Kassaverwalter Rudolf Rudinger und den Revisoren Mar Schlösinger und Ing. R i n d 1 e r vorgetragene Kassabericht und die satzungsmäßigen Wahlen beschlossen den Geschäftsteil, an den sich der von Rabb. Dr. J.