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Die Wahrheit · 1930-12-19 · Heft 51 (19.12.1930) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 51 (19.12.1930)
Date
1930-12-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT drei auf der Regierungsliste gewählten jüdischen Deputierten gründeten eine jüdische Sektion innerhalb des Pilsudski-Klubs, der Agudist Rabbiner Lewin schloß sich keiner Fraktion an. In der ersten Sitzung des Sejm machte die zusammengeschmolzene Gruppe der jüdischen Abgeordneten auf die jüdischnationalen Galeriebesucher einen niederdrückenden Eindruck. Während im zweiten polnischen Sejm ein jüdischer Parlamentsklub mit mehr als 40 Abgeordneten bestand, sind heute die auf 10 zusammengeschmolzenen jüdischen Deputierten in drei Gruppengetrennt. In der ersten Geschäftssitzung des neuen Sejm brachte J. Grünbau m im Namen des Jüdischen Klubs den Antrag ein, die noch aus der Zarenzeit stammenden rechtlichen Beschränkungen gegen die jüdische Bevölkerung abzuschaffen. Grünbaum wies darauf hin, daß der frühere Sejm einen diesbezüglichen Gesetzentwurf bereits in erster und zweiter Lesung angenommen hatte, die endgültige Verab- ■ schiedung in dritter Lesung war nur durch die I vorzeitige Auflösung des Sejm verhindert worden. 5 Die judischen Frontsoldaten im Kriege. Generalstabsoberst d. R. Edmund Allexin, Leiter des Städtischen Kuranstalt-Sanatoriums in Baden-Baden, schreibt dem „Pester Lloyd", er habe mit großem Interesse die Debatten im ungarischen Parlament über die Haltung der jüdischen Frontsoldaten im Weltkriege gelesen, er sei in Budapest geboren, aber nach Oesterreich zuständig, Deutscher und Arier und ehemals Stabsoffizier im österreichisch-ungarischen Generalstab, im Kriege war er wiederholt Generalstabschef ungarischer Divisionen und kämpfte Schulter an Schulter mit ungarischen Reserve- und Honveddivisionen; er sei daher absolut in der Lage, auf Grund eigenen Augenscheins und seiner Tagebücher viele heroische und aufopferungsvolle Leistungen jüdischer Offiziere und Soldaten nachzuweisen. Ich könnte, schreibt Generalstabsoberst Allexin, eine Fülle von Einzelheiten von Heldentum und heroischer Aufopferung jüdischer Frontsoldaten anführen, könnte von einem jüdischen Reserveoffizier erzählen, der seit 1914 als Sturmtruppenkommandant ununterbrochen an der Front, viermal schwer verwundet war, und der von der Bronzenen Tapferkeitsmedaille, sowie der „Goldenen", die er noch als Unteroffizier bekam, die gesamten Offiziersdekorationen bis zum Leopoldorden besaß, und zuletzt als Kommandant eines Sturmbataillons im Felde stand. Er hätte sein Bataillonskommando abgeben sollen, aber sowohl das Divisionskommando als auch das vorgesetzte Korps- und Armeekommando erhoben Einspruch dagegen, daß man diesen tapferen Offizier auf ein Kompagniekommando zurückverweise, und so blieb der „jüdische Reserveoffizier" auch weiterhin als Sturmbataillonskommandant. Ich könnte auch von dem äußerst tapferen Verhalten meiner meist jüdischen Divisionstelephonisten erzählen, die ich wegen ihrer Intelligenz wiederholt in die vordersten Linien vorschob, um auf diese Art verläßliche Berichte über die Ereignisse an der Kampffront zu erhalten. Jüdische Frontsoldaten, speziell bei den ungarischen Truppenkörpern, waren vermöge ihrer Intelligenz oft die Führer kleiner, vom Feinde bedrängter Frontkörper, und gerade ihnen haben wir bei den feindlichen Durchbrüchen die Rettung, bzw. das Zurückbringen von Mannschaften zu danken gehabt. Oft hat ihr mutiges Beispiel die minder intelligenten Nationalitäten mitgerissen. Generalstabsoberst d. R. Edmund Allexin schließt: Ich als ehemaliger Generalstabschef von fünf österreichisch-ungarischen Divisionen vermag den jüdischen Frontsoldaten nur das beste Zeugnis auszustellen; das ist das wohlüberlegte Urteil eines Offiziers der alten Armee, der auf allen Kriegsschauplätzen war. * In der vor kurzem vom Gau Berlin-Brandenburg des Reichsbanners Schwarz-Rot- LEBENSVERSICHERUNGS-GESELLSCHAFT PHÖNII WIEN, 1. BEZIRK, RIEMERGASSE 2 Versicheniiigsbestaiid per Mitte 1930......... 24S0 Millionen Schilling; Prämien- und Zinseneinnahmen im Jahre 1929 ...... 125 „ » Garantiemittel per Ende 1929 300 , „ Auszahlungen an die Versicherten im Jahre 1929 ...... 301/, „ Gold im Berliner Sportpalast veranstalteten Kundgebung wandte sich der Bundesführer des Reichsbanners, Oberpräsident z. D. Otto Hör sing, gegen die nationalsozialistische Rassentheorie und führte dann aus: „Ich spreche im Namen der republikanischen Frontsoldaten. Ich bin selbst an der Front gewesen. Die Nationalsozialisten gehen noch immer mit dem Schwindel hausieren von der jüdischen Drückebergerei und F e i g h e i t im Kriege. Unerhört ist es, solche Behauptungen auszusprechen. Zwölftausend Juden sind im Weltkriege gefallen. Das ist ein größerer Prozentsatz als bei den nichtjüdischen Deutschen. Der Prozentsatz der verwundeten Juden war ebenso hoch als der bei den anderen Deutschen. Das sollten wir nicht vergessen. Wir protestieren gegen die Auffassung, daß die Deutschen jüdischen Glaubens als Drückeberger während des Weltkrieges bezeichnet werden. Das sind wir dem Andenken der an unserer Seite verwundeten und gefallenen Juden schuldig (stürmischer, langanhaltender Beifall). Darum müssen wir gegen den Antisemitismus wir die Besudelung unserer raden erblicken." einschreiten, in dem eigenen Kriegskame- I Qtyetliiiaäliisasion ir haben aus unserem reidjhaltigen Lager alle Stücke ausgesondert, die nicht mehr ganz streng der letzten Kunstriditung entsprechen.Wirgeben diese Stücke alsOkkasion — ohgleidi sie sonst nidn im geringsten weniger wertvoll und gediegen sind — zu stark reduzierten Preisen ab KUR BIS ZUM 22. DEZEHBER I9SO 1 I OESTERREICHER | JUWELIERE UND SILBERSCHMIEDE ~ WIEN I. WIPPL1NGERSTRASSE NR. 29 isnxnnssii Die Ortsgruppe München des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten hat im vorigen Jahre ein Gedlenkbuch für die 180 .Kriegsgefallenen der, jüdischen Gemeinde München herausgegeben und das Buch bayrischen Truppenführern des Weltkrieges und verschiedenen Persönlichkeiten überreicht. Von zahlreichn Antworten, die eingegangen sind, seien hier erwähnt: Kardinal-Erzbischof Faulhaber schreibt unter anderem: „ ... Es war ein ebenso kluger wie pietätvoller Gedanke, durch die Zusammenstellung der Lichtbilder und der Namen das Andenken an Ihre Glaubensgenossen zu erhalten und ihren Anteil an den furchtbaren Opfern des Weltkriegs schwarz auf weiß vor Augen zu stellen. Diese Einzelbilder mit den kurzen Begleittexten reden eine erschütternde Sprache und erfüllen immer noch mit tiefer Wehmut . . ." Generalfeldmarschall Kronprinz Rupprecht von Bayern: „...Ich freue mich, dieses Werk zu besitzen, mit dem die Ortsgruppe dem Heldentum ihrer Kameraden, die ihre Treue zum Vaterlande mit dem Tode besiegelt haben, ein würdiges Denkmal gesetzt hat. Viele von ihnen haben unter meinem Oberbefehl gefochten. Ihnen allen gilt mein dankbares und ehrendes Andenken ..." Reichswehrminister Groener: .....Möge das Beispiel unserer gefallenen Kameraden dem deutschen Volk über alle konfessionellen, Standes¬ und Parteischranken hinaus zum Vorbild für Einigkeit, Pflichtbewußtsein und Opferbereitschaft dienen . . ." Der Münchner Oberbürgermeister Doktor Scharnagl: „ . . . Ich bin überrascht über dfie große Anzahl von Kriegsopfern, die Sie in den Kreisen Ihrer Freunde zu beklagen haben. Mit besonderem Interesse habe ich ersehen, daß eine Reihe von Söhnen von angesehenen Münchener Bürgern auch unter diesen Opfern zu suchen sind. Die Veröffentlichungen aus diesen Briefen erweisen eine große Pflichttreue und die Wertschätzung, die diese pflichttreuen Kämpfer auch in den Kreisen ihrr Kameraden gefunden haben . . ." * Die „Süddeutschen Monatshefte" gaben, wie bekannt, im September ein Sonderheft über die „Judenfrage" heraus. Zu diesem Heft ist nunmehr ein Nachtrag erschienen. Im Novemberheft schreibt der Vorsitzende des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Hauptmann a. D. Dr. Leo Löwenstein, über den Anteil der deutschen Juden an den Kriegsleistungen. Er berichtet über die Untersuchungen, die zur Zeit beim Zentralnachweisamt in Spandau zum Zwecke der Identifizierung der jüdischen Gefallenen geführt werden. Es ergab sich dabei bis jetzt die Tatsache, daß die bisher bekanntgewordene Ziffer von 12.000 jüdischen Gefallenen wahrscheinlich zu gering bemessen ist. Eine relativ beträchtliche Anzahl von Namen gefallener Soldaten, die nicht als jüdisch identifiziert waren, müssen auf Grund des amtlichen Materials der Liste jüdischer Gefallener angereiht werden. Der Abschluß der sehr schwiergen Untersuchungen wird sehr wichtige Ergebnisse zutage fördern. Löwenstein weist auf die bekannte Schichtung der Juden in der Großstadt hin und auf das natürliche Mißverhältnis, das sich daraus im Vergleich zu der Militärtüchtigkeit anderer Konfessionen ergibt. Aufschlüsse über jüdische Kriegsflieger, jüdische Feldzugsteilnehmer in Ostafrika und über Juden, die dem Vaterlande durch wichtige kriegstechnische Erfindungen gedient und genützt haben, beschließen den Aufsatz. NEUERÖFFNETE REICHHALTIGE, MODERNE LEIHBIBLIOTHEK DER BÜCHERSTUBE M. RATH WIEN II., TABORSTRASSE Nr. 30a TEL. R 43-1-58 ALLE NEUERSCHEINUNGEN! REICHE AUSWAHL IN KEBRftlKA UND JUDAIKA Id englischer und französischer Literatur MONATSGEBUHR NUR S 3.- KEINE BANDGEBÜHR! TÄGLICHER UMTAUSCH! ReiKdenz-Atelier für moderne Photographie. Wien I., Fleischmarkt Nr. 1 Telephon R 29-2-80 1 Bild und 6 Karten S 25.- Spezialität: Brautaufnahmen nur Ia Qualitäten, nach Maß und fertig lagernd, eventuelle Zahlungserleichter rangen bis zu 1 Jahr werden gewährt r IEIDER-UNI01 kWIENVLKasernenaä TeLB2021

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