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Die Wahrheit · 1930-08-22 · Heft 34 (22.8.1930) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 34 (22.8.1930)
Date
1930-08-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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JfidisdkeftirentaSel. Salzburg. Die Stadtgemeinde von Salzburg hat anläßlich des Jubiläums Max Reinhardts in Anerkennung der Verdienste des genialen Regisseurs den Platz vor dem Dom, wo alljährlich die von ihm geleiteten Festspiele stattfinden, nach seinem Namen benannt. Max Reinhardt erhielt dieser Tage auch das Goldene Ehrenzeichen der Republik. Budapest. Am 17. d. M. ist hier im Alter von 79 Jahren Hofrat Dr. Salomon Eulenberg an den Folgen eines Unfalles gestorben. Als Präsident der Israelitischen Landeskanzlei Ungarns zählte der Verstorbene zu den bedeutendsten Führern des ungarischen Judentums. Frankfurt a. M. Der. Lehrbeauftragte für jüdische Religionslehre und jüdische Ethik Doktor Martin Bub er hat eine Professur für Religionswissenschaft an der Universität Frankfurt am Main erhalten. Martin Buber, der Religionsphilosoph, der vor allem die Geschichte der Prophetie und der religiösen Mystik dargestellt hat, wurde 1878 in Wien geboren. Er ist ein Enkel des Erforschers der Haggada Salomo Buber. Er studierte in Wien, Leipzig, Berlin und Zürich Philosophie und Kunstgeschichte und veröffentlichte eine Reihe grundlegender religionsphilosophischer Werke. Heute gehört er nicht nur auf dem Gebiete der jüdischen, sondern auch auf dem der allgemeinen Religionswissenschaft zu den führenden Persönlichkeiten. Ueber die Grenzen der Konfessionalität hinaus ist er mit allen Kreisen verbunden, die die Wiedererweckung religiöser Grundkräite erstreben. Mit dem Katholiken Wittig und dem Protestanten Weizsäcker gibt er die religionswissenschaftliche Zeitschrift „Die Kreatur" heraus. Von Bubers Schriften sind zu erwähnen „Mein Weg zum Chassidismus", „Vom Geist des Judentums", „Die jüdische Bewegung", „Reden über das Judentum", „Die Geschichten des Rabbi Nächman", „Die Legende des Baalschem", „Der große Maggid", „Das verborgene Licht", „Ekstatische Konfessionen", „Reden und Gleichnisse des Tschuang-Tse", „Daniel", „Ich und Du". Mit dem früh verstorbenen Dichter-Denker Franz Rosenzweig hat er die Bibel neu übertragen. Prag. Präsident M a s a r y k hat den Dozenten Dr. Ernst Schwarz zum außerordentlichen Professor für altdeutsche Sprache und Heimatkundeander deutschen Universität ernannt. Prof. Schwarz ist Jude und 35 Jahre alt (Was sagen unsere Hakenkreuzler dazu? Ein Jude — Professor für deutsche Heimatkunde! Wie „verjudet" ist doch diese Tschechoslowakei!) Krakau. Die höchste wissenschaftliche Instanz Polens, die Akademie der Wissenschaften in Krakau, hat dieser Tage den bekannten Warschauer Neurologen und Psychiater Dr. Piatau zu ihrem Mitglied ernannt. Nach Mitteilungen der Warschauer Presse hat man Dr. Piatau vor einigen Jahren einen Lehrstuhl an der Universität Warschau angeboten, unter der Voraussetzung, daß er zum Christentum übertrete. Dr. Piatau hatte dieses Ansinnen zurückgewiesen. New York. Der Gouverneur von New York hat Richter Bernard L. S h i e n t o g zum Mitglied des Obersten Gerichtshofes des Staates New York ernannt, als Nachfolger des verstorbenen Oberrichter B i d j u r, der ebenfalls Jude war. Musikdirektor Aron Friedmann — 75 Jahre alt Der Altmeister des Synagogengesanges, Musikdirektor Oberkantor Aron Friedmann, begeht am 22. d. M. in geistiger und jugendlicher Frische seinen 75. Geburtstag. Der verehrte Jubilar, der mehr als vier Dezennien als Oberkantor der jüdischen Gemeinde in Berlin vorbildlich wirkte und im Jahre 1923 in den wohlverdienten Ruhestand trat, hat so eminent Wertvolles und Bleibendes durch seine musikalischen und wissenschaftlichen Werke geschaffen, daß es eine selbstverständliche Dankespflicht ist, wenn alle beteiligten Kreise, speziell die Kantoren aller Welt diesen Tag mitfeiern und Meister Friedmann zu seinem 75. Geburtstage herzlichst beglückwünschen. Der allgemein geschätzte Jubilar darf mit Stolz auf sein tatenreiches Leben zurückblicken. Nicht vielen ist es vergönnt, auf so zahlreiche und schöne Erfolge hinzuweisen. Altmeister Friedmann hat durch seine Synagogengesangwerk „S c h i r 1 i s c h 1 o m o h" und durch seine zahlreichen und bedeutenden Kompositionen die Mit- und Nachwelt reichlich beschenkt. Auch während seines Ruhestandes arbeitete dieser rührige Geist unermüdlich fort. Es erschienen in den letzten Jahren u. a. der III. Teil der „Lebensbilder berühmter K a n t o r e n", weiters die Erinnerungen Friedmanns „50 Jahre Berlin", ferner, und dies spricht ganz besonders für die Jugendfrische seiner musikalischen Schaffenskraft „Salomos hohes Lied", komponiert zum 200. Geburtstag Moses Mendelsohns, der die berühmte Dichtung ins Deutsche übertragen hat. Diese Komposition schuf der Jubilar mit einer Begeisterung, die jeden, der dieses Lied zur Hand bekommt, in Erstaunen versetzt. Die herrliche, dem Texte angepaßte Melodie, versehen mit einer fließenden Klavierbegleitung, ist eine Arbeit, aus der die Glut eines Jünglings tönt. Möge es dem Jubilar beschieden sein, in voller Gesundheit und geistiger Frische noch viel Schönes zu schaffen. Oberkantor J. Low it. Veröffentfidjungen der linion beutsdjösterreidjiscQen Juden Aus den antisemitischen Sommerfrischen. Die Bezirkshauptmannschaft E f e r d i n g teilt der „Union deutschösterreichischer Jude n" auf deren Eingabe mit, daß der Beschluß des Qemeindeausschusses Eferding, wonach „die Aufenthaltsdauer für Nichtarier auf 24 Stunden beschränkt ist", nicht zu Recht besteht, weil er von der genannten Bezirkshauptmannschaft als gesetzwidrig außer Kraft gesetzt worden ist. %mt(id}e Vertautöarungen der Jsraefitisdjen TCuftusgemeinbe Wien Z. 5842 ex 1930. Wien, den 12. August 1930. Konkursaiuschreibanä Im Spitale der Israelitischen K u 1tusgemeinde, Wien XVIII., Währinger Gürtel 97, gelangt an der chirurgischen und urologischen Abteilung je eine Sekundararzfensstelle zur Ausschreibung. Zur Anstellung sind erforderlich: Die österreichische Staatsbürgerschaft, lediger Stand, die Berechtigung zur Ausübung der Heilkunde in der österreichischen Republik, die körperliche Eignung (nachgewiesen durch ein durch den Vorstand einer medizinischen Abteilung des eigenen Spitals ausgestelltes Zeugnis) und ein Alter von unter 35 Jahren. Mit der Stelle ist nebst dem in der BesolrJungsordnung für die Abteilungsärzte des Spitals der Israelitischen Kultusgemeinde fixierten Barbezug die Benützung einer möblierten Naturalwohnung samt Beleuchtung, Beheizung und Bedienung, sowie die volle Verköstigung verbunden. Für die letztere werden die Eigenkosten von den Monatsbezügen in Abzug gebracht, wobei der Abzug ein Viertel der Bezüge nicht überschreitet. Mit den Personaldokumenten (Geburtsschein, Heimatschein, Diplom, Nachweis der Zugehörigkeit zum Judentum, Zeugnisse über die bisherige fachliche Verwendung) belegte Gesuche sind an den Vorstand der Israel. Kultusgemeinde, Wien I., Seitenstettengasse 4, bis längstens 10. September 1930 mittags zu überreichen. Der Vorstand der Israel. Kultusgemeinde Wien. Danksagung. Anläßlich des Ablebens unserer unvergeßlichen Mutter. Esiher funke (Finkelsiein) sind uns so zahlreiche Beweise aufrichtiger Anteilnahme zugekommen, daß wir außer Stande sind, jedem einzelnen geziemend zu danken. Wir erlauben uns daher auf diesem Wege Sr. Ehrwiirdeu, Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald, Herrn Rektor Hofrat Dr. Schwarz, dem verehrlichen Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde, dem Kultus- und Bethausvorstand, der Amtsdirektion und der Betriebsgrupe, sowie den diversen Korporationen, Kollegen, Freunden und allen Bekannten unseren innigsten Dank zum Ausdruck zu bringen. Wien, im August 1930. Leo Funke und Familie. GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMEHt IMHMHHMHMaMBMHBai WHN IX.» BIRQflMII NR. 1» FILIALE i XVIII., WÄHR1IKIERSTRAS58 99 TeUphon Nr. A 17-3-99 und A tS-9-34 Lieferant für HaiiaasMtM AbteilungenfflrKoscherfleisch «ter Aufsioht tf«s «hrw. Isis KnltaaaaiiMlad* RabblnatM dw Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen •< Gottesdienst Der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde veranstaltet anläßlich der diesjährigen hohen Feiertage im Großen Musikvereinssaal, I., Dumbagasse 3, sowie im Sofiensaale, III., Marxergasse 13, feierliche Gottesdienste. Jene Parteien, welche auf die im Vorjahre benützten Sitzplätze reflektieren, können die neuen Karten gegenVorweisungdervorjährigen an der Kartenkassa der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, in der Zeit vom 2. September bis 11. September d. J. während der Amtsstunden von 9 bis l Uhr vormittags beheben. Der allgemeine Verkauf beginnt am 12. September d. J. Betsitzkarten iür den Leopoldstädter Gemeindetempel. Die freigebliebenen Betsitzkarten für den Leopoldstädter Gemeindetempel gelangen an der Betsitzkartenkassa der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, täglich während der Amtsstunden von 8 bis 1 Uhr mittags und von 6 bis 8 Uhr abends zum allgemeinen Verkaufe. Der Bethausvorstand ist ermächtigt, in berücksichtigungswürdigen Fällen Ermäßigungen zu gewähren. Wahrheiten vom Jäte Weltkonferenz der Religionen für den Frieden. Das Internationale Exekutivkomitee zur Vorbereitung einer Weltkonterenz iür internationalen Frieden durch die Religionen tagt gegenwärtig in Bern unter Teilnahme von 45 Vertretern der Katholiken, Protestanten, Juden, des Islam, Buddhisten, der christkatholischen Kirche, der Anglikaner, Kongregationalisten und sieben weiterer christlicher Bekenntnisse. Die erste Vorbereitungskonierenz hat 1928 in Genf, die zweite im August 1929 in Frankfurt a. M. stattgefunden. Auf der gegenwärtigen Tagung soll die Tagesordnung, sowie Zeit und Ort der ersten religiösen Friedenskonferenz festgesetzt werden. Antisemitismus in der Völkerbundstadt. Die schweizerische antisemitische Gesellschaft „R e s Helvetica" verbreitet in Geni antisemitische Auirufe, in denen die Bevölkerung aufgefordert wird, gegen die „Erste jüdische Internationale", die Freimaurer, die „Zweite jüdische Internationale", den Sozialismus, und die „Dritte jüdische Internationale", dem Kommunismus zu kämpfen. In den Aufrufen wird mitgeteilt, daß keine Genfer Druckerei dazu zu bewegen war, die Aufrufe zu drucken, so daß die Gesellschaft gezwungen war, eine auswärtige Druckerei in Anspruch zu . nehmen. Abnahme der Judenschait Budapests. Einem soeben veröffentlichten Budapester statistischen Ausweis zufolge hat sich die Zahl der Lebendgeburten bei den Juden seit dem Jahre 1920 folgendermaßen gestaltet: 1920: 3596. 1925: 2390. 1926: 2149. 1927: 1870. 1928: 2140. 1929: 1902. In den vier Monaten Januar, Februar, März und April des Jahres 1930 wurden 616 jüdische Kinder geboren, in derselben Zeit starben 1046 Personen jüdischen Glaubens. Die Geburtenabnahme ist nach Ansicht des „Egyenlöseg" zum Teil auch darauf zurückzuführen, daß von den Eheschließungen 12 bis 15 Prozent auf Mischehen entfallen, aus denen die Kinder nicht mehr dem jüdischen Glauben zugeführt werden. Wirklich seriöser Herr ♦ mit mehrjähr. Banku. Ind.-Praxis im Innen- und Außendienst sucht irgend einen Wirkungskreis, wo Branchenkenntnisse nicht unbedingt erforderlich. — Gefl. Zuschriften unter „KmuilonsfShim".

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