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Die Wahrheit · 1930-10-17 · Heft 42 (17.10.1930) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 42 (17.10.1930)
Date
1930-10-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Aus dem Wiener Kaltusvorstand. Samstag, den 11. d. M., fand unter dem Vorsitz des Herrn Präsidenten Prof. Dr. Alois Pick eine öffentliche Plenarsitzung des Kultusvorstandes, zugleich die-erste nach den Sommerferien statt, Die Sitzung wurde nach Konstatierung der Beschlußfähigkeit mit einem tiefempfundenen Nachruf des Präsidenten für den kürzlich verstorbenen Kultus- Vorsteher Herrn Kömm.-Rat Max Markus eingeleitet, in dem der Vorsitzende die Tätigkeit des Dahingegangenen, insbesondere um das Versorgungshaus gebührend würdigte. Hierauf begrüßte Präsident Prof. Pick den an Stelle des Herrn Komm.-Rat Max Markus s. A. in den Kultusvorstand berufenen Herrn Komm.-Rat Arthur Albers, der in seiner Erwiderung dem Versprechen Ausdruck verlieh, den Intentionen seines Vorgängers gemäß wie bisher für die Gemeinde wirken zu wollen. Nachdem Vizepräsident Dr. Jakob O r n s t e i n den Vorsitz übernommen und Herrn Vizepräsidenten Dr. Josef Löwenherz das Wort erteilt hatte, hielt dieser der leider viel zu früh verstorbenen Gattin des Präsidenten der Gemeinde, Frau Regine Pick einen von Herzen kommenden und zu aller Herzen gehenden Nachruf, der ebenso wie die vorangegangene Trauerrede von den Anwesenden stehend angehört wurde. In überaus herzlichen wie trefflichen Worten schilderte Herr Vizepräsident Dr. Löwenherz die-überaus großen Verdienste, die sich die Dahingegangene um die Gemeinde, namentlich auf karitativem Gebiete erworben hatte. Noch einmal entstand vor aller Augen das Bild der gütigen Frau, deren Verlust ein schwerer Schlag gewesen, insbesondere für ihren Gatten, dem sie in treuer Liebe bei allen seinen Werken zur Seite gestanden. Dr. Löwenherz versicherte dem Präsidenten, daß in diesen schweren Tagen der gesamte Vorstand und die ganze Gemeinde mit ihm gefühlt und bat ihn, trotz des tiefen Kummers stark zu bleiben. Tiefgerührt dankte Präsident Prof. Dr. Alois Pi ck für die herzliche Anteilnahme und die warme Freundschaft, die ihm in diesen schweren Tagen zum Tröste gereicht habe. Seine tiefe Rührung ließ ihn die Dankesrede nicht beenden und deshalb wurde durch Herrn Amtsdirektor Regierungsrat Guido Fuchsgelb das Dankschreiben zur Verlesung gebracht, das Herr Präsident Prof. Dr. Alois Pick am 10. d. M. an den Kultusvorstand gerichtet hat und das folgenden Wortlaut besitzt: Bitte gütigst entschuldigen zu wollen, wenn ich in meiner gegenwärtigen Gemütsverfassung nicht die entsprechenden Worte finde, um Ihnen allen, hochverehrte Herren und liebe Freunde, entsprechend zu danken für die außerordentliche Ehrung, die Sie meiner dahingeschiedenen Gattin angedeihen ließen. Das würdigste Ehrenbegräbnis, die Wahl der Grabstätte, der sofort erfolgte Blumenschmuck des Grabes meiner teueren Gattin sind die entsprechenden Worte finde, um Ihnen allen, und Sympathie, deren sich die Verblichene bei Ihnen erfreut hat Nie, hochverehrte Herren, werde ich vergessen, was Sie in brüderlicher Liebe für mich getan. In der schwersten Nacht meines Lebens, unmittelbar nach dem Ableben meiner innigstgeliebten Gattin, sind mir die Herren Vize-Präsidenten Doktor Ornstein und Dr. Löwenherz, Herr Börserat Glück, Herr Amtsdirektor Reg.-Rat Fuchsgelb und Herr Amtsleiter Freistadt hilfreich zur Seite gestanden. Von sämtlichen Herren des Kultusvorstandes und der Beamtenschaft wurden mir so zahlreiche Beweise teilnehmender Freundschaft geliefert, daß mich ein Gefühl tiefster Dankbarkeit erfüllt für all die Liebe und Güte, die ich von Ihnen erfahren habe. Sie haben, hochverehrte Herren, meine dahingeschiedene Gattin, wie ich weiß, stets hochgewertet, Sie haben Hu* Andenken in würdigster Art geehrt und mir die wärmste Anteilnahme an meinem schweren Schicksale erwiesen. Ich kann nichts anderes tun, als Ihnen meinen tiefgefühlten, nie erlöschenden Dank ausdrücken. Ihr treu ergebener Freund und Kollege Alois Pick. Nachdem Herr Präsident Prof. Dr. Alois Pick wieder den Vorsitz übernommen, ergriff Amtsdirektor Reg.-Rat Guido Fuchsgelb das Wort zur Berichterstattung über Einlauf und Vortrag des Präsidialberich tes. ' . fra£iii raufe befanden sich u. a. eine Mitteilung des Bethäusvorstandes für den XXL Bezirk, daß" Frau Margarethe Grunwald zur Erinnerung an ihre seligen Eltern. Herrn Dr. Josef Samuel Bloch und dessen Gattin Laura, ein wertvolles Thoramäntelchen für den Gemeändetempel im XXI. Bezirk mit der Widmung gespendet habe, daß dieses Thoramäntelchen jeweils am 24. Tamus, an welchem Tage der selige Herr Dr. Josef S. Bloch als Rabbiner im Bezirke Floridsdorf eingeführt wurde, zur Verwendung gelange. Der Bethausvorstand für den I, und II. Bezirk teilt mit. daß Frau Ernestine Bleier zum Andenken an ihren im Vorjahre verstorbenen Gatten Isidor Blei er für den Stadttempel einen Thoravorhang aus violettem Samt mit Goldstickerei und eine dazu passende Schulchandecke gespendet habe. Aus dem Spenden verzeichnisse seien angeführt: Eine Spende der Herren Ernst und Fritz Hirsch von S 1000.— für das Blindeninstitut anläßlich d£S Ablebens des sei. Herrn Arnold Rosenthal: eine Spende des Herrn Kommerzialrates Richard Lichtenstern von S 400.— für verschiedene Wohltätigkeitsanstalten anläßlich der Wiederkehr des Todestages seiner Gattin Elsa; unter der Chiffre N. N. sind dem Präsidium als Spende für arme Kinder S 300— zugekommen. Dankschreiben sind an das Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde gelangt: Von Herrn Vizebürgermeister Emmerling für die Gratulation anläßlich seines 60. Geburtstages: von Prof. Jehudo Epstein aus dem gleichen Anlasse: von Herrn Justizrat Dr. Adolf Adler für die Beglückwünschung anläßlich seines 70. Geburtstages; von Herrn George Alexander Kohut in New York für die Ueberlassung der Publikationen der „Historischen Kommission der Israelitischen Kultusgemeinde Wien". Die „Anglo Jewish Association" in London hat dem Kultusvorstande in warmen Worten für die Kondolenz anläßlich des Ablebens des Herrn Lucien Wolf s. A. gedankt Von Herrn Regierungsrat Richard Wilhelm ein Dankschreiben für die sorgfältige Pflege, die seine Mutter im SpStale der Kultusgemeinde gefunden und für die würdige Trauerfeier anläßlich deren Ableben. Eine Reihe von Dankschreiben liegt vor von Angehörigen solcher Personen, die in der Versorgungsanstalt der Israelitischen Kultusgemeinde in Pflege gestanden und während der Sommermonate verstorben sind. In all diesen. Schreiben wird die ausgezeichnete Betreuung der Insassen und die hingebungsvolle Tätigkeit der Aerzte und des Pflegepersonales rühmend hervorgehoben. Von Herrn Prof. Dr. Kupfer sind Pastorierungsberichte über die letzten Monate eingelaufen. Dem Akte sind eine Reihe von Dankeskundgebungen aus der Haft Entlassener angeschlossen, welchen durch Inter- ÜU1IIUII! VORNEHME FAMILIENPENSION vormals Dr. GRÜNBERG ■AM SEM HERING M HÖCHSTMASSE 43 (BEI HOTEL PANHANS; j r> -vgggpi^: JvSIPßS^ '-■^^mSBüSi'i Mäßige Preise (Zimmers mit Pension von S12.— H aufw.) / Kaffeehaus und ü Tanzgalegenneit im!Hause / Besitzer: ECKSTEIN / Telephon: M Semmering Nr. Ii §§ Fließendes Warm-und Kaltm Wasser in jedem Zimmers ventionen des genannten Seelsorgers und der freiwilligen Helferin unserer ^„Gefährdeten-Fürsorge", Frau Dr. Langer, der Weg<zur Rückkehr in eine redliche Existenz gebahnt wurde: Aber auch von den Familien von Inhaltbefindlichen sind Dankschreiben für die Unterstützung und den Beistand, den ihnen unsere „Gefährdeten-Fürsorge" zuteil werden ließ, eingelangt und dem Akte angeschlossen. Trotz der ungünstigen Wirtschaftslage hat sich dde Opferwilligkeit unserer Gemeindemitglieder in den ansehnlichen Spenden, welche sowohl in den Gemeindetempeln als auch in den Vereinssynagogen an den hohen Feiertagen bei Aufrufen zur Thora erflossen sind, neuerdings bewährt. Noch liegen abschließende Ergebnisse nicht vor. doch ist zu gewärtigen, daß das Gesamtergebnis nicht wesentlich hinter dem des Vorjahres zurückbleiben wird. Vom Steueramte der Israelitischen Kultusgemeinde Wien liegen Konsignationen über die in der Zeit vom 29. Juni bis 5. September d. J. aus dem Judentume ausgetretenen Kultussteuerträger auf. Dieselben verzeichnen den Abfall von 42 Steuerträgern, von welchen jährlich 20 Personen je S 1.— bis S 10.—. 18 S 10.— bis S 50.— und 4 S 100.— bis S 200.— an Kultussteuern bezahlten: Der statistische Ausweis des Matrikenamtes der Kultusgemeinde für die Monate Juli und August d. J.. weist folgende Daten auf: Zahl der Trauungen 163, Scheidungen 41, Geburten 133, davon 97 männlich, 86 weiblich, Sterbefälle 396, Austritte aus dem Judentum 109, Eintritte in das Judentum 47. Dem Präsidialbe rieht entnehmen wir, nach den einzelnen Zweigen der Gemeindeverwaltung gruppiert folgendes: Kultus. Die vom Kultusvorstande beschlossene R enovierung und Neueinrichtung des Zeremoniensaales des Stadttempels wurde zu Beginn der Ferien in befriedigender Weise zu Ende geführt und während der Sommermonate sind die umfassenden Renovierungs- und Adaptierungsarbeiten im Ottakringer Gemeihdetempel durchgeführt worden, so daß dieses Gotteshaus mit einer würdigen Feier am 18. September d. J. seiner Bestimmung wieder übergeben werden konnte. Für die diesjährigen hohen Feiertage waren dem Mmjanim-Komitee Ansuchen um Bewilligung von sieb- DAS SILBER VON OESTERREICHER Künstlerische Handarbeit aus eigener Werkstatt. Formvollendet in jedem Stück und jeder Einzelheit — Geschenke von unvergänglichem Wert. I. WIPPLINGERSTRASSE 29 zig temporären Betlokalen vorgelegen. In 62 Fällen wurde die Zustimmung erteilt, 8 Fälle wegen Nichtzutrenen der erforderlichen Voraussetzungen abgelehnt Hiervon haben 5 Einschreiter Rekurse an die aus dem Präsidium, dem Obmanne der Kommission I und dem Obmanne des Verbandes der Tempelvereine bestehende öerufungskommission eingebracht und es konnte all diesen Rekursen deshalb stattgegeben werden, weil inzwischen die Umstände, welche für die abschlägige Entscheidung des Minjanim-Komitees maßgebend waren, in Wegfall kamen. Die 67 bewilligten Betveranstaltungen verteilen sich wie folgt: vom Kultusvorstande und den Bethausvorständen wurden 9, von Bethaus- und humanitären Vereinen 45. von Privatunternehmern 13 temporäre Bethäuser errichtet. Der Gesamtfassungsraum dieser 67 temporären Betstätten hat 22.700. der der 81 standigen Bethäuser 23.500 Betsitze betragen, so daß insgesamt an den hohen Feiertagen für 46.200 Personen behördlich normäerte Sitzplätze zur Verfügung standen, wobei der r Tempel des „Verbandes der türkischen Israeliten Wien" nicht inbegriffen erscheint. Durch den Kultusvorstand und die Bethausvorstände wurden an mittellose Personen unentgeltlich Betsitze verabfolgt "n,d. auf Grund vorgebrachter Ansuchen in liberalster Weise Ermäßigungen der Betsitzpreise in den Gemeindetempeln vorgenommen. Ueberdies wurden Betsitzkarten kostenlos an Hochschüler, Mittelschüler, Jugendverbände, die Zöglinge des „Dr. Krüger-Heimes", an Lehrer und Angestellte, an verarmte Gemeindemitgheder und an die Verbände der Kriegsinvaliden zur Verteilung gebracht. Die Zahl dieser Gratiskarten hat hi diesem Jahre 3500 betragen. Für die reifere Jugend beiderlei Geschlechtes ist im Großen Saale des „Hotel Post ein unentgeltlich zugänglicher Gottesdienst veranstaltet worden, der von etwa 500 Teilnehmern besucht war. Besondere Schwierigkeiten waren in personeller Hinsicht zu bewältigen, da durch Erkrankungen sowie durch den vor den Feiertagen erfolgten Abgang mehrerer Funktionäre auch noch in letzter Stunde Ersatzmaßnahmen getroffen werden mußten. Zu den rabbinischen Funktionen in den temporären Bethäusern wurden teils Religionsprofessoren der Mittelschulen teils Hörer der „Israelitischen Theologischen Lehranstalt herangezogen. Soweit sich derzeit bereits überblicken läßt, hat der Betsitzkartenverkauf für die Gemeindetempel wohl in der Zahl der abgegebenen Betsitze eine Steigerung erfahren, doch sind die Einnahmen hierfür infolge der Zunahme der Ansuchen um Ermäßigungen hinter denen des Vorjahres und sohin auch des Präliminares sehr wesentlich zurückgeblieben. Gleich wie in den Vorjahren wurde seitens der Kultusgemeinde für die rituelle Verköstigung der Häftlinge in den Strafgefangenenhäusern und Bezirksgerichten vor und nach dem Fasttage vorgesorgt. Die Kultusgemeinde hat sich an der Aktion gegen die geplante Kalender-Reform intensiv beteiligt. Aus dem Kreise der Wiener Gemeindemitglieder wurden mehr als 20.000 Unterschriften für den Protest gesammelt und an die zuständige Stelle des Völkerbundes weitergeleitet. Unterricht Auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes wurden alle jene Vorkehrungen, welche für den Beginn des Schuljahres 1930/31 erforderlich waren, rechtzeitig getroffen, damit eine möglichst ungestörte Unterrichtserteilung schon bei Schulbeginn einsetzen könne. Zunächst wurde bei der Schulbehörde dahin gewirkt, daß an weiteren drei Volksschulen an Stelle des Sammelunterrichtes, der interne Religionsunterricht eingeführt werde, und eine Verbesserung der Schülergruppierungen im Hauptschulunterrichte für die Bezirke Mariahilf und Neubau in der Weise erreicht, daß nun für jeden dieser Bezirke eine Hauptschulstation für den Religionsunterricht i)esteht. Im Lehrkörper der'.Kjjltusgemeinde hat sich die Veränderung ergeben, daß eine Religionslehrerin wegen ihrer Verehelichung nach auswärts auf ihre Dienststelle resignierte und daß mit Be* ginn des Schuljahres 1930/31 drei Absolventen der ..Religionslebrerbadungs-Anstalt" als Stipendisten be-

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