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Die Wahrheit · 1930-08-08 · Heft 32 (8.8.1930) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 32 (8.8.1930)
Date
1930-08-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Auch in Galatz sind im Stadtviertel C h e r e s h wieder mehrere jüdische Häuser niedergebrannt. Der Brand entstand in einem Getreidespeicher der jüdischen Firma Marmarosch Blank & Co. Die Polizei hat zwei der Brandstiftung verdächtige Personen verhaftet. Aus zahlreichen Städten und Orten werden große •Brände gemeldet. Das 1. T.-A.-Büro in Bukarest erhielt telephonische Meldungen aus Bacou. Niamz, Birchai, ■Gurawei. Valiasaka und Bivolar, wo jüdische Häuser in großer Zahl Bränden zum Opfer gefallen sind. Die Geschädigten befinden sich in einer verzweifelten Lage. (Nach offizieller Lesart soll all diese Brände die heiße Witterung verursacht haben. Wer glaubt das schon?) Neue Judenattacken in rumänischen Städten. Bukarest, 30. Juli (I. T.-A.). Aus Be 11z werden der 1. T.-A. neue von Studenten ausgehende Attacken gegen Juden gemeldet. Zwei Juden, die Brüder Lipsohn, erlitten durch Schläge so schwere Verletzungen, daß sie ins Lazarett geschafft werden mußten. Auch in dem Städtchen N i tn c r e u bei Kischinew ist es zu Straßeninsulten gegen Juden gekommen. Dabei wurde der Jude Mische Itzkowiz und seine zwanzigjährige Tochter derart geschlagen, daß sie das Bewußtsein verloren und ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Drei Angehörige der Ortspolizei haben sich aktiv an den Insulten beteiligt, wobei sie sagten, heute ist es erlaubt. Juden zu schlagen. Die Polizisten wurden ven den Zentralbehörden suspendiert und der Bestrafung zugeführt. Bukarest, 29. Juli (I. T.-A.). Aus dem Städtchen O r g i c w wird dem Bukarester Büro der I. T.-A. telepheuisch gemeldet, daß an den letzten beiden Tagen Studenten jüdische Passanten auf den Straßen Orgiews attackierten. Die Polizei verhält sich dabei auffallend zurückhaltend. Eine neue SpezialSitzung des rumänischen Kabinetts. Bukarest. 31. Juli (I. T.-A.) Am Morgen des 30. Juli fand unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten M a n i u, der seinen Urlaub abermals unterbrochen hat, neuerdings eine Sonderberatung des Kabinetts statt, in der beschlossen wurde, zur Vermeidung eines neuerlichen A u.s bruchs von Unruhen die schärfsten Maßnahmen zu ergreifen. Unruhen in Bereschti. Bukarest, 1. August (1. T.-A.). „A d e v e r u 1" meidet zu den von den rumänischen offiziellen Stellen in Abrede gestellten antisemitischen Ausschreitungen in Bereschti, daß an diesen Unruhen eine Gruppe von etwa 600 Studenten und anderen Personen beteiligt war. Eine jüdische Kriegerwitwe wurde angespien. Der Präsident der jüdischen Gemeinde Markus Klein und ein Mann in seiner Gesellschaft wurden verprügelt. Die „Eisengardisten" riefen: „Nieder mit den Juden! Hoch Se. Majestät Zelea Codreanu!" Das Blatt behauptet, daß sich die Behörden passiv verhielten, ja sogar für Speise und Trank der „Eisengardisten" sorgten. Wer wird Codreanu verteidigen? Bukarest, I. August (I. T.-A.). Der wegen seiner Verbindung mit dem Führer der „Eisernen Garde". Zelea Codreanu, seines Amts enthobene ehemalige Kabinettchei im Innenministerium, Tazlaoanus, suchte gestern den berühmten Juristen und früheren Dekan der rumänischen Juristenvereinigung. Professor Mitchescu. auf und bat ihn, die Verteidigung Codreanus vor Gericht zu übernehmen. Professor Mitchescu wies dieses Ansuchen entschieden zurück und erklärte, er werde niemals antisemitische Führer verteidigen. Die antisemitische Geheimdruckerei entdeckt. Bukarest, 1. August (I. T.-A.) Es ist der Polizei endlich gelungen, die Geheimdruckerei der antisemitischen „Eisernen Garde" zu entdecken, in der alle in der letzten Zeit veröffentlichten antisemitischen Flugblätter und Plakate hergestellt worden sind. Bombenwerfer werden freigelassen. Bukarest, 3. August (J. T.-A.). in die Wohnung ^des jüdischen Bürgers Menachem Rubinger in Dorna- Candreni, im Süden der Bukowina, wurde in der Nacht -eine mit Ekrasit gefüllte Bombe durch das geschlossene Fenster geschleudert, die aber infolge des Regens nicht zur Explosion kam. Die Täter wurden gefaßt, aber gleich darauf wieder freigelassen. Woher das Schuß-Geld stammt! Bukarest, 3. August (J.T.-A.). Die Untersuchung im Zusammenhang mit dem gegen den Staatssekretär Anghelescu verübten Attentat hat jetzt ergeben, daß die an dem Attentat beteiligen antisemitischen Studentenkreise ihre Geldmittel aus den Dispositionsfonds mehrerer Ministerien erhielten. Die betreffenden Ministerien geben allerdings bekannt, daß das Geld für „kulturelle Tätigkeit" unter den Studenten gegeben worden sei. Die Juden von Trushenv aus Angst vor Pogromen geflüchtet Bukarest, 3. August (J. T.-A.). Die gesamte jüdische Bevölkerung des Städtchens Trusheny (Bezirk s u Herrenood Oieieiüer ■I - nur Ia Qualitäten, nach Maß und fertig II lagernd, eventuelle ZahlungserleichtejJflKik rungen bis zu 1 Jahr werden gewährt KLEIDER-UNION iWlENVLKuernens.6 TeLB202-15 Kischinew) ist nach Kischinew geflüchtet, als 25 antisemitische Studenten in das Städtchen kamen und unter den Bauern eine Pogromagitation entfalteten. Das Elend in Borscha. Bukarest, 3. August (J.T.-A.). Das Hilfskomitee für die Abbrändler von Borscha erläßt einen Aufruf, in dem es heißt: Es ist herzzerreißend zu sehen, wie 2500 jüdische Menschen, darunter Kinder und schwangere Frauen, ohne Obdach, ohne Kleidung, barfuß, hungernd und in Furcht vor dem Morgen verharren. Ihr Elend ist grenzenlos und muß behoben werden, bevor der Winter hereinbricht. Das Weltjudentum sollte uns helfen, bevor es zu spät ist. Es werden Geldspenden an die Adresse der Joint-Bank in Cluj (Klausenburg) erbeten. JüdisdkelhtentafeL Berlin. Das Ableben des hochverdienten demokratischen Parteiführers Ludwig H a a s hat in allen politischen Kreisen Deutschlands lebhafte Teilnahme erweckt Die Demokraten Deutschlands werden gerade unter den gegenwärtigen schwierigen Verhältnissen gar sehr seinen Rat vermissen. Ludwig Haas lag seit Beginn dieses Jahres schwer krank darnieder, doch stand er bis zuletzt mit der Leitung der Deutschen Demokratischen Partei brieflich in Fühlung. Dr. Ludwig Haas wurde am 16. April 1875 in Freiburg geboren, hat also ein Alter von 55 Jahren erreicht. Er war einer der angesehensten Rechtsanwälte in Karlsruhe, seit 1912 gehörte er dem Reichstage an. Bei Kriegsausbruch ging er als Freiwilliger ins Feld und erwarb an der Front sehr bald das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse. In den letzten Kriegsiiihren war er eine Zeitlang Leiter des jüdischen Dezernats bei der deutschen Zivilverwadtung in Polen. 1918 war er in der badischen „vorläufigen Volksregierung" Minister des Innern und Staatsrat. 1919 wurde er in die Verfassungsgebende Deutsche Nationalversammlung, später wieder in den Reichstag gewählt. Er wurde einer der aktivsten F'uhrer des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Er gehörte dem Hauptvo'rstand des C e n t r a I - Ve r e i n s deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens an und stritt bei jeder sich bietenden Gelegenheit für jüdische Ehre und jüdische Bürgerrechte. Als Mensch wie als Politiker genoß er in ganz Baden außerordentlich hohes Ansehen. Auch seine p o- 1 itischen Gegner schätzten seine von Idealismus getragene Selbstlosigkeit. Die gesamte Presse Badens bis zu den Blättern, die ausgesprochen rechts stehen, gedenken in ausführlichen Nachrufen des Wirkens des Verstorbenen und erinnern daran, daß Haas es war, der in den Revolutionstagen 1918 mit Einsatz des eigenen Lebens für Leib und Leben der damaligen großherzoglichen Familie eintrat. Bei Ausbruch der Revolution wurde Haas vorläufiger Volkskommissär. Minister des Innern und damit zugleich Polizeiminister. Als am 11. November 1918 eine Matrosengruppe Schüsse auf die Schloßfassade abgab, eilte Haas persönlich in die Eingangshalle des Schlosses und wehrte mit einer Abteilung Soldaten den Angriff ab. Zugleich sorgte er für die unbehelligte Abreise des Großherzogpaares. Reichs-Innenminister Doktor W i r t h, das führende Mitglied des katholischen Zentrums, widmet „Dem toten Freunde Ludwig Haas" in der „Vossischen Ztg." einen warmen Nachfruf, in dem es unter anderem heißt: Ludwig Haas war für den neuen Volksstaat nicht nur Mahner, Künder und Vorkämpfer, in seinem Herzen lagen auch die Qualitäten jener menschlichen Güte und V orurteilslosigkeit. die in dem erbittertsten politischen Gegner noch den Menschen sahen. So war er allerzeit in den schweren Kämpfen der Nachkriegszeit der berufene Mann, nach links und rechts zu vermitteln. Wenn wir ihn in den nächsten Tagen in seiner Heimat zur. Ruhe geleiten, dürfen mit uns das gesamte republikanische Deutschland und alle, die die Idee eines sozialen Staates aufrichtig im Herzen tragen, um den großen Patrioten trauern. München. Unter dem Protektorate der englischen Regierung und mit Beteiligung der Stadt ist in München ein „Britisches Institut" gegründet worden. Mit der Leitung des Institutes wurde der Münchener Privatgelehrte Dr. Alfred Löwenstein betraut. Das „Britische Institut" hat die Aufgabe, die kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und England zu fördern. Prag. Am 17. August wird am Geburtshause des Präsidenten der tschechischen Akademie der Künste, des tschechisch-jüdischen Schriftstellers Ignaz fierrm a n n, in Chotebor in Böhmen, eine Gedenktafel enthüllt werden. Gleichzeitig wird ein neuangelegter Touristenweg in der Nähe des Ortes, der den Namen des Schriftstellers tragen soll, der OeffentJichkeit übergeben. Berlin. Anläßlich seines 50. Geburtstages werden dem Berliner Polizeivizepräsidenten Bernhard Weissin der gesamten republikanischen Presse Worte warmer Anerkennung gewidmet. Doktor Bernhard Weiss, der aus der richterlichen Karriere heraus als Chef zur Berliner politischen Polizei kam und seit März 1927 die Stelle des Berliner PoÜzeivizepräsidenten innehat nimmt an den Arbeiten des Centrai-Vereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und der Vereinigung für das liberale Judentum aktiven Anteil. Konkurs Vorbeter (Baal-Mussaf) für Rosch-Has chono und J o m-K i p u r gesucht. Probevortrag Sonntag, den 17. August 2 Uhr nachmittag. Kultusgemeinde GäDSemdOrl flelSdier, Präses jÄimiirr- EKiHrriR Residenz — Columbia Garantiert ununterbrochene Brenndauer 30 Stunden (■MANNA** Fabr. chemischer Präparate Wien II., TaborstraBe 22 — Tel. R 40-6-14 Das englische Parlament hat andere Sorgen . . . London, 1. August (J. T. A.) Eine Kundgebung des aus Parlamentariern aller Parteien bestehenden Britischen Palästina-Komitees nimmt anläßlich des Abschlusses der Parlamentssession am 1. August durch die folgende Erklärung zu der Hinausschiebung der Palästina-Debatte im Unterhaus Stellung: Am 1. August wurde das Parlament geschlossen, ohne daß eine Debatte über Palästina stattgefunden hat; dies obwohl seit den Unruhen fast ein Jahr verflossen ist. Das Parlament war Palästina gegenüber hinsichtlich der aufgewendeten Zeit nicht sehr großzügig. Es hatte schon seit Jahren nicht einen ganzen Tag für eine Palästina-Debatte übrig; die fragmentarischen Diskussionen, die inzwischen stattgefunden haben, wareu von geringem Nutzen. Aber die Schwierigkeiten, mit denen wir es hier zu tun haben, sind solcher Art, daß sie nur durch eine erschöpfende Parlamentsdebatte beleuchtet werden können. Wir müssen uns fragen, was die Palästina-Regierung faktisch geleistet hat, um das Nationalheim für die Juden vorwärts zu bringen. Gerade in der letzten Zeit hat sich die negative Haltung der Regierung, wie wir in dieser Hinsicht beobachten konnten, in eine gegnerische verwandelt. Die Administration scheint es als ihre Aufgabe anzusehen, nicht das Ziel der nationalen Heimstätte für die Juden zu fördern, sondern dieses Ziel so weit zu begrenzen und zu hemmen, bis es nichts mehr zu bedeuten hätte, als was schon unter türkischer Herrschaft faktisch bestand. Die kommunistische Jugendliga Palästinas für die „Araberisierungu des Landes. Diese Heilsbotschaft verkündet ein Telegramm der J. T. A. aus Jerusalem. Noch nicht genug Schaden hat für die gesamte Judenschait die unberechtigte Behauptung gebracht, daß der Bolschewismus eine „jüdische Erfindung" sei. Auch unsere zionistischen Brüder beklagen mit uns das Ueberwuchern kommunistischer Ideen unter den Chaluzim auf dem Heiligen Boden. Sie werden keine Freude daran haben, aus dem oberwähnten Telegramm zu entnehmen, daß die kommunistische Jugendliga Palästinas, an deren geheimen Plenarversammlung im Mai d. J. neben 19 jüdischen auch S arabische Delegierte teilgenommen haben, eine Entschließung gefaßt hat, wonach die Araberisierung der kommunistischen Jugendliga zu erfolgen habe. Dieser Beschluß sei auf eine Anordnung der Moskauer kommunistischen Internationale zurückzuführen, die dahin ging, daß Palästina, für welches die „Bolschewisierung die beste Garantie freier Entwicklung" darstelle, araberisiert werden müsse. Wenn auch die Bedeutung und Tragweite dieses Beschlusses noch nicht geklärt ist und nicht überschätzt werden soll, so werden doch Tausende und Abertausende Juden auf allen Kontinenten bedenklich das Haupt schütteln, wenn sie sehen, inwelchesFahrwasser die Palästinenser jüdische Jugend geraten ist, zu welchen Zwecken sie mißbraucht wird und wofür jüdisches Geld geopfert wird.

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