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Die Wahrheit · 1930-09-05 · Heft 36 (5.9.1930) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 36 (5.9.1930)
Date
1930-09-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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yndisdkelhxentafeL Der hamburgische Senat überreichte am 26. August »n feierlicher Sitzung dem Hamburger Bankier Dr. Carl Melchior, Mitinhaber des Hamburger Bankhauses Warburg, die Bürgermeister-Stolten-Medaille, die bisher nur wenigen hervorragenden Hamburgern gegeben worden ist. Bürgermeister* Roß würdigte dabei die Arbeit, die Melchior seit den Tagen des Waffenstillstandes bei allen mit dem Versailler Vertrag in Zusammenhang stehenden internationalen Verhandlungen als Vertrauensmann der Reichsregierung geleistet hat. Er wies darauf bin, daß die unerschütterliche Sachlichkeit Melchiors bei der Behandlung finanzieller und wirtschaftlicher Probleme auch Verhandlungsteilnehmer der Siegerstaaten nach ihrer eigenen Aussage zuerst von der Untragbarkeit der Belastungen Deutschlands durch den Friedensvertrag überzeugt habe. Geleitet von der Erkenntnis einer friedlichen Verständigung, aber mit klarem Blick für die ungeheueren Schwierigkeiten, die sich ihr entgegenstellten, habe Melchiorals ein vorbildlicher Bürger Hamburgs und des deutschen Volksstaats f jü r s e i u V o 1 k gearbeitet. _' Gelegenheitskäufe.. Benützen Sie den derzeitigen billigen Silberpreis zur Ergänzung oder Anschaffung Ihres Tafelsilbers, bei Oesterreicher. (Siehe Ankündigung auf Seite 4) Wahrheiten vom Ja&e „Die" Kellner haben rote Haare. In der Berliner „Deutschen Allgemeinen Zeitung" wendet sich Dr. Friedrich Lange in einem Aufsatz ,,W i r Reichsdeutschen bitten . . ." gegen die Verallgemeinerungssucht, die das Verhältnis zwischen Oesterreichern und Reichsdeutschen trübt. Dr. Lange schreibt unter anderem: „Werft, liebe Volksgenossen von Donau, Drau und Inn, uns nicht alle in einen Topf! ... Es gibt keinen Normal typ des Oesterreichers (bei 6.5 Millionen) und ebensowenig einen Normaltyp des Reichsdeutschen (bei 65 Millionen). Wenn einem von euch ein Mann in Xdorf oder ein junges Mädchen in Yhausen etwas Schnippisches oder etwas Verletzendes sagt, so rügt es — aber ihr könnt doch bei ruhiger Ueberlegung selbst kaum sagen, daß danach die 65 Millionen Volksgenossen beurteilt werden dürfen! Ihr kennt doch die Geschichte von dem englischen Reisenden, der im Kaffeehaus am Kärntnerring von einem Kellner mit roten Haaren bedient wurde und in England schrieb: ,In Oesterreich haben die Kellner rote Haare . .' ... Falsche Verallgemeinerungen trüben unseren Brüdern und Schwestern in Oesterreich häufig den Blick für das im Reich Geleistete." Dieses Beispiel läßt sich ohne weiteres auch gegen die judenfeindlichen Verallgemeinerungsmethoden ausnutzen! Ein nationalsozialistischer — Neger. In einem Nationalsozialisten-Prozeß, der vor dem Wiesbadener Gericht verhandelt wurde, spielte auch ein Neger eine interessante Rolle. Unparteiische Zeugen bestätigten, besondere Erregung habe in einer Hakenkreuzlerversammlung eine Bemerkung des nationalsozialistischen Redners. des Justizbeamten (!) Piekars ki, hervorgerufen, daß für Juden als Rassefremde kein Platz in Deutschland sei, während gleichzeitig ein der nationalsozialistischen Partei angehörender Neger der Versammlung beiwohnte. Vor Gericht erklärte nun Piekarski, daß dieser Neger „nicht mehr" zur Partei gehöre, sondern Mitglied dies Stahlhelms sei. Daß überhaupt einmal der schwarze afrikanische Bruder deutscher Nationalsozialist sein konnte, nehme man mit wohlwollendem Lächeln zur Kenntnis! . Halsmann als Briefschreiber. „Vatermörder" Halsmann hat aus seiner Haft Briefe an eine Freundin geschrieben. Sie waren urindisches Mäddicnintcrnat in Paris ab 15. September eröffnet! FBr Junge Mädchen von 14-20Jahren herrlich gelegenes Institut, 20 Zimmer, wunderschöner Park, mütterliche Fürsorge. Im jüdischen Mädcheninternat werden durch geprüfte Professoren sämtliche europäische Sprachen unterrichtet. Verlanget Auskunft und Prospekte. Einziges jüdisches Mädcheninternat. Mme. Dr. Szarvas Villa Genevieve, 14 Ad. de Robinson, Robinson beaulieu de Paris (Seine). sprünglich nicht für die Oeffentlicbkeit bestimmt. Mit Rücksicht auf ihren Wert für die Beurteilung des Charakters Philipp Halsmanns hat sie Karl Blank gesammelt und vor kurzem bei J. En gel hörn herausgegeben. Hier eine charakteristische Probe: „In Deinem ersten öden vierten Brief an mich sagtest Du, Du möchtest allein bleiben, weil ich Dich nur au Deiner Arbeit und an der Verfolgung Deines Weges hindern würde. Nun, ich glaube, ich habe es damals nicht oder nur wenig getan. Jetzt aber tue ich es. Es ist verantwortungslos von mir, wenn ich Dir ein Jahr lang rührende Briefe aus der Haft schreibe. Ich störe und hindere Dich an allem und dieser Gedanke geht mir sehr nahe. Ich bitte Dich daher, daß Du Dich weniger um mich kümmerst, daß Du versuchst, mich aus Deinen Gedanken zu verdrängen, und Dich nicht durch mich in irgendeiner Beziehung stören läßt. Denn ich weiß nicht, welch ein Recht ich habe. Dich in dieser Weise an Deinem Leben zu hindern. Ich wii nicht davon sprechen, ob es mir leicht oder schwer fällt. Dir dies zu schreiben. Aber ich will Dir sagen, daß nichts sich in meiner Einstellung und Achtung vor Dir ändern wird, wenn Du meinen selbstverständlichen Rat befolgst, und daß ich nicht gerührt sein werde, wenn Du ihn ablehnst. Ich habe kein Recht, durch rührende Briefe ein fremdes Leben aus seiner Bahn zu bringen und es vielleicht zu zerstören. Bitte, überleg' Dir die Antwort, besprich sie mit jemand, zu dem Du Vertrauen hast. Wie gesagt, ich rate Dir dazu." So schreibt ein „Vatermörder". Diese bewundernswerte Noblesse des Empfindens, die geradezu an Peter Altenberg gemahnt, legt ein junger Mann an den Tag, der seinen VateT auf heimtückische Art umgebracht haben soll! Der Kuckuck kenne sich in der Psychologie so eines Mörders aus! Da liegt die Sache bei den Geschwornen doch viel einfacher: Er ist ein Jud\ noch dazu ein Ostjud' und daher schuldig. — Beide können nicht anders: Geschworene nicht und Angeklagter. Und aus dem Zusammenstoß dieser zwei Welten entstehen dann vier Jahre Zuchthaus. VonWodie zu Wodke Hochzeit im Pariser Hause Rothschild. Gemäß dem ausdrücklichen Vermächtnis von Meier Amschel Rothschild ist die Trauung eines Fa-. milienmitgliedes dieses Hauses in herkömmlicher jüdischer Weise zu vollziehen. Dies war auch der Fall bei der dieser Tage in Paris erfolgten Trauung der jüngsten Tochter von Baron Eduard de Rothschild, Baronesse Jacqueline, mit einem Sohn des bekannten Pariser Verlegers Robert Kalman-Levi. Zur Trauung hatten sich zahlreiche Vertreter der Weltfinanz, Literatur, Kunst und Politik eingefunden^ Die religiöse Trauungszeremonie wurde vom Grandrabbin Israel L e v i feierlich vollzogen, der in einer ergreifenden Ansprache an das junge Paar auf die unvergänglichen Leistungen der Rothschilds, besonders auf humanitärem Gebiete, hinwies- Baron Eduard de,Rothschild hat anläßlich der Hochzeit seiner Tochter zahlreichen philanthropischen Organisationen bedeutende Spenden überwiesen. Trauung. Sonntag, den 31. August L J., fand im festlich beleuchteten S t a d 11 e m p e 1 die Trauung des Fräulein Ciaire Haber. Tochter des Bethausvorstehers der Israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Direktor Julius Haber, mit Herrn Alexander Polak statt. Unter den zahlreichen Anwesenden bemerkte man den Vizepräsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Herrn Doktor Jakob Or n st ein. die Bethausvorsteher: Präsident Dr. Münz, Berger, Den es, Ernst. Kommerzialrat Landesberger, Otto, Planer, Rosen, V o g 1, Medizinalrat Weiß, Amtsdirektor Regierungsrat Dr. Adler, Rabb. Dr. Kaminka, Delegierte verschiedenen Wohltätigkeitsvereine, darunter eine Abordnung des jüdischen Frauenvereines Leopoldstadt Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald verlieh nur den Gefühlen der vielen Freunde des Vaters der Braut, zu denen er selbst seit langer Zeit gehört, entsprechenden Ausdruck, als er in einer von persönlicher Wärme durchdrungenen Rede auf die hohe Wertschätzung hinwies, die dem Brautvater von weiten Kreisen gezollt wird. Er betonte sodann das Teligiöse Empfinden und den Wohltätigkeitssinn beider Familien, das von den Großeltern auf die Eltern und von diesen auf die Kinder übertragen wurde, und ermahnte das Brautpaar, stets eingedenk zu bleiben der grenzenlosen Liebe und Treue der Eltern sowie der Erziehung, die sie ihnen haben angedeiherr lassen, um auf dem festen Grund dieser echt jüdischen Tugenden das neue Haus aufzurichten. Eine tiefe Rührung ergriff die Zuhörer, als Dr. Grunwald die Braut an die Tugenden ihrer in Gott ruhenden Mutter erinnerte. Schließlich flehte Redner nach altjüdischer Sitte den Segen des Allmächtigen auf dieses wahre Herzens- und Seelenbündnis herab. Die kantorale Funktion versah Oberkantor Heinrich Fischer mit großer Assistenz. Todesfall. Ein kluger Mann, voll Eifer für jüdische Angelegenheiten, ist von uns gegangen. Am 31. August verschied nach langem, schwerem Leiden Herr Redakteur Jakob Krausz im 62. Lebensjahre. Seine Studien absolvierte er in Neutra, Preßburg und Budapest, kam dann nach Wien und wurde unter anderem Mitarbeiter jüdischer Zeitschriften. Der Verstorbene war auch jahrelang im Sekretariate der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde hervorragend tätig. Als er vor Jahren, bei Gründung der „Wiener Morgen-Zeitung" deren Redakteur wurde, ließ GROSSFLEISCHHAUEREI (IEGM. KORNMEHL WHM IX, BUMOASU NR. 1» FILIALE i XVIII., WAMRINdlRSTRASSB VT Tttephon Nr. A 17-3-99and A 18-9-34 Lieferant fUr HallaiMtaltea AbteilungenrarKoscherfleisch unter Aufsicht riw ehrw. Rabbtaatea d°«v Isr. KaltiMgemeind» W«n. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlieb Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Yorlreier mit schöner Stimme und sympathischen Vortrag, wie auch Köre, sucht Stelle als Vorbeter für die Jomim naroim. eventuell auch dauernd. Gefällige Zuschriften sind an die Administration dieses Blattes unter „Tüchtig" zu richten. er sich in den Ruhestand versetzen. Bei dem Mittwoch, den 3. d. M., am Neuen Friedhof stattgefundenen Leichenbegängnis scharte sich eine große Anzahl Freunde und Bekannte um den Sarg des Verewigten und lauschte tief bewegt den trefflichen Worten des Herrn Rabbiners Dr. Taglicht, der in einem ergreifenden Nachruf die Persönlichkeit des Verblichenen würdigte. Sodann hielten für den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Herr Börserat 1. Glück, für den „Verein der Neutraer" Herr S. Rosenbaum, für „Vereinte Kraft" Vizepräsident Karl Haas, für das Zionistische Landeskomitee Herr Dr. Rosenfeld, für Witwen- und Waisenverein IX. Herr Wertheim und für die Betriebsgruppe der israelitischen Kultusgemeinde Amtsleiter Rosenfeld tief empfundene Nachrufe. Die kantorale Funktion versah Oberkantor D. Groß. Personalnachricht. Kommerzialrat Adolf Ung e r, Seniorchef des bekannten Kleiderhauses U ng e r, und seine Gattin feierten am l. September ihren vierzigsten Hochzeitstag. Dem Ehepaar, das sich in weiten Kreisen größter Wertschätzung und Sympathien erfreut, sind zahlreiche Ehrungen und Gratulationen zugekommen. In Franzensbad ist der Oberrabbiner von Saaz, Professor Dr. Simon Stern, Präsident des Rabbinerverbandes für Böhmen, im 75. Lebensjahre nach 40jähriger Wirksamkeit gestorben. Der Bethausvorstand des Tempels. HL. Unten Viaduktgasse 13, ersucht, für die kommenden hob«» Feiertage Sitzplätze dort zu beziehen, die zu sehr günstigen Preisen — sowohl für Herrenwie FrauensJtze — Abgegeben werden können. flmtfidje VerfautÖarungen der Jsraefitischen TCuftosgemeinde Wien Hebräische Sprach- und Bibelscbule der israelitischen Kultusgemeinde Wien, XX., Otbmargasse 46. Die Einschreibungen für das Schuljahr 1930/31 finden in folgenden Tagen statt: 1. Für die hebräischen Sprach- und Bibelkurse (Methode iwrith b'iwrith): Montag, den 15. September, Dienstag, den 16. September und Mittwoch, den 17. September, jedesmal von 3—7 Uhr nachmittags im Saale I. 2. Für die Lese- und Bibelkurse (Methode der Wiener öffentlichen Schulen): Montag, den 15. September und Mittwoch, den 17. September jedesmal von 3—5 Uhr nachmittags im Saale IL 3. Für den Talmud- und Barmizwahkurs: Sonntag, den 14. September von 'A9—\0 Uhr vormittags und Montag, den 15. September von 2—3 Uhr nachmittags, jedesmal im Saale II. Wien 1. September 1930. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien.

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