Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 46 (14.11.1930)
- Date
- 1930-11-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Bamy^^-w^t'WTa»reTTmrfrf«»™Ti^ ^rvtBniisimrwrrwmmm - OIE WAHRHEIT btfirp 7 angeklagten Studenten zu Geldstrafen von je 500 Lei, von den angeklagten Juden aber wurden mehrere zu Gefängnisstrafen von 10 bis 15 Tagen, die übrigen zu Geldstrafen verurteilt. Alle Verurteilten legten Berufung ein. Die „Protokolle der Weisen von Zion" kroatisch. Das antisemitische Pamphtet „Protokolle der Weisen von Zion" wird nun auch in kroatischer Uebersetzung unter dem Titel „Blutige Pläne" in Jugoslawien verbreitet. Als Verleger fungiert die katholische religiös-wissenschaftliche Zeitschrift „Nova Revija", welche unter Redaktion des Paters Dr. Peter Qrabie, Professor der Theologie, in Makarska (Dalmatien), erscheint. In Zagreb wurden die Protokolle während der Abhaltung des eucharistischen Kongresses in Verkehr •jesetz,t. Jüdische Ihrentafel. London. Sir Herbert Samuel, der erste High Commissioner für Palästina, feierte am 6. November seinen 60. Geburtstag. Sir Herbert ist als jüngster Sohn von Edwin L. Samuel in Liverpool geboren. Seit seiner Studienzeit war Sir Herbert Samuel ein eifriger Anhänger der Liberalen. In Oxford war er Präsident des Russell Clubs. Von 1902 bis 1918 war er Mitglied des Unterhauses, von 1905 bis 1909 ünterstaatssekretär für Inneres, in den Jahren 1910 bis 1916 bekleidete er wiederholt die Stelle des Postministers und war vom Jahre 1916 bis zum Sturze Asquiths Minister des Innern. In dieser Eigenschaft setzte er sich für die Heranziehung der russischen Juden in England zum Kriegsdienst ein, wodurch die Bildung der jüdischen Legion im Weltkrieg erleichtert wurde. Zu Beginn des Krieges richtete Sir Herbert eine Adresse zugunsten der Errichtung eines iüdischen Nationalheims an den damaligen Ministerpräsidenten Lord Asquith, der diesem Plane jedoch sehr kühl gegenüberstand. Später wirkte Sir Herbert Samuel in hohem Maße bei den politischen Verhandlungen zur Vorbereitung der Balfour-Deklaration mit. Auf Einladung Marschall Allenbys weilte er im März 1920 zum ersten Mal in Palästina und wurde nach Auflösung der Militärverwaltung zmu High Commissioner auf fünf Jahre ernannt. Unter seiner Verwaltung brachen im Jahre 1921 die ersten Unruhen in Palästina aus, die ihn ' veranlaßten, eine vorübergehende Einstellung der jüdischen Einwanderung zu verfügen. Sir Herbert Samuel war während seiner Amtsführung als High Commissioner bestrebt, beiden Bevölkerungs- [cilen Palästinas gerecht zu werden. Seine nachgiebige Haltung gegenüber der aggressiven Politik der Araber enttäuschte die großen Hoffnungen, die die Zionisten an seine Ernennung geknüpft hatten. Besonders zwei Maßnahmen Sir Herberts erregten die Unzufriedenheit der Juden, und zwar die Ueberlassung der Staatsiändereien von Beisan an arabische Pächter und die Ernennung Hadsch Emin el Husseinis, eines der Führer der arabischen Unruhen von 1920 und 1921, zum Qroßmufti von Jerusalem. Nach seiner Rückberufung aus Palästina wurde Sir Herbert zum Vorsitzenden der Kommission zum Studium der Verhältnisse im Kohlenbergbau ernannt Im August 1929 nahm er an der Gründungskonferenz der erweiterten Jewish Agency in Zürich teil und setzte sich auch in der Folgezeit tatkräftig für den Palästina-Aufbau ein. In letzter Zeit gilt er als ernstester Anwärter auf den Posten eines Vizekönigs von Indien, doch steht seine Ernennung angesichts gewisser Widerstände, die sich in Indien selbst gegen seine Person geltend machen, noch nicht fest Anläßlich seines 60. Geburtstages war Sir Herbert Samuel Gegenstand großer Ehrungen von jüdischer und nichtjüdischer Seite. Zürich. Die dreitägige Feier des 75jährigen Bestehens der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich begann mit einem Empfang im Dolder-Hotel, zu dem etwa 1500 Gäste aus aller Welt zusammengeströmt waren. Unter allgemeinem langanhaltendem Beifall wurde dem anwesenden Professor Dr. Albert E i nstein als Vollender der klassischen Physik in der Relativitätstheorie und dem Bahnbrecher der Quanten- Physik, der ehemals Schüler, dann Lehrer an der Eidgenössischen Technischen Hochschule gewesen war, die Uhrendoktorwürde der Naturwissenschaften verliehen. Lausanne. Im Alter von 70 Jahren starb am 2fi. Oktober in Lausanne der bekannte Bakteriologe russisch-jüdischer Abstammung C h a w k i n (nach englischer Schreibweise Haffkine). der zu den bahnbrechenden Forschern aui diesem Gebiet gehörte und dessen Name in der Wissenschaft auf derselben Stufe wie die von Robert Koch, v. Behring usw. stand. Walinar Mordechai Wolff Chawkin wurde März 1860 zu Odessa in Rußland geboren, besuchte das Gymnasium zu Bertjansk (Krim) und die medizinische Fakultät zu Odessa. Nach der Absolvierung seiner ärztlichen Studien arbeitete er 1884 bis 1889 am Zoologischen Institut in Odessa, war darauf ein Jahr Professor der Physiologie in Genf und 4 Jahre lang Assistent am Institut Pasteur in Paris. Dort begann er seine Untersuchungen über Schutzimpfung gegen die Cholera und ging 1893, nach zahlreichen Versuchen und nachdem er sein Verfahren an sich selbst ausprobiert hat, auf Einladung der englisch-indischen Regierung nach Indien zur Bekämpfung der Seuche. Er blieb dort länger, als ursprünglich beabsichtigt war, da er 1896 bei Ausbruch der Beulenpestepidemie in Bombay den Auftrag erhielt, ein Impfverfahren auch gegen diese Epidemie auszuarbeiten. Es gelang dank dem von ihm erfundenen Verfahren, die Sterblichkeit bei der Pestepidemie , um 85 Prozent zu verringern. Millionen von Menschen wurden darauf nach seinem Verfahren mit Erfolg geimpft Er blieb im Dienst der indischen Regierung in Kalkutta bis 1915, gründete in Bombay das staatliche Untersuchungslaboratorium, das jetzt seinen Namen trägt (Haffkine Institute), war Mitglied des Rates der Londoner Gesellschaft für tropische Medizin und Hygiene und zahlreicher anderer gelehrter Gesellschaften. Die letzten Jahre seines Lebens hielt er sich in Paris auf. Bukarest. Oer Stadtrat der rumänischen Reichshauptstadt Bukarest beschloß, die Straße, in der sich die vom Hause Blanc geleitete Marmarosch-Bank befindet, zu Ehren des verstorbenen hervorragenden Finanzmannes und Philanthropen Mauriciu Blanc, Vaters von Aristide Blanc, „Mauriciu Blanc-Straße" zu benennen. VonWoffhe zu Wodke Juden bei den amerikanischen Wahlen gewählt. Bei den am 4. November stattgefundenen Wahlen in den Vereinigten Staaten wurde der bekannte jüdische Philanthrop Julius Meier, Besitzer eines der größten Warenhäuser Amerikas, als Kandidat der unabhängigen Republikaner zum Gouverneur von Oregon, der hervorragende Führer der Demokraten, Arthur Seeligmann, der ebenfalls aktiven Anteil an jüdischen Angelegenheiten nimmt, zum Gouverneur von New Mexiko gewählt. Zum erstenmal seit 1887 hat diesmal Massachusetts einen Juden, den Demokraten David Goldstein, in den Kongreß entsendet. Ferner wurden alle acht bisherigen jüdischen Kongreßmitglieder wiedergewählt. Zahlreiche Juden erlangten durch die jüngste Wahl verschiedene Staats- und Genieindeämter. Der jüdische Anteil an den Blutopfern des Krieges. Der „Israelitische MetzgefResellenverein Frankfurt a. M." hat sein 25jähriges Bestehen in der „Frankfurt-Loge" gefeiert, beglückwünscht von den christlichen Kollegen, von Vorstandsmitgliedern der Fleischer- Innung. In schlichter Weise sprach der jugendliche Vorsitzende über die Geschichte des Vereines und berichtete, daß im Jahre 1914 nahezu alle Mitglieder, 65 jüdische Metzgergesellen aus Frankfurt a. M.. ins Feld zogen, 27 sind nicht wiedergekehrt, sie ruhen in fremder Erde. Rechtsanwalt Steffen Kann, der Vorsitzende der Frankfurter Ortsgruppe jüdischer Frontsoldaten, widmete als Kamerad von der Front den toten iüdischen Mctzgergesellen Worte des Gedenkens. Jacob Rosenheim 60 Jahre. Herr Jacob Rosenheim, einer der hervorragendsten Führer der jüdischen Orthodoxie, Präsident der Weltorganisation Agudas Jisroel, vollendet in diesen Tagen sein 60. Lebensjahr. Er ist ein anerkannter Führer der von Samson Raphael Hirsch vor mehr als einem halben Jahrhundert begründeten selbständigen jüdischen Orthodoxie, die in Deutschland in der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums", dem „Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands" (Halberstädter Verband) organisiert ist. Inhaber einer Verlagsfirma, lebt er fast ausschließlich jüdischen Interessen. Seit 1906 ist er Herausgeber der von S. Schachnowitz redigierten Wochenschrift „Der Israelit". Seine Weltanschauung zeigt sich vornehmlich in seinen Auseinandersetzungen mit Hermann Cohen, Martin Buber, Jakob Klatzkin in der Arbeit ,3eiträge zur Orientierung im jüdischen Geistesleben der Gegenwart", in den Schriften „Abrahamitisches oder mosaisches Judentum?", „Aphorismen zur Grundlegung der jüdischen Ethik", „Die Wurzel der Aesthetik". „Der Zusammenschluß der Thoratreuen" u. a. m. Oesterreichischer Kantoren-Verein. In der außerordentlichen Generalversammlung vom 5. d. M. wurden gewählt: Zum Präsidenten: 1. L. Müller; I. Vizepräsidenten: Emanuel Fränkl; II. Vizepräsidenten: J. Glück; Kassier: Armin Stift; Schriftführer: Jakob Zu Vorstandsmitgliedern: Josef Braun, I. Roth, A. Lew in, Löwensohn, S. Weiß, S. Lan- Revisoren: S. Löwy. Sch. Ein- Ganz Wien spricht!! vom fabelhaft billigen Kleider - Rummel bei Jac. Mayer« Wien II, Glockengasse 24 Herren-Anzüge s 32.90 Herren-Ulster S 36.90 Herren-Trenchcoat S 39.90 Herren-Hosen S 3.90 etcf etc. Prima Kleider auf Seide gearbeitet zu halben Preisen. Landau. Grob, A. Is. Katz, S. derer. Zu h o r n. Dem abtretenden bisherigen Präsidenten, Oberkantor Isidor L ö w i t, der eine Wiederwahl unter allen Umständen ablehnen zu müssen erklärte, wurde für seine bisherige ersprießliche Tätigkeit für den Verein mit Stimmeneinhelligkeit der Dank ausgesprochen und dieser Beschluft dem Protokolle einverleibt. Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien. IL, Ferdinandstraße 23/8. Montag, den 17. November 1930, findet im Klubsaale der „Hakoah", I., Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashof, eigener Eingang, SouterrainX ein Vortrag des Herrn Oberrabbiner Dr. flieser Schweiger (Neutra) über den „Kulturantisemitismus" statt. Beginn 548 Uhr abends. Eintritt frei. Gäste willkommen. Verein „Mathilde" zur Bekleidung armer jüdischer Schulkinder, insbesondere Waisenkinder, Wien IL. Große Sperlgasse 41 (Cafe Buchsbaum), wird auch heuer zu Chanuka Schulkinder arbeitsloser und ausgesteuerter Eltern und Waisenkinder bekleiden. Gesuche sind bis spätestens 25. November zu überreichen. Barmizwah-Feler. Im Tempel XV1I„ Hubergasse fand Samstag, den 8. d. M. eine erhebende Feier statt Karl Urbach, der Sohn der Frau Alice Urbach und des jung verstorbenen Arztes Dr. Max Urbach, feierte seine Barmizwah. In formvollendeter Rede wies Rabb. Dr. M. Bach auf die Vorzüge seines Elternhauses hin. „Wohl hast du. — meinte Dr. Bach -- keine Erinnerung an deinen trefflichen Vater, aber deine Mutter ist Vater und Mutter, sie arbeitet als Vater, um die Mittel zur Erziehung zu schaffen, und ist trotzdem die ideale Mutter! Vergiß auch nie, mein Kind, daß du in dem Vater deiner Mutter, dem unvergessenen Sigmund Mayer ein Vorbild hast ein edler Jude, ein edler Mensch, ein tüchtiger Bürger zu sein." Tiefgerührt verließen Familie und Freunde das Gotteshaus: die Gesänge wurden in gewohnter Meisterschaft exekutiert und so gestaltete sich diese Barmizwah zu einem unvergeßlichen Eindruck. S. R. An alle jüdisch-polnischen Landsmannschaften Wohltätigkeits- und Betbausvereine polnischer Jude* In Wies Zwecks Gründung eines Rahmenverbandes aller in Wien bestehenden polnischen Landsmannschaften, Wohltätigkeits- und Bethausvereine polnischer Juden ersuchen die Unterfertigten, je zwei Vertreter dieser Vereine zu der am 22. November, 8 Uhr abends, im Lokale des Vereines der Stantslauer, Wien II., Praterstraße 11. stattfindenden Sitzung zu entsenden. _ Der Rahmenverband, dem von vornherein die weitestgehende Unterstützung der Wiener polnischen Generalkonsulates versprochen wurde, bezweckt, den in Wien lebenden polnischen Juden in Jeder Weise behilflich zu sein. Es liegt im Interesse aller oben erwähnten Vereine, zu dieser dringenden Sitzung ihre Vertreter zuverlässig zu entsenden. Für das vorbereitende Komitee: Sigmund Habe r m. p. Dr. Sem Wolf m. p. flmtfieße Verfäutßamngen der Jsraefitisdjen Juftusgemeinde Wien Predigten in den israelitischen Gemeinde- und Bezirks-Synagogen. Freitag, den 14. November 1930, werden bei dem um 4 Uhr 15 Minuten beginnenden Abendgottesdienste in nachbenannten Gemeinde- und Bezirks-Synagogen Predigten abgehalten, und zwar: Wien I., Seitenstettengasse 4 (Rabbiner Dr. M. Grunwald); Wien IL, Pazmanitengasse 6 (Rabbiner Dr. Z. Taubes); Wien V., Siebenbrunnengasse 1 a (Rabbiner Doktor M. G. Mehr er); Wien VIII., Neudeggergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Bauer); Wien XV.. Turnergasse 22 (Rabbiner Dr. I. T a g 1 i c h t). Exegetische Vorträge am: Samstag, den 15. November 1930, Wien XIX., Dollinergasse 3 (4 Uhr nachmittags), Rabbiner Dr. A. Frankfurter; Wien XXI., HoIzmeistergas.se 12 (beim Gottesdienste, 10 Uhr vormittags). Rabbiner Dr. M. Rosenmann. Israelitischer Jugendgottesdienst Am Samstag, den 15. November d. J., findet um 3 Uhr nachmittags der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks-Synagogen statt.