Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 51 (19.12.1930)
- Date
- 1930-12-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE WAHRHEfl Streng Orth. 11 Billigst« Preise, beste Oualll» 11 in der neueröffneten Filiale der SELCHWARENFABRIK PETYAN & co. WIEN II- PRATERSTRASSE NR. 38 Bei modernst hygienischer Einrichtung vorzügliche Bedienung- — Zu jeder Tageszeit kalte und warme Speisen- Jüdisdkefhrentafel. Berlin. Am 24. November vollendete Dr. Isidor Kastau, der Nestor der deutschen Journalisten, sein 90. Lebensjahr. Er wurde 1840 in Kempen geboren, widmete sich nach kurzer ärztlicher Tätigkeit der literarischen Laufbahn und war jahrzehntelang Leiter des Teiles für innere Politik am „Berliner Tageblatt". Von seinen Schriften sind u. a. seine Erinnerungen „Berlin, wie es war" und „Kastans Panoptikum" zu nennen. Er veröffentlichte auch in jüdischen Zeitungen seine jüdischen Erinnerungen. Der Jubilar, der zu den Mitbegründern des „Centrai-Vereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" gehört, war an seinem 90. Geburtstag Gegenstand herzlicher Ehrungen. Vom frühen Morgen an kamen Glückwünsche und Gratulanten. Der Berliner Bezirksverband des Reichsverbandes der deutschen Presse verteilte zu Ehren Dr. Kastans eine größere Summe an Bedürftige, der Verein Berliner Presse meldete durch eine Abordnung die Gründung eines Dr. Kastan-Fonds. der zur Unterstützung notleidender Berufsgenossen dienen soll. Eine Deputation der Jüdischen Gemeinde Berlin gratulierte gleichfalls mit einer Stiftung. Dr. Kastan soll von Prof. Max Oppenheimer gemalt, das Bild dann in der Bibliothek der jüdischen Gemeinde angebracht werden. Die Stadt Berlin sandte dem „feinsinnigen Schilderen dem liebevollen Betrachter der Entwicklung Berlins" ein Glückwunschtelegramm. Wien. Der jüdische Sprachforscher Professor Alfred Landau, der auch durch seine grundlegenden Arbeiten über die Beziehungen zwischen dem Alt- und Mittelhochdeutschen und der jiddischen Sprache einen hohen wissenschaftlichen Ruf erlangt hat, feierte am 25. November seinen 80. Geburtstag. Dr. Landau wurde am 25. November 1850 in Brody (Ostgalizien) geboren; er stammt aus einer angesehenen rabbinischen Familie. Bereits im Alter von 15 Jahren bezog er die Wiener Universität, an der er germanistische und slawistische Studien betrieb. Gleichzeitig inskribierte er auch an der juridischen Fakultät und übte nach Erlangung des Doktorats Anwaltspraxis bis zum Jahre 1887 aus. Später widmete er sich vollkommen seiner wissenschaftlichen Arbeit Dr. Landau ist eine anerkannte Autorität auf dem Gebiete der jiddischen Philologie und Folklore, eine Reihe seiner Werke wurde von der historischen Kommission der Wiener Kultusgememde veröffentlicht Sein Lebenswerk,- ein jüdisches Lexikon, für das er 50 Jahre hindurch Materia! gesammelt hat, konnte bis jetzt noch nicht herausgegeben werden. Anläßlich seines 75. Geburtstages im Jahre 1925 gab das Jiddische Wissenschaftliche Institut in Wilna eine Landau-Festschrift mit Beiträgen von Proi. Leo Kellner. Prof. Staerck. S. Niger. Dr. S. Birnbaum, Dr. Nahum Stif. Max Eric, Dr. Jacob Schatzky. Dr. M. Weinreich. Noah Prilutsky. Salman Reisen u. a. heraus. Buenos Aires. Der bekannte jüdische Maler Maurice Minkowski, der durch die verschiedenen Ausstellungen seiner Bilder in Berlin und im übrigen Deutschland auch die Bewunderung der deutschen Kunstkenner gefunden hat, hat am 24. November in Buenos Aires bei einem Auto-Unfall den Tod gefunden. Minkov- -ki. der mit 5 Jahren infolge eines Unfalls taubstumm wurde, entwickelte früh ein starkes Zeichentalent und studierte 1900 bis 1904 an der Krakauer Akademie. Durch das Erlebnis eines Pogroms im Jahre 1905 wurde der anfängliche Landschaftsmaler zum Maler des jüdischen Elends, zum Herold der Verfolgten und Unterdrückten und schuf als solcher ergreifende Bilder. Ausstellungen in Paris, Antwerpen. Brüssel. Düsseldorf. Berlin usw.. brachten ihm große Erfolge. In Berlin insbesondere, wo er längere Zeit lebte, hatte er einen großen Kreis von Freunden und Verehrern. Wahrheiten vom (Tage Mittelalterlicher Aberglaube. Der ehemalige amerikanische Botschafter in Berlin, James J. G e r a r d, hielt in der New Yorker „Rodoff Shalom Congregation" einen Vortrag über die nationalsozialistische Bewegung in Deutschland. Der Vortragende führte aus: Von dem Augenblick an, in dem den Deutschen während des Krieges die Erkenntnis aufdämmerte, daß sie geschlagen seien, habe man versucht, die Schuld an der Niederlage den Juden in die Schuhe zu schieben. Indessen könne niemand sagen, warum eigentlich die Juden an diesem Ereignis schuld sein sollen. Die ganze Beschuldigung hat die gleichen Wurzeln wie irgend ein mittelalterlicher Aberglaube. Nach Hitlers politischem Programm soll den Juden der Erwerb von Grund und Boden untersagt sein. Juden sollen zum Militärdienst nicht zugelassen, anderseits aber für dieses zwangsweise Enthobensein noch besteuert werden. Zu höheren Schulen sollen sie weder als Lehrer noch als Hörer zugelassen werden. Alle seit 1914 eingewanderten Juden sollen ausgewiesen werden. Als Juden sollen alle Personen jüdischer Abstammung ohne Rücksicht auf ihr derzeitiges Bekenntnis angesehen werden. Alle von Juden herausgegebenen Zeitungen müssen auf dem Titelblatt den Davidstern tragen. Diese Forderungen, erklärt James Gerard, seien Ausflüsse mittelalterlicher Gesinnung. Seiner Ueberzeugung nach werde der kulturell hochstehende deutsche Mittelstand die Durchsetzung solcher extremer Forderungen nicht zulassen. Sollte aber wider Erwarten der Versuch gemacht werden, irgendeinen Programmpunkt Hitlerscher Politik in Deutschland zu verwirklichen, so würde dies in Amerika einen lebhaften und nachdrücklichen Protest hervorrufen, der gewiß in Deutschland nicht ohne Wirkung bleiben und die wirklich verantwortlichen Kreise ermutigen würde, sich einem solchen Beginnen mit aller Macht zu widersetzen. Ein Aufruf an die „Staatenlosen". Durch die Friedensverträge sind tausende Angehörige der ehemaligen Monarchie, insbesondere viele Juden „staatenlos" geworden. Sehr viele von ihnen sind der bittersten Not preisgegeben. Die österreichische Völkerbundliga unter dem Präsidium des Botschafters a. D. Dr. Dumba befaßt sich nun mit einer durchaus begrüßenswerten Hilfsaktion, um den Staatenlosen entweder die Zuerkennung einer Staatsbürgerschaft zu erwirken oder um ihnen „Völkerbundpässe" zu verschaffen und karitative Hilfe angedeihen zu lassen. In diesem Sinne erläßt die Völkerbundliga einen sicherlich auch unsere Leser interessierenden Aufruf, in dem es heißt: „Die österreichische Völkerbundliga plant eine Aktion, die zunächst darauf ausgeht, möglichst das gesamte Material einwandfrei zu sammeln und zu sichten. Dieses Material soll dem Völkerbund zur Unterstützung unserer Bitte um die Gewährung von Völkerbundpässen unterbreitet werden. Die österreichische Völkerbundliga beabsichtigt außerdem, eventuell auf Grund dieses Materials eine internationale Hilfsaktion für die Staatenlosen einzuleiten. Wir wenden uns daher an alle Personen, die auf Grund der Friedensverträge von St.-Germain und Trianon staatenlos oeworden sind und! die derzeit in Oesterreich ihren Wohnsitz haben oder sich hier aufhalten; wir richten an alle diese Personen, welcher Gesellschaftsschichte immer angehörend, ob in annehmbaren Verhältnissen lebend oder dem Elend preisgegeben, die dringende Aufforderung, uns schriftlich eine genaue, aber kurz gefaßte Darstellung einzusenden- Diese Darstellung soll Namen, Stand und Adresse sowie eine Darlegung der Umstände enthalten, wieso sie staatenlos wurden und welche Schritte sie, wenn auch ohne Erfolg, bisher unternommen haben. Die schriftlichen Mitteilungen sind bis längstens 1. Jänner 1931 an das Sekretariat der österreichischen Völkerbundliga. Wien I.. Nibelungengasse 4, einzusenden." Arzt am Lande sudit mangels Bekanntschaft für seine Tochter, hübsches, junges, intelligentes Mädchen mit entsprechender Mitgift intelligenten, charaktervollen Bewerber in sicherer Position, zwecks Ehe. Unter Chiffre »Anonym zwecklos" an die Redaktion der „Wahrheit''. GROSSFLEISCHHAUEREI fUGM. KORNMEHL unMMManaaHBBaMnajnann WIEN IX* BERQOASSE NR. 1» FILIALE i XVIII., WAHRINdERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17*99 and A 164-34 Uaforut fOr Hallanatatteü AbteilungenffirKoscherfleisch imtep Aufsieht dos ehrw. Rabbiutes *•* tat*. Kiiltiiogem«UMlo Wian« Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen VonWodhe zu Wodke Der neue Oberrabbiner für Belgien. Die Mitglieder des Zentralkonsistoriums der belgisch-jüdischen Gemeinden und Delegierte der Einzelgemeinden traten in diesen Tagen in Brüssel zur Wahl des neuen Oberrabbiners für Belgien (an Stelle des zurückgetretenen Oberrabbiners Dr. G i n s b u r g e r) zusammen. Sie wählten den bisherigen Oberrabbiner von Straßburg Dr. Schwarz zum Oberrabbiner für Belgien. Dr. Cäsar Seligmann 70 Jahre. Rabbiner Dr. Cäsar Seligmann. Frankfurt a. M.. der Führer des religiösen Liberalismus in Deutschland, vollendete am 14. Dezember sein 70. Lebensjahr. Er wurde 1860 zu Landau (Pfalz) geboren, wurde 1889 als Prediger an den Tempel in Hamburg berufen und folgte 1902 einem Rufe als Gemeinderabbiner nach Frankfurt a. M., wo er bis heute wirkt 1910 verfaßte er ein „Israelitisches Gebetbuch", das weit über die Grenzen der bisherigen Reformbestrebungen in Deutschland hinausgeht. 1913 erschien seine deutsche Haggadah für den Sederabend. An dar Begründung der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland nahm er ebenso hervorragenden Anteil wie später an der Begründung der Weltunion des liberalen Judentums. 1912 wurden die von ihm mitverfaßten ..Richtlinien zu einem Programm für das liberale Judentum in Deutschland" von den unter seinem Vorsitz in Frankfurt a. M. tagenden 47 liberalen Rabbinern angenommen. Er redigierte die bis 1922 erschienene Zeitschrift der liberalen Vereinigung. Außer Predigten und kleinen Abhandlungen gab er 1905 eine populäir-religionsphilosophische Schrift „Judentum und moderne Weltanschauung". 1922 eine „Geschichte der Reformbewegung von Mendelssohn bis zur Gegenwart", 1929 das im Auftrage des liberalen Kultusausschusses des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden in Gemeinschaft mit Prof. Elbogen und Rabbiner Vogelstein bearbeitete Einheitsgebetbuch, das von uns kürzlich besprochen wurde, heraus. Cäsar Seligmann ist Mitglied des Vorstandes sowie Ehrenmitglied des Vereinigung für das liberale Judentum und Vorsitzender des Vereins liberaler Rabbiner, sowie einer der zwei deutschen Vizepräsidentven (neben Heinrich Stern) der Weiltunion des liberalen Judentums. Die Jugendgruppe des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" veranstaltete Samstag, den 13. d. M.. im Klublokal des Cafe P r ü c k e 1 ihren ersten Unterhaltungsabend, der einen sehr schönen Verlauf nahm. Das zahlreich erschienene distinguierte Publikum, die gute Stimmung, die bei jung und alt vorherrschte, und die hübschen Darbietungen bieten Gewähr dafür, daß sich die Veranstaltungen der neu konstituierten Jugendgruppe bald steigender wohlverdienter Beliebtheit erfreuen werden. Nach der gehaltvollen Eröffnungsansprache des Obmannes der Jugendgruppe. Herrn Erich Wechsler, der Wege und Ziele der Vereinigung besprach, folgte ein reichhaltiges Programm, das Herr Sekretär Oskar Hirschfeld konferierte. Die stimmungsvollen Rezitationen des Herrn Dr. Felix Tänzer aus dem „Jeremias" von Stephan Z\veig_ und die gediegenen Vorträge von Frau Esti Freud genclen ausnehmend gut. Die Lautenvorträge des Herrn Philipp Fried wurden beifällig aufgenommen, das Künstlerpaar Kammersänger Watt und Frau entfesselte mit seinen Arien Beifallsstürme, die sich noch steigerten, als das sechsjährige Kind des Ehepaares das Podium betrat und entzückende Proben seiner stimmlichen Begabung lieferte. Der Clou des Abends war die jugendliche Diseuse Vilma Bruck, ein äußerst talentiertes Mitglied der Vereinigung. Fräulein Bruck, von Frau Professor P o s s o n y feinfühlig begleitet sang hübsche Lieder und gewann sofort die Sympathien aller Zuhörer. Der Abend berechtigt die Jugendgruppe zu den schönsten Erwartungen. (iastpredigt. Herr Professor Dr. Albert W e i n e r hält am 19. Dezember beim Gottesdienste um 4 Uhr abends im Tempel, Wien X.. Humboldtgasse 27, eine Gastpredigt. giiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiMniw 1 JÄGHlLRZiDTyCIHlTiLR 1 ■ RESIDENZ COLUMBIA „HANNA" FABR. CHEMISCHER PRÄPARATE WIEN IL, TABORSTRASSE 22 TELEPHON R 40.6-14 GARANTIERT UNUNTERBROCHENE Ü BRENNDAUER 30 STUNDEN m wmmmm