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Die Wahrheit · 1930-11-21 · Heft 47 (21.11.1930) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 47 (21.11.1930)
Date
1930-11-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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BW3»foB8aaa»Ba«BMa^«g«BCBMyg^ DIE WAHRHEIT belle o LEBENSVERSICHERUNGS-GESELLSCHAFT phOnii WIEN, 1. BEZIRK. RIEMERGASSE 2 Yersichertnigsbestand per Miltte 19iu •.....• ^*äU Millioaea Schilling Prämien- und Zi^eneinnahmen im Jahre 1929 ...... 125 , Garantiemittel per Ende 1929 -300 „ „ Auszahlungen an die Versicherten im Jabre 1929 ...... 30'/, „ Der Vorsitzende, Präsident Langer, erklärte, daß sich das Präsidium des Gremiums bei den zuständigen Stellen zunächst um Informationen über die tatsächlichen Vorgänge wenden und erforderlichenfalls alle notwendigen Schritte unternehmen werde, damit diese unerhörten Vorgänge abgestellt werden. Vizepräsident Abgeordneter V i n z 1, der übrigens dem Kuratorium der Hochschule für Welthandel als Vizepräsident angehört, sagte gleichfalls eine energische Intervention in dieser Angelegenheit zu und gab der Versammlung die Zusicherung, daß er im Wege des Kuratoriums der Hochschule alles daransetzen werde, damit die Vorgänge, die auch er als skandalös bezeichnen müsse, abgestellt werden. Das hat gewirkt; bis auf weiteres ist Ruhe. Polizei auf der Berliner Universität. Jüdische Studenten blutig geschlagen, eine Studentin geohrfeigt und mit Füßen getreten. — Polizei säubert den Vorhof und verhaftet zehn Exzedenten. Berlin, 12. November. (J. T. A.) Die Universität Berlin war heute der Schauplatz •wüster Ausschreitungen nationalsozialistischer Studenten, die sich insbesondere gegen jüdisch aussehende Studenten und Studentinnen richteten. Der Hergang war folgender: Die sozialistische Studentenschaft an der Universität Berlin verteilte ein Flugblatt, in welchem darauf hingewiesen wurde, daß in einer Zeit schwerster Wirtschaftskrise, bei einer Arbeitslosigkeit von drei Millionen Menschen, die sogenannte „Allgemeine Studentenschaft", die unter Führung der Nationalsozialisten steht, keine anderen Sorgen hat, als einen Ball zu veranstalten, zu dem Eintrittspreise von 3 bis 8 Mark gefordert werden; dies trotz der Kundgebung der Reichsregierung und des Reichspräsidenten gegen übertriebene Festfeiern. Die Nationalsozialisten versuchten den sozialdemokratischen Studenten die Flugblätter zu entreißen. Bald begnügten sie sich nicht mehr mit Angriffen auf ihre Gegner, sondern sie fielen auch über unbeteiligte Studenten und Studentengruppen her, wobei sie es vornehmlich auf jüdisch aussehende Studenten und Studentinnen abgesehen hatten. Zwei jüdisch aussehende Studenten wurden blutig geschlagen, eine jüdische Studentin wurde geohrfeigt, zu Boden geschlagen und mit Füßen getreten. Der Rektor der Universität, Professor Dr. D e i ß m a n n, erschien im Garten, wo die Tumulte hauptsächlich stattfanden, und legte in einer Ansprache den Studenten ans Herz, ihre politischen Gegensätze mit geistigen Waffen auszukämpfen und von Tätlichkeiten Abstand zu nehmen. Die sozialistischen Studenten erklärten sich daraufhin bereit, die Flugblattverteilung einzustellen. Die Nationalsozialisten aber ließen sich nicht beruhigen und be- B ff nur Ia Qualitäten, nach Maß und fertig lagernd, eventuelle Zahlungserleichterungen bis zu 1 Jahr werden gewährt lästigten sogar den Rektor, der sich eiligst zurückziehen mußte. Die Tumulte begannen von neuem. Als sich die republikanischen und sozialistischen Studenten in die Hörsäle begeben wollten, wurden sie von den Nationalsozialisten daran gehindert. Dabei wurden wiederum hauptsächlich jüdisch aussehende Studenten angegriffen. Die Tumulte spielten sich gleichzeitig im Garten, in den Korridoren und in den Hörsälen der Universität ab. Die Polizei achtete trotz dieser Vorfälle das Hausrecht der Universität und betrat das .Gebäude nicht. Die Universitätsbeamten waren gegen die exzedierenden Nationalsozialisten machtlos. Als aber drei von Nationalsozialisten abgegebene Revolverschüsse hintereinander fielen, drang die Polizei, die bis jetzt alarmbereit vor den Toren stand, in den Vorhof ein, ging mit Gummiknüppeln gegen die Exzedenten vor und stellte bald die Ruhe wieder her. Dabei wurde eine Reihe von Zwangsfeststellungen vorgenommen. Insgesamt sind sieben Nationalsozialisten sistiert worden. Die polizeiliche Aktion wurde von Kommandeur Heimannsberg geleitet. Clemencau und die Juden. Zum ersten Todestag des französischen Staatsmannes. Mit Georges Clemenceau ist am 24. November 1929 ein Mann dahingegangen, wie die Juden in der Welt zahlreiche zu allen Zeiten nötig hätten, damit die wesentlichste jüdische Forderung ihre Verwirklichung fände: gerechte Beurteilung. Es ging die Legende um. Clemenceau sei. einem letzten Willen entsprechend, aufrecht zur ewigen Ruhe gebracht worden: als an einen aufrechten Mann, wie er im Leben gewirkt hat. solle die Erinnerung au ihn lebendig bleiben, an diesem Bilde solle auch der Tod nichts zu ändern vermögen. Die Legende hätte der Wahrheit entsprechen können. Als ein Anwalt der Gerechtigkeit und unentwegten Geradlinigkeit hat Clemenceau wie selten einer sein erkanntes Ziel verfolgt. Hat es mit jener Unerbittlichkeit getan, mit der allein gegen die Korruption in jeglicher Gestalt angekämpft werden kann. Seine scharfen Angriffe waren vielleicht an sich gar nicht so verletzend, wie sie empfunden wurden, weil sie iast regelmäßig verwundbare Stellen trafen; man braucht rücksichtsloseste Feinde nicht zu fürchten, wenn man sich ihnen überlegen weiß. Clemenceau nannte man den Tiger, weil man gegen sein Zupacken in Prachtvolle ht^Perser^epg^che durchwegs selten günstige Gelegenheitskäufe sowie elegante Möbel, wie Speise-, Schlaf- und Herrenzimmer werden zu ganz außerordentlich billigen Preisen abgegeben. Besichtigung ohne jeden Kaufzwang im WIEDNER MÖBELHEIM 1NH. JULIUS GOTZL Haodelsger. beeid. Sachv. u. Schätimeister IV.,SCHLEIFMÜHLGASSE 1. TELEPHON B 24.1-62 den öffentlichen Fragen nicht hinreichend mit innerer Sicherheit gewappnet war: man mußte gewärtig sein, daß er wisse, was man lieber ins Dunkel der Vergessenheit gebannt gesehen hätte. Gegner braucht man weniger zu scheuen, wenn man weiß, daß auch sie verwundbar sind und daß deshalb das Ungestüm ihres Kampfes nicht ganz echt ist. Clemenceau aber war aus ursprünglicher Aufrichtigkeit aufrecht, darin lag der Grund für die starke Wirkung seines Anstürmens. Und das war es auch, was ihn auch für die Juden kämpfen ließ. Clemenceaus Name wird unvergeßlich verknüpft bleiben mit der Geschichte der Dreyfus-Affäre. Es ist nicht zum wenigsten sein Verdienst, wenn der unschuldig verurteilte Hauptmann Alfred Dreyfus — der, nebenbei bemerkt, kürzlich seinen siebzigsten Geburtstag beging — nach mehr als vierjährigem Verbannungsaufenthalt auf der todbringenden Teufelsinsel wieder rehabilitiert wurde. Denn Clemenceau gehörte zu den energischsten Rufern nach der Wiederaufrollung jener schmachvollen Kriegsgerichtskomödie. die ein Opfer zur Strecke bringen mußte, damit nicht der ganze Schlamm niedriger Fälschungen sichtbar würde. Das große Wort der Anklage, mit der Emile Zoa den bis dahin so wenig der Anklage, mit der Emile Zola den bis dahin so wenig in der gesamten Welt schuf, das „J'accuse" ging letztens auf Clemenceau zurück, von dem dieses wirkungsvolle Stichwort für Zolas Anklageschrift stammte. Die Rolle, die der „Fechter" in der Dreyfus-Angelegenheit spielte, ist aus mehr als einem Grund bedeutsam. Glemenceau hat diesen Kampf keineswegs aus Liebe zu dem unschuldigen Dreyfus oder zu den Juden in ihrer Gesamtheit aufgenommen. Es liegen eine Reihe von Zeugnissen dafür vor. daß manche der christlichen Männer, die sich mit ihrer ganzen Person für Dreyfus einsetzten, geradezu Antipathien gegen diesen Mann Jgmmmmmmmmmmmmm 1 JÄMZEDTUSimrir! persönlich hegten. Beispielsweise der Senator Scheurer- Kestner, der dem Präsidenten Faure die entlastenden Schriftstücke vorlegte und die Behandlung der ganzen Angelegenheit im Senate betrieb, machte gar kein Hehl daraus, daß es ihm nicht um die Person Dreyfus' ging, die ihm unsympathisch war. — war er ja überhaupt antisemitisch eingestellt. Auch Clemenceau hatte durchaus keine besondere Hochschätzung für die Juden. Noch kurz vor dem letzten Kriege veröffentlichte er eine kleine Sammlung von Geschichten und Reiseberichten unter dem Titel „An Pied du Sinai" (1924 auch in deutscher Ucbersetzung u. d. T. „Jüdische Gestalten" erschienen), worin er von Juden, besonders des Ostens, spricht und durchaus erkennen läßt, daß sie ihm doch fremd geblieben sind. Er weiß von ihnen nur. „daß diese energische Rasse, auf der ganzen Welt zerstreut, deswegen aber doch immer noch lebensfähig, inmitten der christlichen Welt die zwei äußersten Gegenpole vertritt: Das größte Elend und die unverschämteste Macht des Besitzes". Ihm ist es völlig entgangen, daß mehr als einmal die Juden in ihrer langen Geschichte inmitten der Völker sich gerade als Mittelschicht wertvoll gezeigt haben: daß wirklich großer Besitz doch höchstens nur gang wenigen beschieden war, daß die große Menge der Juden doch fast immer nur ein bescheidenes Dasein tristen konnte und nur eine verhältnismäßig nicht zahlreiche Schicht es zu bescheidenem Wohlstande brachte. Auch sonst sind diese Bilder, die er von den Juden zeichnet, durchaus nicht auf liebevolles Wohlwollen gestimmt. Aber — auf Gerechtigkeit. „Anstatt die Juden wegen ihrer nützlichen oder schädlichen Eisenschaften, die ihnen die Beherrschung der gegenwärtigen Gesellschaft ermöglichten." — man beachte diese aus dem antisemitischen Schlagwortverzeichnis entnommene Auffassung —. „zu verdammen, anstatt feige herumzuschreien, daß wir ihrer Vernichtung bedürfen, um Platz für unser Leben zu gewinnen, sollten wir eher, was doch einfacher und richtiger wäre, versuchen, gerechtere und uneigennützigere Gesetze zu schaffen, welche dazu führen, daß die Macht selbstsüchtigen (ob jüdischen, ob christlichen) Gütererwerbs an Wirksamkeit einbüßt und nicht mehr mit zermalmender Wucht auf der Masse des Volkes lastet". Würde der Gerechtigkeit freie Bahn gegeben, würde man darnach trachten, „die Christen, die ja noch Herren der Welt sind, besser zu machen, dann würde es nicht notwendig sein, die Juden auszurotten . . ." Aus diesem gleichen Mühen um Gerechtigkeit entsprang auch Clemenceaus Eintreten für die Sache Dreyfus*. Denn — und das ist das andere bemerkenswerte Moment — die eigenen Glaubensgenossen des unschuldig Deportierten, deren mancher wohl hätte seinen Einfluß geltend machen können, zeigten eine mehr als sonderbare Haltung. In einem seiner sehr scharfen Artikel beklagt sich Clemenceau unter der Ucberschrift „Und die Juden?" über die Erfahrungen, die er als Verteidiger der französischen Juden gemacht hat. „Die großen Juden fmden. daß alles wohlbestellt ist. da sie auf der Seite der Stärkeren sind. Ihre einzige Angst wäre, sich in einer Angelegenheit bloßzustellen, in der sie ihrer Schätzung nach zu viel aufs Spiel setzen würden. Ander e. viele nehmen an dem Kampf für Recht und Gerechtigkeit aus Achtung vor ihrer eigenen Weltanschauung teil, genau so wie Christen oder Ungläubige. Aber die Masse, mehr vielleicht als jeder andere Pöbelhaufe, wartet, bis die Schlacht gewonnen ist, um dann dem Siege zu Hilfe zu kommen. Die meisten hatten den Mund oder schreiben anonyme Aufmunterungsbriefe." Das Urteil scheint äußerst hart. Aber es entsprach den Tatsachen. Eine iür die Juden noch peinlichere Feststellung machte in einem, in einer weit verbreiteten Petersburger Zeitung erschienenen. Aufsatz der Präsident des Kassationshofes in Petersburg, Ignaz Sakrewski: „Die reichen Juden verhalten sich zur Afiäre Dreyfus entweder feindlich oder neutral, da sie sich mehr um den Stand ihrer Kapitalien und der bestehenden Ordnung kümmern. Die mittleren und kleinen Juden sind selbstverständlich iür Dreyfus." Ein höherer jüdischer Offizier mußte sich Ende 1897, als schon sehr lebhaft um das Wiederaufnahmeverfahren gestritten wurde, von einem französischen Arzte schreiben lassen: RESIDENZ COLUMBIA 1EIDER-UN10] kWlENVLKasernens.6 TeLB20£l m „MANNA" FABR. CHEMISCHER PRÄPARATE Ü WIEN II., TABORSTRASSE 22 TELEPHON R 40-6-14 GARANTIERT UNUNTERBROCHENE m BRENNDAUER 30 STUNDEN •> M

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