Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 46 (14.11.1930)
- Date
- 1930-11-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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MA*^.-j-jaaeü OIE WAHRHEIT Seite a Palästina. Ein Wort zum englischen Weißbuch und zum Simpsonbericht Von Rechtsanwalt Heinrich Stern. Berün. Als die ersten Mitteilungen über Palästina in die Tageszeitungen kamen, schrieb ich sofort nach London und bat, mir die Dokumente zugänglich zu machen. Ich schrieb an den Freund, den ich darum bat, daß die Nachrichten hier wie ein Blitz eingeschlagen hätten. Der betreffende Freund, der mir die beiden Schriften einschickte, antwortete, daß man in London zwar auch überrascht sei von der ungewöhnlichen Schroffheit des Tones, die aus dem Weißbuch spreche, nicht aber von dem Inhalt desselben selbst; viele englische jüdische und nichtjüdische Politiker hätten diese Mitteilungen seit Jahren vorausgesehen. In der Tat, das Weißbuch in seiner erbarmungslosen Nüchternheit eines Geschäftsberichtes macht in englischer Sprache einen ungleich kühleren und strengeren Eindruck als ihn die deutsche Uebersetzung, vor allem die auszugsweise Uebersetzung, zu geben vermag. Wer die 23 Seiten des Weißbuches aufmerksam durchliest, kann verstehen, daß das „Statement" wie ein Eisschauer über die Hoffnungen und Wünsche der Zionisten und auch vieler nichtzionistischer Palästinafreunde hinweggebraust ist. Es kann selbstverständlich keine Rede davon sein, daß wir uns jetzt auf den Standpunkt des befriedigten Propheten stellen, der alles schon vorausgewußt hat. Wir begreifen die Erschütterung, die durch die Reihen der Palästinafreunde geht, insbesondere aber durch die Reihen der Juden in Palästina selbst. Aber selbst, wenn hier wirklich ein bewußter Wortbruch vorläge, würde es grenzenlos töricht sein, dies nach außen hin in die Welt zu posaunen. Es kann aber keineswegs davon die Rede sein, daß hier wider besseres Wissen, alte Versprechungen gebrochen sind. Freilich, eines muß mit allem Nachdruck hervorgehoben werden: eine große Verantwortung trifft diese Regierung, daß nämlich sie mit schonungsloser Deutlichkeit Dinge ausgesprochen hat, die andeutungsweise und im Auf- und Abwogen der Politik wiederholt vorausgesagt sind, die aber doch als offiziell in offizieller Weise niemals so entschieden in der Oeffentlichkeit bekanntgegeben worden sind. All die Dinge, die jetzt festgestellt sind, hätten bereits vor Jahren festgestellt und ausgesprochen werden können und müssen, wenn die Dinge so liegen, wie sie nach dem wirtschaftlichen Bericht Simpsons liegen. Die englische Regierung wäre aber verpflichtet gewesen, diese Forschungen schon früher anzustellen und die Schlüsse daraus zu ziehen. Daß die Balfour-Deklaration, die es mit beiden Teilen, mit Juden und Arabern, nicht verderben will, die ein Nationalheim für das jüdische Volk schaffen, aber doch die Stellung der Juden in den anderen Ländern unangetastet lassen wollte, notwendig zu Irrtümern führen müsse, das hätten nicht nur die Antizionisten und Azionisten sich sagen müssen, sondern das hätten die weitsichtigen und mit auch von uns stets anerkanntem erhabenen Eifer ihres Amtes waltenden Staatsmänner an der Spitze der zionistischen Wehorganisation erkennen und danach handeln müssen. Die Enttäuschung konnte nur deshalb so groß sein, weil man die Augen und Ohren sich künstlich verstopfte und jeden zum Verräter an der heiligen jüdischen Sache stempelte, der sich schüchtern erlaubte, einmal auf Klarheit zu drängen und darauf hinzuweisen, daß dieses Palästina ein Splitterchen in dem großen englischen Weltgebäude sei, daß England um aller Juden der Welt willen niemals die Araber und Mohammedaner vor den Kopf stoßen könne, mit denen es in ganz Asien, Afrika, vor allem aber in seinem Juwel Indien zu rechnen habe. Ist es solch ein Wunder, daß England gerade jetzt den Arabern seine väterliche Fürsorge zu erkennen gibt, da seine Herrschaft in Indien nur noch lebt von dem Gegensatz zwischen Hindus und Mohammedanern, da es nichts ängstlicher fürchten muß, als diese Mohammedaner auf die Seite des Mahatma Ghandi zu treiben? Die Zionisten und leider auch bedeutende Nichtzionisten haben geglaubt, das Spiel um Erez Israel selbst zu spielen, und müssen nun erkennen, was ihnen zu ihrer flammenden Entrüstung vor. anderen oft gesagt worden ist, übrigens am schärfsten und schroffsten in ihren eigenen Kreisen, daß sie nichts anderes sind als eine Figur auf dem großen Schachbrett des britischen Empire, das gerade jetzt wieder einmal in London aufgestellt ist und auf dem das Königsspiel gespielt wird. Die große Anklage, die auch wir gegen die englische Regierung erheben müssen, ist nicht die, daß sie gesprochen hat, sondern daß sie zu spät gesprochen hat. Hierüber aber dürfen die am wenigsten erstaunt sein, die von jüdischer und nichtjüdischer Seite oft genug gewarnt worden sind, noch mehr zu trauen und alle lebendigen jüdischen Kräfte auf die eine Karte Palästina zu setzen, die nicht sie in der Hand haben, sondern Downing-Street. Wer das englische Weißbuch nun aufmerksam und unvoreingenommen liest, muß zum mindesten bekennen, daß es nicht so ganz von der bisherigen Linie englischer Politik abweicht, wie jetzt von jüdischer Seite behauptet wird. Es stellt geschickt Aeußerungen zusammen, die, richtig beobachtet und beachtet, die verantwortlichen Leiter der jüdischen Palästina-Politik längst hätten stutzig machen müssen. Da ist zunächst, und das ist vielleicht das Wichtigste, die Frage der Interpretation des Wortes „Nationalheim". Alle Stufen des Zornes vom Hohn bis zur Verzweiflung durchtobt heute die zionistische Welt über die Abschätzung und Entwertung, die dieser Begriff in dem Weißbuch erfahren hat. In der Tat ist darin folgendes zu lesen: „Wenn gefragt wird, was unter der Entwicklung des Jüdischen Nationalheims in Palästina zu verstehen ist, so darf darauf geantwortet werden, daß es nicht bedeutet die Aufzwingung einer jüdischen Nationalität gegenüber den Ein- „Hier ruhet Karl Eduard Denhoi der große Meister des Gesanges, Vorbeter im neuen Tempel zu Pest. Vor vielen hattest Du den Beruf, Zum Sangmeister Dich Gott erschuf. Verlieh Dir süßtönenden Klang, In Chören zu künden Preis und Dank: Anzuregen Zu nachhaltigem Segen Die Gottesgemeine Daß zu seiner Ehre sie sich eine Und verherrlichen könne des heiligen Namen. Ach! In des Lebens Vollkraft Hat grausiger Tod Dich weggerafft; Doch in aller Herzen bleibt Dein Andenken wach Und klinget Liebe dankend Dir nach." Prof. Salamon Sulzer richtete an den Vorstand der Pester Synagoge ein Schreiben über Denhof. dessen Inhalt hier auszugsweise wiedergegeben sei: „Mein in Gott ruhender Freund und Schüler Herr Karl Ed. Denhof, welcher einst mit Herz und Seele dem Dienste Gottes vorstand und mit aller Hingebung jener Richtung folgte, die ich anzubahnen so glücklich war, soll und darf nicht vergessen werden und danke ich auch im Namen aller meiner Amtksollegen, daß sich die Gemeinde die edle Aufgabe gestellt, dem verdienstvollen Hingeschiedenen ein würdiges Ehrendenkmal zu errichten. Wenn ich auch in aller Bescheidenheit das Verdienst in Anspruch nehmne muß, der Gründer eines veredelten Gottesdienstes zu sein, so muß man es nichtsdestoweniger ihm nachrühmen, daß er einer der Ersten war, der das heilige Werk fördern half. Im Besitze einer mächtigen Baritonstimme, war sein Vortrag männlich, würdig, aber auch voller Wärme und Empfindung. Der Selige wurde von seiner Gemeinde nach Wien gesendet, um sich zu perfektionieren. Ich habe ihm Unterricht im Gesang und in der neuen Vortragsweise gegeben. Er brachte viel Empfänglichkeit und noch mehr guten Willen mit Er besaß gute hebräische Kenntnisse und ist es ebenfalls anzuerkennen, wie er an besserer Aussprache und richtiger Akzentuierung des Hebräischen festhielt. In Anbetracht all dieser vorzüglichen Eigenschaften und in Anbetracht daß seine musikalische Befähigung vollkommen für seinen Beruf ausreichte, ist er als ein ausgezeichneter Kantor zu rühmen, und wird er gewiß einen lichten Himmelssitz einnehmen und seines Lohnes dort gewärtig sein, der ihm doch auf Erden infolge eines allzu frühen Todes leider nicht beschieden war." Durch diesen Briet des in seinen Ansprüchen an den Kantor als äußerst rigoros und in seinem Urteile als überaus vorsichtig bekannten Großmeisters des Synagogengesanges, Professor S. Sulzer. ist das große Können und die Bedeutung der Lebensarbeit Denhofs ausreichend charakterisiert. Dem Schreiber dieser Zeilen aber gewährt es eine besondere Genugtuung, die Verdienste dieses Vergessenen wieder in volles Licht gerückt und das Wirken des der Jetztzeit fast gänzlich unbekannten, vor hundert Jahren erfolgreich tätig gewesenen Fachkollegen den Zeitgenossen wieder in Erinnerung gebracht zu haben. Heinrich Fischer. Oberkantor im Stadttempel der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde. Anmerkung: Die hier angeführen historischen Daten sind dem II. Bande, 3. Heft der Zeitschrift „Beth-El" (Budapest) entnommen. ■ Orfuodoi Israel. Haifas- 5 S gemeinde Bratislava Prefibnrg S ■_______■ ■ » ■ ■ | Konkurs.* g In der hiesigen orthodox israel. Kultus- £ ■ gemeinde ist die vakante Stelle eines m [ OBERKANTORS I ■ per sofort zu besetzen. ■ ■ Reflektanten, nicht über 40 Jahre, die ■ ■ vorzüglich musikalisch gebildet sind, eine 5 5 angenehme klangvolle Stimme besitzen, m u wollen ihre diesbezüglichen Offerte unter ■ ■ Beischluß von Zeugnis-Abschriften be- 5 a treffs ihrer bisherigen Amtstätigkeit, m m Vorbildung, streng-religiösen Leoens- 8 ■j wandels, Alter und Familienstand, bis u m spätestens 31._ Dezember l. f. einsenden. ■ ■ Gehalt laut Ubereinkommen 8 5 Zu Probevorträgen werden nur direkt m m berufene Kandidaten, die eine Vorprobe ■ ■ mit gutem Erfolge bestehen, zugelassen, 5 J und Reisespesen erhält nur der Akzepm ■ tierte vergütet. » ■ Bratislava-Preßburg, den 30. Oktober 1930. ■ ■ DER VORSTAND » ■ DER ORTHODOX ISR. KULTUSGEMEINDE. £ 5 (Nachdruck wird nicht honoriert.) 5; 8 wohnern Palästinas als eines Ganzen, sondern die Fortentwicklung der bestehenden jüdischen Gemeinschaft (community) mit der Hilfe von Juden in anderen Teilen der Welt, auf daß es ein Zentrum werden kann, an welchem die Judenheit als Ganzes aus Gründen von Religion und Abstammung Interesse nehmen und auf das es stolz sein könne; nur ist es, damit diese Gemeinschaft die beste Aussicht einer freien Entwicklung habe und damit für die Juden volle Gelegenheit gegeben werde, ihre Fähigkeiten zu entfalten, für sie wesentlich, zu erkennen, daß sie in Palästina von Rechts wegen und nicht geduldet sind. Das ist der Grund, warum es notwendig war, das Bestehen eines Jüdischen Narionalheims in Palästina international zu verbürgen, und darum ist es ausdrüc' lieh n!s auf alter geschichtlicher Beziehung beruhend anerkannt worden. Dies ist die Auslegung, welche die Regierung der Deklaration von 1917 (Balfour- Deklaration) gibt und das Staatssekretariat ist der Ansicht, daß, so verstanden, sie nichts enthält oder einschließt, was die arabische Bevölkerung Palästinas erzürnen oder die Juden enttäuschen müßte." Man sieht also, daß es sich hier um eine Deiinition des Wortes „Nationalheim" als einer öffentlich rechtlich gesicherten, international organisierten Heimstätte handelt, zu welcher die Mitarbeit aller Juden willkommen ist (begreiflicher - v/eise!) und deren ganze Verknüpfung mit den Juden der übrigen Welt außer in der Leistungsgemeinschaft darin bestand, daß die Juden das Recht erhielten, an Palästina „Interesse zu nehmen und darauf stolz zu sein". Daß England dieses Palästina als einen nationalen Mittelpunkt der jüdischen Welt ansieht, davon kann keine Rede sein. Es wird sogar mit deutlichen Worten abgelehnt, daß Palästina als Ganzes jüdisch nationalisiert werden solle, obwohl kurz vorher ausdrücklich anerkannt wird, daß die in Palästina wohnende jüdische Bevölkerung infolge ihrer Sprache, ihrer Kultur, ihrer gemeinsamen nationalen und sozialen Einrichtungen „gewisse nationale Merkmale in sich trage". Für uns Nichtzionisten bedeutet also dieser Standpunkt weder in positiver noch in negativer Weise eine Ueberraschung. Wir haben niemals in Abrede gestellt, daß die Juden in Palästina selbst kulturell, >-^AA-AAAAAlAAAAAAAAAAAAAAAAAJ>AAAA. Herren-MaO-Scbnelderel WlOHE&tt BRAUNES I Wien II.. Praterstraße Nr. 2t Gegründet 1900 Telephon R 41-6-64 pempfiehlt sich zur Anfertigung eleganter Herren - Garderoben Orig. englische Stoffe stets lagernd Erstklassige Ausführung Massige Preise 3 Zahiangs-rrlelcfiteren.en *m £ ^rrwvvTfrnmvwfvwwiwvwwwwivwwwwvwwi/* ► ►