Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 33 (15.8.1930)
- Date
- 1930-08-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Am Grabe von Ludwig Haas. Unter massenhafter Beteiligung aller Kreise des ■öffentlichen Lebens in Baden und der jüdischen Gemeinde von Karlsruhe fand am Dienstag, den 5. August, die Bestattung des Reichstagsabgeordneten Dr. Ludwig Haas statt. Die Ehrenwache stellte das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Kranz- und Blumenspenden sandten der Reichsinnenminister, der Reichspräsident, das Badische Staatsministerium, die Stadt Karlsruhe, die demokratische Landtagsfraktion, die deutschdemcikratische Parteiorganisation, die K. C.-Verbindung „Bavaria", der Altherrenverband „Badenia", der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften des badischen Reserveinfanterieregiments 23S, der Vorstand der badischen Anwaltskammer, der badische Anwaltverein, die badischen Richter und Staatsanwälte u. a. m. Stadtrabbiner Dr. Schiff (Karlsruhe) führte in seiner Trauerrede aus, über Haas" Wirken habe das Motto des ersten deutschjüdischen Politikers, Gabriel Riesser, gestanden: „Wir wollen dem deutschen Vaterlande angehören!" Reichsinnenminister Dr. Joseph Wirth legte einen großen Lorbeerkranz mit schwarzrotgoldener Schleife nieder und erklärte, die deutsche Reichsregierung widmet diesen Lorbeer dem tapferen Soldaten, der als einer der ersten freiwillig in die Feldschlacht gezogen sei, dem großen Patrioten, der in den Stürmen der Revolution zur neuen Ordnung der Dinge beigetragen habe und dessen Verdienste um diese Neuordnung historisch genannt werden dürften. Am Sarge des großen deutschen Juden Ludwig Haas müsse man seine Stimme erheben zur Bitte und Beschwörung, daß angesichts des edlen und reinien Wirkens dieses Toten das Werk der Zersetzung durch Volks Verhetzung eingestellt werde. Im Namen der demokratischen Reichstags- und Landtagsfraktion führte .Reichsfinanzminister Dietrich aus: Wenn besonders in Baden die Umgestaltung des monarchischen Staates zum republikanischen Staat ohne schwere Schädigung des Volksganzen geschehen sei, so sei das im wesentlichen ein Verdienst des Politikers und Menschen Ludwig Haas. Ein schwerer Verlust sei der Tod von Ludwig Haas auch für die neue Einheits- und Sammelbewegung, für den neuen gegenwärtigen Kampf um die Republik. Im Namen des Bundesvorstandes, des Landesverbandes Baden-Pfalz und der Ortsgruppe Karlsruhe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten sprach Rechtsanwalt Hugo Stein (Karlsruhe) Worte der Trauer. Ludwig Haas habe den Kampf gegen die Ver- 4-flumdung der jüdischen Frontsoldaten an hervorragender Stelle mitgeführt, er, der alte Soldat, der sofort bei Kriegsbeginn zu der Fahne geeilt war und sich in der vordersten Schützenlinie bewährt hat. Dr. Ludwig H o 1 lä n d e r, der mit Dr. Jacob Marx (Karlsruhe) den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens vertrat, hielt eine tiefempfundene Gedenkrede: Haas hat uns gezeigt, wie ein Mensch in edelster Vereinigung das spekulativ Ausschauende mit dem positiv Gebundenen vermählen kann. Seine Liebe, seine Treue zum Väterglauben hat er auch in verantwortungsvoller Stellung im besetzten Polen Bewiesen. Unbeirrbar in der Wahrnehmung der deutschen Interessen hat er ein warmes und starkes Empfinden für die Leiden und Nöte der polnischen Juden, deren Angelegenheiten ihm als dem Sachbearbeiter des Gouvernements Warschau unterstanden. „Viele viele Wochen", führte Dr. Holländer aus, „war ich mit ihm in Warschau zusammen und weiß, daß es heute Hunderttausende in Warschau geben wird. HQglciilsdies Köniosliclil Seit vielen Jahren das anerkannt beste Irzeitll M^rntMM Man achte auf die ges. gasch. Mark* „Hyglen. Kötilgsllcht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschangass« Telephon R 33-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt. die in Tränen den letzten Weg unseres Ludwig Haas begleiten. Die Liebe zum Vaterlande war ihm so. daß er nicht fragte, ob es gut, ob es weniger gut zu seinem Kinde ist. Er war geboren und gewachsen in dieser badischen heimatlichen Erde. Wollen wir sein Andenken ehren, so kann dies nur geschehen, wenn wir immer an der Vollendung seiner Wünsche arbeiten in heiligster Erinnerung an diesen großen Vorkämpier.'' Am offenen Grabe sprachen noch Dr. Jacob Marx, Dr. David Rothschild, Frankfurt a. M. im Namen des K.C., des Altherrenverbandes „Badenia" und der Verbindung „Bavaria", Vertreter der badischen Anwaltskammer, der Richter und Staatsanwälte (Landgerichtsdirektor Mehl), der Logen u. a. m. Weltkongreß der Schomre Schabbos. Das Programm des vom 24. bis 26. August in Berlin stattfindenden Sabbatweltkongress.es ist folgendes: Am Sonntag, den 24. August 1£>30, vormittags zehn Uhr, Eröffnung des Kongresses, a) Ansprache des Präsidenten Dozent Dr. Samuel Grünberg -Berlin, b) Begrüßungen, c) „Der Sabbat als heiligende Krait in Israel": Chief-Rabbi des Freistaates Irland. Doktor I. Herzog. A. B. Iit.-Dublin. d) „Wirtschaftspolitik und Wirtschaftspraxis im Dienste des Sabbatschutzes": R.-A. Dr. jur. Paul Sulzberger, Vizevorsitzender des Weltverbandes Schomre Schabbos, Berlin. 2. Sitzung: Sonntag, nachmittags 16 Uhr. Konstituierung. Wahl der Kommissionen, a) „Sabbat-Idee und Zeitgeist": Rabbiner Dr. Ansbache r-Wiesbaden, b) „Zur Frage der Kalenderreform": 1. Gemeinderabbiner Dr. L. Rosenthal-Köln. 2. Dr. T. Lewenstein- Zürich, Generalsekretär des internationalen jüdischen Komitees betreffend Kalenderreform, c) „Organisationstätigkeit der Schomre Schabbos in Holland": E- A s c h e r, Vorsitzender des Sabbatkomitees in Amsterdam. 3. Sitzung: Montag, den 25. August 1930. vormittags 9 Uhr. a) „Die Fünf-Tage-Arbeitswoche als Lösung des ■ Leopoldsiadfer Tempeifereln ■ „Acscnn. AWRonon" 5 Bei den Trauungen in unserem Gotieshause werden von den amtierenden Mitgliedern des Vorstandes Spenden gesammelt. Gemäß dem seinerzeit Ketroifenen Beschlüsse werden diese Spenden zu wohltätigen Zwecken verwendet, einerseits zur Stärkunit des Armenfonds behuis Unterstützung würdiser. armer famllien und Glaubensgenossen, anderseits zur Vermehrung des Brautausstattunssionds. aus dem arme und ehrbare Brautpaare unterstützt werden. Im Sinne des Vorsundsbeschlusses werden diese letzteren Stipendien am 1. SelichotcaKe. als Erinnerung an die Einweihung unserer Synagoge, flüssig gemacht. Es werden daher auch im heurigen Jahre arme, würdige und ehrbare Brautpaare am 1. Selichottage (14. September) mit dem Stipendiumbetrage beteilt, wobei denselben eine sehr würdige Gratistrauunä geboten wird. Diesbezügliche Gesuche sind rechtzeitig an den Tempelvorstand. II.. Pazmanitengasse 6. zu richten. Wien, im Aw. c690 Ausust 1030 Für den Vorstand: Oskar Schramek, Obmann. 5aBasaBBaaaaaaaaBgaaaaaBaaaaaaaiiaaa»l Sabbatproblems": Referent Dr. Bernhard Drachmann. New York, Präsident der Jeyish Sabbat Alliance of America. Diskussion, b) „Arbeiten und Aufgabender Stellenvermittlung Schomre Schabbos in Deutschland": Jakob Rosen he i m - Frankfurt. Diskussion, c) „Sonntagsruhe. Kirchen- oder Sozialpolitik": Stadtrepräsentant Desider K o r e i n - Budapest. Präsident der ungarischen Schomre Schabbos - Landesorganisation. Diskussion. (Tagung der Kommissionen.) Montag, nachmittags 4 Uhr: 4. Sitzung, a) „Medizinische Bedeutung der Fünf-Tage-Arbeitswoche": Dr. med. Henri H. Keller- New York. Diskussion, b) „Sabbatnot und Sabbatschutz als Arbeitnehmerproblem." Referent ein Vertreter der sabbattreuen Arbeitnehmerschaft in Polen. Diskussion, c) „Der Versicherungsgedanke und seine Bedeutung für die Schomre Schabbos- Organisation": Direktor Richard L i c h t h e i m-Berlin. d) „Jugend und Sabbatprobleme": E. A. Genachowsky, Journalist, Antwerpen. Diskussion. (Tagung der Kommissionen.) Dienstag, den 26. August, vormittags 9 Uhr: 5. Sitzung, a) „Die wirtschaftliche Situation des Sabbatproblems in Dänemark" (Oberrabbiner Dr. M. F r i edige r-Kopenhagen): Frankreich (Oberrabbiner Doktcr 5. Langer - Paris); Holland (Fabrikant Henri Guggenheim -Amsterdam. Bericht anderer Ländervertreter. Geraldebatte. b) Berichte der Kommissionen. Dienstag, den 26. August, nachmittags 16 Uhr: 6. Sitzung. Fortsetzung der Generaldebatte, Anträge. Abstimmung. Resolutionen und Wahlen, Schlußansprache. Pressekonferenz des Weltverbandes Schomre Schabbos. Der Weltverband der Schomre Schabbos lud am 8. d. M. die Vertreter der jüdischen Presse zu einer Konferenz in das Haus seines Vizepräsidenten Herrn Rechtsanwalt Dr. Paul Sulzberg er ein, um sie im Zusammenhang mit dem vom 24. bis 26. August in Berlin stattfindenden Ersten Weltkongreß der Schomre Schabbos mit den aktuellen Problemen der Sabbath-Schutz- Bewegung bekannt zu machen. Nachdem der Gastgeber die Vertreter der jüdischen Presse Deutschlands und des Auslandes begrüßte und sie um die publizistische GROSSFLEISCHHAUEREI SliGM. KORNMEHl UHaMMalHlilMaiHi^MHHM VJUN IX,, BER<KIA5SI MR. 19 *IUAJL8t XVIII., WAHRINOBRSTRASSJI 9t Telepboa Nr. A 17-3-99and A 16-9-34 LI«fara«t für Heilanstalt«« AbteilungenfQrKoscherfieisch unter Aufsieht d«s «hrw. Rabbinates dar Isr. KaltnagaoMind« WI«a. Sämtliche Fleischsorten von ausseblleUlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Förderung der Sabbath-Idee ersucht hatte, legte der Präsident des Weltverbandes Herr Dozent Dr. G r ü n b e r g die Beweggründe der Gründung eines Weltverbandes der Schomre Schabbos dar und setzte dessen Ziele und Aufgaben auseinander. Der Weltverband, führte er aus, war eine Forderung des Tages, die aus der Not der Zeit entstanden ist. Der Sabbath, die altgeheiligte Einrichtung der jüdischen Religion, ist in Gefahr, im Tempo unserer Zeit und ihrer verworrenen wirtschaftlichen und anderen Probleme und in der parteiischen Zerklüftung des Judentums von heute iür eine große Zahl Juden verloren zu gehen. Um diese Gefahr zu bannen, wurde der Weltverband zum Schutz des Sabbaths auf einer vollkommen unparteiischen Grundlage begründet. Führende Männer des jüdischen Geistes- und Wirtschaftslebens aus allen politischen Schattierungen haben sich dem Verbände angeschlossen: aus allen Teilen Europas, aus Amerika und aus anderen Weltteilen sind bereits wärmste Zustimmungskundgebungen und Beitrittserklärungen von großen Verbänden und Gemeinden zugegangen. Sehr populär ist die Idee der Sabbath-Bewegung in Palästina, wo nicht allein religiöse Gemeinden, sondern sogar die Stadtverwaltungen von Tel Aviv und Petach Tikwah sich der Bewegung anschlössen. Der kommende Weltkongreß wird eine große Reihe von Führern des Weltjudentums in Berlin vereinigen. Der Redner setzte auseinander, wie notwendig es sei, daß ein Sabbath-Schutz-Verband auf interterritorialer Grundlage bestehe, und setzte die Aufgaben des Verbandes auseinander, die in folgendem bestehen: Die Forderung der Sabbath-Ruhe als Grundidee jüdischer Lehre und jüdischen Lebens soll allen jüdischen Kreisen ins Gedächtnis zurückgerufen werden; die Schomre Schabbos-Vereine aller Länder und gleichgerichtete Vereinigungen sollen zusammengefaßt werden: der Weltverband will die Gesetzgebung der Länder, soweit sie sich auf Arbeitsruhe (Sonntagsruhe, Arbeitszeit, Angestelltenschutz, Lohnzahlung usw.) bezieht, zu beeinflussen suchen, auch sollen sabbathtreue Beamte angestellt werden, die Sonntagsdienst verrichten: selbständige Sabbath haltende Personen sollen gestützt werden: Betriebe, die am Sabbath arbeiten, sollen dahin beeinilußt werden, einen Prozentsatz sabbathtreuer Angestellter und Arbeiter, eventuell bei verlängerter täglicher Arbeitszeit, zu beschäftigen: der günstige Abschluß von Versicherungen sabbathtreuer Kreise gegen Arbeits- und Stellenlosigkeit soll gefördert werden: der Weltverband will Kreditinstitute zur Förderung der Sabbathhaltenden auf streng kaufmännischer Grundlage schaifen. ein solches Institut besteht bereits in Lettland: sabbathtreue Kaufleute und Handwerker werden zu Genossenschaften zum Zwecke der Selbsthilfe zusammengeschlossen. Der Weltverband führt den Kampf gegen jede den Sabbath und die jüdischen Feste bedrohende Kaleuderreform; der Verband will jüdische Organisationen, wie Agro-Joint. ORT usw. zur Gründung von Schomre Schabbos-Siedlungen anregen: der Verband fördert die Wochenend- und ähnliche auf eine Fünftagearbeitswoche zielenden Bestrebungen, damit auch der Sabbath neben dem Sonntag arbeitsfrei ist, durch Tätigkeiten geistiger Art, wie Predigten, Herausgabe einer Zeitschrift, einer Sabbath- Enzyklopädie. für die Ch. M. Bialik und andere Dichter und Schriftsteller ihre Mitarbeit zugesagt haben, will der Weltverband zur Vertieiung der Sabbathidee beitragen. Der Redner würdigte die Bedeutung der Presse in der Bildung und Formung der öffentlichen Meinung und appelliert an die Presse, ihre Kraft iür eine der wichtgsten Institutionen des jüdischen Lebens einzusetzen. lBBaaaaaaaaaaaaaaaaaBaaaaaaaaaaaaaas| I Neuerscheinung i J Soeben ist der S II. Band ■ ■ des seinerzeit von der Wissenschaft und Presse ■ überaus günstig aufgenommenen Quellenwerkes „Geschichte der Juden in Stadt und Land Salzburg" ** von OberrabblHer Dr. Aitmaan. Irler erschienen, Wissenschaftler. Bibliotheken, Gemeinden und Vereine sowie Freunde der jüdischen Geschichte 5 werden auf diese wichtige Neuerscheinung hinge- 5 wiesen. Zu beziehen durch jede Buchhandlung * oder durch den Verfasser. 5