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Die Wahrheit · 1930-08-29 · Heft 35 (29.8.1930) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 35 (29.8.1930)
Date
1930-08-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE WAHRHEIT dang mit religiöser Unterrichtung verbinden. Sogar die Jeschiwöth bevorzugen jetzt diese Doppelform. Das wirtschaftlich geschwächte und von Zukunftssorgen beschwerte amerikanische Judentum hat also genug an seineii eigenen Problemen zu tragen und kann sich an allgemein jüdischen Zielen — es werden heute zu viele Fonds gesammelt — nicht stärker beteiligen, als es ihm seiner Zahl und seiner wirtschaftlichen Kraft nach zukommt. Die Begeisterung für die Idee des „Jüdischen Nationalheims" ist groß, und es ist tief zu beklagen, daß der Beginn der Arbeit der erweiterten Jewish Agency mit einer Zeit schwerer wirtschaftlicher Depressionen in Amerika zusammenfällt. Das ist aber nur die eine Seite. Es kommt hinzu, daß das praktisch denkende amerikanische Judentum gewohnt ist, über die Verwendung der Fonds, für die es beisteuert, nachzudenken. Auch über die Verwendung der Keren-Hajessod-Gelder macht es sich Gedanken. Es fragt sich, warum die Jewish Agency die großen finanziellen Lasten der öffentlichen Erziehung und Gesundheit — wir steuern sogar zu den Kosten der öffentlichen Gesundheit der Araber bei tragen soll, die eigentlich Sache der Regierung sind. Diese zwei Posten belasten das Budget der Jewish Agency in einer Weise, daß die Leistungsenergie für den praktischen Aufbau stark gemindert ist. Alle fühlen, daß es so nicht weitergehen könne, daß man die Regierung endlich dazu bringen müsse, für öffentliche Gesundheit und Erziehung der Juden zu sorgen. Der amerikanische Jude, der für den Keren Hajessod spendet, will die Gewißheit haben, daß sein Geld nicht dazu verwendet wird, um Ausgaben zu decken, die der Regierung zukommen. Wenn er für den Palästina-Aufbau beisteuert, so will er es entweder in der Form von Investments oder durch die Schaffung bleibender Werte, wie Kolonien usw. tun. Nietzsche und die Juden. Auszüge aus seinen Schriften. Gesammelt von Max Kozower. (Fortsetzung.) Am 25. d. M. jährte sich Nietzsches dreißigjähriger Todestag. Wir Juden haben ihm an diesem Tage eine Dankespflicht zu erfüllen. Er allein war der Einzige unter allen Philosophen, Dichtern und anderen Größen, der den Willen, Mut und die wahrhafte Objektivität besaß, in seinen Schriften den Juden gerecht zu werden. Mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit, seines Geistes und seiner Sprache spendet er den Juden in geistiger Hinsicht volles Lob, spricht ihnen Charaktereigenschaften zu, die sie sich im Laufe vieler Jahrtausende erworben, und selbst dort, wo die Juden in ihrem eng umschlossenen Ghetto, durch Verfolgungen und den Spott Andersgläubiger verunglimpft, ihr Wesen in den Augen der Umwelt verdunkelt erscheint, ergießt Nietzsche seinen Zorn auf die Unterdrücker. Als des Judentums Verteidiger lebt Nietzsche und wird im Herzen der Juden ewig leben. Band XI, Absatz 218. Mendelsohn, an dem sie (die Musiker) die Kraft des elementaren Erschütterns (beiläufig gesagt: das Talent des alten Testaments) vermissen, ohne an dem, was er hat, Freiheit im Gesetz und edle Affekte unter der Schranke der Schönheit, einen Ersatz zu finden. Band XI, Absatz 249. Ich meine nicht, daß Redlichkeit gegen sich etwas so absolut Hohes und Reines sei: aber mir ist dabei wie bei einem Erfordernis der Reinlichkeit Es mag einer sein, was er will: Genie oder Schauspieler — nur reinlich! Heinrich Heine hat etwas Reines. Band XI, Absatz 263. Furchtbare Wildheit, das Zerknirschte, Vernichtete, der Freudenschrei, die Plötzlichkeit, kurz die Eigen- LEBENSVERSICHERUNGS-GESELLSCHAFT PHÖNII WIEN. 1. BEZIRK, RIEMERGASSE 2 Versicherungsbestand per Mittte 1930 ......... . 2450 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahmen im Jahre 1929 -..... 125 , , Garantiemittel per Ende 1929 300 » „ Auszahlungen an die Versicherten im Jahre 1929....... 301/, ■„ schaften, welche den Semiten innewohnen! — Ich.glaube, semitische Rassen kommen der Wagnerischen Kunst verständnisvoller entgegen als arische. Band XI, Absatz 418. „Das Heil kommt von den Juden," — das war ein Satz, gegen den kein geistreicher Alter seine Haltung auf die Dauer behauptete. „Versuchen wir es also mit den Juden" — so klang die innere Stimme, durch welche der Geist auf die Seite der großen Bewegung gerufen wurde. Band XI, Absatz 421. Das Christentum ging in dem Grade bei dem atlen Testament in die Schule, als es sich bemühte, eine Weltreligion zu werden. Band XI, Absatz 430. Woher sollte auch die Erfindung zweier ausgezeichneter Juden, des Jesus und des Saulus, der zwei jüdischsten Juden, die es vielleicht gegeben hat, gerade die Germanen mehr anheimeln als andere Völker? Beide meinten, das Schicksal jedes Menschen und aller Zeiten, vorher und nachher, nebst dem Schicksale der Erde, der Sonne und der Sterne, hänge von einer jüdischen Begebenheit ab: dieser Glaube ist das jüdische Nonplusultra. Band XI, Absatz 349. So ist der Kampf gegen die Juden immer ein Zeichen der schlechteren, neidischeren und feigeren Naturen gewesen: und wer jetzt daran teilnimmt, muß ein gutes Stück pöbelhafter Gesinnung in sich tragen. IIIIIIIIIIIIIIII m g VORNEHME FAMILIENPENSION m | vormals Dr. GRÜNBERG | IAM SEMHERING 1 m HOCHSTRASSE 43 (BEI HOTEL PANHANS) j| W Mäßige Preise (Zimmer mit Pension von S 12.— |j| H aufw.) /Kaffeehaus und Tanzgelegenheit im Hause / m H Besitzer: ECKSTEIN / Tel. Semmering Nr. Ii || M Fließendes Warm- und Kaltwasser m m in jedem Zimmer IIS. Glossen. Seit dem Tode Siegfried Wagners spricht man in aller Welt wieder viel von — Richard Wagner und in besonderem auch von den seltsamen Schicksalen, die sein „Parsifal" von der ersten Aufführung bis auf den heutigen Tag erlebte. Daß von den Erinnerungen, die bei dieser Gelegenheit geweckt werden, nicht alle vor dem Richterstuhl der Wahrheit bestehen, darf niemanden Wunder nehmen; das gehört zu den Eigentümlichkeiten der meisten „Erinnerungen". Es wäre aber sehr bedauerlich, wenn hiebei die Stellung, die Hermann Levy, der als Charakter ebenso hervorragend wie als Musiker war, gegenüber Wagner einnahm, in ein falsches Licht gestellt bliebe. Es ist schon nicht ganz richtig, daß — wie aus der Darlegung eines mit Recht sehr geschätzten Wiener Musikschriftstellers hervorgeht — Hermann Levy, „ein Jude das Erlöserdrama aus der Taufe" hob, denn man weiß, daß Levy den „Parsifal" nicht als ein konfessionell christliches, sondern als ein überkonfessionell menschliches Drama auffaßte, das sich „sowohl der christlichen als der indischen Ueberlieferung zu künstlerischen Zwecken bedient". Ganz falsch und daher dringend der Korrektur bedürftig ist manches in der Mitteilung, nach der man denken könnte, Levy habe in einer wenig würdigen Weise sich Wagner zur Mitarbeit bei der ersten Aufführung des „Parsifal" aufgedrängt oder aufdrängen lassen. Wenn einer in dieser Sache zwischen dem Judenfeind Wagner und dem Juden Levy eine ignoble Rolle spiele, war es sicher nicht der Jude. Beweis hiefür sei eine andere „Erinnerung", die man aus dem offiziellen Bayreuth sicherlich nicht verbreitet, deren Richtigkeit aber keiner bezweifeln wird, der Näheres über Richard Wagner und Hermann Levy weiß. * * * Aus den Briefen Wagners ist bekannt, daß er mitten in den Vorbereitungen für den „Parsifal" einen anonymen Brief erhalten, in welchem er flehentlich gebeten wurde, sein hohes Werk rein zu erhalten und es nicht von einem Juden dirigieren zu lassen. Mit jenem Takt, den der geniale Komponist in so mancher Lage seines Lebens, wenn er nicht just den Dirigentenstab in der Hand hielt, vermissen ließ, zeigte Wagner diesen Brief Levy, als dieser bei ihm im Juni 1881 als Gast weilte. Levy fühlte sich durch dieses seltsame Mitteilungsbedürfnis Wagners auf das tiefste verletzt, packte seine Noten und seine Koffer und reiste unter einem Vorwande sofort ab. Von Bamberg aus ersuchte er Wagner schriftlich um Enthebung von der Leitung des „Parsifal". Wagner bat in einem dringenden Telegramm Levy vergebens, er möge zurückkommen. Erst nach einer langen brieflichen Auseinandersetzung, in der sich Wagner bemühte, das Ganze auf ein Mißverständnis zurückzuführen, entschloß sich Levy, der Bitte zu willfahren. Hermann Levy gehörte zu jenen kunstbegeisterten Aposteln Wagners, die in der Liebe zu dem Werke des Meisters dessen Judenhaß vergaßen. Man darf dies mit Idealismus, aber nicht mit Charakterschwäche erklären. Richard Wagner war allerdings auch imstande, konfessionelle Unterschiede zu ignorieren, aber weniger aus Idealismus, Richard Wagners Undankbarkeit war tadellos interkonfessionell. * * * Philipp Halsmann sagt in einem seiner kürzlich in Druck erschienenen Briefe aus dem Gefängnis, daß er die Absicht habe, durch Schreiben die Zeit — totzuschlagen. Das ist zweifellos ein Geständnis. Aber den Totschlag an seinem Vater leugnet Philipp Halsmann noch immer. * * # Professor Lutz, der Leiter der amerikanischen Ausgrabungen in Mesopotamien, hat aus einer jüngst aufgefundenen 4000 Jahre alten Tontafe! wertvolle Schlüsse auf die soziale Struktur in dem alten Babylon gezogen. Er meint, daß dort schon damals das Feudalsystem ' herrschte, das in Europa 3000 Jahre später zur Ausbildung gelangte. Man wird unseren Reaktionären also nicht mehr den Vorwurf machen dürfen, daß sie erst mittelalterlichen Idealen nachjagen; sie greifen auf viel ältere und ehrwürdigere Zeiten zurück. * * Ein bessarabischer (christlicher) Abgeordneter erklärte öffentlich, die Regierung habe von den im Kreise Suczawa sich vorbereitenden Unruhen gewußt, habe auch die folgenden blutigen Ausschreitungen vorausgesehen, aber nichts zu deren Verhütung getan. Diese Erklärung macht um so größere Sensation, als der Abgeordnete bemüht ist, seine Behauptungen auch durch Beweise zu erhärten. Nach dem berühmten Worte: „Regieren heißt voraussehen," kann sich die rumänische Regierung wirklich auf die letzten Judenexzesse etwas einbilden. * * Se. Exzellenz, der Honvedminister Julius G ö m b ö s forderte in der sensationellen Rede, die er vor einigen Tagen hielt, den konfessionellen Frieden zwischen Katholiken, Protestanten und Juden. Dies erheische die gemeinsame Liebe zum Vaterlande. Gömbös, der Minister wurde, hat offenbar erkannt, daß Gömbös, der Rassenschützler, seinerzeit als antisemitischer Hetzer das Heil des Landes nicht sonderlich gefördert hat. Ist es nicht seltsam, daß in der Aera Bethlen diese Erkenntnis erst mit Rang und Gehalt eines Ministers erkauft werden mußte? * « Ivan Hejjas soll nach der jüngsten Sensationsrede seines einstigen Gesinnungsgenossen Gömbös einem Freunde gegenüber geäußert haben: „Wie soll ich Gott danken, daß Gömbös nur Honvedminister und nicht Justizminister ist. Wer weiß, was mir sonst noch hätte passieren können?" Ego. rllli »I ieihrheiri %. Wichtige Neuerscheinung! 1 -nrnal In unserem Verlage erscheint soeben: MACHSOR (Festgebete für die hohen Feiertage) mit vollständigen: ungekürztem Text, mit einer neuen Uebersetznng von Prof. Dr. Jakob 6 r o n n e r, Wien. Diese neue Uebersetznng zeichnet sich vor allen anderen, bisher vorhandenen dnrch ihren modernen Stil und ihre Klarheit ans. Der Name des Uebersetzers bürgt für deren Zuverlässigkeit und Gründlichkeit. Sowohl der hebräische als auch der deutsche Text (Lateinschrift) ist in klarer, schöner Type ant vorzüglichem holzfreien Papier gedruckt nnd sorgfältigst korrigiert Der Machsor eignet sich auch vorzüglich für Geschenkzwecke und soll in keinem jüdischen Hause fehlen 1 Preis in 2 Leinenbänden S 7.— „4 „ S 10.— „ 4 Luxusbänden --'S 14.— Zu beziehen dnrch die Verlagsbuchhandlung IYI. Salzmann , f e Schiffgasse Nr. 4 Telephon R 27-6-71 österr. Postsparkassen-Konto B 81-671 1 W s!

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