Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 44 (31.10.1930)
- Date
- 1930-10-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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äette 4 DIE WAHRHEH Herr Dr. Naderer soll also seine puilosemitischen Bekehrungsversuche freundlichst dort anbringen, wo sie am Platze sind, bei Schulz und Waber, der ja nun glücklich auf der Schober-Liste gelandet ist Dort wird Naderer aber kaum als Beweis für seine Judenfreundlichkeit anfuhren können, daß er momentan gerade in geistiger Gemeinschaft mit einem Juden an einem Theaterstück arbeitet Der Zwischenruf, der ihm da aus der Leopoldstädter Versammlung entgegenscholl, „Wie Sie von den jüdischen Stimmen bei der Wahl profitieren wollen, so wollen Sie es bei dem Drama vom jüdischen SecheH", war in dem zitierten Versammlungsberichte nicht enthalten. Ebenso wenig wußte dieser Bericht die Tatsache zu verzeichnen, daß die massenhaft anwesenden jüdischen Wähler durch ihre Zwischenrufe ebenso wie einige Diskussionsredner dem Vorsitzenden der Versammlung so unangenehm wurden, daß er sich entschloß, die Versammlung vorzeitig abzubrechen. Bei den Leopoldstädter Juden verfängt also der Philosemitismus des $chober-Blocks nicht, dafür bei den Döblinger. Hakenkreuzlern der Antisemitismus. Dr. Schober hat sich da in eine merkwürdige Gesellschaft begeben . . . ■■•MMMaunMiaaaita Ein Wahlmanöver. Am 9. November d. J. wird jeder wahlberechtigte Bürger Oesterreichs Gelegenheit haben, durch die Abgabe seiner Stimme mitzuhelfen, das Schicksal unserer Republik zu entscheiden. In diesem harten Wahlkampfe, der von den Parteien, die um die Stimmen der Wähler werben, geführt wird, ist wieder einmal die Jüdenfrage in den Vordergrund getreten. Leider zieht bei einem Teil der österreichischen Bevölkerung noch immer das Schlagwort vom Antisemitismus, das Schlagwort von dem zerstörenden Einfluß des jüdischen Elementes in Oesterreich. Jüdischer Kapitalismus, jüdischer Bolschewismus sind die Wahlparolen, mit denen die Wähler geködert werden sollen. Es ist wohl die vornehmste Pflicht eines jeden Juden, ohne Rücksicht auf seine soziale Stellung, ohne Rücksicht auf seine wirtschaftliche Einstellung, mit aflen Mitteln die Gleichberechtigung der Juden in Oesterreich, die von unseren Vätern mit ihrem Blute erkauft wurde, zu verteidigen. Ein selbstbewußter Jude, der sich nicht den Vorwurf der Charakterlosigkeit zuziehen will, wird am 9. November keiner jener Parteien seine Stimme geben, die in ihrem Programm versuchen, an dem obersten Grundsatze der Freiheit, an der Gleichheit aller Bürger zu rütteln. Man muß aber ebenso von den Juden verlangen, daß sie der Gegenseite keine Möglichkeit geben, den Beweis für ihre antiseirätische Einstellung dadurch zu führen, daß sie auf -die Juden hinweisen, die sich selbst eine Sonderstellung in nationaler Hinsicht gegenüber den übrigen Staatsbürgern schaffen wollen. Es muß offen bekannt werden, daß durch die Kandidatur der „Jüdischen Liste" Wasser auf die Mühlen des Antisemitismus gegossen wird. Der Parteirat der Zionisten hat in Erkenntnis der schwierigen Situation den Beschluß gefaßt keine Kandidaten aufzustellen. Und trotzdem wird vom Verband der demokratischen Zionisten eine „Jüdische Liste" kandidiert. Das Organ der allgemeinen Zionisten spricht ihr schon aus dem Grunde jede Berechtigung für ihre Kandidatur ab, weil ihr Programm die positiven national-jüdischen Leitgedanken vermissen lasse. Für Demokratie, für die Wahrung der Verfassung gegenüber allen Diktaturgelüsten, für die Ablehnung des Klassenkampfes und für die demokratische Wahlreform will die „Jüdische Liste" kämpfen! Was ist an diesem Programm jüdisch?. Hat die Gruppe des Herrn Stricker angesichts des Debakels der Palästina-Politik jetzt nicht andere Sorgen? Kann sie die Sorge für die Aufrechterhaltung der; Demokratie und der Verfassung in Oesterreich nicht den österreichischen Demokraten überlassen und diese durch ihre Stimmen stärken? Mit vollem Recht bezeichnet die „Stimme" dieses Vorgehen der Stricker- Gruppe als Extratour: * Mit aller Entschiedenheit muß festgestellt werden, daß die Vertreter der „Jüdischen Liste" nicht berechtigt waren, diese irreführende Bezeichnung ihrer Kandidatenliste zu wählen, da dadurch der Anschein erweckt werden könnte, als ob das Wiener Judentum darin vertreten wäre. Es ist daher notwendig, bei dieser Wahl zu beweisen, daß die Wiener Judenschaft nichts mit der „Jüdischen Liste" zu tun hat. '"■••'* Und dieser Mann, der es nicht einmal wagt, sein nationaljüdisches Programm offen zu vertreten, dieser Mann spricht von den Demokraten als „Würdelosen und Ziellosen", die „aufs Geratewohl jüdischen Stimmenfang betreiben". Auch er glaubt, gegen diese Partei mit dem dummen Schlagwort von der „Aussichtslosigkeit" operieren zu können, er, der diesmal glücklicherweise mit seinem allerengsten Anhang ganz allein ist und am 9. November schön allein bleiben wird. Dr. E. F. UHinm wmm n < Einsicht kommt nie zu spät Sehr zu unserem Bedauern müssen wir heute neuerlich feststellen, daß wir damit Recht behalten haben, wenn wir in den letzten Jahren die Jüdischnationalen immer wieder davor warnten, alles auf die englische Karte zu setzen. Bei unseren Warnungen klang uns der im Kriege oft gehörte Ruf ..Perfides Albion" im Ohr, wenn wir uns auch bewußt sind, daß in dieser Bezeichnung eine gewisse Uebertreibung liegt Wiederholt haben wir konstatiert, daß Englands Politiker sich zu allen Zeiten immer nur von rein egoistischen Erwägungen leiten ließen und daß für sie heute wie in den früheren Jahrhunderten immer nur der Grundsatz galt: Right or wrong, my country. Nur aus dieser Einstellung erklärt sich der oft Außenstehenden sprunghaft erscheinende Wandel in den Aeußerungen und Handlungen englischer Staatsmänner. Sie tun in jedem Augenblicke das, was ihnen im Augenblicke nützlich dünkt. Nützlich und notwendig erscheint England angesichts der Vorgänge in Aegypten und Indien, offensichtlich seine Sympathien mit den Arabern zu bekunden. Verwunderlich ist es nur, daß Chalm Weizmann, Felix M. Warburg und Lord M e 1 c h e 11, deren Rücktrittserklärungen von ihren Funktionen wir untenstehend veröffentlichen und die sicher hervorragende Keimer der englischen Eigenart sind, so lange falsche Wege gingen und ihre Anhänger falsche Wege führten. Sollten wir, die wir oft gewarnt haben, nicht die besseren Freunde sein? Das Schreiben Chaim Welzmanns. Unmittelbar nach Veröffentlichung des Berichtes von Sir John Hope S iin s o n und der Regierungserklärung über die künftige Politik Englands in Palästina hat Professor Dr. Chaim Weizmann, wie schon kurz mitgeteilt, an den Kolonienminister Lord Paßiield ein Schreiben gerichtet, in welchem er seine JÄlrüGtZIlTUCIKITI RESIDENZ COLUMBIA „MANNA" FABR. CHEMISCHER PRÄPARATE WIEN II., TABORSTRASSE 22 TELEPHON R 40-6-14 GARANTIERT UNUNTERBROCHENE BRENNDAUER 30 STUNDEN DAS SILBER VON OESTERREICHER Künstlerische Handarbeit aus eigener Werkstatt. Formvollendet in jedem Stück und jeder Einzelheit — Geschenke von unvergänglichemWert. L WIPPLINGERSTRASSE 29 Demission als Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency bekannt gibt. Weizmann schreibt u. a.: „Während der verflossenen 12 Jahre stand ich an der Spitze der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency. Während dieser ganzen Zeit habe ich mich bemüht, in Harmonie mit der Regierung Sr. Majestät zu arbeiten und alle meine Aktionen einem System engster Zusammenarbeit mit ihr anzupassen. Niemand hätte daher mit größerem Eifer als ich auf einen Appell zu weiterer Zusammenarbeit antworten können, wenn für eine solche eine Grundlage vorhanden wäre. Jetzt aber, nachdem die Regierung Sr. Majestät ein Urteil über unser bisheriges Werk gesprochen hat und Entscheidungen getroffen wurden, die unserer künftigen Arbeit schwere Hindernisse in den Weg legen, sehe ich eine solche Basis als nicht gegeben an. Unter diesen Umständen habe ich mich entschlossen, auf mein Amt als Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency zu verzichten und sobald als möglich den Zionistenkongreß und den Council der Jewish Agency einzuberufen, damit diese Körperschaften die in der gegebenen Situation erforderlichen Schritte unternehmen." Felix Warburgs Protest. Herr Felix M. War bürg, Vorsitzender des Administrative Committee der Jewish Agency, hat zum Proteste gegen die neue Palästina-Deklaration der britischen Regierung den Vorsitz im Administrative Committee niedergelegt und diesen Schritt in einer der Jüdischen Telegraphen-Agentur gegebenen Erklärung wie folgt begründet: Die Deklaration der britischen Regierung über ihre neue Politik in Palästina bedeutet einen grausam wirkenden Verrat des Vertrauens, das ihr vom jüdischen Volke entgegengebracht wurde. Der britische Kolonienminister U>rd Paßfield habe , ihm, Warburg, gegenüber eine Erklärung abgegeben, die sich nun als falsch erwies und durch welche das jüdische Volk irregeführt wurde. Dadurch sei es ihm, Warburg, unmöglich geworden, als Vorsitzender des Administrative Committee der Jewish. Agency auch weiterhin Beziehungen zu der englischen Regierung aufrecht zu erhalten. Lord Melchetts Anklage. Lord M e 1 c h e 11, Vorsitzender des Council der Jewish Agency und der Politischen Kommission der Jewish Agency, veröffentlicht eine Erklärung, in der es heißt: , _95s sJateme'" der britischen Regierung über ihre zukünftige Palästina-Politik ist ein beispielloser Akt gegenüber der britischen Judenheit, sowie dem gequälten jüdischen Volke, welches in treuem Glauben an Großbritannien gehofft hat, unter der Aegide der britischen Flagge eine Freistatt zu bekommen. Unter diesen Umstanden halt es Lord Melchett nicht für nutzbringend, die Amtsführung der Jewish Agency fortzusetzen. ipiiiiiiiiuiiiiiiiuiiiim m VORNEHME FAMILIENPENSION H m vormals Dr. GRÜNBERG | 1AM SEMMERINGl H HOCHSTRASSE 43 (BEI HOTEL PANHANS) ( Mäßige Preise (Zimmer mit Pension von S12.— |s aufw.) / Kaffeehaus und M Tanzgelegenheit im H Hause / Besitzer:^ ECKSTEIN / Telephon: M Semmering Nr. 11 H Fließendes Warm-und Kalt- §= wasser in ledern Zimmer llß^Sv^l^ säHs^^s l^iltif :^-^BmiSmiSm.