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Die Wahrheit · 1930-09-22 · Heft 38-39 (22.9.1930) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 38-39 (22.9.1930)
Date
1930-09-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 I Teppichhaus WIEN I., Rotentnrmstraße 20 XUL, Linzerstraße 60 GRAZ Margasse 6 ORENDI S.KHEIN A.G..WIEN I.» Bauernmarkt Nr. 10, 12. 14 VH., Marlahllferstraße 90 (EckeZleglerc) Damit ist aber nicht alles getan. Ueber die Abwehrtätigkeit hinaus ist uns ein weiteres Betätigungsfeld zugewiesen, das von uns und für uns fruchtbringend gemacht werden muß. Die „Union" muß in positiver Richtung anstreben, die tatsächliche und unantastbare Gleichstellung und Gleichberechtigung der österreichischen Juden und ihre Wertung als vollberechtigte Glieder der staatlichen Gemeinschaft zu erringen. Die Tatsache, daß unsere Gleichberechtigung in den Verfassungsgesetzen, totem Papiere, verankert erscheint und daß keine Ausnahmsgesetze gegen die Juden bestehen, darf und kann uns nicht allein genügen. Wir müssen vielmehr mit aller Energie und Zähigkeit das Ziel verfolgen, der papierenen Bestimmung lebendigen Inhalt zu geben und unserer gesetzlichen Gleichberechtigung auch im praktischen Leben Geltung zu verschaffen! Es ist unsere Aufgabe, die Einstellung unserer nichtjüdischen Mitbürger in dem Sinne zu beeinflussen, daß sie erkennen, daß wir gleich ihnen ein Teil — und wahrlich nicht der schlechteste — des ganzen Staatsvolkes sind und daß wir alle auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden sind. Wir müssen auf die .Mentalität der gesamten Bevölkerung einzuwirken trachten, daß sie sich zur Judenheit und zum Judentum in einer Weise einstellt, die den tatsächlichen Verhältnissen und der Wahrheit entspricht, daß sie erkennen lernt, daß wir auf Grund unserer jahrhundertelangen Ansässigkeit in diesem Staate und unserer jahrhundertelangen innigen Verbundenheit mit seinen Geschicken längst in diesem Staate das Heimatrecht erworben haben und daß wir ein Recht darauf besitzen, ein Recht, das sie respektieren muß, uns selbst als Teil des österreichischen Volkes zu bezeichnen und ausnahmslos von allen auch als solcher gewertet zu werden. Wir wollen von niemandem, am wenigsten aber von unseren jüdischen Mitbürgern, als Minderheit im nationalen Sinne angesehen werden und lehnen daher jede Sonderstellung ab. Der Abstammung, der Religion, der Geschichte nach bilden wir eine Minorität. Ein Teil des Staatsvolkes bekennt sich zum Judentum, die Judenheit Oesterreichs aber, das ist die Summe der auf dem Boden dieses Staates wohnenden Juden, ist keine Minorität im nationalen Sinne, sie ist ein Teil des Gesamtvolkes, der verfassungsmäßig die gleichen Rechte besitzt wie jeder andere Teil des Staatsvolkes. Unter Wahrung alles dessen, was uns zu Juden macht, sagen wir: Wir sind Juden und Oesterreicher. Das ist unsere Gesinnung und Aufgabe unseres Gelegentlich der hohen Feiertage verschönern Sie Ihre Mahlzeiten mit Calqa Fettfasaite die mit Zeugnis des ehrwürdigen Rabbinats der Budapester Orthodoxen Gemeinde versehen sind Preis bis anf weiteres, Lebendankunft garantiert, for 1 StDck Galqa Fettfaian-Henne S 12.50 1 ,i Galga Fettfasan-Hahn S 15.— ab Station Tura, Com. Pest (Ungarn) gegen vorherige Kassa. Bei BesteUungen von wenigstens 5 Fasanen Verpackung gratis, unter 5 Stack wird der Selbstkostenpreis (S 1-50) in Rechnung gestellt Aufträge erbeten an das Verkaufsbureau der Baloa llnoapisciiB Fasanen Farm. Tura Budapest, V., Nädor-utca 19 Telegr-Adr.: Olivax Budapest ■aaBaaBaaaBaaaaaaaaaaaaaaaa; IImmer an der Spitze durch Lelstunäsiamithclt, Gediegenheit der Ware, Blesenamiralil und muuuiell Vereines ist es, diese Gesinnung zu pflegen, zu erhalten und zu stärken. Hand in Hand mit der Abwehrtätigkeit muß demnach die praktische Betätigung unseres Bekenntnisses zu diesem Staate gehen, eine Vertiefung unserer inneren Verbundenheit mit dem Geschicke aller in diesem Staate Lebenden, die Betonung der Zugehörigkeit zu diesem Staate und zur jüdischen Gemeinschaft. Nicht nur abwehren, sondern aufklären, Vorurteile beseitigen, die Meinung bekämpfen, als ob wir Minderwertige und Fremde in diesem Staate wären, ringen um die Anerkennung als Vollbürger und dieses Vollbürgertum praktisch betätigen, das ist Ziel und Aufgabe unserer Vereinigung. Diesem Ziele wollen wir unbeirrt zustreben und diese Aufgabe wollen wir erfüllen unter der Devise: „Nimmer sich beugen — kräftig sich zeigen!" Die Lehren aus dem Ausgang der deutsehen Reichstagswahlen. Dr. Max Lenk. Das Wahlergebnis vom letzten Sonntag zeigt die Erscheinungen eines vom Fieber geschüttelten kranken Körpers. Der Erreger der Krankheit üegt in der fortdauernden Erniedrigung des deutschen Nationalgefühles, in dem durch den Friedensvertrag und die Reparationslasten dem deutschen Volke auferlegten Frondienst zu Gunsten der Siegerstaaten, in der mm schon allzu lange andauernden wirtschaftlichen Depression und der daraus folgenden Erbitterung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, in der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit der heranwachsenden jungen Generation und nicht zuletzt in dem Mangel des deutschen Wählers an politischem Verständnis. Radikale Gruppen mit undurchführbaren Programmen, geführt von leichtfertigen Schwätzern und bedenkenlosen Radaubrüdern, vermochten die wirtschaftliche Notlage und die innere Zerrissenheit des deutschen Volkes für ihre demagogische Verhetzung auszunützen, das ganze Land durch ihre Drohungen mit Diktatur und Terror in diesen fieberhaften Zustand der Erregung und des Schreckens zu versetzen. Die Ursachen einer Krankheit erkennen, heißt den Weg zu ihrer Heilung finden. Der Wahlausgang, der für Deutschland eine schwere Erschütterung der innen- und außenpolitischen Lage bedeutet, sei ein warnendes M e m e n t o, gerichtet an die Adresse der Staatskanzleien Frankreichs, Englands und Amerikas, den Clemenceau'schenGeistderRache und der Wiedergutmachung aus dem Versailler Vertrag zu entfernen, gerichtet an die Staatsmänner und Wirtschaftsführer Europas, im Interesse der eigenen Länder paneuropäisch zu denken un<f zu handeln, gerichtet an die deutschen Mittelparteien und die Sozialdemokratie, den Bogen nicht zu überspannen und unter Zurückstellung alles Trennenden einträchtig zusammenzustehen in der Abwehr der antidemokratischen Umsturzparteien, die das Bestehende niederreißen wollen, ohne Neues aufbauen zu können. Wäre ein solcher Block der staatserhaltenden Parteien bereits während der Wahlbewegung zustande gekommen, besäße der deutsche Bürger den notwendigen staatspolitischen Sinn, dann hätte der Ausgang der Wahlen denn doch ein weniger trauriges und den deutschen Bürger weniger beschämendes Bild geboten. Dann hätte aber auch das jüdische Lager nicht jenes beklagenswerte Schauspiel der Verwirrung und der Zerfahrenheit gezeigt, dann hätte auch die überwiegende Masse der deutschen Judenschaft trotz ihrer vielfältigen sozialen und wirtschaftlichen Schichtung klar erkannt, in welchen Reihen ihr Platz ist. Noch niemals stand die deutsche Judenschaft bisher einer derartigen „schlagkräftigen" Organisation von durch dünkelhaften „Idealismus" und Chauvinismus vernetzten, zu jeder Verleumdung, Gewalttat und unmenschlicher Gemeinheit fähigen Antisemiten gegenüber. Das Ziel der Nationalsozialisten ist die Vernichtung der Ehre, der politischen Rechte und der wirtschaftlichen Stellung der Juden. An Zahl wohl schwach im Verhältnis zur Gesamtheit des Volkes, vermögen die Juden an Einfluß stärker zu sein1, als ihrer Zahl entspricht, wenn sie sich — ohne Rücksicht auf ihre soziale Stellung — zum gemeinsamen Tatwillen zusammenschlössen, auch in ihren Reihen alles Trennende zurückstellend, um durch besonnene Abwehr und mutige Aufklärung das Gift der Verhetzung und Verleumdung unschädlich zu machen. Das ist die Lehre, die wir Juden aus den deutschen Wahlen ziehen müssen in allen Ländern, in denen der Jude noch nicht als gleichgeachteter Bürger gilt. Einheitlichkeit und Einigkeit im jüdischen Lager, ohne selbst Trennungsmauern aufzurichten gegenüber unseren andersgläubigen Mitbürgern, das muß unsere Losung sein. In Abwehr und Aufklärung müssen wir Juden, ohne Rücksicht auf unsere persönlichen Interessen, zusammenstehen. Und vor allem sei so manchen unserer jüdischen Mitbürger, die einer höheren gesellschaftlichen Schichte angehören, um ein Wort Schobers zu variieren, gesagt: Auch aus dem jüdischen Schiff kann man nicht aussteigen. In allen jüdischen Fächern gut bewanderter, religiöser Privatlehrer, französisch und englisch sprechend, sucht passenden Posten. Unter S691 an die Adm. d. Blattes. JÄlHIIRZiflfyClHITilR RESIDENZ COLUMBIA ■ „HANNA" FABR. CHEMISCHER PRÄPARATE jj WIEN II.« TABORSTRASSE 22 TELEPHON R 40-6-14 ■■■mhhhi GARANTIERT UNUNTERBROCHENE BRENNDAUER 30 STUNDEN

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