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Die Wahrheit · 1930-10-10 · Heft 41 (10.10.1930) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 41 (10.10.1930)
Date
1930-10-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DBS "WAHRHEIT r* \« ■ \ t :Ü < => 1 t %K " Aus den " überaus zahlreichen Zustimmungserklärungen, <he aus ganz Deutschland eingelaufen sindv und die ersehen lassen, daß in weitesten; Kreisen, namentlich unter dem Eindruck der letzten politischen Entwicklung, der Schritt als das Gebot der Stunde und geradezu als erlösende Tat empfunden, wird, seien genannt: Ministerialrat A.. Abramowitz, Prof. Dn Max Ap t, Generaldirektor Felix Benjamin, Prof. Dr. Cora Berliner, Prof. Georg Bernhard, Geheimtat Prof. Dr. Ferdinand ' Blumenthal, Prof. Dr. Albeft Einstein, Univ.-Prof. Dr. Halbe rstädter, Dr. h. c. Aron Hirsch, Dr. med. Joseph Hirsch, Staatssekretär Prof. Dr. Julius Hirsch, Dr. Herbert Kann, Frau Dr. Erna Magnus, Reichsbahndirektor Martin Rosenfeld, Geheimrat Prof. Dr. Rosin, Justizrat Dr. Ph. Salomen, Dr. Hans Schäffer, Geheimer Justizrat Berthold Timendorfer, Stadtrat Dr. Treite.1, Syndikus Dr. Leon Zeitlin (M. d. L.). — Weiterhin haben bereits mehr als' 50 Gemeindevorsitzende äus dem Reich und eine große Anzahl von Rabbinern ihre Bereitwilligkeit erklärt, sich der Vereinigung anzuschließen. Die Vereinigung hat'auch in namhaften Kreisen der Jugend begeisterte Zustimmung gefunden, die neben dem großen .Aktionsausschuß der Vereinigung einen besonderen Ausschuß zur Durchsetzung der Idee gebildet hat. « » Sfi Abgesehen von der Zweckmäßigkeit eines solchen Schrittes ist für uns österreichische Juden auch die hervorragende soziale Stellung der Unterfertiger des Aufrufes beachtenswert, die sich — anders wie in Oesterreich — zu freudiger Mitarbeit und Einsetzung ihrer ganzen Person bereit gefunden haben, da die. Not der Zeit sie alle auf den Plan rief. i KULTUR DES TISCHES Feuer! Eine katastrophale Feuersbrunst ergreift einen Flügel des Weltjudentumes nach dem anderen. Das Mohammedaner tum, das aliein mehr als ein Sechstel der Menschheit ausmacht, hat sich in einem einzigen Jahre vom Freund zum Feind gewandelt. In Deutschland schießt die Drachensaat Hitlers üppiger, als er selbst geahnt hat, in die Halme und eifert zahllose Länder zur Nachahmung an. Aber unsere berufenen jüdischen Führer stehen diesem riesenhaften Brandherde, ihrer Aufgabe unbewußt, mit einer unbegreiflichen Passivität gegenüber. Wir haben gar nie daran gedacht, daß mit dem Wachstum der Aufgaben des Judentums, auch die Gefahr wächst, niemand hat ernstliche Untersuchungen über Feuers¬ und Einsturzgefahr beim Palästina-Aufbauwerk gemacht öder verlangt. Der allgemein große Fehler unserer Weltorganisationen liegt in dem Mangel der bei großen Bauten im erhöhten Maße nötigen feinen geometrischen Messungen. Das noch in den Eierschalen des Ghettos steckende Judentum war bisher nur an Errichtungen von Kleinbauten geschult. Wir haben keine größere Schule als die Gemeindeverwaltung gehabt. Der Aufbau einer Gemeinde gleicht dem Bau eines ebenerdigen, im besten Falle zweistöckigen Hauses. Ein solcher Bau bedarf keinei peinlich korrekten Messungen. Im besten Falle genügt das Senkblei. Der Grundstein muß nicht so sorgfältig in Fels oder Beton gebettet iwerden. Der Palästina-Aufbau gleicht aber dem GOstöckigen Großhause, dessen Sicherheit nur durch die allerfeinsten geometrischen Berechnungen garantiert wird. Den Unterschied haben wir nicht begriffen, haben das Großhaus Palästina mit der Ungenauigkeit des Baues eines drei Stock hohen Hauses zu bauen begonnen und stehen ratlos da, weil das Haus beim vierten Stocke zu wackeln angefangen hat. Wer will leugnen, daß wir sowohl in Palästina als bei allen Weltorganisationen einfach blind darauf losbauen und von nichts anderem gesprochen haben als vom Gelde, das zum Ankaufe der Ziegel, der Chaluzim, nötig ist. Wir haben uns ebensowenig mit der Einsturzgefahr als mit der Feuersgefahr beschäftigt. Wir haben weder die Mahnung von Geometern beachtet, die wir als Korrektheitfexen verlacht haben, noch uns um die Warnung bekümmert, daß unsere Politik in Erez Israel und in der Diaspora Judenhaß erregen müsse. Es sind fünf Jahre her, daß ein deutscher Orientkenner in den Süddeutschen Monatsheften" über seine Erfahrungen in Palästina berichtet und erstaunt gefragt hat, ob die zionistische Leitung denn nicht fürchtet, „daß eine aufquellende Zornkonvulsion der Araber das Häuflein Zionisten in Palästina einfach zerquetschen könne". In diesen Blättern ist bereits einmal in kurzer, prägnanter Weise die Verfehltheit der nationalen Politik in dem einen Satz zusammengefaßt worden: Statt nationale Minoritätsrechte in Palästina und Majoritätsrechte (allgemeine bürgerliche Gleichheitsrechte) im Galuth zu verlangen, hat man Majoritätsrechte in Erez Israel gefordert und nationale Minoritätsrechte in Europa! Ceterum censeo: Friede mit den Mohammedanern um jeden Preis und Abbau der jüdischen Minoritätspolitik! Das wären freilich proohylaktische Mittel, die angesichts des in hellen Flammen lohenden Antisemitismus nicht mehr hinreichen, die antisemitische Gefahr zu beseitigen. Besonders schwierig ist der Fall D e u t s c h 1 a n d, wo die Motive des Antisemitismus zu fein differenziert sind, um mit einem einfachen Rezepte abgetan zu werden. Jedenfallsist jüdischer Nationalismus eine verkehrte Behandlung. Diese Forderung ist weder gerecht noch gesund. Die Forderung des natio- ^^fntHfnftTnfntH«nt»tnfnfifnninf»»innftfifn»f»minmftHtfuiijf»<n»nrminnin»»nnnnnfMinininfn^ m VORNEHME FAMILIENPENSION ■ vormals Dr. G R UN BERG 1 AM SEHHERING M HOCHSTRASSE 43 (BEI HOTEL PANHANS) * Mäßige' Preise (Zimnrer mit Pension von S12.— aufw.) / Kaffeehaus und Tanzgelegenheit im Hause / Besitzer: ECKSTEIN / Telephon: Semmering Nr. 11 Fließendes Warm-und Kaltwasser in jedem Zimmer 1 Uli nalen Minoritätsrechtes ist an eine Scholle gebunden. Sie kann gerechterweise nur von Nationalitäten erhoben werden, welche ein historisches Recht auf den Boden haben, auf dem sie leben, welcher : Boden durch brutale Macht von einer anderen Nation erworben < worden ist. Die nationale Minderheit muß nebst ihren historischen Rechten mit dem Bauernstand im Erdreich wurzeln, muß Anrainer des Mutterlandes sein und ihre eigene Sprache reden. Durch Abwehr-Literatur allein wird die antisemitische Gefahr nicht gebannt werden SILBERBESTECK VON OESTERREICHER WIEN I. WIPPLINGERSTRASSE 29 können. Auch nicht mit Zauberflüchen, wie „Kulturschande" oder „Giftgewürm". Es ist vielmehr hoch an der Zeit, in allen Organisationen ernstere und verantwortliche Personen an die Spitze zu setzen und auf allen Gebieten die „Extremisten" und „Maximalisten" auf Urlaub zu senden. Das Spielen mit Zündhölzchen muß verboten werden! Es ist die Eigenart der Judenfrage, daß man niemals eine Verständigung mit dem Gegner versucht hat und ich bin kühn genug, zu behaupten, daß ich an die Möglichkeit einer Verständigung zwischen jüdischen Führern und antisemitischen Führern glaube. Zur Verständigung braucht man aber Verständige. . S. B., Budapest, * * * - . : Abwehrkampf gegen den Antisemitismus. In einem Nachwort zu dem Sieg der Nationalsozialisten bei den jüngsten deutschen Reichstägswahlen kommt der Direktor des „Centrai- Vereines" Ludwig H o 11 ä n d e r auf die Methoden zu sprechen, die nunmehr gegen die nationalsozialistische Gefahr seitens der deutschen Judenschaft anzuwenden wären, und setzt sich hierbei mjt den Jüdischnationalen folgendermaßen auseinander: Es wird jetzt von jüdischnationaler Seite betont, die Frage der Ueberwindung der Nationalsozialisten durch die deutschen Juden sei vom Schicksal der Gesamtjudenheit nicht abzutrennen. Es sei zweifelhaft, ob die Arbeit überhaupt notwendig, ob sie möglich sei. In jedem Falle könne die Judenfrage im „Galuth" nicht gelöst werden. Die Methoden des Kampfes gegen den Nationalsozialismus müßten von Grund auf geändert werden. Obwohl wir gerade in dieser schweren Zeit jede unnütze innerjüdische Auseinandersetzung zu vermeiden wünschen, müssen wir doch hierauf erwidern: Soll damit die alte jüdischnationale Gedankenführung verbunden sein, soll Seit vielen Jahren das anerkannt beste 3 Jahrzeitlicht B^b-natw Man achte auf die ges. gesch. Marke „Hyglen. Königslicht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengasse 3 Telephon R 33-1-87

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