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Die Wahrheit · 1930-08-22 · Heft 34 (22.8.1930) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 34 (22.8.1930)
Date
1930-08-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite d Central- Verein und StaatsparteL Von Ludwig Holländer. yiAA^AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA^AA. Die folgenden Ausführungen des Direktors des „Centrai-Vereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", die wir der letzten „C. V.-Zeitung" entnehmen, sollen der Klärung einer auch in interessierten Kreisen Oesterreichs viel umstrittenen Frage dienen. Sie werden daher auch bei uns viel Beachtung finden. I. Eine Gemeinschaft, die wie der Centrai-Verein 'infolge der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verschiedenheit ihrer Mitglieder in eine große Anzahl von Anschauungskreisen geteilt ist, wird für sich niemals positiv ein einheitliches Parteipro-, gramm gelten lassen können. Grundsätzlich wird sie dagegen alle diejenigen Gruppen im Wahlkampf bekämpfen müssen, die die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden anzutasten gewillt sind. Der liberale und demokratische Gedanke hat die gesetzliche Gleichberechtigung der Judenheit in hohem Maße gefördert. Auf seiner Grundlage wurden wir von Geknechteten und Unterdrückten zu Vollbürgern. Es ist deshalb verständlich und begreiflich, daß eine große Anzahl von Juden sich zur bürgerlichen oder zur sozialistischen Demokratie bekannte und bekennt. Das Gewicht der geschichtlichen Tatsache zog sie zu dieser Auffassung. Dem widerspricht auch nicht der Umstand, daß die Entwicklung und1 die neue Zeit unsere Freunde vielfach zu anderen Parteien treiben, weil auch bei uns Liberalismus und Demokratie vielfach nicht mehr ihr früheres Vollgewicht besitzen. In dieser Frage muß jeder seine eigenen Wege gehen. II. Niemandes Liebe können wir verlangen. Aber wir erwarten, daß die, denen wir unsere Stimme geben sollen, ebenso im Interesse der Entwicklung unserer Heimat wie im Interesse unserer selbst unbedingt Gesinnungen und Handlungen ablehnen und bekämpfen, die zu diesen Erfordernissen in Widerspruch stehen. So einfach unsere Forderung klingt, so schwierig wird für viele die Beantwortung der Frage, ob ein jüdischer Wähler, der auf dem Boden der bürgerlichen Demokratie steht, der „Staatspartei" seine Stimme geben kann. Männer und Frauen, die bisher die Führer der Demokratischen Partei gewesen sind, zählen zu den Mitbegründern der neuen Partei. Wir kennen sie als Verfechter unserer unbedingten Gleichberechtigung. Wir wissen, daß sie gegen jeden überspitzten Nationalismus scharf gekämpft haben. Wir haben sie stets als charaktervolle Menschen kennengelernt und wissen, daß sie sich in ihrer politischen Grundeinstellung nicht geändert haben. Was sie gerade in den uns berührenden Fragen sprechen und schreiben, entspricht ihrer Vergangenheit, und sie brauchen es uns nicht erst zu versichern, daß sie wie früher von jeder Feindschaft gegen die Judenheit frei sind, weil eben ihre Vergangenheit nicht in Worten, sondern in Taten für sie spricht. Dabei wäre es aber doch möglich, daß der neueTeilhaber der soeben gegründeten Deutschen Staatspartei, die Volksnationale Reichsvereinigung, eine Aenderung auch der alten demokratischen Grundsätze herbeigeführt haben könnte, denn der Jungdeutsche Orden, aus dem diese Volksnationale Reichsvereinigung hervorgegangen ist, war in früheren Zeiten ohne Zweifel entschieden judengegnerisch gesinnt und unterstützt noch heute durch Betonung des sogenannten arischen Standpunktes eine wissenschaftlich wie staatsrechtlich unhaltbare Auffassuung. Um die gegenwärtige Lage richtig würdigen zu können, muß man die Entwicklung betrachten, die von dem bewußt außerparlamentarischen „antiparteiischen" Jungdeutschen Orden über die Volksnationale Reichsvereinigung zur Staatspartei, führt. Schon die Volksnationale Reichsvereinigung hat den Rassenstandpunkt des Jungdeutschen Ordens abgelehnt. Jeden Staatsbürger hat sie bei ihrer Begründung zur Mitarbeit eingeladen, auch jeden Juden, der auf ihrem Boden steht. Sie hat es abgelehnt, den „Arierparagraphen" aus dem „Jungdo" mitzuübernehmen. Arierparagraph aber bedeutet Ausschluß von Menschen bestimmter Abstammung, will in dieser Abstammung eine naturgebundene Minderwertigkeit gesehen wird. Wenn wir also auch über den Arierstandpunkt des Jungdeutschen Ordens keineswegs leichten Herzens hinweggehen können, so bleibt doch die Tatsache, daß man ihn im Augenblick des ersten praktisch politischen Auftretens in der Volksnationalen Reichsvereinigung aufgegeben hat, bemerkenswert. Bevor wir die dadurch angebahnte Entwicklung bis zur Staatspartei weiter verfolgen, müssen wir noch kurze Zeit bei der Führerpersönlichkeit verweilen, die allen drei Entwicklungsstufen in gleicher Weise angehört, bei Artur Man raun. ^••••••••••'•••••«•••••••••«■•••••••••••••••••••••••••••••••••••••••a* I Behördl. autor. Häuseradministration I I ADOLF KRALLl! IV., Schleif mahlgasse 11 i j Telephon B 29-1-48; ■ empfiehlt sich zur Über- : : nähme von Verwaltungen [ \ Erstklassige Referenzen ser an einem Ort. Dieser Ort wird nicht bestimmt. Er kann sowohl die Peripherie der Erdoberfläche umfassen, wie auch den durch die Erde verlassenen Raum im Gegensatze zum überhimmlischen als unterirdisches Meer ausfüllen. Die Erde trägt hier einen dreifachen Namen: „erez" als Keim im Chaos und späterhin Teil des Weltalls, „jabaschah" als der in rohem Zustande von den chaotischen Urwassern befreite, jedoch noch pflanzenlose Grund, „adamah" als der im Gewände der Pflanzenwelt dienende Boden. Die Pflanzenwelt selbst zerfällt in Gewächse, „Esseb", un4 Bäume, „Ez". Die Gestirne, die am Himmel haften, dienen irdischen Zwecken. Man kann aus ihnen Winke, „othoth", wie die Flut, Ebbe betreffend erzielen. Je nach ihrer wiederkehrenden Konstellationkönnen Zeiten, „mold", resp. Festtage bestimmt werden. Die Dauer des Tages, „jom", in weiterem Umfange des Jahres „schanah , wird nach ihnen gerechnet Sonst sind sie aber ohne jedwede Bedeutung. Es wäre ein viel zu viel zugespitzte Klügelei, wenn man versuchen würde, dem am ersten Tage erschaffenen Licht am Tage der Entstehung der Gestirne einen Raum irgendwo auf der anderen Seite der Himmelsveste zuzuweisen. Vom irdischen, vielmehr vom menschlichen Standpunkt aus wird das „große", bei Tag und das „kleine", bei Nacht leuchtende Gestirn, als bemerkenswert bezeichnet. Ihre Bezeichnung „meoroth" wörde sich vielleicht in „me-or-oth" zerteilen lassen. Ihre Laufbahn am Himmelsgewölbe ist unserer näheren Erwägung entrückt, dagegen ist da ein Heruntersteigen vom Himmel ausgeschlossen. Da auch sie von allen anderen Gestirnen, die man im gemeinsamen Namen „kokabim" ganz einfach verschwinden läßt, keine Absonderung brauchen, erhalten sie auch keinen Namen. Nach Erschaffung des Getiers, das in Vögel (of haschamajjim") — wohlgemerkt, nicht von der Luft, nur vom Himmel ist beim „of" die Rede! —, Wassergeschöpfe („d'gat hajam") und Landtiere („hachajah horomeseth al hoarez") erscheint der Schöpfung Krone. Aus dem Erde, gleich allen anderen Landtieren, stammt seine Herkunft. Des Menschen Erwachen zum Dasein am Tage des aus dem Erdboden hervorschleichenden Tieres betont die beiden gemeinsame physische Lebensart. Aber schon die hier ein einziges Mal verwendete Pluralkonstruktion („naaseh") will ihm eine spezielle Bedeutung voraussagen. Der Mensch entsteht als Gottes Ebenbild. Vielleicht will damit bezeugt werden, daß der Gott nicht eifersüchtig sein kann. Es wird hier keine Menschenfarbe erwähnt, auch keine Menschenrasse geschildert. Dagegen werden beide Geschlechter zu gleicher Zeit — betont. So erwächst das Wort „adam" zur Kollektiivbedeutung. Nicht dem vom Staube geborenen an die tierisch-physische Lebensweise gebundenen, vergänglichen, menschlichen Individuum, sondern der Menschheit als solchen ist es beschieden, Gottes Ebenbild zu werden, ihren durch die Gesamtheit der ihm verliehenen geistigen Fähigkeiten geregelten Willen zur Ueberwältigung der sie umgebenden Welt durchzuführen — mit imperativem Wollen, aber Milde und Liebe. Der Schöpfungsbericht, der mit dem Beseitigung des Chaos angefangen hat, endet mit der Einführung des Sabbaths. Es ist der siebente „scheba", es ist auch der Ruhetag „säbbal". vor allem aber der erste Tag, an dem nach Erschaffung aller Werke die Geschöpfe ihre fixe gegenseitige Stellung einnahmen, der erste der bestehenden Weltordnung. Er wird als Tag der Harmonie der Schöpfung, als die Antithese des Chaos gefeiert! Die Einfachheit des Berichtes, frei von jedem überschwenglichen Worte und gradlinig in der Form, findet jede Küinstelei oder gar überspitzte metaphysische Begriffe als gänzlich unnütz. Es schreit von ihm keine Spur von einer Massenhypnose heraus. Da wird nur um — Worte gekämpft, die das erschütternde Schaudern vor Gcttes unbegrenzter, in der Unendlichkeit der von Ihm erschaffenen Welt offenbarten Allmacht, wiedergeben sollen. Dr. Josef Alles, Baden b. W. + < Herren-rnaft-ScIinetaer ei E X * $ Praterstraße Nr. 21 % Telephon R 41-6-64 W Wl&HEM BRAUNER Wien II., Gegründet 1900 empfiehlt sich zur Anfertigung eleganter Herren - Garderoben Orig. englische Stoffe stets lagernd Erstklassige Ausführung ►» Mässige Preise f zahlaDgs-Krielclitermitfeii ^TfTTTFVyvnTTTTfVT*T*¥TTTf¥WP»f¥1>' Mahraun wandte sich kürzlich in einem Aufsatz über seine Stellung zum Judentum gegen alle diejenigen Juden, die an den Grundsätzen der christlichen und deutschen Kultur rütteln wollen. Zweifellos gibt es eine jüdisch-religiöse Kultur, die sich aus der Geschichte und den Einrichtungen der jüdischen Gemeinschaft entwickelt hat. Sie hat sich damit aber niemals in eine Gegnerschaft zu anderen monotheistischen Kulturen setzen wollen; es sind dies Kreise gewesen, die sich berührten, ohne sich zu schneiden. WennHerrMahraun sich gegen alle diejenigen wendet, gleichviel, ob sie Juden oderNichtjudensind, die an der Grundlage unserer deutschen Kultur rütteln wollen, soist das ein Ziel, das mitihmJuden und Nichtjuden gemeinsam vertreten. Aus der Formulierung des Satzes scheint aber doch hervorzugehen, daß Herr Mahraun von dem Vorurteil nicht frei ist, als ob gerade die Juden als Zersetzer der deutschen Kultur besonders wirksam wären. Diesem Standpunkt können wir keineswegs beipflichten. Die wesentlichen Unterschiede in der Auffassung, die uns von Herrn Mahraun trennen, liegen darin, daß wir wohl wissen, daß es unter Juden wie unter Nichtjuden Schädlinge gibt daß wir aber die unausgesprochenen Verallgemeinerungen, die auch in seinen Worten liegen, ablehnen müssen. Herr Mahraun erklärt auch, daß das Judentum in den völkischen Grundlagen einer Organisation keinen Angriff gegen sich sehen dürfte. Wir sagen darauf: Wenn völkische Grundlagenbedeuten: Erhaltung von Vaterland und Kultur, so würdien die Massen der Juden mit Mahraun einig sein. Wenn sie aber heißen: Ausschluß einer angeblich fremden, im Gegensatz zur übrigen deutschen Bevölkerung befindlichen „Rasse", so muß eine solche Autfassung als unwissenschaftlich und kulturzerstörend zurückgewiesen werden. Ebenso gern aber sei erwähnt, daß diese Stimmungs- und Begriffsunterschiede Herrn Mahraun selbst nicht mehr in einem Maße belangvoll erscheinen, das ihn in offenen Gegensatz zu uns zu stellen vermöchte. Seine mehrfachen Erklärungen, daß er sich jedem Antisemitismus fern fühle, sind nicht nur so ehrlich von uns hinzunehmen, wie sie ausgesprochen sind, sie sind bereits durch die Tat erwiesen. Die Volksnationale Reichsvereinigung hat nicht nur den Arierparagraphen programmatisch abgelehnt, sie hat auch praktisch bei den Wahlen zum sächsischen Landtag die Hitlerschen Hetzereien wirksam zurückgewiesen, und wenn sie heute von den Hitler- Leuten mit Kübeln voll Schmutz begossen wird, so ist die Reaktion im gegnerischen Lager ein Beweis dafür, daß man es ernst mit seiner Kampfstellung genommen hat. Im Anfang war die Tat! III. So ist der Gründung der Deutschen Staatspartei eine Entwicklung in ihrer „jungdeutschen" Gefolgschaft vorangegangen, die der klare und einsichtige Beobachter als durchaus erfreulich bezeichnen muß. Sie beweist, daß man auch dort in der Anerkennung der staatsbürgerlichen Bedeutung der deutschen Juden durchaus auf dem richtigen Wege ist. Letzten Endes kommt es darauf an, wie jemand im Laufe der Jahre die Werte der einzelnen Gruppen in der allgemeinen Politik zu sehen gelernt hat. Die Volksnationale Reichsvereinigung bezeichnet es als eine Verleumdung, wenn man sie aisantisemitisch hinstellt. Das muß uns genügen und genügt uns auch. Wir müssen es ablehnen, eine

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