Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 41 (10.10.1930)
- Date
- 1930-10-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Jüdisdke£tkwentafeh New York. Als Nachfolger von Owen D. Y o u n g aui dem Posten eines Gouverneurs des Federal Reserve Boards der Vereinigten Staaten wurde Bankier Eugene Meyer gewählt. Er wurde 1875 in Los Angeles als Sehn einer elsäßisch-jüdischen Familie geboren. Bereits mit 26 Jahren gründete er eine eigene Bank, die er außerordentlich geschickt und erfolgreich leitete. Im Jahre 1917 zog er sich von den Geschäften zurück. Seit Eintritt Amerikas in den Krieg, bis zur Präsidentschaft Coolidges. war er in Regierungsdiensten und besonderen Missionen tätig, so u. a. Mitglied der beratenden Kommission des Verteidigungsrates der Vereinigten Staaten. Mitglied des Direktoriums für die Kriegsindustrien, 1918 ernannte Präsident Wilson den iüchtfcen Organisator zum Direktor der Kriegsfinanzierungsgesellschaft: er war zuletzt Vorsitzender des Direktoriums für landwirtschaftliche Kredite, er sollte letztes Jahr amerikanischer Botschafter in Deutschland werden. Eugene Meyer studierte zwei Jahre lang in Europa das Banksystem und das internationale Finanzwesen. Die Ernennung zum Leiter des wichtigsten Finanzinstitutes Amerikas und wohl auch der Welt, bedeutet fü Eugene Meyer die Krönung einer glänzenden Laufbahn. New York. Im Alter vpn 74 Jahren verstarb in Long Island Herr Daniel Guggenheim, der amerikanische Kupferkönig und Philanthrop. Sein Vater, Meyer Guggenheim, war aus der Schweiz, wo-die Familie Guggenheim noch heute in Ansehen steht, nach Amerika ausgewandert. Mit 17 Jahren ging er nach der Schweiz, wo er einen Zweig des Geschäftsunternehmens seines Vaters leitete. Später kehrte er nach Amerika zurück und wurde mit der Zeit der Führer der Kupfer- und Zinnproduktion. Vor einigen Jahren zog er sich von aktiver Geschäftstätigkeit zurück und gründete die Daniel und Florence Guggenheim Foundation „für Förderung den Wohlfahrt der ganzen Menschheit", der er Millionen Dollars zuwandte. Er betätigte sich auch im jüdischen öffentlichen Leben und war Vorstelier des Tempels Emanu-El. Durch Zuwendung großer Summen förderte er das amerikanische Flugwesen. Berlin. Frau Professor Dr. Rahel Hirsch, die Leiterin der Poliklinik an der Zweiten Medizinischen Universitätsklinik in Berlin, vollendete jüngst ihr sechzigstes' Lebensjahr. Sie war eine der ersten ASrztinnen, die in Berlin eine staatliche Anstellung erhielten. Auf dem Gebiet der inneren Krankheiten hat Frau Prof. Rahel Hirsch eine große Reihe wichtiger Arbeiten geleistet, z. B. über die Fieber- und Wärmelehre, über Fragen der Drüsen und der inneren Sekretion, über die Basedowsche Krankheit und über Fettsucht. In Vorträgen und Broschüren hat sie sich für die Körperkultur der Frau eingesetzt. Frau Professor Hirsch ist eine Enkelin des hervorragenden Frankfurter Rabbiners Samson Raphael Hirsch. Rom. Laut vatikanischen Blättern hat Papst Pius XI. das Großkreuz des Ordens des Heiligen Sylvester dem Komtur Gui.seppe T o e p 1 i t z verliehen. Toeplitz, der vor vielen Jahren aus Polen nach Italien kam, ist Generaldirektor der „Banca Commerciale Italiana", des größten Bankinstituts in Italien. Gerade wegen seines Judentums war und ist Toeplitz öfter Gegenstand heftiger Angriffe seitens einiger dem Antisemitismus bis zu einem gewissen Maße huldigender Zeitungen. Rom. In Mantua verstarb im Alter von 59 Jahren der berühmte italienische Physiologe Senator Giulio Fano, Mitglied der italienischen Königlichen Akademie de Lincei und seit 19 Jahren Mitglied des Senats. Der Leichnam Prof. Fanos, der einer der führenden Mitglieder der jüdischen Gemeinde zu Mantua war, wurde nach Mantua gebracht und dort in der Synagoge aufgebahrt, von wo aus am 30. September die Bestattung stattgefunden hat. Montevideo. Die Einwohner von Montevideo haben eine öffentliche Zeichnung veranstaltet, um der Stadt zur hundertjährigen Feier der Unabhängigkeit Uruguays ein Denkmal von Prof. Albert Einstein schenken zu können. Das Denkmal soll von einem einheimischen Bildhauer geschaffen werden und die Stadt will es an einem der hervorragendsten Plätze Montevideos aufstellen. Budapest. Einer der brillantesten Publizisten und größten Rechtsgelehrten Ungarns ist mit dem im 78. Jahre seines Lebens verstorbenen Hofrat Doktor Illes Pollak dahingegangen. Scharfsinn, Geist, tiefes Wissen waren die Komponenten seiner Reden und Schriften. Er ist in Szombathely geboren, studierte in Wien und Budapest und ließ sich 1879 als Advokat in Budapest nieder. Er entwickelte neben seiner ausgebreiteten Praxis als berühmter Advokat eine sehr fruchtbare Tätigkeit als Publizist. Er war Präsident des Landesverbandes der Advokaten und Mitglied des juristischen Rates der Kurie. Er schrieb „Sybilla in Rom", ferner das ausgezeichnete Buch „Starke und Schwache", „Das Gesetz des künstlerischen Schaffens", „Der Kampf des Rechtes und des Individuums". Die Zahl seiner glänzenden Essays ist Legion. Wien. Auf dem Wiener Konsulat der Vereinigten Staaten von Amerika wurde zwischen dem jüdischen Krebsforscher Dr. S a 1 z b o r n und dem Präsidenten der großen New Yorker pharmazeutischen Handelsgesellschaft „Venice Corporation of America", Herrn Josef Julius Kraus, ein Abkommen getroffen, wonach dieser sich verpflichtet, den Betrag von 1,000.000 Dollar zur Errichtung eines Forschungsinstituts zum Ausbau der Krebsheilmethode Dr. Salzborns aufzubringen. Als Anzahlung auf diesen Betrag erlegte er die Summe von 50.000 Dollar^ Wie Herr Kraus dem JTA-Vertreten mitteilte, ist er der Förderung seiner Bestrebungen durch zahlreiche jüdische und nichtjüdische Freunde in Amerika sicher. Diese beabsichtigen, eine Anzahl amerikanischer Aerzte zwecks Studiums und späterer Verwertung der Heilmethode Dr. Salzborns in Amerika nach Wien zu entsenden, falls diese Methode, die bisher in 70 Prozent der Fälle von Erfolg begleitet war, sich auch weiterhin bewähren sollte. Das Interesse des Herrn Kraus für Krebsforschung rührt daher, daß sieben Mitglieder seiner Familie an den Folgen von Krebserkrankungen gestorben sind. Gelegenheitskäufe. Benutzen Sie den derzeitigen billigen Silberpreis zur Ergänzung oder Anschaffung Ihres Tafelsilbers, bei Oesterreicher. (Siehe Ankündigung auf Seite 4.) VonWofhe xu Woche Prag. Das durch den Abgang Dr. Heinrich B r od y s seit 1. September freigewordene Oberrabbinat Prags wurde durch die Bestellung Doktor Aladar Deutschs zum Leiter der Agende des Oberrabbinates provisorisch besetzt. Die Schwierigkeiten, einen Nachfolger für Dr. Heinrich Brody zu finden, lagen besonders in der sprachlichen Seite der Prager Oberrabbinatsfrage. Für den Prager Oberrabbiner werden von der tschechischen Oeffentlichkeit die Kenntnisse der Staatssprache geiordert. Dr. Alador Deutsch, der im 62. Lebensjahr steht, ist in Miskolcz in Ungarn geboren, studierte an ungarischen Talmudhochschulen und kam 1900 nach Prag, wo er Rabbiner am Jerusalem- Tempel wurde. Zur Entscheidung über religiöse Fragen und zur Aufsicht über die rituellen Institutionen Prags wird ein Dajan bestellt werden. Zwei verdienstvolle Siebziger. In besonders feierlicher Weise wurde Dienstag, den 7. Oktober d- J. (1. Tag Sukoth) imNeudegger-Tempel der 70. Geburtstag des langjährigen überaus verdienstvollen Vizepräses Herrn Ludwig M e d a k und des bewährten Vorstandsmitgliedes Börserat Paul B j e h a v y begangen. Im testlich geschmückten und beleuchteten Gotteshause fanden sich unter anderen ein: Herr Vizepräsident Dr. J. Ornstein in Vertretung der Israelitischen Kultusgemeinde, Herr Börserat I. G1 ü c k in Vertretung der Organisation der Wiener Tempelvereine, Vertreter zahlreicher Wohltätigkeitsvereine, der Gesamtvorstand des Josefstädter Tempelvereines mit Präses Direktor A. Stein an der Spitze sowie zahlreiche Freunde und Verehrer der Familien Medak und Bjehavy. Nachdem die Jubilare zur Thora gerufen wurden, verdolmetschte zunächst Präses A. Stein die aufrichtigsten Glückwünsche des Vorstandes und der Mitglieder und dankte beiden Herren für ihre großen und unvergänglichen Verdienste um den Tempelverein. Herr Rabbiner Doktor M. Bauer feierte die Jubilare in einer großangelegten, schwungvollen Ansprache als Männer, die während ihres langjährigen Wirkens auf verschiedenen Gebieten die Fahne des Judentums in Ehren hochgehalten und vorangetragen haben, und dankte ganz besonders Herrn Vizepräses L. Medak für seine beinahe 50jährige opferwillige und opferfreudige Tätigkeit im Tempelvereine. Herr Vizepräsident Dr. Jakob Ornstein verlieh den Glückwünschen des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde passenden Ausdruck und wies in einer von persönlicher Wärme durchdrungenen, überaus geistreichen Rede auf die hohe Wertschätzung hin, die Herrn Vizepräses Medak und Herrn Börserat P- B j e h a v i von weitesten Kreisen gezollt wird. Er dankte Herrn L. Medak speziell für seine langjährige ersprießliche Tätigkeit als Mitglied der Bezirkskommission. Börserat I. Glück dankte im Namen der Wiener Tempelveretne den Jubilaren für ihre hingebungsvolle, langjährige Tätigkeit für die Organisation. Beide „Siebziger" haben sich dadurch, daß sie immer nur das Edle und Gute erstrebt und gefördert haben, zahlreiche Freunde und Verehrer geschaffen. Wenn Redner sich heute der Prachtvolle echte Perserteppiche durchwegs selten günstige Gelegenheitskäufe sowie elegante Möbel, wie Speise-, Schlaf- und Herrenzimmer werden zu ganz außerordentlich billigen Preisen abgegeben. Besichtigung ohne jeden Kaufzwang im WIEDNER MÖBELHEIM INN. JULIUS GOTZL Handelsger. beeid. Sachv. n. Sch&tsneister IV.,SCHLEIFMÜMLGASSE 1. TELEPHON B 24-1-62 An unsere Glaubensgenossen? Ein harter, grausamer Winter naht und soweit nur möglich, denkt schon heute jeder daran, sich gegen die Unbilden der Kälte zu schützen und sich und seinen Lieben ein behagliches, wärmendes Heim für die rauhe Jahreszeit zu bereiten. Mit Schrecken und Grauen aber gedenken wir der vielen Unglücklichen unter unseres Glaubensbrüdern. der frierenden Kinder, der Kranken, der arbeitslos Umherirrenden, die keine warme Stube zu Hause finden, die den Gefahren der kalten Jahreszeit täglich und stündlich ausgesetzt sind. Der jüdische Frauenverein Leopoldstadt leitet soeben eirie Kohlenaktion für diese Aermsten u» dl« Wege. Cr will Kohle für sie beschaffen, und zwar sogleich, wo sie noch zu erschwinglichen Preisen zu haben ist. Für billiges Geld möglichst viel Kohle! Er bittet jeden, ein Scherllein zu dieser Aktion beizutragen! Auch die kleinste Gabe ist willkommen. Wer rechtzeitig gibt, gibt doppelt und dreilach. Mit wärmsten Danke F. d. Vorstand des jüdischen Frauenvereines Leopoldstadt Margarete Grunwakt, Präsidentin. Spenden sind zu richten an die Redaktion der Wahrheit, IL, HeinestraOe 13, und werden daselbst ausgewiesen. Schar der Gratulanten freudig anschließt, so geschieht dies, um verdienstvolle Männer, die jugendfrisch geblieben, zu ehren. Die kantoralen Funktionen versahen die Herren Oberkantor Landau und I. Kantor Grob mit verstärktem Chore. *~i. Wiener Bet Hamidrascb, 11.. Teinpelsas.se 3. Vorlesungen im Wintersemester 1930/31 (5691). Sonntag 5 bis 6: Rabb. Lektor Dr. Rubin, Mid rasch, 6 bis 7: Rabb. Lektor Dr. Rubin, Talmud (Berochoth). Montag 6 bis 7: Rabb. Dr. Rosenmaiin, ausgewählte Kapitel aus Jesaia, 7 bis 8: Prof. Dr. Kraus, Geschichte der Juden im Mittelalter. Dienstag 6 bis 7: Prof. Dr. Kraus, Geschichte der Juden im Mittelalter, 7 bis 8: Prot. Dr. Kraus, Entstehung und bedeutung der Synagoge. Mittwoch: 6 bis 7: Rabb. Dr. Rosenmann, Ausgewählte Kapitel aus Jesaia, 7 bis 3: Rabb. Lektor Dr. Rubin, M i d r a s c h. D o n n e r s t a g: 6 bis 7: Rabb. Dr. Taglicht, Koheleth. 7 bis 8: Rabb. Dr. Murmelstein, Geschichte der Rabbinischeu Literatur. Samstag 11 bis 12: Prof. Dp. Kraus, Entstehung und Bedeutung der Synagoge, 4 bis 5: Rabb. Lektor Dr. Rubin, Bibelvortrag. Die ersten Vorlesungen iinden Samstag, den 18. Oktober (Schabbos Bereschis) von 11 bis 12 und von 4 bis 5, die feierliche Eröffnung des Wintersemesters Sonntag, den 19. Oktober, 6 Uhr abends, 11., Tempelgasse 3, statt. „Ohel Rachel", Verein zur unentgeltlichen Ausspeisung Jüdischer Notleidender (II.. Kleine Pfarrgasse 8). Bei der am 28. September abgehaltenen Trauerkundgebung für das verstorbenes Ehrenmitglied Herrn Komm.-Rat Max Markus hielt der Präsident des Vereines „Ohel Rachel" einen tiefempfundenen Nachrur, worin er die besonderen Leistungen des Verstorbenen gedachte. Es wurde beschlossen, den Dahingeschiedenen im Haskarahbuch des Vereines einzutragen. Eingesendet Die Betenden des temporären Bethauses der israelitischen Kultusgemeinde (Dresdnerstraße 51) fühlen sich verpflichtet, dem ihnen von der Kultusgemeinde für die hohen Feiertage zur Veriügung gestellten Prediger, Absolvent der Theologie und Philosophie N. H. Frostig für die Ausübung der rabbinischen Funktionen, insbesondere für seine vorzüglichen Predigten, die sämtliche Zuhörer mit Begeisterung erfüllten, aufs herzlichste zu danken. Tlmtfidfe VerfautÖarungen der Jsrae/ttischen Xuftusgemeinöe Wien Predigten in den israelitischen Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Am kommenden Schlußfeste (Dienstag, den 14. d. M.) werden in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen bei dem um X-9 Uhr beginnenden Morgengottesdienste Predigten abgehalten, und' zwar: Wien I., Seitenstettengasse 4 (Rabbiner Dr. M- Grunewald); Wien IL, Pazmanitengasse 6 (Rabbiner Dr. Z. Taubes); Wien V., Siebenbrunnengasse ta (Rabbiner Dr. M. G. Mehr er); Wien VI., Schmalzhofgasse 3 (Rabbiner Dr. J. Drobinsky); Wien VIII., Neudeggergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Bauer); Wien XIII., Eitelberggasse 22 (Rabbiner Dr. M. Lew in); Wien XV., Turnergasse 22 (Rabbiner Dr. J. Taglicht); Wien XVI., Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach); Wien XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. F e u c h t w a n g); Wien XXL, Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenmann). — Am Vorabende des achten Festtages, Schlußfestes (Beginn 5 Uhr nachmittags): Wien IX., Müllnergasse 21 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz).