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Die Wahrheit · 1930-12-12 · Heft 50 (12.12.1930) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 50 (12.12.1930)
Date
1930-12-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite J denn wenn man auch gewisse Zugeständnisse der Regierung erwartet, so hält man es doch für notwendig, zu betonen, daß sich die jüdischen Vertreter keinesfalls wieder mit zweideutigen Versicherungen zufriedengeben würden. Dr. Weizmann macht weiter in starken Worten. In einer Londoner zionistischen Massenversammlung versicherte er, daß die Vertreter der Jewish Agency das Weißbuch nicht angenommen hätten und es auch künftighin nicht annehmen würden. Dabei spricht er scheinbar nicht mehr für sich, sondern für seinen Nachfolger, denn er erklärte, daß er an seiner Demission festhalte, und gab kleinmütig dem Wunsche Ausdruck, daß seinem Nachfolger Enttäuschungen, wie er sie erlebt, erspart bleiben würden. Die Enttäuschungen wären ihm und mit ihm vielen Millionen Juden erspart geblieben, wenn sich die Hoffnungen im Rahmen erstrebenswerter und erreichbarer Ziele gehalten hätten, wenn nicht Hoffnungen erweckt worden wären, die im Gegensätze zu den Tatsachen standen und stehen. Man will aber aus den Fehlern nichts lernen, und um neue Hoffnungen zu erwecken, provoziert man in der letzten Zeit immer wieder Aeußerungen Professor Einsteins, dieser Leuchte des Judentums. Alle Eingeweihten wissen es, daß Einstein über die Dinge in der Sternenwelt viel besser Bescheid weiß als über die Vorgänge auf unserem Planeten. Einstein ist eine große Hoffnung der gesamten Welt — und nicht des Zionismus. Die Londoner Herren sollten sich mit kleineren Geistern begnügen, die, mehr erdverwachsen, einen besseren Blick für die Realitäten dieser Welt besitzen. Und wenn der einst so maßvolle Doktor Weizmann jetzt so starke Töne anschlägt, daß selbst radikale Führer mit ihm zufrieden sind, d'ann sollten sie bei der Ausschau nach einem unbeugsamen, im Radikalismus unübertroffenen und unübertrefflichen Führer ihre Blicke doch auch nach Oesterreich wenden. Da ist noch Radikalismus in jeder Form zu finden, auf der Rechten und auf der Linken, bei den Christen und bei den Juden. Und als jüdischer Radikalinski par excellence müßte ihnen doch der Führer der radikalen Zionisten Oesterreichs. Oberbaurat Robert Stricker, als derjenige erscheinen, der selbst die englische Regierung auf die Knie zwingen kann. Ihm ist sogar der Weltverband der radikalen Zionisten noch zu lendenlahm, denn diese Radikalen, die den Beschluß gefaßt haben, sich — gemeinsam mit Weizmann — mit Vertretern der englischen Regierung an den Beratungstisch zu setzen, verdienen nicht die Ehre, mit den Wiener radikalen Zionisten an dem gemeinsamen Verbandstisch zu sitzen. Und so vollzog Herr Oberbaurat Stricker mit seinen 2000 Mannen den Auszug aus seinem bisherigen Weltverband, der allerdings auch selbst nicht allzu viele Juden in der Welt zu verbinden hatte. Merkt es, Ihr Londoner Herren, in Oesterreich blüht Euch noch die Hoffnung! Spectator. Die Lehren aus den polnischen Wahlen. Der nachstehende Aufsatz geht uns aus Warschau von wohlinformierter agudistischer Seite zu. D. Red. Nicht der ungeheure, teuer bezahlte Beamtenapparat, nicht die Presse und die Parteiorganisation, sondern vornehmlich die Friedensliebe und in allererster Reihe der Indifferentismus der Gegner bargen bisher das große Geheimnis der zionistischen Erfolge bei Wahlen in Parlamente, Stadtrepräsentanzen und Kultusgemeinden. Sie fühlten sich in ihrer Position bereits so sicher, daß sie analog ihrem rücksichtslosen Chauvinismus in Palästina nach kommunistischem Muster ihre uneingeschränkte Herrschaft aufzurichten versuchten. Als die Balfour-Deklaration bekannt wurde, wagten es zionistische Führer in Palästina, die Mazzötherzeugung zugunsten ihres Waad Leumi zu besteuern und eine Reihe drakonischer Maßnahmen zur Vernichtung des traditionellen Judentums einzuführen oder anzudrohen. So verkündete Dr. Czernowitzer ein bevorstehendes Beschneidungsverbot im Heiligen Lande. In gleichem Verhältnisse begann damals die Eroberung der jüdischen Gasse in Europa und ein traurig beschämendes Beispiel der Lethargie dem Inneren des Tempels geraubt, aber die Beute, die die Juden in dem griechischen Heere machten, boten die Mittel, die Geräte von neuem herzustellen. Nun dauerte der Weg bis zu der Ortschaft, wo das Oel hergestellt wurde, vier Tage. Anderseits waren alle Jüdischen Männer, da sie vom Kriege heimkehrten, verdächtig, mit Leichen Gefallener in Berührung gekommen, und somit unrein, also auch unfähig zu sein. Oel für den .Tempeldienst zu bereiten. Man hätte daher acht Tage auf frisches Oel warten müssen. Da geschah ein Wunder: der Inhalt des kleinen Krügleins reichte für acht Tage, so daß das Licht im Tempel nicht ausging. Zur Erinnerung an dieses Wunder wurde das Entzünden der Lichter an acht Abenden angeordnet, die das Chanukafest dauert. Acht Tage hatte ja auch die Einweihung des Salomonischen Tempels gedauert. Die acht Chanuka-Tage sollten zugleich dem Volke die acht Sukkoth-Tage ersetzen, die es diesmal in der stürmischen Kriegszeit zu feiern verhindert gewesen war. Man glaubte auch gerne, daß die wunderbare Entzündung des Altarfeuers des zweiten Tempels unter N e h e m i a ebenfalls am 25. Kislew erfolgt war. Der Grundgedanke» der das vormalige Naturfest mit dem nationalen und religiösen Chanukafest verband, war die Wiederkunft desheiligen Lichtes. Früher war es die Sonne, jetzt symbolisiert das bescheidene Oellämpchen das Licht der Thora, das Antiochus auszulöschen drohte und das die Hasmonäer wieder entzündeten. Amerika. Auch die Geschichte des Joint ist so unter den übrigen Juden. Aehnlich verhielt es sich mit der Eroberung der Kultusgemeinde und der jüdischen Parlamentsvertretungen. Die Zionisten wagten, gestützt auf ihre Presse und Organisation, die öffentliche Erklärung, sie seien die Vertreter des Gesamtjudentums. So konnten sie an manchen Orten mit wenigen lausenden Gesinnungsgenossen die Macht erobern, doch die schrankenlose Parteiwirtschaft mußte schließlich eine entsprechende Reaktion auslösen, und so haben z. B. die sieggewohnten Herren plötzlich vor der wahren Uebermacht ihrer Gegner in der Berliner'Großgemeinde kapitulieren müssen. Anders waren die Verhältnisse in Polen. Auch hier waren die Zionisten nach dem Umsturz in der Führung, doch bald bekamen sie in der — allerdings schlecht organisierten — Orthodoxie, in der Agudas Jisroel einen Gegner, der ihnen manche harte Nuß zum Knacken gab. Es dauerte nicht lange und die Aguda hatte bereits 60 bis 70 Prozent der Kultusgemeinden in ihrer Hand. Wesentlich leichter hatten die Zionisten es jedoch mit ihren ohne Beamten- und Zeitungsapparat arbeitenden agudistischen Gegnern in Gemeinderat und Sejm. Doch gerade da zeigen die Zahlen, in welchem Mißverhältnisse die äußere Macht zum tatsächlichen Resonanzboden der Nationaljuden stand. Während die Zionisten bisher in Sejm und Senat 20 Sitze hatten, verblieben ihnen bei der letzten Wahl bloß 6 Sitze im Sejm und gar kein Mandat im Senat. Selbst diese geringe Mandatszahl im Sejm konnten sie nur mit Hilfe der deutschen Christen, welche mit ihnen koppelten, erreichen. Demgegenüber gewann die Aguda nicht weniger als 5 Mandate und sogar eines für den Senat. Der Zionist Grünbaum mußte am nächsten Tag erklären, die Nationaljuden seien geschlagen. Die Aguda hatte im ganzen Land um 150.000 Stimmen mehr als die Zionisten. In Lukow fehlten den Agudisten kaum 200 Stimmen für ein weiteres Mandat, während der Misrachi in ganz Polen gänzlich durchfiel (bisher 2 Mandate). Der ungeheure Stimmen- und Mandatszuwachs bei den Agudisten und der Verlust von 14 zionistischen Mandaten geben ein ziemlich beredtes Bild, doch muß man die Zustände in Polen genau kennen, um diesen Umschwung entsprechend einschätzen zu können. Die Zionisten waren eine organisierte Macht, die unbezwingbar schien und der es durch ihre Beziehungen zu gewissen Fonden nie an Mitteln fehlte. Kein Terror war ihnen zu stark, um nicht angewendet zu werden. Es war daher leicht verständlich, daß die Aguda auch vor diesen Wahlen an die Zionisten herantrat, um über gemeinsame Listen zu verhandeln. Hätte Grünbaum das Anerbieten angenommen, hätten die Juden eine wesentlich höhere Vertreterzahl erreicht, aber die Aguda wäre bescheiden im Hintergrund geblieben. Wieder mußte der zionistische Radikalismus den Agudisten zum Bundesgenossen werden. Sie stellten in einzelnen Gebieten eigene Kandidatenlisten auf; in anderen wurden sie in die Liste der Regierungspartei aufgenommen. Nun sind sie um viele Erfahrungen reicher und werden künftighin selbst in gefährdeten Bezirken eigene Listen aufstellen. Der grandiose Erfolg berechtigt sie hinlänglich zu diesem Mut. Bedeutsamer als diese Details sind wohl die Tatsachen, welche durch die politische Einstellung der beiden miteinander ringenden Parteien geschaffen werden. Die Zionisten verfolgen, getreu ihrer nationalistischen Ideologie, das System des Minoritätenschutzes. Noch immer finden sie Wähler, die auf diesen „Schlager" eingehen, wiewohl ihre Niederlagen und schweren, die Existenz der Juden bedrohenden Mißerfolge in allen Ländern sie bereits hinreichend eines Besseren belehren hätten können. Die Aguda verstand es, das Vertrauen der Regierungskreise zu gewinnen und dadurch eine Basis zu schaffen, auf welcher man im Interesse der Juden am wirksamsten arbeiten kann. Hakenkreuz- Ochsen. In der Berliner „Welt am Morgen" finden wir folgende nette Glosse: Völlig im Düstern liegt immer noch die Herkunft des Hakenkreuzes, das sich unsere Nazis als Symbol erkoren haben. Sie preisen es als nordischt Heilsrune, als Andeutung des arischen Sonnenrads: aber es findet sich allenthalben in der Welt, von Japan bis Afrika, unter Gelben und Schwarzen ebensogut wie unter den weißen Edlelvölkern. Und ebenso vielseitig ist seine Verwendung in der neueren Zeit. Man sieht es an Stahlhelmen und deutschen Männerbusen, aber ebenso häufig an Abortwänden; es unterstützt die Werbekraft zahlreicher Inserate des „Völkischen Beobachters", aber schon lange vor dem Kriege schmückte es, als eingetragenes Markenzeichen, die Schachteln des Präparats Ehrltch-Hata 606, des Salvars a n s, in dessen Erfindung sich ein Jude und ein Japaner teilen. Wie bei vielen Zeichen, so kommt es auch bei diesem augenscheinlich weniger darauf an, was es i s t, sondern was man sich dabei denkt. Wer es gebraucht, der wird schon wissen, wohin es seiner Meinung nach gehört. Und darum setzt uns nicht im geringsten in Erstaunen, was die „Husumer N a c h r i c ht e n" (bisher deutschnational, seit dem 14. September nationalsozialistisch orientiert) zu melden wissen: daß nämlich ein Landwirt acht Rindler auf denMarkt brachte,die „einHakenkreuz auf der feisten Hüfte trugen". Warum denn nicht? Ein Ochsenhintern ist noch lange nicht der schlechteste Platz; er ist appetitlicher und repräsentiert einen positiv höheren Wert als manches menschliche Gesicht, das unter dem gleichen Abzeichen läuft. Und in diesem Sinne dürfte auch die Frage zu beantworten sein, die das Blatt neckisch an die Notiz knüpft: „Ob wohl die jüdischen Händler sich darum gerissen haben?" Ganz bestimmt, wenn die Ochsen es sonst wert waren — oder vielleicht gerade erst recht. Denn es muß diesen unheimlichen Fremdstämmigen doch geradezu ein teuflisches Vergnügen machen, einen echten arischen Ochsen zu Schächten — das tut ja beinahe so wohl wie ein R i t u a 1 m o r d. Kieker. JÄlrüRZlDiryClnlTiR RESIDENZ COLUMBIA ■ „MANNA" FABR. CHEMISCHER PRÄPARATE m WIEN IL, TABORSTRASSE 22 TELEPHON R 40*6-14 GARANTIERT UNUNTERBROCHENE BRENNDAUER 30 STUNDEN

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