Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 46 (14.11.1930)
- Date
- 1930-11-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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"Seile D DIE WAHRHEIT Bewegung beschreibt. Es folgen Abhandlungen über Nationalismus und Judenlrage von Ernst Jünger und „Deutsche — Juden" von dem Antisemiten Graf Ernst Reventlow. Zur Geschichte der antisemitischen Bewegung ergreift Theodor Fritsch das Wort und über Fascismus und Judentum spricht Kurt Kornicker, Rom. Das Heft wiwi geschlossen mit einem Beitrag des Rußlandkenners Dr. Theodor Seibert über das Judentum im Sowjetstaat . Es entspricht wohl den heutigen Bedurfnissen, daü m dem Heft das 10 Tage nach Erscheinen schon vergriffen war und kürzlich in neuer Auflage (10. und 11. Tausend) ausgegeben wurde, weniger das religiöse Problem als das Problem des Zusammenlebens mit Nichtjuden im Blickpunkt des Interesses der Mitarbeiter steht Aus diesem Grunde war es auch nicht möglich, ebenso wie die politischen auch die religiösen Gegensätze innerhalb des Judentums darzustellen. Man wird der Zeitschrift von keiner Seite den Vorwurf der Einseitigkeit machen können. Wenn -ihn die Schriftleitung aber trotzdem vorauszusehen glaubt, so sind die Worte, die sie dazu sagt heute mehr denn je für alle Kreise des deutschen Volkes beherzigenswert- .Vielleicht geht doch manchen Lesern auf, daß «ie sich selbst herabsetzen würden, wenn sie nur Dinge lesen wollten, die ihrem bisherigen Standpunkt entsprechen und kein Nachdenken erfordern. Wir unsererseits möchten wünschen, daß auch auf anderen Gebieten in Deutschland (in anderen Ländern ist es ja nichts Ungewohntes) die Gegner sich vor der Oeftentlichkeit (wenn es niemand sieht, geschieht es oft letzt schon) gemeinsam über ihre Ziele aussprechen, statt, wie es für charaktervoll gilt, sich in der Oeffenthchkcit zu beschimpfen." Die entjudete Wissenschaft In Ungarn ist man bekanntlich seit zehn Jahren daran, die Wissenschaft zu entjuden. Zwar haben die jüdischen Gelehrten in Ungarn wesentlich zum Ruhme der vaterländischen Wissenschaft beigetragen — man braucht ' ja nur, um einen von vielen zu nennen, an Semmelweis den Entdecker des Kindbettfiebererregers, zu denken — aber den „Erwachenden Magyaren" genügten solche Leistungen nicht Sie kalkulieren: Wenn schon die verjudete Wissenschaft solche Spitzenleistungen zu verzeichnen hatte, mit welch glänzenden geistigen Rekorden muß erst die gereinigte, ganz auf der finnischmongolischen Rasse, der die Magyaren bekanntlich angehören, beruhende Gelehrsamkeit die gesamte Kulturmenschheit verblüffen. Nun, die Verblüffung ist nicht ausgeblieben. Aus Budapest wird uns berichtet: Der Schneidergehilfe Josef Nagy strengte gegen eine hiesige Spitalsleitung eine Schadensklage in Höhe von 15.000 Pengö an. Diese Klage begründet er damit daß er statt Insulin-Benzineinspritzungen bei Behandlung seiner Zuckerkrankheit in dem beklagten Spital erhalten habe. Der Spitalsarzt verteidigte sich damit, daß eine Flasche Benzin zwischen die Insulinflaschen geraten sei, 1 Bebördl. antor. HSuseradministration : 1 ADOLF KRALL! IV., Schleifmiihlgasse 11 | Telephon B 29-1-4S empfiehlt sich zur Ober- | nähme von Verwaltungen 1 Erstklassige Referenzen : X_______ _________ ______ . ohne daß er davon eine Ahnung gehabt hätte. Die Spitalsleitung bestritt im Prinzip nicht das Recht des Josef Nagy auf materielle Entschädigung wegen verminderter Arbeitsfähigkeit, beantragte aber ihrerseits Untersuchung durch gerichtsärztliche Sachverständige, welchem Antrage stattgegeben wurde. Jeder, der auch nur einmal im Leben ein Insulinfiäschchen gesehen hat, wird es unbegreiflich finden, wie man solch ganz kleines, stets luftdicht verschlossenes Fläscbchen mit einer Benzinflasche verwechseln kann, die doch viel größer zu sein pflegt und vor jedesmaligem Gebrauch entkorkt werden muß, während der Verschluß des Insulinfläschchens von der Nadel der Injektionsspritze durchstochen wird. Es ist nur schwer, zu glauben, daß sich die eingestandene Ahnungs- 1 o s i g k e i t des famosen Arztes auf die Medizinflaschen beschränkt Wahrscheinlich verwechselt er ebenso ahnungslos die Leber mit dem rechten Kniegelenk und die Niere mit der großen Zehe. Also eine Frucht der entjudeten Wissenschaft in Reinkultur! Damit soll nicht etwa behauptet werden, daß die christlichen Magyaren durchaus unfähig sind. Es soll nur das traurige Resultat einer Methode angeprangert werden, die die Graduierung und Anstellung der Akademiker nicht von ihren Geisteskräften, sondern in erster Linie von ihrer Rasse abhängig macht Der Tragödie folgt das Satyrspiel: Die Verwaltung des betreffenden Spitals anerkennt die finanziellen Ansprüche des Patienten, aber sie versucht es zunächst einmal mit — Handeln. Jawohl, mit Handeln, was doch nach sämtlichen antisemitischen Forschungsergebnissen ein charakteristisches Symptom der jüdischen Rasse ist . . . „Und dazu Räuber und Mörder . . ." ie—e. Kleider sofort Zahlung später Hemm- und Dssenkleider naca Mifi and fertig aar eratkltssige Stoffe, bis 12 Monate Kredit Kleiderhaus Werter, Wien Xf 1., Ottahrlngerstr. 11 Td. A21-501 Wahrheiten vom Sage Die Krawalle auf der Hochschule für Welthandel. Die Wahlen sind in Ruhe vorübergegangen und das friedliebende österreichische Volk, das infolge der umherschwirrenden Alarmgerüchte dem Ausgang des 9. November mit Beunruhigung entgegensah, konnte beruhigt aufatmen; wieder einmal hatte die politische Vernunft des Oesterreichers über Terrorismus und Radikalismus gesiegt. Die Einsicht, die die erwachsenen Oesterreicher damit bewiesen haben, war nicht nach dem Qeschmacke der jugendlichen Stürmer und Dränger auf der Hochschule für Welthandel; anfangs dieser Woche kam es auf dieser Hochschule wieder zu judenfeindlichen Kundgebungen. Der Anlaß hierzu war ein ganz nichtiger. Die Verleihung eines Inskriptionstisches und die Gestattung von Versammlungen für die jüdischnationale Studentenschaft haben die deutschnationalen Herrchen so in Rage gebracht, daß sie nach bewährtem Muster die Welthandelshochschule mit dem Rufe „Juden hinaus!" besetzten und mit allem Nachdrucke diese ihre Parole auch durchführten. Der wahre Qrund für die empörenden Krawalle liegt tiefer. Die Hochschule für Welthandel bildet eine rühmliche Ausnahme innerhalb der österreichischen Universitäten, sie besitzt noch nicht das famose hakenkreuzlerische „Deutsche Studentenrecht" und der Erringung dieses höchsten aller Kulturgüter gelten seit langem die Bestrebungen der dort studierenden Radauantisemiten. Nun sollte durch die Krawalle das lockende Ziel erreicht werden. Rektor Nikolaus Jorga warnt die Studentenschaft. Der große rumänische Gelehrte und Politiker Professor Nikolaus Jorga führte bei Eröffnung des Studiensemesters der Bukarester Universität in seiner Eigenschaft als Rektor in seiner Antrittsrede unter anderem aus: Solarige ich an der Spitze dieser Universität stehe, werden Ausschreitungen der Universitätsjugend nicht stattfinden. Hierfür übernehme ich die Garantie. Der Student, der sich,, zu politischen Zwecken ausnützen läßt und an Straßendemonstrationen teilnimmt, muß von der Universität fort. In Budapest werden die Christen verfolgt? Der Budapester Gerichtshof sprach kürzlich den Journalisten Eugen Gaspar von der Verleumdungsklage, die der Direktor des Budapester Stadttheaters, Geza Sebestyen, gegen ihn erhoben hatte, frei. Gaspar hatte anschließend an den Galli Curci-Skandal im Stadttheater geschrieben, Direktor Sebestyen betreibe eine tendenziöse Christenverfolgung in seinem Theater, da dort mehr Juden angestellt seien als Christen. In der Begründung des freisprechenden Urteiles führte der Gerichtshof aus, daß der Ausdruck „tendenziöse Christenverfolgung" nicht wortwörtlich aufzufassen sei. Die Behauptung, daß mehr Juden als Christen beim Stadttheater angestellt sind, setze den Direktor keineswegs der öffentlichen Verachtung aus, sondern erwecke. im schlimmsten Falle nur eine gewisse Antipathie. Da zwischen Juden und Christen — wie dies der Gerichtshof schon einmal festgestellt habe — kein Unterschied sei, so sei es nicht erniedrigend oder beschämend, von jemand zu hören, daß er ein Jude sei. Gegen das Urteil legte der Rechtsvertreter des Direktors Sebestyen Berufung ein. Also jetzt haben wir es schwarz auf weiß: In Budapest werden die armen Christen nicht von den bösen Juden verfolgt. Wenn es nicht in einer Urteilsbegründung stünde, wir hätten es nicht geglaubt. Die Urteilsbegründung meint auch, zwischen Juden und Christen bestünde im schlimmsten Falle eine gewisse Antipathie. Diese Antipathie äußerte sich im „schlimmsten" Falle, wenn wir uns recht erinnern, zum Beispiel bei den Judenmassakern in Orgovany und beim Bombenattentat der Erwachenden Ungarn auf dem Ball des jüdischen Frauenvereines in Csongrad. Und um daran zu erinnern, hätte es wieder keines Urteiles bedurft. WßrbEt unduErbreitet,Die Wahrheit'I GROSSFLEISCHHAUEREI flIGM. KORNMEHl immmmmmmiKmm^tmmmmmimmmm^mmmm^i^—mmmmmmtm. WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE ■ XVIII., WAHRINGERSTRASSE 9T Telephon Nr. A 17-3-99 and A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungemor Koscherfleisch unter Aufsieht des ehr«. Rabbinates der Ist*. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Drüben am Wiesenrand . . . „Die Juden sind nicht produktiv. Ihre Fähigkeiten reichen vielleicht gerade noch dazu aus, Erlebnisse anderer nachzuempfinden und dann als eigene zu verwerten." So infam dieser Vorwurf ist — manchmal ist es schwer, vom Standpunkte des Juden aus ihn zu entkräften. Daß er ungerecht ist, wissen wir. Er hat uns nie entmutigt, sondern erst recht zur Leistung angetrieben. Ein Gegenbeweis ist möglich. Zu zeigen, daß Schöpfungen deutscher Juden eingegangen sind in das Kulturgut der Umwelt, daß Gedichte von Juden gesprochen, Melodien, von Juden erdacht, gesummt werden von vielen, draußen, vom Volke — deutsche Lieder, bei denen niemand weiß, daß sie von Juden stammen. Ob die Tatsache, daß das schöne jüdische Pessach-Gedicht Chad-Gadjoh .,E i n Lämmchen" von Achim von Arnim in „Des Knaben Wunderhorn" aufgenommen worden ist. überzeugend wirkt? Sonst wollen wir heute einen Zeugen aufrufen, der bestimmt nicht wegen Befangenheit abgelehnt werden kann. Die „Kommenden", überbündische Wochenschrift der deutschen Jugend, herausgegeben von Ernst Jünger, veröffentlichte in der neuesten Nummer vom ,,31. Gilbharts" ein Gedicht, das vor 15 Jahren von einem Juden geschrieben wurde, das draußen im Felde auf vielen Lippen war, das heute schon so weit in das Volk gedrungen ist.' wahrhaft Volkslied ist, daß es nichts verschlägt, wenn die „Kommenden" den Namen des Dichtenverschweigen. Es sind die Verse: Drüben am Wiesenrand hocken zwei Dohlen. Fall' ich am Donaustrand. Sterb' ich in Polen? Was liegt daran! Eh' sie meine Seele holen, kämpf ich als Reitersmann. Drüben am Ackerrain schreien die Raben. Werd' ich der erste sein, den sie begraben? Was ist dabei? Viele hunderttausend traben in Oesterreichs Reiterei. Diese Verse stammen von dem Juden Zucker man n aus Prag. Ich glaube, daß auch für ihn das schöne Wort von Dehmel gilt, das er auf Heinrich Heine geprägt hat, daß er die „Muttersprache mächt'ger sprach als alle deutschen Müllers oder Schultzens." Alfred Levi, Berlin. Das Urteil im Prozeß von Targu-Frumos. Am 31. Oktober wurde im Prozeß gegen die im Zusammenhang mit den antisemitischen Unruhen in Targu-Frumos angeklagten Personen das Urteil gefällt. Angeklagt waren mehrere Studenten, die den Antisemitenführer. Cuza nach dessen Wahl zum Parlamentsmitglied in einem Siegeszuge durch Targu-Frumos begleiteten, bei dieser Gelegenheit wüste antisemitische Exzesse veranstalteten und mehrere Juden und Jüdinnen mißhandelten und verletzten. Angeklagt waren ferner 17 jüdische Bürger von Targu-Frumos, denen vorgeworfen wird, ein Auto, in welchem einige Cuza-Studenten saßen, beschädigt und die Studenten mißhandelt zu haben. Wie erinnerlich, waren die 17 verhafteten Juden in Targu-Frumos und nach ihrer Einlieferung ins Jassyer Gefängnis schweren Beschimpfungen und Peinigungen seitens der Polizei ausgesetzt gewesen. Sie wurden geschlagen, dann drückte man ihnen Knüppel in die Hände und photographierte sie in dieser Ausrüstung, um zu zeigen, daß die Juden die Angreifer waren. Das Gericht verurteilte einige der