Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 40 (3.10.1930)
- Date
- 1930-10-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064145-3064184--18081-3083074- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4 DDE WAHRHEIT Aber das Lebensbild der Verblichenen wäre nur mangelhaft und lückenhaft, wenn wir hier nicht ihrer rastlosen Tätigkeit als Präsidentin des Schutz-Damen- Komitees des Charlotte Merores-ltzeles-Waisenbauses für israelitische Mädchen gedächten. Sie war kinderlos wie die Gründerin dieses Hauses und immer, wenn wir eine geistig und seelisch so hochstehende Frau sehen, der das Geschick es versagt hat, sich in der edelsten Bestimmung des .Weibes, der Mutterschaft, auszuleben, schwebt uns das wunderbare, ergreifende Bild der tiannah vor unserem Auge, die alljährlich zu dem Heiligtum nach Siloh pilgerte, um von dem Allerhöchsten Kindersegen zu erflehen, da, wie die Bibel es ausdrückt, „ihr Mutterleib verschlossen blieb". Und wir hören die vorwurfsvolle Frage ihres Gatten Elkana: „Bin ich dir nicht werter als zehn Kinder?" Und diese Frau vereinigte die beiden schönsten Seiten echtester Weiblichkeit zu vollster Harmonie. Sie war die zärtlichste, die Hebevollste, die fürsorglichste Gattin, aber sie war auch Mutter, zwar nicht eigener, aber fremder Kinder, und nicht nur von zehn Kindern, sie zog vielmehr ganze Generationen verwaister Mädchen heran. Nichts, was das Merores-Waisenhaus betraf, war ihr fremd. Die Sorgen dieses Hauses, die doch in unseren Tagen der wirtschaftlichen Not alle wohltätigen Anstalten bedrücken, sie waren ihre Sorgen. Sie sicherte für die Zeit ihres Lebens durch ihre rastlose Tätigkeit den finanziellen Bestand des Waisenhauses. Denn ihrer Bitte konnte sich niemand, auch der Hartherzigste, nicht verschließen. Sie sorgte für das „Gewand, in das wir uns kleiden", das wir in diesen Tagen vor der offenen .Bundeslade für uns alle erflehen. Sie war unermüdlich tätig für den Chanukka-Gabentisch für unsere Waisenkinder, welcher ihnen immer reichliche, nützliche Geschenke für das ganze nächste Jahr brachte. Sie war die Seele aller Veranstaltungen zum Zwecke der Stärkung der Mittel der Anstalt. Zu allen diesen Mühen und Sorgen traten die seelischen Beziehungen zwischen ihr und den Kindern. Sie kannte jedes Kind, ihre werktätige Teilnahme galt jedem einzelnen Mädchen. Wie rührend war es zu sehen, wenn eines unserer Mädchen in schwerer Krankheit das Krankenhaus unserer Gemeinde aufsuchen mußte, wie oft eilte sie dann in dieses Haus und saß an dem Bette des Kindes und ihre linde, kühle Hand legte sie auf die fieberglühende Stirn der Kranken. Und so galt von ihr der Spruch unserer Weisen: Wer eine Waise in seinem Hause großzieht, der wird gewertet, als ob er ihr das Lebeii verliehen hätte. Und das erkannten unsere Kinder und deshalb liebten sie die, die ihnen so das Leben verliehen hatte: sie liebten sie, unsere Kleinsten, unsere Kleinen und unsere Großen. Denn nur mit tiefer Rührung konnten wir es sehen, wie alle, so oft sie unser Haus verließ, sie umdrängten und sie umringten, sie herzten, sie küßten und sie liebkosten. Und auch, wenn unsere Kinder das Haus nach vollendeter Erziehung verlassen mußten, da war sie es. die sich bemühte, für sie eine Stellung zu verschaffen, um ihnen so den Kampf des Lebens zu erleichtern. Und sie alle wußten, daß sie sie in ihrem Hause aufsuchen durften, um bei ihr Rat zu holen, daß sie auch dort ihnen ein volles offenes Mutterherz darbot. Und darum wollen wir jetzt, bevor wir sie auf ihrem letzten Gange begleiten, ihr Dank sagen. Dank im Namen der Gemeinde, im Namen ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, im Namen der vortrefflichen Leitung unseres Hauses und aller unserer Angestellten und auch vor allem im Namen unserer, ihrer Kinder. Und wollen ihr danken, ihr, der guten, der gütigen, der liebevollen, der lieben und geliebten Mutter. Und nun geht es ans Abschiednehmen. Aber gibt es wirklich einen Abschied von einer so lieben Weggenossin, mit der wir so viele Jahre Hand in Hand den gleichen Zielen zustrebten? Nein! Ihr verklärtes Bild wird immer in unserem, ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Herzen eine geweihte Stätte finden und Ihr Kinder nehmt die Erinnerung an sie in Euer künftiges Leben mit, denn sie war wirklich Eure zweite Mutter. Und wenn wir sie nun in ihr kühles Grab betten sollen, dann wollen wir unsere Herzen zu Gott, dem Herrn, den wir auch, wenn er uns seine schwersten Heimsuchungen und die bittersten Prüfungen sendet, den Allgütigen, den AHerbarmenden nennen, emporheben und zu ihm beten: Herr nimm in deiner Huld und Gnade ihre edle Seele auf in dein lichtes Himmelsreich und gewähre ihr. die auch eine Kämpferin war, eine Streiterin für dein hocherhabenes Gotteswort, für dein heiligstes Gebot, die Waisen zu schützen, zu stützen und zu hüten, deinen heiligen ewigen Frieden. Und nun wollen wir sie.* die Mutter, unserer Allmutter, unserer gütigen Mutter Erde anvertrauen, die Erde sei ihr leicht! Nun wurde der Sarg von den Delegierten der Chewra Kadischa gehoben und zur letzten Ruliestätte getragen. Langsam bewegte sich der Trauerzug zu dem Ehrengrab vor der Zereinonienhalle, wo Oberkantör G. M'argulies Trauerchorale unter Assistenz der vereinigten Chöre des Stadt- und Leopoldstädter Tempels anr stimmte. Die Waisenkinder warfen Schnittblumen ihrer teuren Beschützerin in das offene Grab und die ersten Erdschollen glitten in die Tiefe. Tiefempfundene Kondolenzschreiben sandten: Bundeskanzler Polizeipräsident Dr. J. Schober, Bundesminister für soziale Verwaltung Professor Dr. 1 n n i t z e r, Bürgermeister S e i t z, Polizei- Vizepräsident Dr. Pamer, Stadtrat Hugo Breitner, für die Stadtgemeinde Baden bei Wien Bürgermeister K o 11 m a n n und Vizebürgermeister B r u s a 11 i u. a. m. * * * Von einer dem Merores-Heim sehr nahestehenden Seite wird uns geschrieben: Am Tage nach Rosch Haschonoh haben wir Frau Regine Pick zu ihrer letzten Ruhestätte begleitet. Fassungslos standen wir an ihrem Grabe voll heißen Schmerzes über den Verlust einer großen Persönlichkeit. Der Tod kam so unerwartet und riß eine Lücke, die sich so bald nicht schließen wird. Es ging ein Mensch von uns, der stets voll sprühenden Lebens war und überall, wo er erschien, Leben und Bewegung um sich verbreitete, eine Frau, die die Gewähr bot für das Glück vieler Menschen, immer bereit, andern Freude und Glück zu verschaffen. Wir können es kaum glauben, daß wir von ihr nun sagen müssen: Sie war!, von ihr, deren Anwesenheit in unserer Mitte uns stets ein Fest war und die uns menschlich sofort so nahe kam, weder durch Rang noch Stand von irgend einem getrennt sein wollte. Ihr ganzes Wesen war erfüllt von LepUllllllililllllllilllllH m VORNEHME FAMILIENPENSION H H vormals Dr. GRÜNBERG | IAH SEMHERINGl H HOCHSTRASSE 43 (BEI HOTEL PANHANSj jj Mäßige Preise (Zimmer 1| mit Pension von S12.— m aufw.) / Kaffeehaus und m Tanzgslegenheit im Hause / Besitzer: ECKSTEIN / Telephon: M Semmering Nr. 11 jg FlIeBendes Warn-und Kaltm _ wasser in jedem Zimmer || ^niinniffniHiHiiiniEiiniiinuiHiiiuiuiiiiuiiniuiiminBiniiinmEiRiniiniiiiniiiiHiinniiiinniiiHiHmnii^ bensfreude und Lebenswillen, ihr Herz voll Güte und Mütterlichkeit. Sie hatte keine eigenen Kinder, doch war sie hundert fremden Kindern eine wahre Mutter. Wenn sie auf dem Wege in das von ihr betreute Heim, dem sie als Präsidentin des Schutzdamenkomitees vorstand, von weitem sichtbar wurde, liefen ihr die Kinder, von Freude erfüllt, bis ans Tor, bis auf die Straße entgegen und sie betrat, von jubelnder Kinderschar umringt, das Haus. Für jedes einzelne fand sie den richtigen Ton, der zum Her- Jzen drang; sie geizte nicht mit ihrer Liebe, die sie immer und immer aus dem reichen unversiegbaren Born ihres Herzens schenkte, aus ihrem tiefen, J '4* A r '■'i-Ai'W^^^^i ■ '^tSÄ-li^raB^^. ■flpSM ^^^SilEiÄS Seit vielen Jahren das anerkannt beste Jahrzeitlicht fiyb-netw Man achte auf die . gesch. Marke „Hygien. Königslicht" und Name chulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengasse 3 Telephon R 33-1-87 DAS SILBER VON OESTERREICHER Künstlerische Handarbeit aus eigener Werkstatt. Formvollendet in jedem Stück und jeder Einzelheit — Geschenke von unvergänglichem Wert. I. WIPPLINGERSTRASSE 29 großen, mütterlichen Fühlen für jedes Kind. Sie forschte in den Gesichtern der Kinder nach einem iiir fremden Zug der Seele und sah sie ein Gesicht, das nicht strahlte, ließ sie nicht ab, bis sie den Grund der Verschattung kannte, um ihn zu bannen. Ihr scharfer Verstand erkannte bald die Begabung der einzelnen, um diese nach Tunlichkeit für die Berufswahl heranzuziehen, und die vom Schicksal am schlechtesten bedachten Kinder erfreuten sich ihrer besonderen Fürsorge. Nicht die Frau Präsidentin, nicht die Frau Professor war sie für ihre Schützlinge; sie wollte es sein und war es: die liebe Tante. In ernster, unermüdlicher Arbeit war sie für das Wohl der Kinder, für den Bestand des Hauses tätig. Sie wußte jeden, manchmal sogar gegen dessen Willen, für „ihr Heim, ihre Kinder" zu interessieren und war unermüdlich bestrebt, dem Waisenhaus neue Freunde zu gewinnen. Aber nicht nur solange die Mädchen Schützlinge des Heimes waren, sondern auch nach Verlassen desselben fanden sie Zuflucht bei ihr. Sie war für jede zu jeder Zeit zu sprechen, interessierte sich für den Weg, den die Mädchen im Leben nahmen und oft und oft wurde ihr guter Rat eingeholt, ihre wertvollen Empfehlungen und ihre tatkräftige Unterstützung in Anspruch genommen. So war sie allen ein Gegenstand höchster Verehrung und innigster Liebe, und nun sie von uns geschieden ist, bleibt tiefste Verstörung zurück. Was sterblich an ihr war, umschließt nun ein enges Grab, doch ihr Geist, ihr Herz, wird ferner unter uns weilen und uns anspornen, in ihrem Sinne weiter zu arbeiten. ECHTE PERSERTEPPICHE werden, solanee der Vorrat reicht, mit kleinem Nutzen im Wiedner Möbelheim. Inhaber Julius Götzl. handelsger. beeideter Sachverständiger und Schätzmeister. IV- Schleifmühleasse 1 a. abgesehen. : Gelegentlich der hohen Feiertage j [ verschönern Sie Ihre Mahlzeiten mit I ■ ■ 1 Calqa Fett fasane. 1 ■^■^■■^■^■■^■^^■^■^■^■■■^■^■^■^■^■^■^■^■^■^■^■^■^■1 ■ ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^■■^■^■^w™ : die mit Zeugnis des ehrwürdigen Rabbinats der \ : Budapester Orthodoxen Gemeinde versehen sind : ■ ■ 5 Preis bis auf weiteres, Leben da nkunft garantiert, für 5 1 Stück Galga Fettfatan-Henne S 12.50 j : 1 t, Galga Fattfasan-Hahn S 15.— : i ab Station Tura, Com. Pest (Ungarn) gegen vorherige Kassa. I Bei Bestellungen von wenigstens 5 Fasanen Verpackung S ■ gratis, unter 5 Stack wird der Selbstkostenpreis (S 1.50) in! Rechnung gestellt! ■ Aufträge erbeten an das Verkaufsbureau der ' [ I fialqa Ungarische Fasanen Farm, Tura i ■------- * B ^^^^^^^^■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■•■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■j \ Budapest, V., Nädor-uf ca 19 j Telegr-Adr.: Olivax Budapest j