Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 50 (12.12.1930)
- Date
- 1930-12-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite O DIE WAHRHEIT In mitteldeutscher Großstadt ansässiger Rentier (Ungar), Mitte 30, religiös, gebildet, mit der Absicht, eine Naturheilanstalt zu gründen, SUCht Bekanntschaft mit Junger Medizinstudentin oder Arztin, religiös, feinsinnig, vertrSg .»&, und von schönem Aeußeren, welche Lust hat, sich an obigem Vorhaben zu beieiligen. Spätere Ehe nicht ausgeschlossen. Zuschriften mit Bitd unter „L.M.345" an Rudolf Mosse, Leipzig { Dennis Vcreüelidiuna j { eines 25jShrigen, äußerst charaktervollen Fiäuleins ■ § aus gutem Hause, selbst. Inhaberin eines Ateliers : S für Damenmode, wird die Verbindung mit alters- : | entsprechendem Herrn gesucht : | Seriöse Selbstinteressenten werden um möglichst I ausführliche Zuschriften unter„Di*kretlon Ehren- : 3 Sache" an die Administration d. Bl. ersucht. S m S triumphe mit Schildkraut, dem die hervorragendsten Schauspieler aller Zungen nachfolgten. Von da ab trug Schalom Asch die Marke des Dichters des „Gottes der Rache". Er behielt sie, wiewohl er nun als Erzähler von Sieg zu Sieg schritt, der jiddischen Literatur einen geachteten Platz im internationalen Schrifttum errang und sich selbst Geltung und Anerkennung als Dichter von europäischem Format, der das Ghetto von neuen Seiten, in tieferen Perspektiven zeigte und eine Fülle eigenartigster Motive aufdeckte. Alle seine Romane und Novellen ergreifen den Leser mit der unwiderstehlichen Macht überzeugender Wahrheit, sind bedeutsame, einprägsame Dokumente des Lebens und Leidens der Ostjuden in und außerhalb ihrer Heimat, an deren Echtheit Forscher und Betrachter nicht vorbeigehen und sehen dürfen. Die meisten von ihnen sind aus künstlerischem Geiste, aus sozial fühlendem Herzen geboren, dichterisch hochstehende Schöpfungen von größter kulturhistorischer Bedeutung, durchaus würdig, neben den Meisterwerken eines Turgenjew und Dostojewski, eines Balzac und Zola, eines Hamsun und Schnitzler zu stehen. Nun hat er, knapp vor seinem 50. Geburtstag, sein reiches Lebenswerk mit dem epischen Dreibild gekrönt, das er „Die Sintflut" nennt und in deren drei Städtefresken, hauptsächlich in den Kreisen des Judentums und seiner Bedränger, er das kranke Rußland aufzeigt, dessen Wehen wir schaudernd erleben. In diesen Büchern neu erleben, aber in ihre Gift- und Krankheitsquellen schauend und sie darum verstehend. Dieses .gewaltige Werk ist ein hoch aufgerichtetes Memento. Es warnt die russischen Machthaber vor der Fortführung ihrer grausamen Tyrannis und verficht nach seinem eigenem Worte die Ansicht, „daß keine Art von Umsturz und Revolution, sondern nur eine revolutionäre Entwicklung die Zustände in Rußland ändern kann." Er nennt das furchtbare Strafgericht, das über das verirrte Rußland niedergegangen ist „die Rache Gottes". Und mit dieser Trias von einzig grandiosen Zeitromanen, die wie alle seine neueren Werke im Paul Zsolnay-Veriag Wien-Berlin erschienen sind, prägt er sich einen neuen Stempel auf, den er wohl wieder lange wird tragen müssen, den des Dichters der „Rache Gottes". Veröffentfidfungen der Union beutsdQösterreidjisdQer Juden Bezirksorganisation Leopoldstadt Der letzte Vortragsabend dieser Bezirksorganisation, der Montag, den 8. d. M., unter Vorsitz des Obmannes Herrn Dir. Gustav K o 1 m i n stattfand, war wieder von schönem Erfolge begleitet. Der ausgezeichnete Besuch bewies die besondere Zugkraft, die die Diskussionsabende dieser Organisation der „Union" in kurzer Zeit gefunden haben; insbesondere war eine starke Beteiligung von jüngeren Damen und Herren mit Genugtuung zu konstatieren- Die rege Anteilnahme legte dafür Zeugnis ab. daß der Appell der „Union", sich in dem jetzt mehr denn je notwendigen Abwehrkampfe mit geistigem Rüstzeuge zu versehen, ein, lebhaftes Echo ausgelöst hatte. Im Sinne dieses Programmes der „Union" sprach diesmal Herr Dr. Karl Steiner über das Thema „Noch immer Ritualmordmärchen!". Der Referent, den die Leser unseres Blattes bereits als einen ausgezeichneten Kenner dieser Materie kennengelernt haben, ging von dem jüngsten Ritualmordprozeß in Karpatho-Rußland aus und besprach in interessanter Weise auf Grund reichen historischen Materials die ganze Geschichte dieser aus Hass und Aberglauben geborenen Lüge. Nach eingehender Analysierung der einzelnen Anklagen führte Dr. Steiner eine große Reihe biblischer und talmudischer Gebote an, aus denen einwandfrei hervorgeht, daß Menschenraub, Menschenopfer und Blutgenuß nach den Lehren des Judentums allezeit strengstens verboten war und ist. Aber auch der Haß gegen Christen, der angeblich auch einer der Gründe für „Ritualmorde" sein soll, ist nach den rabbinischen Vorschriften verpönt Aus christlichen Kreisen sind dem Judentum im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Kronzeugen erstanden, die beeidet haben, daß die Behauptung vom jüdischen Ritualmord eine gemeine Lüge ist. Dennoch lebt, wie der neueste Prozeß bewiesen hat, dieses Märchen weiter, dem die wahren Tatsachen entgegenzustellen Aufgabe der Juden ist In der Debatte schlössen sich zahlreiche Redner diesem Appell des Referenten an, dessen Ausführungen ebenso wie die der einzelnen Diskussionsredner von dem dankbaren Publikum mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurden. Jüdisihelhwentafeh London. Der englische König hat den obersten Richter Australiens, Sir Alfred Isaac Isaacs, zum Generalgouverneur von Australien ernannt Die Ernennung geschah auf Empfehlung des australischen Premierministers Scullin. Es ist dies das erste Mal. daß ein Australier, und nicht ein Engländer, Generalgouverneur ist. Schon seit mehreren Monaten ging ein Kampf der öffentlichen Meinung in Australien und in England darum, ob diese einschneidende verfassungsrechtliche Aenderung vorgenommen und ein Australier der höchste Repräsentant der englischen Regierung in diesem Dominion werden solle. Nachdem aber auf der jüngst geschlossenen Reichskomferenz die Befugnis zu solchen Aenderungen den Dominions erteilt worden war, stand der Ernennung Isaacs' nichts mehr im Wege. Sir Alfred Isaac Isaacs wurde 1855 in Melbourne geboren, ist also 75 Jahre alt. 1892 wurde er Mitglied der Gesetzgebenden Versammlung von Victoria, 1897 stellvertretender Premierminister von Victoria und Mitglied der Nationalversammlung, die die Verfassung des australischen Staates schuf. 1901 wurde er Mitglied des ersten Bundesparlaments, 1905 Oberstaatsanwalt, dann Richter am obersten Gerichtshof in Australien und zuletzt Vorsitzender des obersten Gerichtshofes. Die Laufbahn des neuen Generalgouverneurs erinnert an die des früheren Vizekönigs von Indien, jetzigen Marquis of Reading, dessen Familienname auch Isaacs (als Vizekönig trug er den Namen Sir Rufus Isaacs) war. Beide sind jüdischer Abkunft, treue Anhänger des jüdischen Glaubens und haben sich aus kleinsten Verhältnissen zu höchsten Positionen hinaufgearbeitet. Sir Alfred Isaac Isaacs ist Sohn eines Schneiders, war. bevor er sich dem Rechtsstudium widmete, zuerst Laufbursche, dann Lehrer und Journalist Er ist die größte verfassungsrechtliche Autorität Australiens und Mitautor der australischen Verfassung. Berlin. Am 11. Dezember vollendete Julius B a b. der bekannte Schriftsteller und Theaterkritiker, sein 50. Lebensjahr. Er trat 1902 mit einem Buch über Richard Dehmel hervor, schrieb dann „Wege zum Drama", „Kritik der Bühne", „Der Wille zum Drama", „Chronik des deutschen Dramas", veröffentlichte Monographien über Kainz. Matkowsky und Kayßler, ferner „Das Leben Goethes. Eine Botschaft". „Shakespeare", „Faust. Das Werk des Goetheschen Lebens". „Goethe und die. Juden", „Fortinbras". „Schauspieler und Schauspielkunst" u. a. m. Von seinen eigenen Dramen seien genannt „Der Andere" und „Das Blut". Bab übt eine umfassende Tätigkeit an der Berliner Humboldt-Hochschule und als Vortragsredner im Reiche aus. Als Hauptvorstandsmitglied des Centrai-Vereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens steht er in der Front der Abwehr des Antisemitismus. ■ UNION DEUTSCHÖSTERREICHISCHER ■ ■ JUDEN, ■ ■ Bezirksorganisation Leopoldstadt 5 ■ -.—,- H | VORANZEIGE j 5 Donnerstag, den 18. Dezember, ■ 5 7,8 Uhr abends, veranstaltet die ■ ■ Bezirksorganisation im Klubsaal des " ■ Cafe Central, IL, Taborsirafie Nr. 8 ■ S einen p j Chanuka-Abendj 5 Separate Einladungen «erden noch ergehen ■ Üuhm ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ : k GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM, KORNMEHL ^^KHt^B^KKKKUBtB&UKtKtt^^^l^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^* WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE! XVIII., WÄHRINGERSTRASSE »7 Telephon Nr. A 17-3-99 and A 164-34 Llaferant für Heilanstalt«* AbteiiungenfürKoscherfleisch unter Aufsieht des ehrst. Rabbinates dar Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlieh Prima-Qualität ru den billigsten Marktpreisen VonWotfte zu Wodke 25 Jahre ärztlicher Leiter der Israelitischen Kinderbewahranstalt. Am 2. Dezember wurde in der Israelitischen Kinderbewahranstalt anläßlich der 25jährigen Tätigkeit des Anstaltsarztes Professor Dr. Julius Zappert in ganz intimer, würdiger Weise der Verdienste dieses hochangesehenen, humanen Mannes gedacht. Einige Herren des Vorstandes fanden sich zur Stunde seiner ärztlichen Visite in der Anstalt ein, wo in Vertretung des beruflich verhinderten Präsidenten, Sr. Ehrw. Rabbiner Dr. Max Q r u n w a 1 d, der Vizepräsident in warmen Worten die Verdienste, die sich Herr Prof. Dr. Zappert um das Gedeihen der Kinderbewahranstalt erworben hat, hervorhob und ihm den Beschluß des Gesamtvorstandes, ihn zu seinem Ehrenmitglied zu ernennen, mitteilte. Hierauf wurde Herr Prof. Dr. Zappert zu der ihm gewidmeten Gedenktafel, die an der Stätte seines Wirkens angebracht worden war, geführt. In einigen herzlichen Worten stattete Herr Prof. Dr. Zappert dem Vorstande seinen besten Dank für die vollkommen überraschend gekommene Ehrung ab. Die ganz besonders uneigennützige Tätigkeit Herrn Prof. Dr. Zappert erstreckt sich nicht nur darauf, daß er seit 25 Jahren regelmäßig jede Woche zweimal im Kindergarten seinen Besuch abstattet, sondern daß er auch jedes neu eintretende Kind einer sorgfältigen Untersuchung unterzieht. Eine besondere Unterstützung hat die Anstalt auch in der Hilfsbereitschaft ihres hochverehrten Arztes dadurch, daß er die Anstaltszöglinge noch in seinem Ambulatorium behandelt. Ganz besonderer Dank gebührt Herrn Prof. Dr. Zappert dafür, daß er jeden Sommer eine große Zahl Kinder, die tuberkulös verdächtig erscheinen, in seiner Tages- und Sonnenheilstätte im Augarten vier bis sechs Wochen unterbringt. Möge es diesem edlen Kinderfreunde, der jeder offiziellen Ehrung aus dem Wege geht, gegönnt sein, noch viele Jahre zum Wohle dei Menschheit seine Tätigkeit auszuüben. Jubiläums-Festakademie der „Kurfürsorjje". Oer humanitäre Verein „Kurfürsorge" zur Unterstützung armer Kurbedürftiger, Wien IL, Große Stadtgutgassei 7, wurde vor einem Vierteljahrhundert über Anregung seines Protektors, des Herrn Lektors M. Friedmann sei. And. gegründet. Von den Gründern des Vereines gehören dem Vorstande noch an: Obmann. Medizinakat Dr. J. L. Braun, Professor M. R. S a 1 zmann, S. Sperling, Leo Heller. Apotheker Kaditz und Adolf Deutsch. Als vor einem Jahrzehnt Frau Dr. Regina Kris dem Präsidium der „Kurfürsorge" beitiat. widmete sich diese hochherzige Dame mit ganzem Herzen und ganzer Seele in selbstlosester Weise diesem Verein, indem sie sich bemühte, dessen Wirkungskreis durch Schaffung von Stiftungen für Lungenkranke zu erweitern. Am 6. Dezember d. J. fand aus Anlaß des 25jährigen Bestandes der „K ü r f ü rsorge" eine Jubiläums-Akademie im Kursalon (Stadtpark) statt. Dieses Fest, das von einem zahlreichen, distinguierten Publikum besucht war. wird allen Besuchern in dauernder Erinnerung bleiben, denn die Präsidentin des Vergnügungskomitees Frau Dr. Regine Kris hat keine Mühe gescheut und war unermüdlich tätig, um diese Akademie zu einer glanzvollen zu gestalten. Der Andrang zur Abendkassa war ein so starker, daß der Kassier des Vereines, Herr S. Wechsler, den Kartenverkauf an der Abendkassa sistieren mußte. Die künstlerische Leitung lag in den bewährten Händen des, Herrn Herbert K r a m e r, der auch selbst durch seinen ausgezeichneten Vortrag und durch seine Conference -viel Beifall fand. Das Programm war durch einen selbstverfaßten Prolog von Frau Else Taubers eröffnet. Dann folgte ein Violinvortrag des Herrn Kurt Fuchsgelb, der durch seine gefühlvolle und technisch überaus hochstehende Vortragsweise wohlverdienten Beifall erntete. Einige feinsinnige Tanzpiecen Gertrude KrauB', ein entzückender Vortrag der Kammerschau-