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Die Wahrheit · 1931-01-02 · Heft 1 (2.1.1931) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 1 (2.1.1931)
Date
1931-01-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 Stimmung wegen ungerechter Steuerbemessung durch genaue Einhaltung des Weges über die verschiedenen Schätzungsinstanzen zu begegnen. Kultusvorsteher Gustav Moritz erklärte sich ebenfalls, für das normale Steuerverfahren und führte einen persönlichen Fall an, der die zurückhaltende Einstellung des Steueramtes gegenüber Neuanmeldungen von Steuerzahlern beweisen sollte. Die Erwähnung dieses Falles, der im übrigen, wie wir erfahren, bereits seine, die Ausführungen des Herrn Moritz teilweise widerlegende Aufklärung gefunden hat, führte zu Erwiderungen, die Wir ebenfalls im Leitartikel behandeln. Komm.-Rat Moriz Reif begründete statistisch seine ablehnende Haltung gegenüber dem Voranschlag des Steueramtes, für den nur der zionistische Kultusvorsteher W a 11 u c h eintrat, der in seiner Rede sich die unglaubliche Bemerkung leistete, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse sich seit dem vorigen Jahre nicht verschlechtert hätten. Börserat I. G1 ü c k widerlegte in sachlicher Weise diese Auffassung, die überhaupt allgemeines Mißfallen ausgelöst hatte. Nachdem Kultusvorsteher A. Albers über die Arbeit der Bezirkskommission XII/XV gesprochen, faßte Reg.-Rat Dr. H. Oppenheim in seinem Schlußworte nochmals alle Argumente zusammen, die für die Einführung des normalen Steuerverfahrens sprechen. Er appellierte an die Schätzungsinstanzen, durch dieses Verfahren eine Garantie für eine gerechte Behandlung der Steuerträger zu bieten. Sein Antrag, das normale Steuerverfahren zu belassen, wurde angenommen. Weizmanns Nachfolgerschaft. Eines der wichtigsten Probleme des bevorstehenden XVII. Zionistenkongresses wird die Frage der künftigen Leitung der Zionistischen Weltorganisation sein. Da der Präsident dieser Organisation auch zugleich Präsident der Jewish Agency ist, wird der folgende, der Berliner „Jüdischen Rundschau" auszugsweise entnommene Artikel gewiß auch unsere Leser interessieren. Er informiert über die möglichen Kombinationen und die Persönlichkeit der in Betracht kommenden Männer. Die Red. Die „Jüdische Rundschau" schreibt in ihrem „Kongreß-Probleme" überschriebenen Leitartikel u. a.: Es bedarf keiner großen Prophetengabe, um vorauszusehen, daß im Mittelpunkt des XVII. Zionistenkongresses die Leitungsfrage stehen wird. Dr. Weizmann hat bekanntlich nach Erscheinen des Weißbuches demissioniert und auch im Aktionskomitee erklärt, er werde auf dem nächsten Kongreß nicht mehr kandidieren. Die weltpolitische Position des Zionismus ist zum größten Teil das Werk Dr. Weizmanns. Wie schwer diese Position zu verteidigen war, weiß vielleicht nur er allein. Da aber eine systematische Belehrung der zionistischen Massen unterblieben war, ist es nicht verwunderlich, daß für Mißerfolge vor allem die Führung verantwortlich gemacht wird. Große Gruppen innerhalb der Zionistischen Organisation sind heute gegen Weizmann, darunter die wichtigsten Länder, wie Polen, Amerika und Palästina. Für Weizmann sind wahrscheinlich nur die Arbeiterparteien und eine Gruppe mitteleuropäischer Allgemeiner Zionisten. Unter diesen Umständen und angesichts dieser parlamentarischen Situation können auch die Freunde Dr. Weizmanns seine Kandidatur nicht befürworten. Wenn aber Weizmann scheidet, dann wird das Nachfolgeproblem von so weittragender Bedeutung, auf die Zuschauer, jüdische und insbesondere nichtjüdische, einen außerordentlichen, durch das Fremdartige gesteigerten Zauber ausübte, bereits ein großer Ruf voraus. Dementsprechend war auch das Interesse, das dieser Bühne entgegengebracht wurde, ein außergewöhnlich großes. Die nichtjüdische Künstlerwelt horchte auf und nahm lebhaftes Interesse an den Erfolgen ihrer jüdischen Kollegen aus dem Osten. Kein Geringerer als Max Reinhardt hat sich über die Leistungen dieser Künstler in begeisternden Worten ausgesprochen. Richard Beer-Hoffmann, Arthur Schnitz- 1 e r zählten zu ihren Besuchern und zu ihren Bewunderern. Seit diesem für die „Wilnaer Truppe" so ruhmvollen Gastspiel hat auch dieses Ensemble das Schicksal des wurzel- und heimatlosen jüdischen Theaters teilen müssen. Aehnlich der „Habimah" und dem Granowskischen Moskauer Künstlertheater hat sich auch die „Wilnaer Truppe" in zwei Teile gegliedert, deren einer ständig in Polen wirkt und deren zweiter Teil gegenwärtig das Gas tspiel in Wien absolviert. In der kurzen Zeit ihres Bestehens ist die „W'ilnaer Truppe" förmlich zu einem künstlerischen Begriff geworden. Jedes ihrer Gastspiele bedeutet immer wieder neues künstlerisches Erlebnis. Bedenkt man, daß dieses Ensemble mit ungeheuren technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, bedenkt man ferner, daß ihm in der Theaterstadt Wien nicht einmal eine seinem künstlerischen Niveau entsprechende moderne Theaterbühne zur Verfügung steht, so muß man den Idealismus und die Leistungen dieser Künstler doppelt bewundern. Dr. Jakob Rosenthal. daß es gewiß den ganzen Kongreß beherrschen wird. Die Frage der Präsidentschaft, fährt die „Jüdische Rundschau" fort, kann natürlich nicht nach einseitigen Parteigesichtspunkten entschieden werden. Der revisionistische Führer wird, selbst wenn er bei der Mehrheit des Kongresses Sympathien genießen sollte, zweifellos nicht zum Führer der Bewegung gewählt werden. Wäre man in der Wahl eines Führers vollständig frei, so würde sich zweifellos ein Name in den Vordergrund schieben, der auch in manchen Zeitungen genannt worden ist: Brandeis. Die Wahl von Brand eis zum Präsidenten der Jewish Agency hätte einen klaren politischen und innerzionistischen Sinn. Er ist ein Mann von großen persönlichen Qualitäten, hohem Ansehen und bedeutendem Einfluß. Man hätte das Gefühl, daß die Führung Q(jeilinctölilfr r Behfirdl. autor. Häuseradministration ADOLF KRALL IV., Schleifmühlgasse 11 Telephon B 29-1-4« empfiehlt sich zur Übernahme von Verwaltungen Erstklassige Referenzen in verantwortliche Hände gelegt wird. Es würde sich um einen grundlegenden Systemwechsel handeln, eine Verlegung des Zentrums der Bewegung nach Amerika, aber mit diesem Experiment würde in der heutigen Situation wahrscheinlich die große Mehrheit des Kongresses große Hoffnungen verbinden. Bleibt nur noch die Schwierigkeit, daß Brandeis, der im 75. Lebensjahre steht, bisher nicht die geringste Neigung zeigt, das Amt des Präsidenten anzunehmen. Die Kandidatur von Brandeis ist demnach die unwahrscheinlichste von allen. Zwei Persönlichkeiten, deren Namen genannt werden sind, stehen auf entgegengesetzten Polen: Ussischkin und Sacher. Ueber Ussischkin braucht kein Wort gesagt zu werden. Er hat ein klassisches zionistisches Leben hinter sich, seine unbeugsame Energie ist auch heute noch eine der stärksten Kräfte der zionistischen Aufbauarbeit, seine Gestalt ist insbesondere für das russische Judentum geradezu symbolhaft. Zweifellos genießt er sowohl in Palästina als auch in der Bewegung große Popularität; aber so geschätzt seine nationale Tatkraft ist, so zweifelhaft ist seine politische Zulänglichkeit. Selbst Freunde Ussischkins werden nicht behaupten, daß er der geeignete Führer politischer Verhandlungen wäre. Dazu kommt, daß eine Wahl Ussischkins eine Verlegung des politischen Zentrums nach Jerusalem bedeuten würde, was zumindest sehr umstritten ist Man wird also die Führung der Politik kaum Ussischkins Händen an- LEBENSVERSICHERUNQS-GESELLSCHAFT ■»HftWIX WIEN. 1. BEZIRK RIEMERGASSE 2 VersicheruDgsbestand per Mitte 19ju ...... Prämien- und Zinseneinnahmen im Iahre.1929.....125 Garanliemiltel per Ende 1929 300 Auszahlungen an die Versicherten im Jahie 1929 ...... 30% 2450 Millionen Schilling asion fir haben aus nnserem reichhaltigen Lager alle Stücke ausgesondert, die nicht mehr ganz streng der letzten Kunstrichtung entsprechen. Wir gehen diese Stücke als Okkasion — obgleich sie sonst nicht im geringsten weniger wertvoll und gediegen sind — stark reduzierten Preisen ab nun bis xen aa. dezeh beb i».h> OESTERREICHER JUWELIERE UND SILBERSCHMIEDE WIEN I. WIPPLINGER ST RASSE NR. 29 vertrauen. Viel eher empfiehlt sich für Führung der Politik Harry Sa eher, dessen advokatorisch geschulte Klugheit sich mit großer Kenntnis des englischen Lebens und der englischen Eigenart verbindet. Aber Sacher ist in Palästina im Gegensatz zu Ussischkin äußerst unpopulär, seine einschränkende Wirtschaftspolitik hat ihm weite Kreise und ganze Gruppen der Bewegung zu Gegnern gemacht. Auch ist nicht bekannt, ob er überhaupt auf die Führerschaft aspiriert. Der Kandidat, der heute bereits am stärksten und systematischesten lanciert wird, ist R u t h e n b e r g. Man macht geltend, daß er in allen maßgebenden Lagern Anhänger hat Er gilt als „starker" Mann, vermag mit der Waffe umzugehen, war im Kriege Anhänger der jüdischen Legion und ist daher bei den Revisionisten beliebt Zugleich genießt Ruthenberg aber auch eine besondere Vertrauensposition bei der diametral entgegengesetzten Gruppe, nämlich den amerikanischen Nichtzionisten (Felix War bürg), die den Revisionisten als national besonders unzuverlässig gelten und eine Zeitlang sogar der Sympathien für M a g n e s verdächtig waren. Auch die Brandeis- Gruppe steht in guten Beziehungen zu Ruthenberg, und in manchen Kreisen der palästinensischen Arbeiterschaft ist dieser alte russische Sozialrevolutionär sehr angesehen. Für die breiten Massen des Volkes ist Ruthenberg, der Elektrifikator Palästinas, mit einem mystischen Glanz umgeben. Ruthenberg hat als Präsident des Waad Leumi auch den Jischuw hinter sich. Man wird also bei objektiver Betrachtung zugeben müssen, daß seine Kandidatur rein parlamentarisch gewisse Chancen hätte. Politisch freilich ist Ruthenberg ein unbeschriebenes Blatt. Ob die Erfahrungen, die er im ersten Halbjahr 1930 in London sammeln konnte, ausreichen, um ihn den rechten Weg der Politik finden zu lassen, muß sich erst zeigen. Gerade dieses politische Debüt Ruthenbergs, sowie seine Haltung als Präsident des Waad Leumi haben ihn bereits zu einer umstrittenen Figur gemacht. Der Vollständigkeit halber erwähnt die „Jüdische Rundschau", daß in manchen zionistischen Kreisen der Gedanke eines Kollegiums erörtert wird, etwa in der Art, wie es nach Wolffsohns Abgang 1911 eingesetzt worden ist. Ob sich dieses System heute durchführen läßt, müßte erst untersucht werden, zumal ja durch die erweiterte Jewish Agency gerade dem Präsidenten eine besondere Funktion zufällt Der Präsident der Zionistischen Organisation ist auch Präsident der Jewish Agency, und man wird daher die Präsidentenfrage nicht ohne Berücksichtigung dieses Faktums lösen können. Aber trotzdem ist die Eventualität eines Kollegiums durchaus ins Auge zu fassen. * * Da die für die Zukunft wichtigen Verhandlungen zwischen der englischen Regierung und den Vertretern der Jewish Agency über die künftige Palästina - Politik noch immt}~. nicht beendigt wurden, liegt eine Verschiebung des Zionistenkongresses durchaus im Bereiche der Möglichkeit.

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