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Die Wahrheit · 1930-11-28 · Heft 48 (28.11.1930) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 48 (28.11.1930)
Date
1930-11-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 3 S Okassions-Verkauf in Damen« und Herrensloffei» I TUCHHAUS „MÜNZ" 1 Brandstätte 4 Wien I., 8 ■ ■ ■ 5 ■ 1 »■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■»■■■■■■■■■■■■■■■■■i sehen Regierung Verhandlungen auf Qrund des Weißbuches zu pflegen. Inzwischen hat die englische Regierung' bereits die Weisung gegeben, das Weißbuch in Kraft zu setzen, und erst über Einschreiten der zionistischen Exekutive diese Weisung vorübergehend storniert. Sie hat .offenbar denn doch einsehen müssen, daß sie das Spiel mit den zionistischen Führern zu weit treibe, wenn sie einerseits Unterhandlungen über die angefochtene Politik des Weißbuches einleitet und gleichzeitig Weisungen für deren Durchführung ergehen läßt. Aber schon dieser Versuch zeigt ihren Entschluß, am Weißbuch festzuhalten und nur Scheinverhandlungen zur Beruhigung der aufgeregten Gemüter führen zu wollen. Allerdings wird die englische Regierung nicht umhin können, auf die scharfe Sprache Dr. Weizmanns die entsprechende Antwort zu geben. Diese Antwort wurde auch für die allernächsten Tage in Aussicht gestellt. Es verlautet, daß das weitere Vorgehen der Jewish Agency sich nach der Ant- IIIHIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIUIIIIinilllllllll wort richten werde. Sollte sie ungenügend ausfallen, solite die Regierung Weizmanns Standpunkt nicht oder nur ungenügend berücksichtigen, so werden die Vertreter der Jewish Agency an weiteren Verhandlungen nicht mehr teilnehmen, da die einmütige Meinung aller Mitglieder der Politischen Kommission, der Zionistischen Exekutive und der Exekutive der Jewish Agency dahin geht, daß in diesem Falle Verhandlungen als zwecklos betrachtet werden müssen. Es käme dann zu einem allgemeinen Konflikt mit der englischen Regierung, der kaum beigelegt werden könnte, so lange das gegenwärtige Kabinett im Amte ist. Kleider sofort Zahlung später Herrenand D&menbleider noch Hall und fertig nnr erstklassige Stoffe, bis '2 Monate Kredit Kleiderhaus Werter, Wien XYl., onohrlnfiersfr. \% Tel. A21-501 Der Kampf Moskaus gegen den Gottesglauben. Am 16. November fand im Berliner Sportpalast eine außerordentlich stark besuchte Versammlung des Deutschen Bundes zum Schutze der abendländischen Kultur als Protest gegen religionsfeindliche Maßnahmen des Bolschewismus statt. Die Veranstaltung, die unter Leitung des Präsidenten Graf Keyserlingk-Camerau und des Fürsten Löwenstein stand, brachte Reden von Vertretern aller religiösen Gemeinschalten. Für die jüdische Religionsgemeinschaft hielt Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal (Köln) eine Ansprache, die wir nachstehend auszugsweise wiedergeben. Während es bei den anderen Reden, besonders Während der Ausführungen des Bischofs Sera Hm (Charkow), zu schweren Störungsversuchen kommunistischer Agitatoren kam, wurde die Rede Dr. Rosenthals mit größter Ruhe angehört und durch spontanen Beifall unterbrochen. Rabbiner Dr. Rosenthal führte u. a. aus: In den jüdischen Gotteshäusern haben wir gestern vor vierzehn Tagen die alte biblische Erzählung wiederum vernommen, darin es heißt: „Da sagten sie einer zum andern: Wohlan, wir wollen Ziegelsteine backen und im Brand sie brennen; wir wollen uns eine Stadt bauen und einen Turm; seine Spitze soll bis in den Himmel reichen, und einen Namen wollen wir uns machen. Gott aber sagte: So steigen wir denn hinab und verwirren ihre Sprache, daß einer den andern nicht mehr versteht. — Darum nennt man den Namen dieser Stadt: Babel — Verwirrung." (1. B. M. 1. 3—8.) Das ist ein Bild aus der Ferne des Ostens und der Ferne der Zeit, groß und gigantisch, phantastisch und geheimnisvoll; und das ist ein Bild aus der Nähe des Ostens und der Nähe der Gegenwart, gleich gewaltig in seinem Ausmaß, wie im Drohen seiner Furchtbarkeit. Das ist das Werk Moskaus, zu dem es im Blutbad des Weltkrieges sich gerüstet und „gereinigt" hat; das ist sein Kampf gegen Gott und gegen die Menschheit. In Professor Ludwig Bergs: „Was sagt Sowjet-Rußland von sich selbst?" fand ich ein Zitat aus dem Buch von Stepanow: „Selbst den Blinden wird es klar sein, daß ein entschiedener Kampf gegen den Pfaffen, gleichgültig, ob er sich nun Pastor, Abbe, Patriarch, Mullah, Ulema oder Papst nennt, bis zum äußersten notwendig ist." Der Rabbiner bleibt aus dem Spiele; er hat Gnade gefunden oder ist vielleicht gar nicht wichtig genug. Wenn es aber weiter heißt: „... und daß es ebenso unvermeidlich ist, diesen Kampf in einen Kampf gegen Gott auszudehnen, sei es nun der des Alten Testaments, Jesus, Buddha oder Allah", so ist die Gleichberechtigung wieder hergestellt und auch der Vertreter des Judentums in diesem Streitfall zur Gegenrede legitimiert besten begegnen zu können. Aber zunächst schließt er 1922 eine Interessengemeinschaft zwischen beiden Banken ab, der erst 1923 die Vollfusion folgt, die Danatbank als Kommanditgesellschaft auf Aktien entsteht. Jakob Goldschmidt tritt als persönlich haftender Geschäftsinhaber ein. Rechtlich als einer neben vielen anderen, tatsächlich als primus inter paies. Denn er ist der Leiter des Börsen- und Konsortialgeschäftes seines Institutes. . In kurzer Zeit führt Goldschmidt die vereinigte Bank an die Spitze aller Großbanken. Eine starke Verschiebung in der Bewertung der Bankaktien tritt ein. Die Aktien der Danatbank stehen im Kurs am höchsten, weil Goldschmidt das Kapital der Bank bewußt niedrig auf 60 Millionen hält, um so die Rentabilität seines Unternehmens eher zu garantieren. Den ersten Schachzug gegen die Verheerungen der Inflation unternimmt Goldschmidt durch die Begründung der Internationalen Bank in Amsterdam. Sie wird mit Hilfe führender ausländischer Banken mit einein Kapital von 14 Millionen Gulden 1923 ins Leben .gerufen, um eine Vermittlerin zwischen dem ausländischen Kapital und der deutschen Industrie zu sein. Der deutschen Wirtschaft hat sie Millionenkredite zuführen können. Der erste Industriezusammenschluß Goldschmidts bringt das Glühlampenkartell zustande. Hier zeigt sich schon sein Prinzip, nur horizontale Gruppierungen durchzuführen, weil nur sie die organische Zusammengehörigkeit garantieren. Dieselbe Tendenz läßt Goldschmidt walten, als es gilt, das größte in der Inflation errichtete Gebäude zu stützen, dessen Einsturz die ganze deutsche Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen hätte: den Stinneskonzern. Als in der Zeit der Stabilisierung dieses „Warenhaus von Sachwerten"'auseinanderfällt, weil es innerlich hohl ist, greift Goldschmidt energisch, aber äußerst geschickt ein. Der Konkurs wird vermieden, und das Stinneserbe ruhig liquidiert. Er verschafft ihm die Amerikaanleihe, durch die es die Vorschüsse der Danatbank zurückzahlen kann. Seiner Bank sichert er durch die Hereinnahme großer Aktienpakete große Gewinne. Sofort zeigt sich Goldschmidts stark konstruktive Begabung. Er löst die Eisen- und Kohlenbeteiligungen aus der Masse und gründet mit anderen rheinisch-westfälischen Werken den Riesenkonzern der Vereinigten Stahlwerke, der fast alle Zechen und Hochöfen des Industriereviers umfaßt. Er leitet auch dessen Börsenemissionen. In ähnlicher Weise sorgt Goldschmidt für eine Bereinigung des Linke-Hofmann-Konaerns durch die Gründung der Mitteldeutschen Stahlwerke. Fast sämtliche oberschlesischen Hütten und Zechen werden von ihm in den Vereinigten Oberschlesischen Hüttenwerken zusammengefaßt. Auch in die Kali-Industriegreift er ein und veranlaßt starke Stillegungen. Die Stinnesflotte wird an die Austral-Kosmos-Linie verkauft und deren Fusion mit der Hapag durchgeführt. Vor kurzem hat er das Abkommen zwischen der Hapag und dem Norddeutschen Lloyd zustande gebracht. Goldschmidt räumt auf. Mit eisernem Besen beseitigt er den überflüssigen Ballast, den die Inflation angehäuft hat. So wird ihm „wegen seiner Verdienste um den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft" 1927 der Ehrendoktor der Staatswissenschatten von der Universität Heidelberg verliehen. Mit mehr als hundert Auisichtsratsmandaten hält Gcldschmidt den höchsten Rekord, der je in der deutschen Wirtschaft erreicht worden ist. Die größten und angesehensten Unternehmungen haben ihn in ihren Auisichtsrat berufen, auch Werke, an deren Verwaltung bis dahin noch nie ein Jude teilgenommen hatte. Bei sieben Gesellschaften ist er Vorsitzender, bei achtzehn stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates. (Schluß iolgt.) „Wir wollen einen Turm bis in den Himmel bauen!" sprach Babel. Wir stürmen gegen den Himmel an und seinen Gott und fällen beide — spricht Moskau. Ihm ist, kaum wage ich den Frevel zu wiederholen, „Gottsuchen die schlimmste Form der Selbstbespeiung". „Ziegel brennen wir uns im Feuer" — wir brauchen keine gewachsenen Steine und keine gewachsenen Menschen, wir formen und backen unser Material im Gluthauch der Weltrevolution, wir schichten Stein auf Stein, Zelle auf Zelle, Gruppe auf Gruppe, und türmen einen Bau, der die Welt umfaßt und sie erfüllt, restlos ausfüllt mit unseren Menschensteinen und -ziegeln; aber für Gott lassen wir nicht das allerbescheidenste Plätzchen übrig. Und mit der Gottesidee zerstören wir das Gotteshaus: der aus dem Himmel vertrieben ist, darf auch auf Erden keine Wohnung haben. Ende 1929 bis Anfang 1930 sind innerhalb dreier Monate neben 980 christlichen Kirchen auch 200 Synagogen und Moscheen geschlossen und profanen Zwecken freigegeben worden; dabei wird von offizieller russischer Seite den Synagogen der zweifelhafte Vorzug bescheinigt, daß sie neben den lutherischen Gotteshäusern am besten für zivile Zwecke benutzbar sind. — Und mit der Gottesidee und dem Gotteshaus stürzen weiter Gottes Lehre und sein Gebot. Was das bereits erwähnte Verbot des Religionsunterrichtes und der kirchlichen Karitas betrifft, so hat der gewesene Sowjetkultusminister Lunatscharski von sich erklärt, und zwar „mit Vergnügen", daß er, damit beschäftigt, den Sowjetkindern den Glauben zu nehmen, „auf die sadistischeste Art dieses Unkraut aus unseren Feldern und Gärten ausjäten" wolle; und so mag Groß und Klein in Stadt und Land eher verarmen, verwildern und verkrüppeln, eh' daß der Glaube einen Schein seines Lichts und seiner Liebe über zerpflückte, zertretene Seelen und Körper ausgießen darf. Und wie der bolschewistische Scherge darüber wacht, daß die religiösen Symbole vernichtet, die religiösen Kulthandlungen diffamiert werden, das bezeugt neben den Tausenden sakrilegierter Kirchenglocken und Heiligenbilder auch die Anklage gegen die Vorsteher der Moskauer Judengemeinde wegen Beschaffung von rituellem Fleisch und Osterbrot und ihre Verurteilung zu sechsmonatiger Kerkerhaft . . . „So steigen wir denn hinab und verwirren ihre Sprache!" Der im Himmel thront, lacht; der Herr spottet ihrer. Er hat beim Babelsturm die Bauleute gegeneinander gekehrt, daß sie sich nicht mehr verstanden und ablassen mußten von ihrer Himmelstürmerei. Er hat demselben Babel, als seine Herrscher zu Göttern sich gemacht und ihre Stadt zu Maßen emporgetürmt, die ich heute morgen im Pergamon-Museum staunend bewunderte, er hat demselben Babel verkünden lassen: „Ob du auch Adlern gleich deinen Horst erhöhst, ich schleud're dich in die Tiefen hinaub, spricht der Herr." Er wird auch am Babel unserer Zeit sein Recht sich zu wahren wissen; und wahrlich, Babel — „Verwirrung" gibt's in Moskau nachgerade schon genug, trotz des eisernen Willens, der den ungeheuren Wagen bald hierhin, bald dorthin reißt. Aber — auf das Wunder dürfen wir nicht warten; wir müssen unserer Pflicht genügen. Wir Diener der Religion und Moral dürfen nicht schweigen, als wären wir einverstanden, oder als verstünden wir nicht, was jenseits der Grenze sich vollzieht und auf tausendfachen Wegen uns erreichen kann. „Gottes ist der Orient, Gottes ist der Okzident": wir müssen das Unsrige tun, daß, was Gottes ist, auch Gottes bleibt. Wir bekennen uns alle, Christen wie Juden, zu dem gleichen unendlichen Gott; wir bekennen uns alle, Christen wie Juden, zum unendlichen Wert der menschlichen Seele. „Wenn i c h nicht für mich bin, wer ist es? Wenn ich n u r für mich bin, was bin ich? Wenn nicht jetzt, wann denn?" Darum auf, in dieser Stunde, jeder an sich, alle miteinander, für Gott und für die Menschheit!

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