Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 41 (10.10.1930)
- Date
- 1930-10-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Wahrheiten vom Saite An der Klagemauer darf nicht Schofar geblasen werden. Der Jom Kippur ist in Jerusalem im allgemeinen in vollster Ruhe und Ordnung verlaufen. Nur an der Klagemauer kam es zu einem Zwischenfall, als ein junger Jude forderte, daß Schofar geblasen werde, und laut rief, d i e Regierung habe kein Recht, religiöse Gebräuche zu verbieten. Ein jüdischer Polizeioffizier bemühte sich zunächst, den jungen Mann durch den Hinweis, daß R a b b i K o o k m i t dem betreffenden Regierungsverbot einverstanden sei, zu beruhigen, mußte aber schließlich seine Verhaftung anordnen. Auf dem Marsche eingeschlafen. Die antireligiöse Kampagne, welche von den jüdischen Kommunisten für Rosch Haschanah proklamiert wurde, ist völlig wirkungslos geblieben. An beiden Rosch Haschanah-Tagen waren die Synagogen j ri Moskau und in den übrigen Städten Rußlands überfüllt. Der von den jüdischen Kommunisten geplante antireligöse Marsch fand nicht statt. Die Charkower jiddisch-kommunistische Zeitung „Stern" schreibt in einer Betrachtung über das Versagen der antireligiösen Propaganda „Unsere Kulturbrigaden Haben geschlafen, statt zu marschieren". Die nicht-jüdische Presse Sowjetrußlands hatte die jüdischenKommunisten in ihrer antireligiösen Kampagne nachdrücklich unterstützt. In vielen Städten hatten die nichtjüdischen Zeitungen seitenlange Artikel in jiddischer Sprache über den Kulturmarsch gegen die Religion gebracht Hebräisch oder Jiddisch, das ist die Frage! In T e I - A w i w haben kürzlich Kundgebungen gegen die- Aufführung eines Films mit Zwischentexten in jiddischer Sprache stattgefunden. Von den Demonstranten sollen sogar Stinkbomben geworfen worden sein. Die Polizei sah sich zur Räumung der Straßen veranlaßt und der Bürgermeister hat die Aufführung des Films verboten. Diese Demonstration beweist, daß die Unvernunft der Gegner des Jiddischen ebenso groß ist wie die Unvernunft der Jiddischisten, welche auf dem Berliner Kongreß für das arbeitende Palästina gegen eine hebräische Begrüßungsansprache protestierten. In einer Kundgebung des Kongresses rügte der Belgier Pierard mit Recht diese Lust an Differenzierungen und mahnte zu einer Einheit der Herzen, auch wenn Unterschiede der Gehirne vorhanden sind: Das sollten sich die Fanatiker bei den Jiddischisten und bei der Hebraisten, die beide ein Patent auf die jüdische „Volkssprache" zu besitzen glauben, gesagt sein lassen. Es ist ein unmöglicher Zustand, daß man sich über die tschechischen Chauvinisten in Prag, welche, gegen deutsche Tonfilme. protestiert haben, lächerlich macht und' dann im eigenen Hause die gleiche Intoleranz bekundet. Zionisten sprengen die „Jüdische Einheit". Der vor kurzem zustande gekommene zionistische Wahlblock hat beschlossen, mit der Agudas Jisroel kein Bündnis anläßlich der kommenden Wahlen zum Sejm zu schließen. Somit werden die Zionisten und die Agudisten getrennt zur Wahl marschieren, wobei jede der beiden Gruppen je einige wirtschaftliche Organisationen hinter sich haben wird. Das Wahlkomitee der Agudah macht in einem Aufruf die Zionisten für das NichtZustandekommen der jüdischen Einheitsfront verantwortlich, während der Führer der radikalen Zionisten Grünbaum und der Misrachi- LEBENSVERSICHERUNGS-GESELLSCHAFT PHÖNIX WIEN. 1. BEZIRK, RIEMERGASSE 2 Versicherungsbestand per Mittte 1930......... 2450 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahmen . im Jahre 1929 ...... 125 , » Garantiemittel per Ende 1929 300 „ „ Auszahlungen an die Versicherten im Jahre 1929 ......SO'/, , b II Herrenand Danenhleider nur la Qualitäten, nach Maß und fertig -Hl. lagernd, eventuelle Zahlungserleichte- J9H& rangen bis zu 1 Jahr werden gewährt KLEIDER-UNION ttWrcNVLKisernena.6 Tel. B202-15 führer Farbstein in einer Pressekonferenz darlegten, daß die Einheitsfront darum nicht zustande kommen konnte, weil die Zionisten von ihrem Standpunkt, daß eine unabhängige jüdische Politik geführt werden müsse, nicht abweichen konnten. Noch gelten Gesetze in Bayern. In Koburg, wo die Nationalsozialisten bekanntlich die absolute Mehrheit im Stadtverordne'tenkollegium besitzen, war der Beschluß angenommen worden, die israelitischen Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses als nicht gewählt zu betrachten. Auf die Beschwerde der israelitischen Kultusgemeinde hat die bayerische Regierung den Stadtratsbeschluß als u ngesetzlich kassiert. Fricks Haßgebete amtlich zurückgezogen. Im Amtsblatt des thüringischen Volksbildungsministeriums wurde folgende Bekanntmachung, die der Minister Frick selbst unterzeichnet hat, veröffentlicht: „Die im Amtsblatt des thüringischen Ministeriums für Volksbildung vom 22. April 193Q veröffentlichte Empfehlung von Schulgebeten vom 16. April 1930 ist, soweit sie sich auf die Gebete Nr. 2, 3 und 4 bezieht, mit Art. 148, Abs. II der Reichsverfassung nicht vereinbar. Wir bringen dies hiermit zur Kenntnis." Diese Bekanntmachung muß Herrn Frick sehr schwer gefallen sein. Gerechtigkeit für die Juden! Das Ausland hat den Wahlerfolg Hitlers im allgemeinen ablehnend kommentiert. Nur die Presse des Lord R o t h e r.m e r e mächt eine Ausnahme. „Daily Mail" und „Daily Expreß" geben sich mit dem ihnen eigenen tiefen Verständnis für das, was Europa braucht, alle Mühe, Herrn Hitler zum „großen Mann" zu stempeln!Und der „VölkischeBeobachter" bringt Leitartikel anerkennenden Tones über den gleichen Lord Rothermere, den er noch vor wenigen Wochen zum — Juden ernannte. Um so erfreulicher ist es, daß „Daily Expreß" in seiner Nr. vom 17. September einen Aufsatz: „Gerechtigkeit für die Juden" veröffentlichte, in dem es heißt: „Europa durchzieht gegenwärtig eine ungeheure antisemitische Welle. Welche Bedeutung diese Bewegung auch immer gewinnen mag, in Großbritannien dürfte sie keinen Fuß fassen. Wir schätzen in unserem Land die treibenden Kräfte der Juden und die Förderung, die sie dem Geistes¬ und Kunstleben angedeihen lassen. Die kaufmännischen und geistigen Eigenschaften der Juden treten in England deshalb besonders stark in die Erscheinung, weil man sie in keiner Weise beengt. Bei uns ist die Judenfrage durch das völlige Aufgehen der Juden in unser vielgestaltiges öffentliches Leben gelöst worden, und das Volk ist darum um so reicher und glücklicher. Auf dem Kontinent wird man auf die Dauer schon einsehen, daß es keine andere. Lösung gibt. Es gibt sympathische und unsympathische Juden, ebenso wie es sympathische und unsympathische Nichtjuden gibt. Verfolgt aber eine . Nation die Juden als Gesamtheit, so ist das ein Eingeständnis der Dekadenz und Schwäche." Sir Herbert Samuel — Helfer iu der Not. Wie der Londoner „0 b s e r v e r" meldet, sind in Indien telegraphische Meldungen eingetroffen, denen zufolge Lord Zetland (Earl of Ronaldshay), ehemals Gouverneur von Bengalen, den ihm gestellten Antrag, Nachfolger von Lord Irvin auf dem Posten eines Vizekönigs von Indien zu werden, abgelehnt habe und für diesen Posten den früheren High Commissioner für Palästina, Sir Herbert Samuel, in Vorschlag brachte. Der Vetter von Sir Herbert, der verstorbene Edwin S. Montagu, bekleidete seinerzeit die Stellung eines Staatssekretärs für Indien. Als solcher hatte er die neue englische Politik in Indien durchzuführen, die sich die Aufgabe gestellt hat, für eine wachsende Beteiligung von Indern an allen Zweigen der Verwaltung Sorge zu tragen und die schrittweise Entwicklung von Selbstverwaltungseinrichtungen im Hinblick auf die künftige Errichtung eines verantwortlichen indischen Regimes im Rahmen des britischen Weltreiches vorzubereiten. Eine Fortsetzung dieser Politik unter Leitung von Sir Herbert Samuel hätte sicherlich günstige Rückwirkungen auf die unleidlichen Verhältnisse in Palästina. Der Patriotismus der jugoslawischen Juden. Der jugoslawische Ministerpräsident General Pera Zivkovic empfing in Zagreb eine jüdische Abordnung, die ihm den Dank für „das Oesetz über die Religionsgemeinschaft der Juden" ausdrückte. In seiner Antwort sagte der Ministerpräsident u. a.: Die Juden waren in Serbien immer im vollen Genüsse der Gleichheit und G fe i c h b e r e c h t i g ü n g, in bezug auf Religion wurde dort überhaupt nie ein Unterschied gemacht. Besonders die Juden Belgrads standen im Kriege und im Frieden unter den Ersten, die iür das Vaterland wirken. Sie zeigten vollkommenes Verständnis für die südslawische Idee. Mit Nachdruck gab der Ministerpräsident seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß dieses Verständnis ebenso auch bei den Juden Zagrebs herrscht. Darauf betonte Dr. Hugo Kon, Gemeindepräsident und Führer der Abordnung, daß gerade die Judenschaft Zagrebs volles Verständnis für die Idee der Vereinigung der Südslawen bekundet hat. Der Großrabbiner von Jugoslawien, Doktor Isak Alkalay hat für die Oeffentlichkeit folgende Erklärung abgegeben: „Die Juden in diesem Staate waren immer ein zuverlässiges und loyales Element. Mit der durch das Manifest Seiner Majestät des Königs geschaffenen Lage sind die Juden besonders zu frieden. Dies ist die Stimmung und Meinung aller Juden in diesem Staate." — Am 28. September wurde auf dem jüdischen Heldenfriedhof in Zagreb das von der dortigen „Chevra Kadischa" gestiftete Denkmal für die jüdischen Opfer des" W e 11 k r i e g c s eingeweiht. Vertreter der jugoslawischen Armee, der Organisation jugoslawischer Reserve-. Offiziere und Krieger, sowie der Zivilbehörden, haben an der Feier teilgenommen. Die Numerus clausus-Tragödie in Ungarn. Das Budapester jüdische Blatt „E g y e n 1 ö s e g'*: gibt in seiner Rosch Haschanah-Nummer einen Ueberblick über die grausame Auswirkung des Numerus clausus auf jüdische Studierende. Von 900 jüdischen Inskriptionsbewerbern wurden nur 106, welche das Abitur mit Auszeichnung bestanden hatten, zum Studium an der Budapester Universität zugelassen. 44 ebenfalls ausgezeichnete Abiturienten wurden zurückgewiesen. Noch schlimmer sind die Verhältnisse an den Provinzuniversitäten. Einer Mitteilung des Debreczener „Hirlap" zufolge wurde dem besten Mittelschüler des letzten Jahres. Eugen Samuel, der nicht nur das Abitur mit höchster Auszeichnung bestanden, sondern auch in einem offenen Wettbewerb aller ungarischen Mittelschüler den ersten Preis in Mathematik errungen hat, die Immatrikulation an der Universität Debreczen verweigert. Der Schuß ins Zentrum. Wahlversammlung des Zentrums am Vorabend der deutschen Reichstagswahl in Berlin. Der jüdische Kandidat Georg K a r e s k i. verficht in eindrucksvoller Weise seine Kandidatur und führt aus: „Man hat es in jüdischen Kreisen bemängelt, daß ich nicht zumindest an aussichtsreicher Stelle kandidiere, und fragt: Warum ausgerechnet erst an zehnter Stelle?", worauf prompt laut und vernehmbar der Zwischen-, ruf erfolgt: „Als Min janmarin". Aus dem Lehrbuche Starhembergs. „Der ganze Nationalsozialismus wäre nichts wert, wenn er sich nur auf Deutschland beschränkt und nicht mindestens 1000 bis 2000 Jahre lang die Herrschaft der hochwertigen Rasse über die ganze Welt besiegelte." * „Die Triebkraft zu den gewaltigsten Umwälzungen liegt in einem die Masse beseelenden Fanatismus und manchmal in einer sie vorwärts jagenden Hysterie." (Hitler: „Mein Kampf".) ECHTE PERSERTEPPICHE werden, solange der Vorrat reicht, mit kleinem Nutzen im Wiedner Möbelheim. Inhaber Julius Götzl. handelsger.' beeideter Sachverständiger und Schatzmeister. 1V„ Schleifmühleasse 1 a. abgegeben. _' NEUERÖFFNETE REICHHALTIGE, MODERNE LEIHBIBLIOTHEK DER BÜCHERSTUBE M. RATH WIEN II., TABORSTRASSE Nr. 20a TEL R 43-1-58 ALLE NEUERSCHEINUNGEN! REICHE AUSWAHL IN HEBRAIKA UND JUDAIKA in englischer und französischer Literatur MONATSGEBUHR NUR S 3.— KEINE BANDGEBÜHR! TÄGLICHER UMTAUSCH!