Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 35 (29.8.1930)
- Date
- 1930-08-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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JüdisiAelhtentafel. Frankfurt a. M. Aus Anlaß des zehnjährigen Jubiläums der Salzburger Festspiele, wurde Professor Max Reinhardt zum Ehrendoktor der philosophischen Fakultät der Universität Frankfurt ernannt. Paris. Die Zuteilung des Qoe t he-Pr e is e s der Stadt Frankfurt an. Prof. Siegmund Freud wird m der französischen Presse ausführlich besprochen. Dabei wird übereinstimmend darauf hingewiesen, daß diese Zuteilung erfolgt sei, weil Goethe als Vorlauter der Psychoanalyse einzuordnen sei und sich auch Freud immer als Schüler Goethes betrachtet habe. Es wird dabei auf die Goethesche Uebersetzung der Tagebücher Benvenuto Cellinis verwiesen. Budapest. Der Präsident der Israelitischen Landeskanzlei Ungarns, Hofrat Dr. Salomon Eulenberg, ist Sonntag, den 17. d. M„ wie wir letzthin kurz berichteten, im jüdischen Spital zu Budapest im Alter von 79 Jahren gestorben. Dr. Eulenberg hatte vor einigen Wochen bei einem Straßenunfall einen Schulterbeinbruch erlitten, der im Hinblick auf das hohe Alter des Verunglückten Komplikationen nach sich zog. die nun seinen Tod herbeiführten. Dr. Salomon Eulenberg entfaltete eine rege kommunale Tätigkeit und gehörte s»it langem dem hauptstädtsichen Munizipalausschuß an. Im jüdischen Leben spielte er bereits vor vierzig Jahren eine führende Rolle bei der Pester israelitischen Religionsgemeinde und beim Pester Heiligen Verein. Seit 1920 war er Mitglied der Gemeindevorstehung und Leiter der von ihm organisierten Kultursektion. 1925 wurde Salomon Eulenberg zum stellvertretenden Präsidenten der Gemeinde gewählt und in den Jahren 1927/28 leitete er nach dem Tode Dr. Franz Mezeis im Verein mit Baron Adolf Kohner in erfolgreicher Weise die Israelitische Landeskanzlei, die Landesorganisation des ungarischen neologen Judentums, zu deren ceschäftsführendem Präsidenten er später gewählt wurde. Hofrat Dr. Salomon Eulenberg hat zahlreiche -rechtswissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht. Auf die Kunde von seinem Tode ließ der Präsident der Pester isr. Religionsgemeinde Hofrat Samuel Stern die führenden Persönlichkeiten des hauptstädtischen Judentums telegraphisch nach Budapest berufen. Die Pester isr. Religionsgemeinde betrachtet Salomon Eulenberg als ihren Toten. Das Präsidium der Gemeinde hielt eine Sondersitzung ab. in der der Präsident, Hofrat Salomon Stern des schweren Verlustes gedachte, den die ungarische Judenheit durch den Tod Eulenbergs erlitten bat. Länger als drei Dezennien, sagte Hofrat Stern, hat der Verewigte an dem Leben unserer Gemeinde regen Anteil genommen. Hofrat Eulenberg wurde unter großen Ehren bestattet. Oberkantor Linetzky — in Straßburg. Wie man uns berichtet, wurde Oberkantor Linetzky vom Budapester Tabaktempel vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde in Straßburg für Freitag, den 15. und Samstag, den 16. August d. J. zu Gastvorträgen im großen Konsistorial-Tempel eingeladen. Ueber den großen Erfolg des Künstlers berichtet Musikkritiker Prof. Zed in der angesehenen französischen Tageszeitung „Les Derniers Nouvelles de Strassbourg" wie folgt: „Zur Konkurrenz für den Posten eines ersten Kantors am hiesigen israelitischen Konsistorial-Tempel waren alle Musikkritiker eingeladen. Liturgische Gesänge entzücken unser Gehör, viele von ihnen sind wahrhafte Meisterwerke. Für die Interpretation dieser herrlichen Melodien ist die Stimme des Kantors ausschlaggebend; Er erinnert an die genauen Definitionen, die Renan in seinem „Hazzan" gegeben hat Es ist eine außerordentlich große Aufgabe, welche dem Interpreten dieser heiligen Gesänge anvertraut ist Und wie sollte man sich nicht an die unvergänglichen Verdienste des bedauernswerten Viktor H e y m a n n erinnern. Er besaß im höchsten Grade solch kantorale Befähigung und man glaubt sich in die Zeit versetzt, wo er noch die imposanten Gottesdienste mit seiner Herrlichen Baritonstimme leitete. Der erste Kandidat, der sich hören ließ, ist Mr. L in e t z k y, erster Kantor des Haupttempels in Budapest. Begabt mit einer außergewöhnlichen Stimme, wußte man nicht, was man an diesem unvergleichlichen Sänger am meisten bewundern soll. Er verbindet eine vollkommene Gesangstechnik mit der Schönheit und Kraft einer meisterhaften Stimme. Aber auch vom Standpunkte des Musikkritikers ist Mr. Linetzky ein vollendeter Künstler des Gesanges und versteht die Quellen seines großen Registers bis in den feinsten Einzelheiten auszuwerten. Es gelingen ihm die schönsten Klangfarben und auch die „Triller" sind kein Geheimnis für ihn. Seine Interpretation der heiligen Texte ist einzig. Mr. Linetzky ist ein Kantor, dessen Bestreben dahin geht, ein Priester im Dienste seines Gottes zu sein. Seine Gesänge sind musikalische Empfindungen, in welchen sich die Bewegtheit der Gesamtheit ausprägt. Man muß von ihm das Gebet beim „Herausheben der Gesetzestafeln" sowie die „Keduscho" beim Mussafgebete hören, eine herrliche eigene Komposition des Künstlers. Mit diesem ersten Debüt — nach einer sorgfältigen Auswahl unter den Teilnehmern — hat die Leitung des Tempels eine glückliche Hand bewiesen." Der große Erfolg, den Oberkantor Linetzky in S t r a ß b u r g erzielt hat, wundert uns wahrlich nicht, wundern würden wir uns erst, wenn die Pester israelitische Religionsgemeinde ihren begabten und beliebten Oberkaotor ziehen lassen würde. $ifm. Der Fall Dreyfus im Tonfilm. Dieser Tage fand im Apollo-Kino die Erstaufführung des Tonfilms „Dreyfus" von Heinz Qo 1 dberg und Dr. FritzWendhausea, Produktion Richard Oswald-Tobis, statt. Das Publikum folgte mit großer Aufmerksamkeit und sichtlich ergriffen dem Ablauf des dramatischen Falles. Den Auftakt bildet eine tonfilmisch aufgenommene Ansprache des Verfassers des bekannten Dreyfus-Buches, Rechtsanwalts Dr. Bruno Weil- Weil abstrahiert von der zeitgebundenen „Affäre" und stellt seine Betrachtungen ganz ab auf die zeitlosen Grundlagen des Kampfes um den kleinen Generalstabsoffizier, auf den Widerstreit zwischen einer opportunistischen „Staatsraison" und der Liebe zur Wahrheit und Gerechtigkeit, auf die Voraussetzungen gesunden Gemeinschaftslebens und gesellschaflichen Fortschritts. Der Film selbst gibt im wesentlichen den .JCriminalfall" wieder, während er die politischen Triebkräfte und Wirkungen fas völlig herausläßt. Die jüdischen Hauptfiguren des Films, Alfred und Lucile Dreyfus, werden von Fritz K o r t n e r und Grete Mosheim glänzend dargestellt. Im Mittelpunkte der äußeren Handlung steht der Zola-Prozeß (Frühjahr 1898) und das meisterhaft vorgetragene Schlußwort des Dichters (Heinrich George). Am tiefsten erschüttert zeigten sich die Zuschauer bei dem wunderbar gesteigertem Rufe Dreyfus-Kortners nach der Verhaftung „Ich bin unschuldig, unschuldig —!" und dem Aufschrei des Obersten Picquart (Albert Basserm a n n) gegen die heuchlerischen Vertreter der „Ehre der Armee": „Ob Jude oder Christ — Wahrheit, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung der Bürger sind unsere Aufgabe. — Ich werde dieses Geheimnis nicht mit ins Grab nehmen!" Hier offenbart sich die innere Wandlung des aufrechten, gewiß nicht judenfreundlichen katholischen Offiziers zum Anwalt und Märtyrer des um seines Judentums willen verfolgten und unschuldigen Dreyfus. Den von Regisseur Richard Oswald geleiteten Künstlern, besonders Fritz Kortner, Grete Mosheim, Erwin Kaiser, Heinrich George, Albert Bassermann, Oskar Homolka, gebührt die uneingeschränkte Anerkennung, daß sie die menschliche Seite in allen Personen stark zur Geltung bringen. Hoffen wir, daß der Film Hunderttausende überzeugen wird, daß Wahrheit und Recht über Haß und Vorurteil stehen müssen! VonWo€tke zu Wodhe Trier, Am 6. September 1930 werden es 25 Jahre sein, daß der bekannte Oberrabbiner von Trier Doktor Adolf A11 m a n n, seine rabbinische Wirksamkeit entfaltete. Gleichzeitig mit diesem Jubiläum jährt es sich zum zehnten Male, daß Herr Dr. Altmann nach segensreicher und vielseitiger Wirksamkeit als Rabbiner in Salzburg und Meran zum Oberrabbiner der jüdischen Gemeinde Trier berufen wurde. Während des Krieges war Herr Dr. Altmann Fekkabbiner und hat an einflußreicher Stelle eine sehr reiche und überaus segensvolle Tätigkeit entfaltet. Herr Oberrabbiner Dr. Altmann hat als bedeutender jüdischer Gelehrter, Kanzelredner und Schriftsteller eine großen Namen und genießt durch sein Wirken und das Wesen seiner Persönlichkeit in der jüdischen Welt wie auch in weiten nichtjüdischen Kreisen hohes Ansehen. In Oberrabbiner Dr. Altmann besitzt das gesetzestreue Judentum einen Rabbiner von seltener Universalität der Persönlichkeit. Seine große Tätigkeit erstreckt sich weit über die Grenzen der Stadt Trier hinaus auf den ganzen Regierungsbezirk. Nicht nur bei seiner Gemeinde, auch in den Kreisen der Behörden und nichtjüdischen Bevölkerung genießt Konkurs. Der gefertigte Verstand gibt bekannt, daß infolge des Ablebens des Herrn Rabbiners Dr. A. L. Mandel s. A. die Stelle eines RABBINERS beim Israelitischen Tempel- und Schulvereine. Wien X.. Humboldtgasse 27 zur Besetzung gelangt. In Betracht kommen solche Bewerber, die das 40. Lebensjahr noch nicht überschritten haben und welche nebst den gesetzlichen Erfordernissen auch alle fachlichen Eignungen, die zur Führung dieses Amtes notwendig sind, nachzuweisen vermögen. Die Regelung der mit dieser Stelle verbundenen Bezüge ist der Verhandlung mit den in Betracht kommenden Bewerbern vorbehalten. Bewerbungsgesuche sind, mit allen erforderlichen Beilagen versehen, bis längstens 20. September 1930 an den Obmann Max Berger, Wien X., Buchengasse 42 einzubringen. Eine Spesenvecgütung aus Anlaß der Vorstellung oder der Abhaltung einer Gastpredigt rindet nur dann statt, wenn diese im Einladungsschreiben an den Bewerber ausdrücklich zugesagt erscheint. Wien, im August 1930. Der Vorstand. k GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM, KORNMEHL ummmmmmm^mmmmmmmtmmmmmmmtmmmmmmmm WIEM DL» BMMOASSK NR. 1» piuaui xvui., wAmurauunussB n TdepfconNr. A 17499 and A 18-9-34 Lieferant für Halhuutaite« AbteilungenfQrKoscherfleisch wrtm» JLaMaM 4m ihn. Rabbinato» dar Imr. ■MtaafljsaMhMf VJIta. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen wahrend des Sommeraulenthoites ihrer Iran erhalten sie YorzQg. Mittag n. Aftcndflsdi streng ied zu bOnferUchen Preises II., Praterstraße Nr. 33 (Neben dem Carl-Theater) EISEN & HÖNIGSBER SELCHWARENFABRIKANTEN Dr. Altmann besondere Liebe und Verehrung. Herr Dr. Altmann ist Mitglied vieler städtischer und staatlicher Kommissionen Triers, Expräsident der Mosellog»:, Mitarbeiter vieler jüdischer und allgemeiner Institutionen und zahlreicher Zeitschritten und wissenschaftlicher Gesellschaften. An dem vor kurzem erschienenen großen Werk ..Deutschlands Köpfe der Gegenwart über Deutschlands Zukunft", das von der deutschen Kulturbücherei herausgegeben wurde, hat Oberrabbiner Dr. Altmann als einziger deutscher Rabbiner mitgearbeitet. Herr Obenrabbiner Dr. Altmann hat eine reiche schriftstellerische Tätigkeit auf jüdisch-historischem, philosophischem, halachischem und homiletin schem Gebiete entfaltet. Seine Hauptwerke sind: „Geschichte der Juden in. Stadt und Land Salzburg" (2 Bände). „Jüdische Welt- und Lebensperspektiven", „Abhandlungen über alte und neue Judentumsfragen". „Sefer Aulelaus Umllaus", Homiletische Weckrufe an die zeitgenössische Judenheit. „Die Weltanschauung eines Optimisten. Robert Hamerlings Weltanschauung", Historisch-kritisch-literarisch-philosophische Studie, „Sinn und Seele des Höre Israel", Studie. „Schicksalsmomente im Judentum". In diese Wochen fällt auch das Erscheinen zweier neuer Werke, eines wissenschaftlichen und eines literarischen, und zwar erscheint der zweite Band der „Geschichte der Juden in Salzburg" und, vom Philo- Verlag. Berlin, herausgegeben, ein Band von Dichtungen unter dem Titel ..Aus ringenden Welten", von dem der Verlag auch eine signierte Jubiläumsausgabe veranstaltet. Wie bekannt, arbeitet Dr. Altmann auch an der Geschichte der Juden in Trier und wird in einem Vortragszyklus innerhalb der Trierer wissenschaftlichen „Gesellschaft für nützliche Forschungen" demnächsteinen Vortrag über die Frühgeschichte der Juden in Deutschland halten, der von neuen Forschungsergebnissen berichten wird. Silberne Hochzeit: Herr Samuel Deutsch. Vizepräsident des Vereines zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder und Vorstandsmitglied des Vereines „Chewra Kadischa" für den 16. und 17. Bezirk und seine Gattin Lotte, geb. Fischer feierten dieser Tage ihre silberne Hochzeit. Gleichzeitig fand die Verlobung ihrer Tochter Fräulein Grete Deutsch mit Herrn Fritz Scheu statt. Dem Ehepaare Deutsch, das durch seinen regen Wohltätigkeitssinn bestens bekannt ist. kamen aus diesem Anlasse zahlreiche herzliche Gratulationen zu. Gleichenberg. Wenn man nach einer Pause von einigen Jahren wieder nach Gleichenberg kommt, so empfindet man fast Reue über die Unterlassungssünde und freut sich doppelt beim Anblick dieses paradiesischen Badeortes in der grünen Steiermark. Jeder Kurort hat seine besonderen Anziehungspunkte. Nach Gleichenberg aber kommt man wegen des Ortes selbst. Ein förmlicher Zauber liegt ausgebreitet über dieses gesegnete Tal. Beim Anblick dieser prächtigen Naturschönheiten lacht einem das Herz im Leibe. Das milde, staubfreie Klima Gleichenbergs, vereint mit seinen mannigfachen Kurmitteln, sind bestimmt geeignet, leidenden Menschen Genesung und Heilung zu bringen. Daß die Kurverwaltung bestrebt ist, den Badeort immer moderner auszugestalten, beweisen die neuen, streng hygienisch eingerichteten Bade- und Inhalationsräume. Auch die Fahrt nach Gleichenberg soll nun weit angenehmer werden, wie es bis jetzt der Fall war. Ab nächstes Jahr soll die Bahn bis Gleichenberg verkehren. An der Herstellung der Bahnstrecke wird fleißig gearbeitet. Josef Grob. Bethaus in der Mensa academica iudalca. Der Verein zur Erhaltung und Förderung der Mensa academica iudaica errichtet auch heuer anläßlich der hohen Feiertage im Lokale der Mensa. IX„ Zimmermannpfatz 8, ein Bethaus (JVtinjon)! Für gute Vorbeter wurde gesorgt. Das Reinerträgnis wird für Freitische an arme Studenten verwendet werden. Reservierungen der Plätze täglich von 9 bis 4 Uhr Im Sekretariate der Mensa, IX„ Zimmermannplatz 8, Telephon A 25-2-2S.