Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1930-09-05 · Heft 36 (5.9.1930) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 36 (5.9.1930)
Date
1930-09-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064145-3064181--18047-3083037
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

DIE WAHRHEIT Seite 5 2. Der Kongreß empfiehlt allen jüdischen Gemeinden, soweit wie möglich, jüdische Schulen zff errichten tmd ersucht alle Landesorganisatlonea dahin zu wirken, daß die jüdischen Schüler an nJchtjüdischen Schulen vom Unterricht am Schabbos und Jörn tow befreit werden. 3. Der Kongreß legt Verwahrung dagegen ein, daß Indische Kindern von jüdischen Lehrern zum Ohlllul Schabbos veranlaßt werden. 4. Der Weltkongreß richtet an die Weltorganisationen, die für die gesundheitliche Fürsorge und die wirtschaftliche Ertüchtigung der Jugend tätig sind, das dringende Ersuchen, in allen Anstalten das Gebot der Schemlras Schabbos allen Beamten und Insassen zur gjiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiaiiiiMiiiiiiMiiiiiiMJM 1 jahrzeitlkht strengsten Pflicht zu machen. Ebenso fordert der Weltkongreß die Sportverbände auf, keine öffentlichen Veranstaltungen zu machen, mit denen Chillul Schabbos verbunden Ist. Der Weltkongreß erklärt es als eine Pflicht, der jüdischen subventionierenden Stellen mit ihren Subventionen die Forderung auf Erfüllung des obigen Postulats zu verbinden. 5. Der Weltkongreß fordert die Landesorganisationen auf, die religiös eingestellte Hachscharahtätlgkeit (landwirtschaftlicher und handwerklicher Art) zu unterstützen und auszubauen. Das Präsidium des Weltverbandes wird gebeten, eine zentrale Kommission zur Sammlung des Materials und zur Beratung der Landesorganisation einzusetzen. RESIDENZ COLUMBIA „HANNA" FABR. CHEMISCHER PRÄPARATE WIEN II» TABORSTÜASSE 22 TELEPHON R 40-6-14 GARANTIERT UNUNTERBROCHENE m BRENNDAUER 30 STUNDEN m Gemeinde und Abwehrkampf. Wir haben bereits vor einiger Zeit auf die völlige Unsinndgkeit des von deutscher zionistischer Seite ausgehenden Vorschlages, den Abwehrkampf gegen den Judenhaß den Kultusgemeinden anzuvertrauen, hingewiesen. Mit Rücksicht auf die Aktualität dieses Themas veröffentlichen wir im folgenden aus der Feder des Vorstandsmitgliedes des „Central-Vereines" Dr. Felix Goldmann, Leipzig, noch einen Aufsatz darüber, bei dessen Lektüre sich dem österreichischen Leser gewiß weitgehende Parallelen mit unseren Verhältnissen aufdrängen werden. Die Red. Der Vorschlag, die Abwehrarbeit durch die berufenen Vertreter des Judentums, Gemeinden und Landesverbände, übernehmen zu lassen, kann nur dann gemacht werden, wenn man die Natur der Aufgaben nicht kennt und die Bedeutung der Kleinarbeit nicht würdigt. Gewiß kann und soll die offizielle Vertretung des Judentums Ihre Stimme erheben, wenn es sich um die großen Prinzipien handelt, wenn das Judentum in seiner Gesamtheit beleidigt wird, wie es jetzt in T h üringen geschah, wenn Gesetzesvorlagen wie die Anträge; auf ein Schächtverbot in Bayern, Baden und Sachsen sein Recht bedrohen, wenn von maßgebender Seite seine Religion angegriffen wird. Und stets hat der Centraiverein diese Notwendigkeit betont. Auf viel mehr aber als auf P r oteste und Erklärungen kann sich die Arbeit der Gemeinden und Verbände nicht erstrecken. Denn der Kampf gegen den Antisemitismus umfaßt weit mehr, als man in der Oeffentlichkeit sieht. Es gibt eine unendliche Menge von Kleinarbeit, die sich mit den einzelnen Fällen von Judenfeindschaft beschäftigt. Es muß mit Parteien, Behörden, Schulen, Zeitungen usw. verhandelt, es muß Rechtsschutz gewährt werden. Aufklärungsschriften müssen angeregt und verfaßt werden, Flugblätter sind herzustellen, und die Literatur in wirkungsvoller und zweckmäßiger Weise zu verteilen, ist eine besonders schwierige Arbeit. Alles dies und noch an-, deres mehr den Gemeinden und ihren Vorständen aufzubürden, die doch noch dazu mittelbare Staatsbehörden sind und ihre Steuern zwangsweise eintreiben, ist ein ebenso unsinniger Gedanke, wie wenn man den evangelischen Konsistorien den Kampf gegen das Zentrum als Aufgabe zuweisen wollte. Ganz abgesehen davon, daß nichts geleistet werden würde, wenn Abwehrarbeit lediglich ein Anhängsel einer schon übermäßig umfangreichen Gemeindetätigkeit wäre — man müßte denn Protestkundgebungen als Arbeit werten —, würde in die Gemeinden der Keim derZwietracht getagen werden. Wie stellt man es sich vor, daß eine Gemeinde vor den Reichstags- oder Landtagswahlen wirksame und ins Einzelne gehende Propaganda treiben könnte, ohne im Innern sich zu verzehren. Der Gedtanke an eine Uebernahme der Wahlarbeit durch die Gemeinde ist — B flinei-null Diioiir nur la Qualitäten, nach Maß und fertig lagernd, eventuelle Zahlungserleichterungen bis zu 1 Jahr werden gewährt IEIDER-UN10N ^WlENVLKisernens.6 Tel. ß202"LS soweit nicht politische Gegnerschaft gegen den Centraiverein sein Vater ist — ein Utopie, die in nichts zerflattert, wenn man sie praktisch durchdenkt, deren Verwirklichung aber Gemeinde und Abwehrarbeit in gleichem Maße zugrunde richten würde. Was nun die Frage anbetrifft, ob der Centraiverein nicht lediglich eine Parteiorganis at i o n ist, die sich in den inneren Kampf der jüdischen Poltik einmischt, so verwechselt man oft die Betonung eigenen Weges mit dem Kampf gegen fremde Meinungen! Der Centralverein steht auf dem Standpunkte, daß man politische Rechte, insbesondere die Möglichkeit, an verantwortlicher Stelle im Staasleben mitzuarbeiten, nur auf der Grundlage der innerlichen Verbundenheit mit Staat und Volkstum verlangen kann. Er umfaßt daher in erster Reihe jene, die in sich eine Synthese von Deutschtum und Judentum vollziehen wollen. Im Kampfe gegen dJen Antisemitismus aber ist er der Meinung, daß er j edem Juden bei st e R frn m ü ß. der wegen seiner Glaubenszugehörigkeit angegriffen wird, ob er nun Deutscher oder Ausländer ist, ob er nationaldeutsch oder nationaljüdisch empfindet, ob er die Mitgliedschaft besitzt oder nicht. Und keinen Fall wird man dem Centralverein nachweisen können, in welchem er weniger energisch die Rechte eines antisemitisch Angegriffenen wahrgenommen hätte, weil er Zionist oder Ausländer war. Der Centralverein betont seinen Weg! Daß sich freilich der Centralverein gegen schwere, oft sogar gehässige Angriffe in der nationaljüdischen Presse zur Wehr setzt, ist bei ihrer Fülle und ihrem Charakter selbstverständlich. Für manche Gegner freilich ist schon das Betonen des deutschen Standpunktes eine Provokation und wer den Centralverein des Unfriedens beschuldigt, weil er seine Stellung zu Nationaljudentum und Zionismus programmäßig festlegt und ausspricht, kann nicht belehrt und nicht überzeugt werdten. frtossen. In Frankreich, England, Amerika, Australien usw. usw. zählt man schon seit Jahren Siegmund Freud zu den epochemachenden Größen der Wissenschaft. Nun hat auch Frankfurt Freud durch eine der höchsten Ehrungen ausgezeichnet, die die geistige Welt des deutschen Reiches zu vergeben hat. Vielleicht wird auch die Wiener Universität bereits anläßlich des 80. Geburtstages Freuds das am achten Lebenstag des Gelehrten entstandene Hindernis, den Wiener Gelehrten zu feiern, überwunden haben. * * * Die katholische Zentrumspartei hat in Berlin den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Georg Kareski auf ihre Kandidatenliste gestellt Die Cbristlichsozialen in Wien, die sich angeblich die deutsche Zentrumspartei als Vorbild nehmen, hat seinerzeit Herrn Dr. Walther Riehl, den ärgsten Judenfresser auf ihre Kandidatenliste gestellt. * * * Eine betrübende Enthüllung für hakenkreuzlerische Wagner-Schwärmer, die In dem Meister trotz der Gerüchte über dessen jüdische Abstammung nur einen der Väter des Rassenantisemitismus verehren: den „Wotan" sang bei den Festspielen in Bayreuth der ungetaufte Sohn eines berühmten Ostgalizianers! Entsetzlich! Also auch „Wotan" verjudet! * * * Das offiziöse rumänische Regierungsblatt erklärt ganz ernsthaft, daß die Juden in Rumänien sich sämtlicher bürgerlichen Rechte erfreuen, daß das rumänische Volk, jedes Gefühl des Hasses und der Verfolgung ablehnend, von dem Einfluß berufsmäßiger antisemitischen Hetzer sich frei halte und daß die gegenwärtige Regierung bestrebt sei streng ihre Pflicht zu tun. Mit einem Worte: in Rumänien herrschen geradezu paradiesische Zustände. Es ist nur zu bedauern, daß es den „berufsmäßigen antisemitischen Hetzern" trotzdem gelungen ist, erlogene Berichte über blutige Judenverfolgungen in Rumänien in die liberalen Blätter des Auslandes einzuschmuggeln. * * * Professor C u z a, der vergötterte Liebling der antisemitischen Universitätshörer, soll nach der Lektüre des Regierungsblattes vertrauten Kollegen gegenüber geäußert haben:......Meine Studenten, das muß ich gestehen, sind überall, wo es gegen die Juden losgeht, auf ihrem Platze: Im Kollegium und auf den Straßen... in den Synagogen____ immer an der Spitze____und damußmandem Regierungsblatt recht geben: es könnte noch viel, viel mehr geschehen. Und wir Universitätsprofessoren sollten mit verdoppeltem Eifer dafür arbeiten." * * In der gegenwärtig die Geister in Deutschland aufregenden Wahlkampagne will sich ein Mann namens Gustav Nagel, der sich im Privatberufe als „Naturmensch, Religionsstifter, Wanderprediger und Tempelwächter von Gottes Gnaden" vorstellt mit einem zwar etwas verworrenen, aber selbstverständlich antisemitischen Programm bemerkbar machen. Auch nach einer flüchtigen Prüfung dieses Programmes dürften viele zu der Erkenntnis gelangt sein, daß da wirklich der — Nagel auf den Kopf getroffen erscheint. * * * Die politische Verwaltung in Rußland) will neuerdings Agitatoren zum Kampf gegen die Religion ausbilden lassen, die in den Dienst der „Gottlosen-Verbände" treten sollen. Das Treiben der sich selbst als „Gottlose" bezeichnenden Bolschewiken in Rußland ist unsäglich schmachvoll. Es kann vielleicht nur mit dem Wüten mancher Leute außerhalb Rußlands, verglichen werden, die angeblich im Namen Gottes und der Religion ihr menschheitsschändendes Hetzwerk betreiben. * * ¥ Einer der hervorragendsten ungarischen Gelehrten veröffentlichte zum zehnjährigen Jubiläum des Numerus clausus einen Artikel im „Pester Lloyd", in, welchem mit Mut und sittlicher Entrüstung die traurigen und beschämenden Wirkungen dieser Maßnahme dargelegt werden. Unter diesen Umständen meint der Gelehrte, verdiene die Erklärung des Unterrichtsministers, daß wenigstens vorzüglich maturierte Schüler, unbekümmert um die drakonischen Bestimmungen des Numerus clausus, zu den Universitäten zugelassen werden müssen, besondere Beachtung. Schön. Leider müssen aber die Juden in Ungarn befürchten, daß nunmehr sich die Zahl der jüdischen Studenten, die vorzüglich maturieren, verringern dürfte. Ego. echt« Pe Prachtvolle rserteppiche durchwegs selten günstige Gelegen" beitskSnfe sowie elegante Möbel, wie Speise-, Schlafand Herrenzimmer werden zu ganz außerordentlich billigen Preisen abgegeben. Besichtigung ohne jeden Kaufzwang im WIEDNER MDBELHEIM MM. JULIUS aOTZL Haadeliger. beeid. Sachv. o. Schltimehter ivmschuifmOhioassb t. TELEPHON B 24.1-62

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.