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Die Wahrheit · 1930-12-05 · Heft 49 (5.12.1930) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 49 (5.12.1930)
Date
1930-12-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite ä Zionistische Gemeindeverwaltung. „Erobert die Gemeinden." Th. Herzl. - ~v Knapp, vor den am letzten Sonntag in Berlin stattiefiuMienen Neuwahlen der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde erschien aus der Feder des bisherigen konservativen Mitgliedes dieses Kollegiums Moritz A. Loeb eine Broschüre, betitelt: „Um 4ie Zukunft der Berliner jtüidischen Gemeinde". Herr Loeb, ein ausgezeichneter Kenner aller Gemeindeangelegenheiten' hält hier gründliche Abrechnung mit der Art, wie die zionistische Majorität öj den letzten vier Jahren die Geschäfte der Berliner jüdischen Gemeinde geführt hat Die jüdische Volkspartei — dies ist die Bezeichnung, unter der sich die zionistische Partei verbirgt — hat, sagt Loeb, seit 1926 ihr wahres Gesicht gezeigt; nicht an einem Aufbau der Gemeinde in religiöspositivem Sinne, sondern an 4er Förderung «und Propaganda rein zionistischer Ziele war ihr gelegen. Die Broschüre unterzieht die Finanzgebarung der Zioiiisten einer ebenso eingehenden als scharfen Kritik und stellt fest, daß durch eine unrationelle Gebarung die nach vielen Millionen gehenden Rücklagen und Ersparnisse aus früheren Verwaltungsjahren aufgezehrt worden sind. Eine Folge dieses Verwaltungssystems war das lawinenartige Anschwellen dter Ausgaben und entsprechenderweise auch des Steuerbedarfes. In den vier Jahren zionistischer Verwaltung stieg der Etat von 8,328.000 Mark auf 11,684.000 Mark und der Steuerbedarf von 4,875.000 Mark aui 7,035.000 Mark. Eine ganz besondere Steigerung zeigen die persönlichen Ausgaben (soweit dies bei der mangelhaften und undurchsichtigen Art der Aufstellung des Budgets überhaupt festgestellt werden kann). In den letzten drei Jahren stiegen die Ausgaben für Gehälter von 3,612.000 Mark auf 4,894000 Mark. Trotz den durchgeführten Rationalisierungsmaßnahmen sind im letzten Jahre allein die persönlichen Ausgaben im Wohlfahrtsamt von 177.000 Mark auf 248.000 Mark angewachsen. Der Verfasser der Broschüre bemängelt mit Recht, daß entgegen den Bestimmungen des Statuts seit dem Jahre 1924 nicht einmal Rechnungsabschlüsse vorgelegt wurden und daher auch nicht einer Prüfung unterzogen werden konnten. Und dabei handelt es sich alljährlich um Ausgaben im Betrage von rund 12 Millionen Mark. Die Broschüre beleuchtet scharf die Personalpoliitik der zionistischen Gemeindeverwaltung und führt einige recht lehrreiche Beispiele aiL Es hat sich, sagt Herr Loeb, in weiten Kreisen der Gemeindemitglieder der Glaube gebildet, das zionistische Parteibuch sei, wenn nicht Vorbedingung, so doch eine schwerwiegende Empfehlung, um eine Anstellung bei der Berliner Gemeinde zu erhalten. Gewiß handelt es sich hier um einen Irrtum, aber — begreiflich und entschuldbar wird dieser Irrtum, wenn man folgende Tatsachen ins Auge faßt, die nur einen Ausschnitt aus den Ereignissen der letzten Zeit bilden: 1. Die Stelle eines Revisors wird frei; die Wichtigkeit dieses Postens ist kaum zu unterschätzen. Der Revisor ist die einzige Persönlichkeit, der die Kontrolle des umfangreichen Rechnungs-, Kassen- und "Buchhaltungswesens unterstellt ist. Die Repräsentantenversammlung beschließt daher die Ausschreibung dieser Stelle. Der Gemeindevorstand, d. h. seine leitenden Herren, sind anderer Meinung. Die Stelle wird einem ' Manne übertragen, der die Eignung für diesen Posten durch eine längere Tätigkeit in der Konfektfonsbranche erworben hat und außerdem nahe verwandtschaftliche Beziehungen zu einem der zionistischen Großwürdenträger besitzt. 2. Die Gemeinde übernimmt den Arbeitsnachweis, der bisher von einer privaten Vereinigung unterhalten, aber von der Gemeinde subventioniert wurde. Zum Leiter wird einer der bisherigen Angestellten berufen, dessen Gehalt aber verdoppelt; bisher Angestellter, wird er Beamter mit einem Jahresgehalt von 10.000 Mark Ueberflüssig zu sagen, daß auch dieser Herr in der zionistischen Partei (Poafe Zion) tätig ist. 3. Für das neu eingerichtete Jugendamt werden drei Dezernenten benötigt Die Berufung erfolgt selbstredend nach rein sachlichen Gesichtspunkten. Da aber leider außerhalb der zionistschen Partei kaum noch wertvolle Kräfte zu finden sind, muß der Gemeindevorstand, schweren Herzens, diese 3 Posten mit 3 Zionisten besetzen. 4. Die Gemeinde errichtet ein „Statistisches Bureau". Die Stelle des Leiters wird nicht ausgeschrieben, sondern mit einer jüngeren, in Fachkreisen bisher unbekannten Kraft besetzt. Parteirichtung zufällig zk>- nisösch. 5. Von den Rabbinern der von der Gemeinde subventionierten Synagogenvereine wird ein einziger zum Prediger bestellt; auch hier will es ein neckischer Zufall, daß dieser Herr der zionistischen Richtung angehört. 6. In die gleiche Kategorie gehört folgender Vorfall. Einer dieser Herren Rabbiner gehört nicht nur der Leitung der konservativen Partei an, sondern bekennt sich auch öffentlich, z. B. bei Wahlen, zu ihr. Seine Wünsche bezüglich Erweiterung seiner Beschäftigung bleiben bei der Gemeindeverwaltung unerhört Da vollzieht sich in dem genannten Herrn ein Wandel der Anschauung. Er zieht sich von der konservativen Sache zurück und gibt seiner früher nur latent vorhandenen, jetzt aber erstarkten Sympathie für den Zionismus mannhaft den entsprechenden Ausdruck. Die Tugend bleibt nicht unbelohnt; seine bisherige dem Zufall überlassene Predigttätigkeit wird zu einer festen und entsprechend dotierten umgewandelt. 7. Für die Schule Rykestraße wird ein Lehrer gebraucht Man sollte denken, daß eine geeignete Kraft innerhalb des Deutschen Reiches zu finden gewesen wäre. Das erweist sich als Irrtum. Man läßt, •hne Befragung des Schulvorstandes wie der Repräsentantenversammlung, einen Lehrer aus — Palästina kommen. Dfe Uebersiedhingskosten, mehrere tausend Mark, trägt die Gemeinde gern, in dem frohen Bewußtsein, daß der verehrte zionistische Gemeindevorsteher, der das Schuldezernat zur Zeit verwaltet, mit dieser allerdings etwas kostspieligen Berufung eines Gesinnungsgenossen lediglich seiner Ueberzeugung von der vorzugsweisen Eignung gerade dieser Persönlichkeit Ausdruck gab. 8. Der Wert der Parteikarte ist nicht auf NeueinsteHungen begrenzt, sie erweist ihre Zauberkraft auch bei Kündigungen. Wird da eines Tages, in einer Auseinandersetzung bezüglich der Kaschruthabteilun.tr, von maßgebender Stelle etn Beamter als völlig überflüssig gekennzeichnet und ihm eröffnet, daß er seine Kündigung in aller Kürze zu erwarten habe. Ein1 guter Freund gibt dem Manne, der sich in den Minhagim des Schächterwesens besser auskennt als in denen des Gemeindevorstandes, einen leisen Wink. Er wird Schekelzahler. Von dem Abbau ward nicht mehr gesprochen. Aus dem Vorhergesagten ergibt sich, daß die Führer der jüdischen Volkspartei, die der Gemeindeverwaltung angehören, vor allem sich als Exponenten ihrer eigenen, d. h. der zionistischen Partei iühlen und führen. Das ist vollkommen erklärlich und geht aus der Ideologie des Zionismus hervor. Zwar sind die Herren, die zur Zeit das dreiblättrige Kleeblatt der Verwaltung bilden, nichts weniger als Theoretiker der zionistischen Lehre; des Gedankens Blässe hat niemals die frische Farbe ihrer Entschließungen anzukränkeln vermocht Aber sie stehen doch völlig im Banne der Gedankengänge, die andere ihnen vorgedacht Da ist es vor allem die Minderbewertung der ganzen Diaspora, die als oberstes Dogma der gesamten zionistischen Geistesrichtung auch in das Bewußtsein jener eingedrungen ist, die als wackre Landsknechte den Vorkampf bei der Eroberung der Gemeinde zu führen bestimmt sind. Das Schandurteil von Borscha. Bukarest, 26. November. (J.'T. A.) Der Freispruch der Rädelsführer der Borschaer Judenexzesse und der Teilnehmer an den Exzessen durch das Gericht in Satu-Mare hat in der jüdischen Oeffentlichkeit starke Empörung ausgelöst, um so mehr als die öffentlichen Gerichtsverhandlungen klar und deutlich ergeben haben, daß die Juden von Borscha lange vor der Niederbrennung ihrer Häuser ein furchtbares Martyrium auszustehen hatten. Die einvernommenen Aerzte hatten ausgesagt, daß die mit barbarischer Grausamkeit mißhandelten Juden und Jüdinnen, sowie diejenigen älteren jüdischen Bürger, die in der Nacht aus ihren Betten gezerrt und gezwungen wurden, in das eiskalte Wasser des Flusses zu springen, meist mehrere Wochen lang das Bett hüten mußten. Der Experte des Gerichtes von Satu-Mare bestätigte die Aussagen und erklärte, die Wunden der von ihm untersuchten mißhandelten Juden waren von einer Art, daß sie 14 bis 20 Tage zur Heilung brauchten. Der Gendarmeriehauptmann Carol Sfetca bestätigte, daß er am 16. Juli 1930 in Borscha vier fremde Studenten in das Gemeindehaus brachte, weil sie keine Ausweise hatten, woraufhin die beiden Borschaer Priester Berindei und Dumitrescu, der durch sie und andere Agitatoren verhetzten christlichen Bevölkerung durch Glockenläuten in den Kirchen das Signal zum Aufstand gaben. In wenigen Minuten erschienen sämtliche Bauern und Bäuerinnen des Dorfes mit Aexten und Sensen bewaffnet vor dem Gemeindehause. Die Gattin des Pfarrers Berindei führte die bewaffnete Menge an, so daß sich die vier ihm, Sfetca, zur Verfügung stehenden Gendarmen zurückziehen mußten. Auch in den Kreisen der Regierung hat, wie „Lupta" meldet, der Freispruch starkes Befremden und Aergernis hervorgerufen, da die gesamte öffentliche Meinung und die Judenheit in Rumänien und im Auslande ein anderes Urteil erwarteten. Man befürchtet, daß das Verdikt des Gerichts von Satu-Mare sich besonders jetzt, wo die Wahrung der Ordnung im Lande eng verbunden ist mit dem Kredit des Staates im Auslande, sehr schädlich auswirken werde. Auch die Wirkung auf das Inland werde eine schlechte sein. Es verlautet, daß die obersten Regierungsstellen sich die Gerichtsakten haben kommen lassen, und daß die Staatsanwaltschaft gegen dasfreisprech ende Urteil, welches zeigt, daß die rumänische Justiz wieder einmal im Schutze gegen antisemitische Ausschreitungen versagt hat, Berufung eingelegt hat. Seldiwarenlalii-lif streng *rk3 IL, Qaldgasse s Selchwaren und Restauration Vorzüglicher Mittag- und Abendtisch zu bürgerlichen Preisen II.. Praterstrafie 3$ (Neben dem Carltheater) Veröffentfidfungen der Union deutsd}österreid}isd}er Juden BezirksorgaHisation Landstraße. Mittwoch, den 26. v- M. fand im Cafe lüoa unter außerordentlich starker Beteiligung die Neukonstituierung der Bezirksorganisation Landstraße der „Union" statt. Komm.-Rat Adolf Unger begrüßte die zahlreich erschienenen Damen und Herren und erklärte, zum ersten Punkt der Tagesordnung — Neuwahl des Ortsgruppenvorstandes — übergehend, daß er eine Wiederwahl zum Obmann infolge seiner starken geschäftlichen und ehrenamtlichen Ueberlasrung nicht annehmen könne, aber wie bisher der guten Sache dienen wolle. Die Versammlung nahm diese Mitteilung mit dem Ausdrucke größten Bedauerns zur Kenntnis und dankte Herrn Komm.-Rat Adolf Unger herzlichst für seine bisherige Wirksamkeit Zum Obmann wurde hierauf unter lebhaftem Beifall und. einstimmig Herr Ing. Hugo Koditschek, zu Obmannstellvertretern die Herren Samuel Frost und Benedikt Steiner gewählt. In den Beirat des Ortsgruppenvorstandes wurden berufen: Josefine Czuczka, Rosa Koditschek, Risa Löhr-Steinbach, Albert Bauer, Magister Hermann Berger, Leopold Bettelheim, Rudolf Horner, Albert Schneider, Rudolf Schlüssler, Komm.-Rat Adolf Unger. Ing. Hugo Koditschek erklärte namens der Gewählten wie im eigenen Namen, die Wahl anzunehmen und versprach, mit allen Kräften für einen Ausbau dieser wichtigen Bezirksorganisation der „Union" tätig sein zu wollen. Der Präsident der „Union", Herr Dr. J. O r nstein, erstattete hierauf ein interessantes Referat über die politische und wirtschaftliche Lage der österreichischen Juden. Von den letzten Nationalratswahlen ausgehend, deren Ergebnis er mit besonderer Berücksichtigung der wahlwerbenden Parteien eingehend besprach, führte er aus, daß die Lage der Juden nicht losgelöst werden könne von der Situation des Landes, in dem sie leben, für das sie arbeiten. Er erwähnte die erfolgreiche Intervention des Präsidiums der Kultusgemeinde wegen der aufreizenden Reden des Justizministers Dr. Hueber, eine Vorsprache, wie sie bisher in der österreichischen Geschichte wohl noch nie vorgekommen, denn bei dieser Gelegenheit waren wfr die Ankläger gegen einen Minister, der zur Wahrung des Rechtes berufen ist. Mit der gleichen Nackensteife muß die „Union" weiter kämpfen und wenn ihre Führer wissen, daß hinter ihnen ein großes Heer steht, dann können sie in Vertretung des österreichischen Judentums auch nach .außenhin mit besonderer Energie auftreten. Zur wirtschaftlichen Lage übergehend konstatierte der Redner, daß dieselbe heute trister denn je ist. Auch hier könne eine Besserung nur durch einträchtiges Zusammenarbeiten aller Bürger Prachtvolle echte Perserteppiche durchwegs selten günstige Gelegenheitskäufe sowie elegante Möbel, wie Speise-, Schlaf- und Herrenzimmer werden zu ganz auflerordentlich billigen Preisen abgegeben. 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