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Die Wahrheit · 1930-11-21 · Heft 47 (21.11.1930) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 47 (21.11.1930)
Date
1930-11-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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jflg'mmmiEPgai^^ DDE WAHRHEIT Seite 6 Redewendungen zurücknehmen mußte. Am Sonntag aber hat er ein Versprechen gegeben, das er „ganz bestimmt" einlösen wird. Die Vereinigung mit den Nationalsozialisten, die ja schon vor den Wahlen angestrebt war, wird kommen und damit ist die überparteiliche Heimwehr das geworden, was sie nie und nimmer sein wollte, eine politische Partei. Sie, die auszog, den Marxismus zu bekämpfen, landet nun in den Reihen einer Partei, die selbst hypersozialistisch ist. Werden die bürgerlichen und bäuerlichen Elemente, die die Heimwehr noch zu sich zählt, diesen Abschluß einer Entwicklung mitmachen, die sie sich gewiß ganz anders vorstellten? Diese Schichten der Bevölkerung würden gegen ihre ureigensten Interessen handeln, wenn sie noch weiter einer Organisation Gefolgschaft leisten würden, die sie in ihren Erwartungen enttäuscht und in ihren Zielen verraten hat. Wir wollen hoffen, daß in diesen in ihren Hoffnungen getäuschten Kreisen die Vernunft siegen und die Radikalisierung abgelehnt wird; die energische Haltung des Tiroler B a u e r n b u n d e s ist ein erfreulicher Beweis für die Berechtigung dieser Hoffnung. Er wendet sich damit gegen S t e i d 1 e, den früheren Wortführer der Ueberparteilichkeit, der letzthin davon sprach, daß dem „Niedergang der Wirtschaft nicht mehr mit parlamentarischen, sondern nur noch mit diktatorischen Mitteln geholfen werden kann". Nun wissen wir und wissen es alle ihr Vaterland wahrhaft liebenden Menschen, was uns von dieser Seite droht. Heimwehr - Diktatur und Nationalsozialismus Hand in Hand, das bedeutet — Herr Steidle möge es leugnen — den Niedergang der Wirtschaft, die Aufhebung der bürgerlichen Rechte, die Knebelung der Gewissensfreiheit, die Abschaffung der geistigen Freizügigkeit. Merkt ihr Juden, die ihr glaubtet, die Heimwehrbewegung unterstützen zu dürften, wessen Helfer ihr wäret, merkt nun die Gesamtheit der Juden, vor welchen Gefahren sie steht, und ist sie sich ihrer Pflicht bewußt, sich rechtzeitig zusammenzuschließen, um den Gegner abwehren zu können? Die Tage der Bedrängnis und Gefahr sollen uns geeint und gewappnet finden! Die Palästinapolitik vor dem englischen Unterhaus. Kein Rückzugs-, aber ein Scheingefecht. Erleichtert werden die zionistischen Führer in den letzten Tagen aufgeatmet haben. Nach der Bloßstellung, die das kürzlich veröffentlichte Weißbuch der englischen Regierung und der damit im Zusammenhang stehende Simpsonbericht für sie bedeuteten, scheinen die jüngst auf Betreiben der liberalen Partei im englischen Unterhaus abgeführten Debatten über die Palästinapolitik und die bei dieser Gelegenheit abgegebenen Erklärungen des Unterstaatssekretärs für die Kolonien sowie des Premierministers Mac Donald selbst Lichtpunkte zu bieten, die für Zionisten nach bewährter Methode natürlich sofort zu Flammenzeichen werden. Allein der Schein trügt. Wer die englische Palästinapolitik in den letzten Jahren mit Aufmerksamkeit verfolgte, der muß erkennen, daß England in Palästina niemals jüdische oder arabische Politik betrieben hat, sondern immer nur englische Interessenpolitik. Und es ist kaum glaublich, daß England gerade in diesem Momente, da im Orient so viel auf dem Spiele steht, von dieser seiner stets beobachteten Richtlinie abweichen sollte, daß es des zionistischen Protestes wegen auch nur die geringsten Zugeständnisse machen sollte. Von dem, was England einmal in seinem Begeisterung für das Judentum und obwohl sie erst wenige Monate Unterricht genossen haben, sind ihre Fortschritte erstaunlich. Der vielbeschäftigte de Barros Basto, der für die Marannen im Lande eine eigene Zeitschrift Ha Lapid, die Fackel, nicht nur redigiert, sondern fast ganz selbst schreibt, fand noch Zeit, die Kinder zu unterrichten, bis er einen geeigneten jungen ostjüdischen Lehrer fand. In Kürze soll ein junger Rabbiner, aus Saloniki stammend und in Amsterdam herangebildet, sein Amt als erster Rabbiner in Porto seit Jahrhunderten antreten. So edler Idealismus und so heilige Begeisterung fordert einen tüchtigen Führer. In einem anderen Raum des Hauses ist die vorläufige Synagoge untergebracht. Der Oraun hakaudesch birgt einen kostbaren Schatz. Es ist eine Thorarolle, die 1498 bei der Vertreibung von den portugiesischen Juden in die Fremde als kostbares Gut mitgenommen wurde und die die portugiesische Gemeinde in London, in deren Besitz sie sich zuletzt befand, der jungen Marannengemeinde wieder zum Geschenk machte. Im benachbarten Sekretariat zeigte uns Barros Basto ein Buch ganz anderer Art: das Reglement der Inquisition. Erschauernd vernehmen wir die unmenschlichen Bestimmungen über die grausamen Folterungen, denen die Märtyrer von einst ausgesetzt waren. Thora und Inquisitionsreglement bekämpften sich auf das erbittertste, 1498 und später triumphierte die Inquisition, doch die ver¬ Weißbuch erklärt hat, wird es nichts zurücknehmen, zumal sich dieses Weißbuch auf ein gleiches Dokument aus dem Jahre 1922 stützt, in dem ausdrücklich erklärt wurde, daß „unter der Entwicklung des jüdischen Nationalheims in Palästina .... nur die Fortentwicklung der bestehenden jüdischen Gemeinschaft mit Hilfe von Juden in anderen Teilen der Welt zu verstehen ist." Das war eine klare Sprache und es ist nur das Verschulden der maßgebenden zionistischen Faktoren, daß diese klare Sprache Englands immer wieder durch den Hinweis auf wohlwollende Erklärungen mehr oder minder bedeutender englischer Politiker verschleiert wurde. Mit gleicher Entschiedenheit wurde auch in dem vor einem Monat erschienenen Weißbuche festgestellt, welche Grenzen der Palästinapolitik durch die arabische Feindschaft, durch die mangelnde Kapazität des Landes und durch die fehlende Industrialisierungsmöglichkeit gezogen sind. Dieses Weißbuch mit seiner erbarmungslosen Sprache ist von den Zionisten mit lautem Protest aufgenommen, von den Arabern aber als ein Minimum dessen bezeichnet worden, was sich mit ihren nationalen Forderungen vereinbaren läßt. So wurde England auf der triebene Thora ist ins Land'zurückgekehrt, Siegerin ist sie über den finsteren Haß des Mittelalters geblieben. Und dann weilen wir in dem gastlichen Hause des Kapitäns de Barros Basto und hören, während der* Hausherr die für die Marannen von ihm verfaßten Legenden und Schriften uns zusammenstellt, von seiner Gattin und von seinem treuen Helfer, ManasseKupszynsky, von der unermüdlichen Arbeitskraft und den kühnen Plänen dieses geborenen Führers. Wie im Fluge verrinnt die Zeit. Die letzte Stunde ist einer Rundfahrt durch das malerische Porto gewidmet. Unser kundiger Führer läßt das jüdische Porto von einst erstehen, zeigt uns inmitten des lebendigen Betriebes, wo einst' die Ghettis lagen, und er bezeichnet die Kirchen, die früher Synagogen waren. Als er auf das Gelände weist, wo vor Jahrhunderten der jüdische Friedhof sich befand, frage ich ihn nach dem Bes Hakworaus der neuentstehenden Gemeinde. Lachend erwidert er mir: „Es ist vorläufig verboten zu sterben, man soll zu uns kommen, um zu leben." Unbewußt hat er damit sein eigenes Werk gekennzeichnet. Die alte Quelle des Lebens hat er den Seinen wieder erschlossen. Beim Scheiden sagt Manasse zu uns: „Wir brauchen Geld zu unserem Werke, aber noch nötiger brauchen wir die lebendigen Sympathien unserer Brüder in der Welt, damit die zurückkehrenden Marannen und wir mit ihnen empfinden: Bürge ist in Israel einer für den anderen." Orlhodoi Israel. Kollos- 5 gemeinde, Braflslava-PreOborg S ■ ■ Kon k u r s.\ In der hiesigen orthodox Israel. Kultus- J gemeinde ist die vakante Stelle eines m OBERKANTORS \ per sofort zu besetzen. Reflektanten, nicht über 40 Jahre, die m vorzüglich musikalisch gebildet sind, eine 9 angenehme klangvolle Stimme besitzen, 5 wollen ihre diesbezüglichen Offerte,unter ■ Beischluß von Zeugnis-Abschriften befi treffs ihrer bisherigen Amtstätigkeit, ■ Vorbildung, streng-religiösen Lebens- » wandels, Alter und Familienstand, bis 5 spätestens 31.. Dezember l. J. einsenden, u Gehalt laut Übereinkommen ■ Zu Probevorträgen werden nur direkt 5 berufene Kandidaten, die eine Vorprobe 3 mit gutem Erfolge bestehen, zugelassen, ■ und Reisespesen erhält nur der Akzep- J tierte vergütet. m Bratislava-Preßburg, den 30. Oktober 1930. 5 DER VORSTAND 5 DER ORTHODOX 1SR. KULTUSGEMEINDE. ■ (Nachdruck wird nicht honoriert.) * einen Seite des Bruches seiner Versprechungen geziehen, auf der anderen verlangte man von ihm, daß es von der nunmehr bezogenen Linie nicht mehp-abweiche. Selbst in dieser schwierigen Situation fand England den richtigen Ausweg. Es hat, wie es scheint, durch die in der Unterhausdebatte abgegebenen Erklärungen die zionistischen Vorwürfe zum Verstummen bringen wollen, und das wird ihm schon irgendwie gelungen sein. Denn es wird wohl die jetzt so erbosten zionistischen Führer die Erklärung des Unterstaatssekretärs besänftigen können, daß „die Behauptung, daß die Regierung das jüdische Nationalheim in seiner gegenwärtigen Form erstarren lassen wolle, nicht den Schatten einer Begründung hat." Wie werden da die zionistischen Führer jubeln, wie werden sie mit dieser neuesten englischen Versprechung wieder den Massen Illusionen zu machen suchen, die sich so gerne illusionieren lassen! Denn es ist nicht zu leugnen, daß das zionistische Staatsidcal, wie es vielen heimatlosen Juden vorgespiegelt wurde, diese Menschen zu begeistern und zu entflammen vermochte. Wenn nun nach diesen düsteren Tagen, da das lockende Ziel erschüttert zu sein drohte, neue Hoffnung entsteht, wenn nun wieder Versprechungen laut werden, so ist mit einem Schlage all das vergessen, was vorher die Gemüter so heftig bewegte, so ist wieder der bedrohte Frieden mit dem mächtigen England hergestellt. Wenn der Unterstaatssekretär für die Kolonien gar weiter erklärte, daß es beabsichtigt ist, mittels einer von der britischen Regierung garantierten Anleihe einen Fonds von zweieinhalb Millionen Pfund Sterling zu gründen, mit Hilfe dessen auf dem Boden Palästinas ungefähr 10.000 Familien angesiedelt werden sollen, dann wird die Freude in den Reihen der Zionisten eine vollkommene sein. Aber auch diese Freude ist keine ungemischte, denn aus den etwas umständlichen Erklärungen des Unterstaatssekretärs geht hervor, daß dieser Fonds vor' allem für Araber bestimmt ist, denen ihr Grundbesitz enteignet worden ist. Es ist nicht ganz klar, ob für diese Araber neuer Boden oder aus den Mitteln des Fonds eine f IAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAaaaaaaaaaaa^ flerren-naß-Scbnelderel » WILHELM BRAUNER I Wien IL. Praterstraße Nr. 21 Gegründet 1900 Telephon R 41-6-64 empfiehlt sieb zur Anfertigung eleganter Herren - Garderoben Orig. englische Stoffe stets lagernd Erstklassige Ausführung Mässige Preise ZahinBits-frielciitenwieB ■ff?tttWt7\TTIftfltttffftffflftflfW?1f» ► ► ► ► ► ►

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