Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 52 (26.12.1930)
- Date
- 1930-12-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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In dem dichtgefällten Klubsaale des Qränd-Cafö Central entzündete Herr Oberkantor Müller vom Pazmanitentempel die Chanuka- Lichter; die kantoralen Leistungen des Herrn Oberkantors Müller verliehen dem feierlichen Akt des Lichteranzündens eine besondere Weihe. - Hierauf schüderte Herr Dr. Ernst Feldsberg in ausführlicher Rede die Makkabäerkämpfe und hob vor allem die Tatsache hervor, daß wir Juden in dem Chanukafeste ein rein religiöses Fest feiern wollen, also nicht uns versammeln, um die Waffentaten der. Makkabäer zu preisen, sondern um in der Erinnerung an die religiösen Ideale, die Matathias und seine Söhne begeisterten, neue Kraft zur Erhaltung des Judentums als Glaubensnnd Schicksalsgemeinschaft zu finden. Der Redner beschäftigte sich auch mit der traurigen Tatsache, daß leider eine große Anzahl von Juden statt der Chanuka-Lichter den Christbaum entzündet, nicht vielleicht um ein katholisches Fest zu feiern, sondern um fremde Gebräuche nachzuäffen. Diejenigen Juden, die den Christbaum entzünden, begehen aber auch einen Verrat am Judentum, weil sie ihren Kindern die Möglichkeit nehmen, aus der Geschichte des Chanukafestes jene Lehren zu ziehen, die sie für die Zukunft in dem stolzen Bewußtsein, Juden zu sein, erstarken müßten. Wenn ^öese jungen Menschen einst im Kampfe ums Dasein unter dem Drucke antisemitischer Anfeindungen zu leiden haben werden, ohne selbst die Fähigkeit zu besitzen, diese Anfeindungen mit den Waffen des Geistes auf Grund selbstbewußter jüdischer Erziehung entgegenzutreten, dann werden die Ekern sich der Anklage der Kinder nicht entziehen können, sie vor manchem Unheil nicht geschützt zu haben. Nicht umsonst verlangt unsere Gemarah, man müsse die Chanuka-Lichter in das iFenster stellen. Wir wollen offen und freudig uns zur Erfüllung unserer jüdischen Glaubenspflicht bekennen und dadurch vor allem unseren Kindern zeigen, daß wir uns nicht schämen, Juden zu sein. Das kleine Lichtchen der Menorah, es soll das Symbol des Lichtes sein, das im Herzen jedes wahren Juden zeitlebens als Licht des Glaubens, der Erkenntnis, der Moral, der Ethik und der wirklichen Menschlichkeit brennt. Herr Kantor I. Rosenwald entzückte das anwesende Publikum noch durch den Vortrag einiger jüdischer Lieder, worauf Dr. Lenk in glänzender Weise die Friedensidee des Chanukafestes in Verbindung mit der Friedensmission des Judentums in aller Zeit besprach. Um das Gelingen des schönen Festabends hat sich der tatkräftige Obmann der Bezirksorganisation. Direktor K o 1 m i n, besonders bemüht. Mitteilungen des Sekretariats der „Union deutschösterreichischer Jaden" DL, Berggasse 4L — Tel. A19-2-77. Parteienverkehr: Montag bis Freitag von I« bis 11 vorm. und 4 bis 5 Uhr nachm. Sonntag von 9 bis 11 vorm. Die Rechtshilfe- und Beratungsstelle der „Union" für Unbemittelte amtiert jeden Montag von V26 bis 7 Uhr nachm. Unentgeltliche Stellenvermittlung: Anmeldungen täglich während des Parteienverkehres. Das Sekretariat der „Union" bittet die verehrlichen Mitglieder, es von freiwerdenden Stellen brieflich oder telephonisch zu verständigen. Israelitisch Privatlelnw erteilt Unterricht in allen Schulgegenständen gegen äußerst mäßiges Honorar. Auskunft erteilt die Redaktion. VonWoifiezuWoetke Jubiläum des Völkerbundes. Wie wir erfahren, bereitet die Oesterreich isc he Völkerbundliga anläßlich des bevorstehenden zehnjährigen Bestand-Jubiläums des Völkerbundes eine Adresse vor, an der sich namhafte ösferreicliische Korporationen beteiligen sollen. Neben der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde ist auch die .„Union deu t sc h öste r r eichischer. Juden" vertreten, deren Präsident Dr. J. O r n s t e i n von der Völkerbundliga ersucht wurde, für diese Vereinigung, die seit Jahrzehnten die Interessen des österreichischen Judentums vertritt, die " beabsichtigte Adresse an den Völkerbund zu unterschreiben. Delegiertenverband der Chewra Kadischa. In der am 17. Dezember 1. J. abgehaltenen Vollversammlung des Delegiertenverbandes der Chewra Kadischa wurde Herr Dr. Ernst Feldsberg zum Obmann, und die Herren Kultusvorsteher Edmund Hof mann und Vorsteher der Chewra Kadischa Paul Schwarzstein zu Obmannstellvertretern gewählt. Herr Josef Dohan, der durch zehn Jähre das Ehrenamt eines Obmannes bekleidet und eine Wiederwahl unter allen Umständen ablehnen za müssen erklärt hatte, wurde für seine besonderen Verdienste um den Delegiertenverband zum Ehrenobmann gewählt Gleichzeitig wurde auch Herrn Vorsteher Siegmund Ernst, der bisher Obmaimstellvertreter war, der herzlichste und innigste Dank der Versammlung ausgesprochen. Herr Josef Dohan und Herr Siegmunä Ernst werden auch weiterhin ihre heilige Pflicht, als Delegierte der Chewra Kadischa bei den Leichenbegängnissen zu fungieren, selbstverständlich fortsetzen. Mädchen- und Frauen-Verein Krankenbesuch (Bikur Chaullm). Dieser unter der Leitung der Präsidentin Frau Irma Rosenberg stehende Verein, der unter der Mitwirkung einiger hilfsbereiter Damen seine menschenfreundliche Aufgabe erfüllt, veranstaltete jüngst im Ufa-Tonkino, Wien IL, Tabprsträße, einen Lichtbildervortrag: Die Bibel in klassischen Bildern. Den begleitenden Vortrag hielt Herr Dr. Salamon Lieben aus Prag. Seine Ausführungen, die die künstlerische und historische Bedeutung der einzelnen Bilder ins richtige Licht rückten, erweckten das lebhafte Interesse insbesondere auch der jugendlichen Besucher. Herr Oberkantor G. M a rg u 1 i e s hatte sich in gewohnt liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt und brachte einige jüdische und hebräische Lieder zur Freude aller Anwesenden zu Gehör. Der Verein „Bikur Chaulim", der die edelste Menschenliebe betätigt, sollte die Förderung aller gutdenkenden Juden, und die Mitarbeit vieler edelgesinnter jüdischer Frauen finden. Große Bekleidungs-Aktion des Vereines Kinderfreunde im 16. und 17. Bezirk. Wie wir bereits berichtet, hat der Verein Kinderfreunde am 30. November 1. J. 120 arme jüdische Schulkinder mit Mänteln, Schuhen, Wäsche, Strümpfen. Anzügen und Kleidern beteilt, und noch immer laufen zahlreiche Gesuche um Bekleidung ein, die seitens des Vereines berücksichtigt werden müssen. Ist es doch das Bestreben des seit 50 Jahren bestehenden Vereines, keines der armen jüdischen Schulkinder frierend zur Schule gehen zu lassen. Leider wird infolge der immer schlechter werdenden wirtschaftlichen Lage und zunehmender Arbeitslosigkeit die Zahl der Bedürftigen immer größer, was zur Folge hat, daß die Mittel des Vereines durch die steigende Inanspruchnahme nahezu erschöpft sind. Um dieses Hilfswerk fortsetzen, bzw. ausbauen za können, ersucht die Vereinsleitung alle edlen Menschen um gütige Spenden, die an den Verein der Kinderfreunde zur Bekleidung armer israelitischer Schulkinder, XVI., Hubergasse 8. Tempelgebäude, gesendet werden wollen. Trauung. Sonntag, den 21. Dezember d. J. fand im Stadttempel die Trauung des Fräuleins Irene Kaminka, Tochter des Herrn Rabbiners Dr. Armand Kaminka und seiner Gattin Klara, geborene Loewi, mit Herrn Gymnasialprofessor Dr. Erich Fischer, Sohn der Frau Diiektor Olga Fischer (Israelitische Kinderbewahranstalt), bei ungewöhnlich zahlreicher Beteiligung aus allen Kreisen der Wiener jüdischen Gesellschaft statt. Der bis auf das letzte Plätzchen gefüllte Tempel vereinigte die Spitzen der Wiener Judenschaft und bot ein gesellschaftliches Bild, wie man es nur bei den seltensten Anlässen anzutreffen Gelegenheit hat. Unter den Erschienenen GROSSFLEISCHHAUEREI IUGM. KORNMEHL iflHamaMaM^BMHHBiH WIEN IX., BERQOASSE NR. 19 FILIALE XVIII., WÄHRINQERSTRASSE »T Telephon Nr. Ä 17-349 und. A 16*9-34 Uaterant für HallanstalUn AbteilungemürKoscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabblnates dar lsp.KuHusasmeinde.Wisn. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen bemerkte man den Präsidenten der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Prof. Dr. Alois Pick, den Vizepräsidenten Dr. Jakob Ornstein, Mitglieder des V e r t r e t e r k o 11 e g i u ni s und zahlreiche Kultusvorsteher sowie eine große Anzahl Mitglieder des Bethausvorstandes I/Il. Ferner sah man Delegierte des österreichischen Rabbinerverbandes," der B. B. - Logen, der Chewra kadischa, der Israelitischen Allianz, der Union deutschösterreichischer Juden, der Wiener Tempelvereine, der Israelitisch-theologischen Lehranstalt, des Jüdischen Frauenvereins Leopoldstadt, des Vereines „Wohlfahrt" zur ' Erhaltung der Kinderbewahranstalt, sowie Abordnungen zahlreicher Bethaus- und karitativer Vereine. Unter den weihevollen Klängen des „Moaus zur jeschuosi'* hielten Braut und Bräutigam, gefolgt von ihren nächsten Verwandten, den Einzug in das festlich beleuchtete schöne Gotteshaus. Der Trauungsakt wurde von Herrn Rabbiner Dr. I. Taglicht und dem Vater der Braut vollzogen. Dr. Kaminka dankte dem Allmächtigen, daß er ihm diese freudige Stunde habe erleben lassen, und ermahnte das Brautpaar, stets eingedenk zu bleiben der grenzenlosen Liebe und Treue der Eltern, sowie der Erziehung, die sie ihm haben angedeihen lassen, um auf dem festen Grunde dieser echt jüdischen Tugenden , ihr neues Haus aufzurichten. Eine tiefe Rührüiis' ergriff die' Zuhörer, ' als Redner - den Bräutigam an die Tugenden seines in Gott ruhenden Vaters und Großvaters erinnerte. Zum Schlüsse seiner formvollendeten Ansprache flehte er den Segen des Allmächtigen auf dieses wahre Herzens- und Seelenbündnis herab, damit es den Neuvermählten vergönnt bleibe, bis in ihr spätestes Alter in diesem Bunde ihres Lebens Glück und Daseinsfreude zu finden. Herr Rabbiner Dr. I. Tag licht verlieh sodann den Gefühle« der vielen Freunde der Familien Kaminka- Fischer entsprechenden Ausdruck, als er in einer von persönlicher Wärme durchdrungenen Rede auf die hohe Wertschätzung hinwies, die den Eltern des Brautpaares von weiten Kreisen des In- und Auslandes gezollt wird. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantör Heinrich Fischer mit großer Assistenz. 60. Geburtstag. Herr Fritz Hermann (Wien II.), Vorstandsmitglied des Tempelvereines „Aeschel Awrohom", feierte am 24. d. M. im engsten Familienkreise seinen 60. Geburtstag. Todesfall. Dienstag, den 16. d. M.. verschied Herr Josef Friedländer, Ehrenmitglied des Tempel-Vereines „Aeschel A\v rohom" "im 68. Lebensjahre. Bescheiden und liebenswürdig als Mensch, hat sich der Verstorbene die Hochachtung und Verehrung weiter Kreise erworben, und kam diese Verehrung auch bei dem am Donnerstag, den 18. d. M., am Neuen Friedhof stattgefundenen Leichenbegängnisse zum Ausdruck. Eine große Anzahl Vorstandsmitglieder und Mitglieder des Tempelvereines, sowie Freunde des Verblichenen standen um den schlichten Sarg, wie um den eines verstorbenen Verwandten und lauschten tiefgerührt den trefflichen Worten des Herrn Rabbiner Dr. I. Taglicht. der in einem ergreifenden Nachruf den Lebenslauf des Entschlafenen schilderte. Die kantoralen Funktionen versahen die Herren Oberkantor I. Müller und I. Kantor A. Stift vom Pazmanitentempel. Der gramgebeugten Familie wendet sich die allgemeine Teilnahme zu. Oberkantor L Alter. Hannover, auch in Wien durch sein hervorragendes Wirken allgemein bekannt, ist vorige Woche zu einer viermonatigen Konzentournee nach den Vereinigten Staaten abgereist Seine vorjährigen Erfolge, in denen er sowohl von der jüdischen als auch nichtjüdischen Presse ganz außergewöhnlich gefeiert wurde, eröffnen ihm die. glänzendsten Aussichten für die diesjährige Tournee, deren Bedeutung schon daraus hervorgeht, daß sich dieselbe heuer auf einen ungewöhnlich langen Zeitraum erstreckt.