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Die Wahrheit · 1930-11-28 · Heft 48 (28.11.1930) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 48 (28.11.1930)
Date
1930-11-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite o DIE WAHRHEIT ■ Orthodox Israel. Kultus S gemeinde. Dratislara-PreObnrg ■ 1 Ko n k u r s. ■ in der hiesigen orthodox israeL Kultus- 2 gemeinde ist die vakante Stelle eines § OBERKANTORS ■ per sofort zu besetzen. 2 Reflektanten, nldd über 40 Jahre, die ■ vorzüglich musikalisch gebildet sind, eine 5 angenehme klangvolle Stimme besitzen, wollen ihre diesbezüglichen Offerte,unter ■ . Beischluß von Zeugnis-Abschriften be- J treffs ihrer bisherigen Amtstätigkeit a Vorbildung, streng-religiösen Lebens- ■ wandels, Alter und Familienstand, bis 2 spätestens 31._ Dezember l.J. einsenden, m Gehalt laut Übereinkommen. ■ zu Probevorträgen werden nur direkt, 5 berufene Kandidaten, die eine Vorprobe ■ mä gutem Erfolge bestehen, zugelassen, 5 and Reisespesen erhält nur der Akzep- ■ tierte vergütet 2 Bratislava-Preßburg, den 30. Oktober 1930. 2 DER VORSTAND « DER ORTHODOX ISR. KULTUSGEMEINDE. 2 {Nachdruck wird nicht honoriert.) Referat über die Tätigkeit des Central-Ver eines und über seine Eindrücke in Wien zu erstatten. Zu Ehren des Gastes fand Mittwoch, den 19. d. M. im Restaurant „Tonello" ein gemeinsames Abendessen statt. Die Funktionäre und Vertrauensmänner der „Union" und deren Damen hatten sich fast vollzählig eingefunden. Nach einer überaus herzlichen Eröffnungsrede des Präsidenten der „Union", Dr. Ornstein, der den Centrai-Verein ünd seinen energischen Führern die innigsten Grüße entbot, nahm Dr. Holländer das Wort, um in einer fesselnden Ansprache eine Schilderung des Kampfes zu geben, den der deutsche Verein nunmehr zu führen hat. Es handelt sich heute, führte er u. a. aus, viel weniger um reine Abwehr judenfeindlicher Angriffe und Verleumdungen, als darum, der immer mehr sinkenden . Wertung des jüdischen Menschen in der Allgemeinheit zu begegnen. Dr. Holländer führte Beweise für diesen betrüblichen Zustand an, wie auch für seine Folgeerscheinung, daß der deutsche Jude immer mehr aus dem deutschen Wirtschafts- und Gesellschaftsleben zurückgedrängt wird. Er sprach von der unerhört rücksichtslosen Hetztätigkeit der Nationalsozialisten, die es verstanden haben, die um die Hoffnung auf eine bessere Zukunft betrogene Jugend für ihre antisemitischen Zwecke einzufangen. So ist heute Deutschland durch und durch antisemitisch verseucht und es besteht deshalb die Notwendigkeit, die Kenntnis vom wahren Inhalt des Judentums in die -christlichen Kreise zu tragen, die uns heute feindlich oder zumindest gleichgültig gegenüberstehen. Es muß ein ständiger Kontakt mit dem Lager der Nichtjuden gefunden, auf der breitesten Basis Kulturpolitik betrieben werden, die uns wieder unser jetzt verlorenes Ansehen in der Umwelt zurückgewinnt. Zu dieser wichtigen Arbeit müssen sich in einer Organisation, wie es die „Union" ist, alle Juden zusammenfinden, die den Ernst der Lage er- ■ kennen. Stürmischer Beifall dankte dem Redner für seine interessanten Ausführungen, denen eine lebhafte Debatte folgte. Es sprachen Hof rat Dr. Josef L ö w n e r und Obermedizinalrat Dr. Heinrich Haase über den Wert der Apologetik. Zentraldirektor Pollak erörterte die Stellung der Juden in der österreichischen Wirtschaft. Dr. Josef Ticbo meinte, die Situation sei doch nicht gar so ungünstig zu beurteilen. In der Geschichte der Menschheit dürfe man immer nur größere Zeiträume ins Auge fassen. Die Emanzipation der mitteleuropäischen Juden reiche kaum 100 Jahre zurück und die seither erzielten Fortschritte berechtigen zur Hoffnung, daß die heute nur im Gesetz verankerte Gleichberechtigung des Judentums in absehbarer Zeit auch im Herzen des Volkes verankert sein werde. Nachdem noch Komm.- Rat Alexius S a 1 z e r über seinen bekannten Kampf im Gremium der Kaufmannschaft gegen die Ausschreitungen des Antisemitismus auf der Welthandelshochschule und Komm.-Rat Gustav S t ö ß 1 e r über die Stellung der Juden in der Landwirtschaft gesprochen hatten, nahm Dr. Holländer das Schlußwort, indem er sich dagegen wandte, daß der sicherlich nicht unberechtigte Optimismus einem Quietismus Platz mache. Man dürfe zu keiner Zeit allzu vertrauensvoll untätig bleiben. Auch der Kampf unserer Vorfahren hat niemals ausgesetzt. Wir sollen auch nicht sagen, „es nützt doch nichts", denn das wäre ein Generalverzicht auf unsere weitere Emanzipation. Wir dürfen die Dinge nicht einer ungewissen Zukunft überlassen, dürfen nicht die Hände in den Schoß legen, sondern müssen immer bestrebt sein, an dem großen Werke mitzuarbeiten, das unsere ganzen Kräfte erfordert. Mit besonderem Nachdrucke betonte der Vortragende die unbedingte Notwendigkeit der regsten Mitarbeit der Frauen und der Jugend, denen eine überaus wichtige Aufgabe bei der Organisationsarbeit zufalle. Die Damen und Herren der „Union", die mit gespanntester Aufmerksamkeit den Ausführungen der Redner gefolgt waren, vereinigte noch lange unter dem Eindrucke der aufklärenden und aufmunternden Worte ein angeregter Gedankenaustausch. Behördl. aotor. HSuseradministration I ADOLF KRALL! IV., Schleifmühlgasse 11 i Telephon B 29-1-4« I empfiehlt sich zur Oberj t nähme von Verwaltungen j | E rst k1 assige Referenzen : Die Bezirksorganisation Leopoldstadt der „Union" hielt am Montag, den 24. d. M., im Klubsaal des Cafe National einen Vortragsabend ab, der der Diskussion des Themas „Jugend und Judentum" galt. Dr. Ernst Feldsberg referierte über das heute mehr denn je aktuelle Thema. Er führte unter anderem aus, daß die Jugend nur dann selbstbewußt sein könne, und die nötige Widerstandskraft zum Kampfe gegen alle Widersacher des Judentums besitzen könne, wenn sie für die Jahrtausende alte und noch immer moderne Kultur des Judentums begeistert werde, wenn sie verstehen lernt, daß alle Momente moderner Sozialpolitik in den Idealen des traditionellen Judentums enthalten sind. Der Nationalismus, der sich als eine Renaissance des Judentums geriert, könne unmöglich die Probleme des Judentums lösen. Er ist vielmehr als eine reaktionäre Idee in der vom Zionismus gepredigten Form im Judentum selbst nicht begründet. Mehr denn je mahnt jetzt die Zeit daran, die Jugend, der einst die Führung und Bestimmung der Geschicke der Wiener Judenschaft anvertraut sein wird, in der Form zu selbstbewußten Juden zu erziehen, daß sie, vertraut mit der Geschichte und der Lehre des Judentums, imstande ist, die leider mit aller Macht gegen das Judentum von antisemitischer Seite erhobenen Beschuldigungen über die Moral des Judentums zu entkräften. Insbesonders müsse es den jüdischen Lehrern zur Pflicht gemacht werden, in der Religionsstunde ihre heilige Mission, ohne Rücksicht auf ihre private jüdisch-politische Einstellung, zu erfüllen. Es sei Aufgabe des Kultusvorstandes, mit aller Energie darüber zu wachen, daß die Religionsstunde nicht zu politischen Exkursionen mißbraucht werde. An der sich nun anschließenden Diskussion beteiligte sich Kultusvorsteher Ober-Medizinalrat Dr. Heinrich Haase, der die Ausführungen des Referenten ergänzte und insbesonders erwähnte, daß die Bemühungen des Kultusvorstandes vor allem dahin gehen, die Jugend, die durch die mangelnde jüdische Erziehung im Hause dem Judentum entfremdet wurde, wieder für das Judentum zu gewinnen. Regierungsrat Dr. M. Lenk erbrachte den Beweis, daß auch der modernste und aufgeklärteste Mensch nicht des Glaubens entbehren könne. Auch die jungen Menschen, GROSSFLEISCH HAUEREI tllÖM. KORNMEHL tjmKmemmammmmmmmmmma^tmmmmtmmmmmmmmmm WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE ■ XVIII., WAhRINGERSTRASSE »7 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungemfirKoscherfleisch Mater Aufsicht des ehrst. Rabblnstes der Isp. Kultusaemeiiide Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen die sich derzeit irregeleitet dem Nationalismus verschreiben oder gedankenlos sich für das Freidenkertum gewinnen lassen, können unschwer durch Aufklärungsarbeit wieder auf den rechten Weg gebracht .werden. Es sei die heilige Aufgabe aller Lehrer und Führer der Jugend, vor allem aber auch der Eltern, verständnisvoll auf die Gefühls- und Gedankenwelt der heranwachsenden Generation; einzugehen. Dr. Franz Josef Weiß griff ebenfalls in die Diskussion ein und beklagte die wahrhaft trostlose Unwissenheit unserer Jugend auf jüdischem Gebiete. Mit großer Spannung folgten die zahlreich Erschienenen, unter denen sich viele junge Leute befanden, den Ausführungen der Redner. Der Diskussionsabend reiht sich würdig seinen, zahlreichen Vorgängern an und löste allseits große Befriedigung aus. Der zahlreiche Besuch und die mustergültige Leitung der Versammlung legten dafür ein beredtes Zeugnis ab, daß der neugewählte Obmann der Ortsgruppe, Direktor Gustav Kolmin, der richtige Mann sei, der durch seine Tatkraft, durchsein Verständnis für die Sache und vor allem durch seine beispielgebende Werbetätigkeit der „Union" viele Freunde schafft, aber auch die- Ortsgruppe selbst mit kluger Voraussicht führt und lenkt. Diesem Manne gebührt vor allem* der Dank der „Union" und aller Mitglieder. Montag, den 1. Dezember, halb 8 Uhr abends, findet im Klubsaal des Cafe National,. IL, Taborstraße 18, eine wichtige Vorstandssitzung der Bezirksorganisatien II statt. Erscheinen aller Vorstandsmitglieder und Bezirkskommissionsmitglieder ist Pflicht! Mitteilungen des Sekretariats der „Union, deutschösterreichischer Juden*4 DL, Berggasse 4. — Tel. A19-2-77. Parteienverkehr : Montag bis Freitag von: 10 bis 11 vorm. und 4 bis 5 Uhr nachm. Sonntag von 9 bis 11 vorm. Die Rechtshilfe- und Beratungsstelle der „Union" für Unbemittelte amtiert jeden Montag, von V26 bis 7 Uhr nachm. Unentgeltliche Stellenvermittlung: Anmeldungen täglich während des Parteienverkehres. Das Sekretariat der „Union" bittet die verehrlichen Mitglieder, es von freiwerdenden; Stellen brieflich oder telephonisch zu verständigen. Xustfkriften aus dem Sn6fi6um. Jeder £eser hat das Wowtf lue Wiener Oberrabbiner-Frage. Am 3. Oktober, in Nr. 40 Ihres geschätzten Blattes, las ich mit lebhaftem Interesse den flammenden, Appell an die Oeffentlichkeit wegen Besetzung der Wiener Oberrabbiner- Stelle. Seitdem suche ich allwöchentlich vergebens eine Antwort von maßgebender Stelle auf diese, alle Juden Wiens aufs lebhafteste interessierende Frage. Ist die Frage der Besetzung wirklich nur eine interne Angelegenheit des Gemeindevorstandes, die die breite Oeffentlichkeit nichts angeht? Dieselbe Gemeinde, die jetzt durch Versendung von

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