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Die Wahrheit · 1931-01-02 · Heft 1 (2.1.1931) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 1 (2.1.1931)
Date
1931-01-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seit« t Taglicht gehaltene Vortrag über „Das Koheleth" anschloß. Der Vortragende gab in trefflicher Weise eine gut verständliche Uebersicht über den philosophischen Inhalt und verstand es vor allem, die sich ergebenden Widersprüche, auf die schon die Alten hingewiesen haben, in befriedigender Weise Auiklärung. Dr. B. Verein zur Unterstützung armer kranker Israe- .Uten. Am 16. v. M. land die Besichtigung der im Allgemeinen Krankenhause befindlichen, dem Krankenhausverein gehörenden rituellen Küche vom Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde statt. Es waren erschienen die Herren Präsident Professor Dr. Alois Pick, Vizepräsident Doktor Jakob Ornstein, Amtsdirektor Reg.-Rat Guido Fuchsgelb und der Leiter der Fürsorgezentrale Emil Engel. Zur Begrüßung hatten sich eingefunden: Die Vorstandsmitglieder Vizepräsident Isidor Frommer, Chewra-Kadischa- Vorsteher Sandor Adler, Adolt Bernfeld.- Schriftführer Leopold Kohn, die Vorstandsdamen Frau Lilli Fischer und FräuleinEugenie Frommer. Nach dem Empfang hielt der Vizepräsident. Herr Isidor Frommer, folgende Ansprache: „Im Namen des Vorstandes des Krankenhausvereines danke ich Ihnen bestens, daß Sie unserer Einladung Folge geleistet haben, um sich über die Notwendigkeit und segensreiche Tätigkeit unseres Vereines, welcher zu einem der ältesten Wohltätigkeitsvereine Wiens zählt, persönlich zu überzeugen. Trotz der Einsicht der besonderen Wichtigkeit der rituellen Küche und der wohlwollendsten Haltung von Seite der Direktion des Allgemeinen Krankenhauses hat es uns doch viel Zeit, viel Mühe und viel Geld gekostet, bis es uns gelungen ist, auch bei der Statthalterei die Bewilligung für diese Räume zu erhalten. Es ist eine Errungenschaft, hier im weltberühmten Allgemeinen Krankenhause eine streng rituelle Küche zu besitzen, über die sich auch Andersgläubige lobend und rühmend aussprechen, ja sogar die größten Kapazitäten und Professoren. Ich bitte Sie, da sich die Kultusgemeinde gewiß nicht den Pflichten gegenüber 250 Juden, die jahraus, jahrein bloß im Allgemeinen Krankenhause liegen, abgesehen von allen anderen Wiener Spitälern, entziehen will, uns zu helfen, daß wir unsere Küche erhalten können ' und eine derart wichtige Institution durch die schweren Wirtschaftsverhältnisse nicht genötigt ist, ihre Tätigkeit einstellen zu müssen." Nach Besichtigung der Küche sprach sich Präsident Professor Dr. Pick außerordentlich lobend über die Küche, die Einrichtungen und Zubereitung aus, anerkannte die Notwendigkeit und Wichtigkeit der Erhältung derselben und sprach dem Vizepräsidenten, rHerrn Frommer, den besonderen Dank für sein segensreiches Wirken und seine stets aufopfernde Tätigkeit bei so vielen Wohltätigkeitsvereineu aus. Rabbinische Bibelerklärung und psychoanalytische Traumdeutung. Unter diesem Titel hielt kürzlich Herr David Bondy einen Vortrag in der Vereinigung jüdischer Akademiker in Wien. Abgesehen von ihrem wissenschaftlichen Werte gehört die Veranstaliung auch deshalb zu den bestgelungenen, weil der Vortrag ein Beispiel dafür war, daß sich jüdisches Wissen mit der Kenntnis profaner Wissenschaft zu einem harmonischen Ganzen vereinigen läßt und daß durch diese geistige Symbiose jeder der beiden Wissenszweige gewinnen und vertieft werden kann. Von der Traumtheorie ausgehend, daß während des Traumes gewisse Teile des Bewußtseins, welche im Wachzustand das Denken regulieren, ausgeschaltet sind und die restlichen Teile des Bewußtseins unabhängig werden, führte der Vortragende aus, daß auch die Prophetie — nach talmudischer Ansicht — so zustande, komme, daß ein großer Teil der Seele (das Tierische im Menschen und der zensurierende „Knach") zum Schweigen gebracht wird - und das Denken und Sprechen nur von der „göttlichen Seele" beherrscht wird. Tatsächlich findet auch der Talmud die Prophetie dem Traume ähnlich, doch sagt er, daß der Wert ersterer viel größer sei als der des Traumes. Infolge dieser Wesensverwandtschaft zwischen Traum und Prophetie ist es verständlich, daß auch zwischen den Methoden der Traumdeutung und der Bibelerklärung weitgehende Analogien bestehen. An Stelle des im Vortrage gegebenen ausführlichen Beweises hierfür mögen hier nur einige Beispiele herausgegriffen sein. Kennzeichnend für den Traum ist seine Verdichtungsarbeit, die zur Folge hat, daß jeder Traum vieldeutig ist; auch ein Bibelvers ist das Produkt einer Verdichtungsarbeit und es ist daher nicht verwunderlich, daß mehrere Deutungen gleichzeitig richtig sein können. Vom Traum erklärt die Psychoanalyse, daß der wahre Trauminhalt sich mit dem manifesten nicht decke, ja daß der manifeste Trauminhalt meist nur Fassade sei; auch der wahre Inhalt eines Bibelverses enthält oft Gedanken, die aus dem manifesten Texte nicht ohne weiteres hervorgehen. Wie die Psychoanalyse in der Traumdeutung nicht mit der Phantasie des Deuters arbeitet, sondern in erster Linie die Gedanken und Einfälle des Träumers verwertet, so dürfe auch die Bibelerklärung die Erläuterungen des Autors, die mündliche Ueberlieferung, nicht unberücksichtigt lassen. Der Redner betonte jedoch, daß es auch wesentliche Unterschiede zwischen Traum- und Bibeldeutung gebe, und daß letztere mit ihrer seit Urzeit bis ins feinste ausgearbeiteter Methodik höher zu bewerten sei, als erstere. die ja noch in den Kinderschuhen stecke. Bemerkenswert ist noch, daß Herr Bondy im Zusammenhange zahlreiche Talmudstellen zitierte, an denen er zeigen konnte, daß viele der psychoanalytischen Theorien schon unseren talmudischen Lehrern geläufig waren und von ihnen zur Bibel- und Traumdeutung verwendet wurden.__ Gelegenheitskaufe: Benutzen Sie den der. zeitigen billigen Silberpreis zur Ergänzung oder Anschaffung ihres Tafelsilbers, bei Oesterreicher. (Siehe Ankündigung auf Seite 4.) thanuka^cietn Am 14. v. M. fand im Feststaale des Vereinshauses der Frauensektion des Orth. Bethaus-Vereines Emunas Aves das diesjährige Kinderbekleidungsfest, verbunden mit einer Chanukafeier, statt, die einen äußerst würdigen Verlauf nahm. Frau Präsidentin Cäcilie Schulz begrüßte die zahlreich erschienenen Festgäste aufs herzlichste, insbesondere Herrn Rabbiner Weiß, den Gesamtvorstand des Tempelvereines Emunas Aves, in Vertretung der Kultusgemeinde Herrn Kultusvorsteher Kommerzialrat Albers, den Gesamtvorstand des Unterstützungsvereines Gemilas Chesed und viele andere. Frau Präsidentin Schulz sprach den herzlichsten Dank an die Mitglieder, Freunde und Gönner dafür aus, daß es heuer wieder gelungen war, 24 Kinder von Kopf bis zum Fuß zu bekleiden. Die Chanukalichter wurden von Herrn Kantor Schwarz in überaus feierlicher Weise angezündet, worauf von den Talmud Thoraschülern das Moaus Zur gesungen wurde. Herr Rabbiner Weiß hielt eine gehaltvolle Festrede, in welcher er die ersprießliche Tätigkeit des Frauenvereines würdigte. Das sonstige Festprogramm wurde vcn den Kindern der Talmud Thoraschule ausgeführt und ernteten alle für ihre wirklich schönen Darbietungen reichlichen Applaus. Sodann folgte eine reiche Bescherung der Kinder. Um das Gelingen des Festes hat sich Fräulein Gretl Schulz bemühlt. * Letzten Sonntag fand im Caie Rembrandt. IL, Untere Augartenstraße, die Bekleidungsfeier des'Jüdischen Wohltätigkeitsvereines „Brüderlichkeit" statt, welcher in Vertretung des Jugendfürsorgeamtes der Isr. Kultusgemeinde Frl. Schwarz und als Delegierter des Magistr. Fürsorgeinstitutes der Obmann desselben, Herr Fürsorgerat Heller, beiwohnten. Nachdem den 63 komplett bekleideten Kindern eine Jause und ein großes Lebensmittelpaket verabreicht wurde, begrüßte der Vereinsobmann, Herr Grünwald, die zahlreich Herren- und taillier Nur Ia-Qualitäten nach Maß und fertig lagernd, eventuelle Zahlungserleichterungen bis zu l Jahr werden gewährt. nQHLRflb M ERRENttObE WIEN II., PRflTERSTR TELEFON r\ 49-4-99 39 LE1DER-UN101 WlENvlKasernena.6 TeLB202tt Lederhandschuhfabrik Josef Tjasfinger 1., Rotenturmstraße 23 Telephon U 25-3-29 * IL, Hollandstraße 11 Telephon R 47-2-40 erschienenen Gäste und nahm, indem er die bereits siebenjährige Tätigkeit des Vereines würdigte, auch Anlaß, die ständigen Leistungen und Zuwendungen der Gönner des Vereines, der Herren Joachim Deutsch, Silberstein, Kolben, Vogel. Fleischmann u. v. a., hervorzuheben, die auch zum Gelingen der diesjährigen Bekleidungsaktion sehr viel beigetragen haben. Nachdem noch einige Kinder der Talmud-Thora-Volksschule und des Jessod-Hathora-Kindergarten Gelegenheitsgedichte vorgetrager» hatten, nahm die schöne Feier ihren Abschluß. * Am Sonntag, den 21. v. M. fand in Wr.-Neustadt eine vom Frl. Paula Löwy und Herrn Lehrer Sonnenschein veranstaltete Chanukafeier statt, die ausgezeichnet besucht war. Das Fest erhielt ein besonderes Gepräge durch das Erscheinen des Kultusvorstandes sowie durch die geistvolle Ansprache des Herrn Oberrabbiners Dr. Heinrich Weiß. Die Darbietungen der Kinder standen auf beträchtlicher Höhe. Nach Eröffnung der Feier durch ein Gedicht des Prof. M. Antscherl wurden die Chanukalichter von Herrn Oberkantor M. Schulhof in meisterhafter Weise entzündet. Nach Aufführung eines Chanukastückes und eines Reigens schloß die schöne Feier. Der sich ergebende Reingewinn vird von Herrn Lehrer Sonnenschein zur Gründung einer Jugendbibliothek verwendet werden. Alle im Radio zur Aufführung gelangenden Musikwerke sind sowohl in Noten, wie auch auf Schallplatten stets sofort erhältlich im Musikhaus Leo Tublin (M u s i k - U n i o n), Wien I„ Jasomirgottstraße 6, Tel. U 26-9-84. — Große Auswahl in jüdischen und hebräischen Platten. — Radio- und Grammophon-Apparate aller Weltmarken in allen Preislagen. Zahlungserleichterungen bis 20 Monatsraten. — Verzeichnisse gerne kostenlos überallhin. Tlmtfidfe VerfauWarungen der Jsraefitisdjen Xuttusgemeinde Wien Adolf und Therese Stern-Wohltätigkeitsstlflung. Verleihungsbetrag: zusammen S 120.—. Bewerbungsberechtigt sind: Würdige bedürftige Personen jüdischer Konfession ohne Unterschied des Geschlechtes und ohne Rücksicht auf die Staats- und Qemeindezugehörigkeit. Bevorzugt sind: Von allen anderen Bewerbern solche der Unterstützung würdige und bedürftige Einschreiter, welche die Verwandtschaft oder Schwägerschaft mit dem am 14. April 1899 verstorbenen Stifter, Herrn Adolf Stern, oder dessen Gattin, Frau Therese Stern geb. Kanitz, nachzuweisen vermögen. Verleihungstag: 14. April 1931. Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, bzw. Trauungsschein, Armutszeugnis, eventuell Verwandtschaftsnachweis. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 31. Jänner 1931- Einreichstelle: Fürsorge-Zentrale der isr. Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 2, I. Stock. Jakob Luxenburg-Stiftung. Gesamtverleihungsbetrag: S 350.—. Bewerbungsberechtigt sind: Hilfsbedürftige jüdische Witwen, welche im III. Wiener Gemeindebezirke wohnhaft sind. Bevorzugt sind: von den oben bezeichneten Personen: Beamtenswitwen galizischer Herkunft, wenn ihnen durch die Verleihung eines Betrages zu einer Existenz verholfen wird und die Erziehung der verwaisten Kinder ermöglicht, resp. erleichtert wird. Einreichungsfrist: I. bis 31. Jänner 1931. Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Totenschein des Gatten, event. Geburtsscheine der Kinder. Einreichstelle: Fürsorge-Zentrale der isr- Kultusgemeinde Wien 1., Seitenstettengasse 2, I. Stock. * Karoline Güterbock-Stiftung. Gesamtverleihungsbetrag: S 300.—. Bewerbungsberechtigt sind: Arme» kranke Frauen und Mädchen mosaischer Konfession- Bevorzugt sind: solche arme, kranke Frauen und Mädchen mosaischer Konfession, welche in Holitsch leben oder daselbst zuständig sind. Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, ärztliches Zeugnis, Mittellosigkeitszeugnis. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 31. Jänner 1931. Einreichstelle: Fürsorge-Zentrale der isr. Kultusgemeinde Wien I., Seitenstettengasse 2, I. Stock. * Predigten in den israelitischen Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Freitag, den 2. Jänner 1931, werden bei dem um 4 Uhr 15 Minuten beginnenden Abendgottesdienste in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: VL< Schmalzhofgasse 3 (Rabbiner Dr. I. Drobinsky); VIII., Neudeggergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Bauer); IX., Müllnergasse 21 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz); XV., Turnergasse 22 (Rabbiner Dr. I. T a g 1 i c h t); XVI-, Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach); XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. F e u c h t w a n g). Exegetischer Vortrag: Samstag, den 3. Jänner 1931, Uhr nachmittags: Religiös-populärer Vortrag (Zyklus: „Die Lehrer und Lehren den Mischmah und der Gemarah", IL, Pazmanitengasse 6), Rabbiner Dr. Z. Taubes. 4 Uhr nachmittags: Exegetischer Vortrag, XIX., Dolinergasse 3 (Rabbiner Dr. A. Frankfurter). s

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