Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 51 (19.12.1930)
- Date
- 1930-12-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Die jüdische Jugend ist auf der Suche nach Idealen, findet sie nicht und wirft sich daher dem Kommunismus in die Arme..." Der Autor dieses Artikels ist nicht irgend ein böser „Assimilant". Der Aufsatz steht nicht in irgend einem antizionistischen Blatte, sondern im palästinensischen „Doar Hajom" und hat den bekannten Kulturzionisten und Christentumsforscher Dr. Josef Klausner zum Verfasser. Erst vor kurzem wehrte sich W e i zmanit in seiner Antwort auf das Weißbuch mit Entrüstung gegen die Stelle des Simpson- Berichtes, die von den „unwillkommenen Einwanderern'* spricht. Weizmann verwahrte sich gegen die Anklage Simpsons, die jüdische Jugend sei kommunistisch eingestellt. Sie kämpfe im Gegenteil bei jeder Gelegenheit gegen den Kommunismus. Nun kommt Klausher und bestätigt nicht nur die Anklagen Simpsons, sondern erhärtet und erweitert sie. Daß die palästinensische Jugend auf der Suche nach jüdischen Jdealen keine findet, ist eine Wahrheit, die wir oft genug hier ausgesprochen haben. Schuld daran tragen diejenigen, die der Jugend den Weg zu jüdischen Idealen verbauen, die sie abspeisen mit Phrase und Fahne, mit Schlagwort und Schlagball. Daß die Gefahr besteht, auf solchen Abwegen einmal an das große Nichts des Kommunismus zu gelangen, ist wohl verständlich. So weit hat der politische Zionismus die palästinensische Jugend gebracht. Und dafür opfert die Judenheit . .. Daröffantlichunqan dar Union deu+schös+err«viehischer Juden Telephon A 19-2-77 IX., Berggasse 4 Postspark.-Kto. 9.464 Überparteiliche Abwehr. Von Dr. D. S. M a r g u 1 e s, Rabbiner für Stadt und Land Salzburg. Die Kleingemeinden des Judentums pflegen in der Regel auf ihre Schwestern in den Großstädten hinzublicken, um in den Landgemeinden die gewiß gut durchdachten Einrichtungen der Großgemeinden nachzuahmen. Es gibt aber auch in der Kleingemeinde Dinge, die der Beachtung und Nachahmung durch die selbstbewußten Metropolen der jüdischen Gemeinschaft wert sind, so die nachahmenswerte Einigkeit innerhalb der Judenheit in den Provinzgemeinden. Die Parteien der Großgemeinde Berlin haben trotz der zum Frieden mahnenden Aufrufe der Rabbiner einen scharfen Wahlkampf geführt, wogegen es in den kleineren Gemeinden des Reiches meist zum Abschluß eines Burgfriedens kam, um nicht den lauernden Judenfeinden die inneren Reibereien mit all den Auswüchsen des Wahlkampfes zu zeigen. Nur durch die Zurückstellung aller innerjüdischen Differenzen vermögen wir eine dauerhafte Wehr zu errichten, welche dem niederprasselnden Geschoßhagel der judenfeindlichen Armee siegreichen Widerstand zu leisten imstande wäre. Nur durch die überparteiliche Abwehr entzögen wir den anstürmenden Gegnern eine neue Zielscheibe für ihre alten, verrosteten Waffen. Solcherart gelang es auch in Salzburg, einer bekannten Hochburg des alpenländischen Antisemitismus, den neutralen Boden ausfindig zu machen, auf welchem — allerdings nur allmählich — die entgegengesetzten Anschauungen in der innerjüdischen Politik in den Hintergrund traten. Es glückte auch die Ansetzung eines allwöchentlichen Abends für die anfänglichen Versuche einer überparteilichen Annäherung der schroffen Widersacher innerhalb der Salzburger Judenheit. Diese Zerklüftung der Salzburger Judenschaft war leider den antisemitischen Spähern nicht entgangen, die schnüffelnden Judenfeinde übertrieben sogar in -ihrer wutschnaubenden Presse diese in jeder Gemeinschaft natürlichen, leicht erklärlichen Meinungsverschiedenheiten durch die Aufstellung eines alphabetischen Registers von religiösen, bzw. politischen Streitern im innerjüdischen Lager. Von A bis Z zählen diese fein differenzierenden Judenfeinde alle wirklichen und vermeintlichen Schattierungen der Judenheit auf, indem sie bei den Atheisten begannen, sodann über Kapitalisten, Kommunisten, Poalezionisten, Revisionisten, Sozialisten, Unionisten zu den Zionisten gelangen, auf welches nahezu ganze Alphabet von jüdischen „Isten" stets hingewiesen ward. Freilich, diese judengegnerische Analyse unserer parteipolitischen Verhältnisse führte naturgemäß zur notwendigen Synthese der einzelnen Zellen des jüdischen Körpers. Selbstverständlich veranlaßte dieser übertriebene Vorwurf eines mikroskopisch beobachteten Partikularismus in der jüdischen Gemeinschaft uns erst recht, die geschlossene Phalanx zur überparteilichen Abwehr vorbildlich aufzustellen. Wie bei dem Wehr die Wassermengen angestaut werden, um nachher eine nötige Schlagkraft zu erlangen, so wollen die Salzburger Juden durch einen gemeinsam gefestigten Damm alle jüdischen Kräfte nach und nach sammeln, um erforderlichenfalls den aufgespeicherten potenziellen Energiemassen durch die überparteiliche Abwehr die bewegende, kinetische Durchschlagsmacht zu verleihen. Fürwahr, diesem Hauptzwecke dienten und dienen die allwöchentlichen Gemeinde-Abende, welche immer mehr die entferntesten Quellen des Salzburger Judentums durch die überparteiliche Zusammengehörigkeit heranleiten, um die notwendige Abwehr besser und ausgiebiger mit der gewünschten Energie speisen zu können. Zu diesem Behuf wurden und werden aufklärende wie belehrende Vorträge gehalten, zu diesem Zweck wurden und werden Sprechabende abgehalten. Diese überparteiliche Abwehr belohnt schon an sich ihre beherzten Wegbereiter für diese mühevolle Arbeit jüdischen Gemeinsinns. Mit der größten Genugtuung verfolge ich dies allmähliche Wachstum des erwachenden Zusammengehörigkeitsgefühls innerhalb der Judenheit Salzburgs, welch echt jüdische Friedensarbeit meine einjährige Amtstätigkeit hierorts krönt, weil Eintracht (Achduth) die schönste Zierde jeder Gemeinde, wie der gesamten Gemeinschaft Israels bedeutet. Aus unseren Bezirksorganisationen. In dieser Woche haben sich die Mitglieder der Bezirksorganisationen der „Union" mit Rat und Tat an den verschiedenen Chanuka- Feiern beteiligt. In einzelnen Bezirksorganisationen der „Union" haben eigene Chanuka- Feiern stattgefunden. Eine der schönsten Feiern war der von der Bezirksorganisation Leopoldstadt der „Union" veranstaltete Chanuka- Abend, über dessen glänzenden Verlauf wir noch ausführlich berichten werden. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß diese Betätigung der „Union" ihr wieder neue Freunde im jüdischen Wien gewonnen hat, das gerade in der letzten Zeit die Tätigkeit dieser wichtigen Vereinigung für die Interessen des österreichischen Judentums mit erhöhter Aufmerksamkeit verfolgt. Mitteilungen des Sekretariats der „Union deutschösterreichischer Juden44 1X„ Berggasse 4. — TeL A19-2-77. Parteienverkehr: Montag bis Freitag von 10 bis 11 vorm. und 4 bis 5 Uhr nachm. Sonntag von 9 bis 11 vorm. Die Rechtshilfe- und Beratungsstelle der „Union" für Unbemittelte amtiert jeden Montag von V26 bis 7 Uhr nachm. Unentgeltliche Stellenvermittlung: Anmeldungen täglich während des Parteienverkehres. Das Sekretariat der „Union" bittet die verehrlichen Mitglieder, es von freiwerdenden Stellen brieflich oder telephoniscb zu verständigen. Seimwarenlabrlk streng 1^3 EiscnAlfönigsbcrWcn 11., naidgasse 5 Selchwaren und Restauration Vorzüglicher Mittag- und Abendtisch zu bürgerlichen Preisen II.. 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