Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 33 (15.8.1930)
- Date
- 1930-08-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT Glossen, Stephan Zweig schreibt in einer kurzen Betrachtung über die Rassenf rage u. a. buchstäblich: „In ganz Oesterreich, diesem 20G0jährigen Mischstaat, sind keine 500 Menschen zu finden, die ehrlich den Nachweis erbringen könnten, kein slawisches, magyarisches, mongolisches, italienisches, jüdisch-semitisches Blut in den Adern zu haben." Um Himmelswillen, sollte der Herr Rektor (Qraf) Gleispach, der immer behauptete, sein neues Studentenrecht sei nicht gegen die Juden gerichtet, schließlich noch beschuldigt werden, daß er, natürlich ohne es tückisch zu wollen, einen tödlichen Streich gegen den bisher unbestrittenen deutschen Charakter der Wiener Universität führte? * * * Dem Herrn Rektor (Graf) Gleispach dürften nach den Ausführungen Stephan Zweigs doch einigermaßen Bedenken über die möglichen Wirkungen seines neuen Studentenrechtes aufsteigen. Er weiß genau, daß hier die Meinung eines der hervorragendsten Männer des deutschen Schrifttums vorliegt, der schon seinem berühmten Namen schuldig ist, genau die Worte zu überlegen, mit denen er eine so schwerwiegende Behauptung in die Welt schleudert. Ja, noch mehr, Herr Rektor (Graf) Gleispach muß sich sagen, daß für Stephan Zweig sein Wort heilig wie ein Eid ist. So sagt dieser z. B. gerade in seiner die Rassentheorien verhöhnenden Betrachtung, zur Bekräftigung der Behauptung, daß man „überall außer in Oesterreich in geistigen Kreisen Reinheit eines Menschen nicht nach seiner Blutzusammensetzung, sondern nach seiner moralischen Haltung, und seinen bürgerlichen Wert im Staate nicht nach der Herkunft; sondern nach der Leistung wertet," wörtlich: ,.So beeide ich ehrlich und öffentlicherweise, daß man z. B. in Europa und in der ganzen Welt den blutminderwertigen Professor Sigmund Freud höher in seiner Kulturwirkung einschätzt als den angeblich reinrassigen Wenzel Gleispach, sofern man dessen Namen über den Hörsaal der Wiener Universität überhaupt jemals vernommen hat" Man kann neugierig sein, ob Gleispach, der den berühmten Rechtslehrer an der Wiener Universität Hupka keiner Widerlegung würdigte, in Stephan Zweig einen „ebenbürtigen" Gegner erblicken wird, dem man antworten darf. * * Die „Dötz" ist maßlos empört darüber, daß man dem Rektor (Graf) Gleispach in Salzburg gelegentlich des Kongresses des „Vereines für Deutschtum im Auslande" das Schlußwort unmöglich machte. Dem Herrn Grafen wäre es sicher lieber gewesen, wenn das Blatt, das ihm durch die Art seiner verehrungsvollen Sympathiekundgebungen sicherlich schon oft weh tat, vor Empörung — verstummt wäre. Was brauchen die Antisemiten im Inland zu wissen, wie die „Deutschen im Ausland" sich gegen antisemitische Expektorationen Gleispachs in Salzburg schützten. * * * Ein hervorragender deutscher Denker, Konstantin Brunner, meint in einer seiner jüngsten Schriften: „Ein paar Generationen ohne Judenhaß und es gäbe keine Juden mehr." Die Hakenkreuzler lesen wenig, sonst wären sie imstande, von den Juden Dank dafür zu heischen, daß sie für die Erhaltung des Judentums kämpfen. * * Siegfried Wagner, dessen Bedeutung als Künstler und Mensch überall hohe Würdigung gefunden, verdient es, daß ihm in einer jüdischen Wochenschrift noch besondere Worte pietätvollen Gedenkens gewidmet werden. Er war der Sohn Richard Wagners, der, obwohl er bekanntlich unter den Juden nicht nur die begeistertsten Apostel seiner Kunst, sondern auch die hochherzigsten Helfer in materiellen Nöten zählte, als einer der Väter des Rassenantisemitismus gilt Siegfried Wagner hat seinen Ruhm darin gesucht, sich ganz dem Werke des genialen Vaters zu widmen. Aber er hat es verschmäht, sich jemals in Wort oder Schrift als Erbe der antisemitischen Gesinnungen Richard Wagners zu bekennen, ja er hat sie in Europa wie in Amerika oft direkt verleugnet. Das sei dem Sohne Richard Wagners nicht vergessen. * * :»: Die antisemitischen liugenberg-Leute bekämpfen sich, seitdem sie in zwei Lager sich trennten, in der heftigsten Weise. Vor kurzem beschuldigten Berfldfsidriigen Sic Dei ihren Einh&nfen unsere Inserenten! sie sich gegenseitig der Unaufrichtigkeit, der Verschlagenheit. Jetzt werfen sie" sich schon die — Unterschlagung von Geldern vor. Fehlt nur noch die Verdächtigung, daß sie im Dienste der Juden arbeiten. * * * Der gewesene Generalsekretär der „Erwachenden Ungarn", Lorand Lukacs, wurde vor einigen Tagen verhaftet. Er wird sich wegen einer Reihe schwerer Diebstähle zu verantworten haben. Welch Erwachen der ungarischen Justiz! „Erwachende Ungarn" müssen glauben, sie träumen. Ego. Wahrheiten vom Jage Jüdische Mussolini-Schwärmer. Im „Doar H a y o m", dem Jerusalemer revisionistischen Organe, erklärt Aba Achimeir in einem Artikel über Indien, Ghandi sei nur ein Martin Buber in indischer Ausgabe und Männer dieser Art hätten noch nie ihr Voik gerettet, sondern nur Männer wie Lenin, Djemal Pascha und Mussolini. Der Sehnsuchtsschrei nach einem jüdischen Mussolini, der aus diesem Artikel herausklingt, ist im Grunde genommen die Verquickung unjüdischen Wesens mit faschistischem Geist. Diese blau-weißen Faschisten, die sich so gerne an fremden Nationalhelden berauschen, täten besser daran, an die bösen Folgen ihres lärmenden Bramabarsierens zu denken. Freie Bahn den — Zurückgebliebenen! Sir S i m p s o n hat Palästina verlassen und sich nach Griechenlärid begeben. Erst dort wird er sein, Gutachten ausarbeiten. Da er vorher noch den Bericht über die Ansiedlung griechischer Flüchtlinge zu verfassen hat, dürfte noch längere Zeit vergehen, bis man von ihm über Palästina weiteres hört. Vor seiner Abfahrt zeigte man ihm in einer Kolonie, was durch jüdischen Fleiß und Energie geschaffen worden ist. Darauf erwiderte er: „Die Juden sind wirklich tüchtig, aber gerade deswegen ist es Aufgabe der Regierung, für die zurückgebliebenen Araber zu sorgen." Ungarische Götzendämmerung. In Kecskemet hat sich eine neue politische Partei unter dem Namen „Ungarische Freiheitspartei" konstituiert. Zu der konstituierenden Versammlung hatten sich eine Reihe ehemaliger Rassen schützlerführer eingefunden, darunter der gewesene Abgeordnete Andreas Z s i 1 i n s k y, der in einer Rede unier anderem ausführte, daß die Rassenschutzpolitik verdorrt sei; seit zwei Jahren habe sie jeden Widerhall verloren. — Auch bei den „Erwachenden Ungarn" beginnt also die Einsicht zu erwachen, daß mit dem Rassenantisemitismus keine Lorbeeren zu holen sind. Religionsverfolgune als Geschäft. Die zum Zweck der Glaubensbekämpfung durch die Sowjetregierung durchgeführte Beschlagnahme von Kirchenbesitz, aber auch von Reliquien und Gebetbüchern in den Gotteshäusern aller Konfessionen, hat zu einem merkwürdigen Streit geführt, der jetzt in. Wien zur Austragung gelangt ist. Von der in Wien erscheinenden Wochenschrift „Jüdische Press wurde die Behauptung aufgestellt, daß in großen Massen jüdische Gebetbücher, die von der Sowjetregierung beschlagnahmt worden sind, exportiert wurden, und daß auch in Wien solche geraubte Gebetbücher verkauft werden. Die Zeitung berichtete auch von einer Rabbinerkonferenz in Wilna, die unter dem Vorsitz des berühmten Chofez Chaim ein Verbot gegen den Ankauf jüdischer Religionsbücher, die aus Rußland imponiert wurden, erlassen habe, da es sich um geraubtes Gut handelt. Auch in Amerika, das mit derartigen heiligen Büchern von der sowjetrussischeu Handelskommission geradezu überschwemmt werde, seien zahlreiche Proteste namhafter Führer gegen den Ankauf solcher Bücher ergangen. Die Wiener Firma Ziege 1 heim & Co.. die in Oesterreich den Vertrieb jüdischer Gebetbücher, die von der russischen Handelskommission auf den Markt gebracht werden, besorgt, fühlte sich durch diese Veröffentlichung geschädigt und verlangte von der „Jüdischen Presse" die Aufnahme einer Berichtigung. In dieser stellte sie fest, daß die in Wien auf den Markt gebrachten Religionsbücher rechtmäßig erworbenes Eigentum und mit einem Ursprungszertifikat der sowjetrussischen Handelskommission versehen seien. Das Verbot der Rabbinerkonferenz, das nicht „erlassen", sondern nur „beschlossen" worden sei, erstrecke sich nur auf geraubte Bücher und Thorarollen. Die Behauptung von den Protesten amerikanischer Judenführer sei nicht richtig, vielmehr habe der Direktor der jüdischen Abteilung der amerikanischen Staatsbibliothek erklärt, daß er die ihm von der russischen Handelskommission angebotenen Bücher gekauft hätte, wenn er über die verlangten Beträge verfügt hätte. Als die „Jüdische Presse" die Aufnahme dieser Berichtigung ablehnte, brachte die Firma Ziegelheim & Co. durch Dr. Heinrich Turmann die Berichtigunssldage ein, über die Präsident Dr. C. Höflmayr des Strafbezirksgerichtes I zu entscheiden hatte. Der Herausgeber und verantwortliche Redakteur Rabbiner Dr. Joel P o 11 a k erklärte, daß wahrscheinlich alle auf den Markt gebrachten religiösen Bücher aus Rußland geraubt seien: aber auch wenn das nicht zutreffe, halte er es für ein Verbrechen, aus Rußland, wo seit zehp Jahren alle hebräischen Bücher beschlagnahmt werden, Gebetbücher auszuführen. Die Veröffentlichung der Berichtigung hielt er für unmoralisch und aus diesem Grunde lehnte er sie ab. Der Richter verkündete den Freispruch des Redakteurs und bestimmte lediglich einige dem Preßgesetz entsprechende Absätze der Berichtigung zur Veröffentlichung. Gegen den kulturschändenden Antisemitismus. Der Vorsitzende des Reichsbanners Schwarz- Rot-Gold, H ö r s i n g, hat an Reichsminister a. D. Koch -Weser fünf Fragen gerichtet, die sich auf die Politik der Deutschen Staatspartei beziehen. Koch-Weser hat die Fragen beantwortet. Auf die fünfte Frage, ob die Deutsche Staatspartei den kulturschändenden Antisemitismus ablehnen und wo nötig bekämpfen wird, erwiderte Koch-Weser: Die Deutsche Staatspartei lehnt den kulturschändenden Antisemitismus ab und b ekämpft ihn. Traurige iage der Juden in Marokko. Die über alle Maßen traurige Lage der Juden in Marokko beginnt nun die französische Jiideiiheit zu beschäftigen. Die Juden in Marokko sind rechtlos; es ist ihnen nicht erlaubt, die französische oder die marokkanische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Sie stehen unter dem „Schutz." des Sultans von Marokko, was nur bedeutet, daß sie einer mittelalterlichen moslemitischen Jurisdiktion unterworfen sind. Jeder kleine Ortsrichter verhängt Geißelstrafen über Juden. Der soeben von einer Reise nach Marokko zuückgekehrte Präsident der französischen, Liga für Menschenrechte, Prof. Victor Bäsch, erklärte, der kulturelle Standard der marokkanischen Juden sei ungewöhnlich niedrig. Schulen und noch einmal Schulen seien notwendig. Frankreich könne sich aus politischen Gründen da nicht einmischen, es könne den Sultan seiner Vorrechte nicht berauben und auch nicht die Vorrechte seiner Notabeln, die das Volk unterdrücken und die Juden malträtieren, aus der Welt schaffen. ÜBERZEUGEN SIE SICH vor der Cüte und Preiswürdigkeit der im SAN ITÄTS HAU S FISCHER WIEN II., TABORSTR. 24a TELEPHON R 40-5-9S Teilzahlungen ohne Preiserhöhung! Beamte hohe Rabatte. Verieihung von Heißluft-Apparaten und Krankenpflege-Artikel. a——i Wichtige Neuerscheinung! I I mrna I m In unserem Verlage erscheint soeben: 1 MACH SO R (Festgebete für die hohen Feiertage) S mit vollständigen; ungekürztem Text, mit einer neuen L'ebersetzung von Prot. Dr. Jatob Bronner, Wien. §Diese neue Ueberselzung zeichnet sich vor allen anderen, bisher vorhandenen durch ibien modernen Stil und _ ihre Klarheit ans. Der Name des Uebersetzers bürgt 0 für deren Zuverlässigkeit und Gründlichkeit. Sowohl Hder .hebräische als auch der deutsche Text (Lateinschi ift) ist in klarer, schöner Type aut vorzüglichem holzfreien Papier gedruckt und sorgfälligst koriigiext. Der MachSOr eignet sich auch vorzüglich für Geschenkzwecke und soll in keinem jüdischen Hause fehlen! Preis in 2 Leinenbänden S 7.— r 4 . . . $ 10.— »4 Luxusbänden - S 14.— Zu bezieben durch die s Verlagsbuchhandlung W. Salzmann 2 Wien II., Große Schiffgasse N'. 4 Telephon R 27-6.71 V!