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Die Wahrheit · 1930-08-01 · Heft 31 (1.8.1930) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 31 (1.8.1930)
Date
1930-08-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Kleider sofort Zahlung später Herren- und Damenkleider nach MaB und fertig nur erstklassige StoUe, bis. 12 Monate Kredit Kleiderhaus Werler, Wien Xf l., Oltahrtugerstr. 17 Tel. a 21-so 1 den fünf der Mordtat Verdächtigen befinden sich bereits vier teils in der Neuen Welt, teils in der anderen Welt. Die jedenfalls interessante Mitteilung der ungarischen Blätter erscheint aber doch etwas verfrüht. Der fünfte der Verdächtigen soll nämlich noch unter den Lebenden, und zwar in Budapest w-eilen. * * Professor Tasca, der rumänische Gesandte in Berlin, hat den Vertretern der Presse die Betehrung erteilt, daß es sich bei den Exzessen in Rumänien um eine rein innerpolitische Angelegenheit handle, die nichts mit Antisemitismus zu tun habe. Die ausgeraubten, mißhandelten und aus ihren Wohnstätten vertriebenen Juden in Rumänien "sollen sich also ein Beispiel an den vom' Besuche der Universitäten ausgeschlossenen jüdischen Studenten in Ungarn nehmen, denen gleichfalls von offizieller Stelle versichert wird, daß es sich bei dem Numerus clausus um eine rein innere Angelegenheit Ungarns handle, die nichts init Antisemitismus zu tun habe. Ego. Nietzsche und die Juden. Auszüge aus Nietzsches Schriften. Gesammelt von Max Kozower. (Fortsetzung.) Band VIII, Seite 13. Man kennt das Schicksal Goethes: er war den Deutschen immer anstößig, er hat ehrliche Bewunderer nur unter Jüdinnen gehabt. Band VIII, Sehe 274. Die Evangelien stehen für sich. Die Bibel überhaupt verträgt keinen Vergleich. Der Christ ist nur ein Jude „freieren" Bekenntnisses. Band VIII, Seite 242. In der Formel des Erlösers: „Das Heil kommt von den Juden". Psychologisch nachgerechnet, ist das jüdische Volk ein Volk der zähesten Lebenskraft, welches, unter unmöglichen Bedingungen versetzt, freiwillig, aus der tiefsten Klugheit der Selbsterhaltung, die Partei alter Dekadenze-Instinkte nimmt, — nicht als von ihnen beherrscht, sondern weil es in ihnen eine Macht erriet, mit der man sich gegen „die Welt" durchsetzen kann. Die Juden sind das Gegenstück aller Dekadenz: sie haben sie darstellen müssen bis zur Illusion, sie haben sich, mit einem Nonplus ultra des schauspielerischen Genies, an die Spitze aller Dekadenz-Bewegungen zu stellen gewußt (als Christentum des Paulus), um aus ihnen etwas zu schaffen, das stärker ist als jede Jasagende Pairltei des Lebens. Band VIII, Seite 248. Das ganze Unheil liegt darin, daß man sich der „heiligen Schrift" entfremdet hat. Band VIII. Seite 191. Erst in Händeis Musik erklang das Beste aus Luthers und seiner Verwandten Seele, der jüdischheroische Zug, welchem der Reformation einen Zug der Größe gab, das alte Testament Musik geworden, nicht das neue. nur ein Aufruf zum F e r n h a 11 e n j ü d i s c h t r Sommergäste an die Bevölkerung von Tamswog im Jahre 1922 ergangen ist. wonacli es der Bevölkerung immer noch freistellt, demselben nachzukommen oder nicht'4 Auf eine Anfrage der „Union", von wem dieser famose Aufruf ausging, gab die Bezirkshauptmannschaft „nach gepflogenen Erhebungen" bekannt, „daß es sich nicht mehr feststellen (!) läßt, ob der Aufruf... seitens der Marktgemeindevorstehung Tamsweg (führt denn diese keine Protokollbucher?) oder einer politischen Parteiorganisation, bzw. antisemitischer Vereinigung ergangen ist" Nach diesen „gepflogenen Erhebungen" ist unseren Glaubensgenossen nach wie vor ein Besuch Tamswegs abzuraten. Die Eingabe der „Union" an eine vierte Bezirkshauptmannschaft ist bis heute, trotz Urgenz, noch immer unerledigt; diese Angelegenheit wird weiter verfolgt werden. * * * Ist also der sozusagen offizielle Sommerfrischenantisemitismus dank den energischen Bemühungen der „Union" stark zurückgegangen, so haben die eingangs erwähnten wirtschaftlichen Verhältnisse es mit sich gebracht, daß so manche der ehemals antisemitisch eingestellten Orte' und Gasthöfe sich die Sache überlegt und reuig „pater peceavi!" gesagt haben. Noch niemals häuften sich so sehr im Sekretariate der „U n i o n" und in der Redaktion der „Wahrheit" die Widerrufe ehedem judenfeindlicher Gesinnung wie heuer. Wir sind natürlich loyal genug, diesen Berichtigungen Raum zu geben. Der Besitzer des Hotel Löwe, Schruns, teilt mit, daß an seinem Hotel kein Hakenkreuz angebracht sei, Max Rabl, Villa Schwarzenberg, Spital am Pyhrti, Oberösterreich, daß sein Haus nicht judenfeindlich eingestellt ist. Der Verschönerungsverein St. Jakob am P i 11 e r s e e übermittelt einen neuen Prospekt, in weichem der Satz: „Nur Arier werdenau fgenommen", gestrichen ist. Gleichzeitig sei bekanntgegeben, daß das Hotel Post in Goisern, Salzkammergut (Besitzer Martin Petter) infolge eines bedauerlichen Irrtums einer inzwischen eingegangenen jüdischen Zeitung als antisemitisch bezeichnet wurde, was nach den Mitteilungen des Besitzers, daß in seinem Hause auch Juden wohnen und sich dort wohl fühlen, den Tatsachen nicht entspricht. Schließlich sei dem Wunsche des Bürgermeisters der in unserer Liste gar nicht aufgenommenen Marktgemeinde Thermalbad Mannersdorf a. d. L. Rechnung getragen, der um die Feststellung ersucht, daß Mannersdorf a. d. L. keineswegseiueanti semitische Sommerfrische ist, sondern daß dort jeder Fremde gleich willkommen ist. Man sieht, eine recht stattliche Anzahl von Widerrufen. Ja, ja, dieser Sommer des Mißvergnügens. Er war für uns recht lehrreich und wird es für viele unserer Glaubensgenossen gewesen sein, die hiermit neuerlich gebeten werden, etwaige Erfahrungen auf diesem traurigen Gebiete uns mitteilen zu wollen. * * * Zum Abschluß dieser wenig erbaulichen Betrachtung sei auszugsweise ein Bericht der Linzer „Tagespost" vom 25. Juli über eine am 18. Juli abgehaltene Gemeindeausschußsitzung in dem seit langen als judenfeindlich bekannten Freistadt, Oberösterreich, wiedergegeben: „Fremdenverkehrsreferent Vizebürge rmoister Möstl berichtete, daß Sommergäste In der städtischen Badeanstalt von einheimischen Frauen in einer Weise beleidigt wurden, daß diese am nächsten Tag Frei Stadt verließen und nun anderswo ihren Sommeraufenthalt nahmen. Durch diese Vorfälle fühlten sich aber auch andere Sommergäste beleidigt und sind seither nicht mehr - in die Schwimmschule gekommen. Der Sprecher erachtet ein solches Vorgehen vom Standpunkt des Fremdenverkehres als durchaus schädlich. Die Leute waren auf Grund von Inseraten, die keine Bemerkung enthielten, daß Juden nicht erwünscht wären, nach Freistadt gekommen und mußten hier Erfahrungen machen, die für den Fremdenverkehr der Stadt keineswegs förderlich sind. GA. Hauck (Nationalsozialist) heißt es gut. daß deutsche Frauen volksbewußt genug waren, die Juden aus der Badeanstalt hinauszujagen, und erwähnt weiter, daß die Sommerwohnungen in Freistadt ohnehin besetzt sind. GR. Notar Hiris . (großdeutsch) bezeichnet das erwähnte Vorgehen gegen die Juden als Taktlosigkeit. Vizebürgermeister Möstl gab bekannt, daß sich der Fremdenverkehrsausschuß mit dieser Sache noch beschäftigen wird." üaröffantlicliunqan der Union deu+sch©s+erra!chischer Juden Telephon A 19-2-77 IX., Berggasse 4 Postspark.-Kto. 9.464 Sommer des Mißvergnügens. « Aus allen Österreichischen Sommerfrischen l'fommen die Klagerufe: „Die Gäste sind ausgeblieben! Unsere Hotels, Pensionen und Fremdenimmer sind leer! Dieser Sommer ist für die Somterfrisclen in Oesterreich katastrophal!" ■A- Die/trostlose Wirtschaftslage macht es eben 'de: Mejrheit der österreichischen Bevölkerung un- 'möglicf sich selbst eine kurze Erholung auf dem Landelu gönnen. Und so müssen die Familien in der (3>ßstadt bleiben, in ihrem Dunst, in ihrem Raucjund bestenfalls ein Ausflug in den Wienerwaldpder ein Bad im Donaustrom erinnern an die Urlapszeit. Jber nicht nur die Wirtscharstlage allein trägt;huld daran. Bundespräsident Miklas hat anläJlich der Eröffnung der fünften Fachausstellu4" „Oesterreichs Gastgewerbe und B'emdenverkehr" in Linz wörtlich gesagt: „In der Art und Weise, wie man Ven Fremden aufnimmt und behandelt, liegt ein ganz wesentlicher Gradmesser für die Kultur eines Landes." Nun, wir österreichischen Juden können mit Fug und Recht behaupten, daß die Aufnahme und Behandlung, die unseren Erholung suchenden Glaubensgenossen in vielen österreichischen Sommerfrischen zuteil wird, beweist, daß unser schönes Oesterreich ein sehr kulturloses Land ist. Noch immer gibt es in diesem Lande sogenannte „arische" Sommerfrischen, in denen der Aufenthalt von Juden nicht geduldet oder mindestens nicht gewünscht wird. Keine Schadenfreude löst nun in uns die Feststellung aus, daß diese „arischen" Sommerfrischen größtenteils völlig leer sind, wie zum Beispiel in der herrlichen Wachau, avo in zahlreichen Orten nur „arische" Gäste gerne gesehen sind. Wir haben vor diesen für den Fremdenverkehr äußerst gefährlichen Machenschaften immer gewarnt, auch die kompetenten Stellen auf diese Gemeinschädlichkeit aufmerksam gemacht; nun mögen die großen und kleinen Herren sehen, wohin Oesterreich, in dessen vitalstem Interesse ein intensiver Fremdenverkehr liegt, mit dieser Hetzpolitik und deren mehr oder weniger Stillschweigenden Duldung gekommen ist. ■ . * ' Gewiß, es ist seit früheren Jahren manches auf diesem traurigen Gebiete besser geworden, nicht zuletzt infolge des unermüdlichen Kampfes, den die „Union deutschösterreic bischer Juden" gegen diese österreichische Kulturschande geführt hat und noch immer führt. Man erinnert sich noch an die eingehend begründete Eingabe, die die „Union" im Vorjahre an das Bandeskanzleramt gerichtet hat und von diesem mit der wichtigen einleitenden Feststellung beantwortet wurde: „Nach der Rechtsanschauung des Bundeskanzleramtes würde der Beschluß eines Gemeinderates des Inhaltes, daß es Juden verboten ist, im Gemeindegebiete Aufenthalt zu nehmen, gegen ... das Staatsgrundgesetz verstoßen." Das Bundeskanzleramt lehnte aber bekanntlich nach dieser als von der höchsten Verwaltungsstelle des Bundes ausgehenden sehr wertvollen Erklärung die meritorische Behandlung des Ersuchens der „Union" wegen Aufhebung dieser gesetzwidrigen Beschlüsse ab, und zwar wurde der „Union" — echt österreichisch — „anheimgegeben, gegen derartige Gemeirideratsbeschlüsse bei der örtlich zuständigen Bezirkshauptmannschaft Aufsichtsbeschwerde einzubringen". Nun, die „Union" hat auch diese Mühe nicht gescheut, sie hat in vier Fällen anfangs dieses Jahres der Weisung des Bundeskanzleramtes entsprochen und — der Erfolg blieb nicht aus. Die Bezirkshauptmannschaft St. Johann i. Pongau teilte mit, daß der antisemitische Beschluß der Marktgemeindevorstehung St. Johann i. Pongau nicht mehr zu Recht besteht; die Bezirkshauptmannschaft Melk zeigte am 3. Mai 1930 an, daß der gleiche Beschluß der Gemeinde Mank mit Gemeinderatsbeschluß vom 26. April 1930 (!) außer Kraft gesetzt wurde. Besonders interessant gestaltete sich der Briefwechsel mit der Bezirkshauptmannschaft Tamsweg wegen des Auienthaltsverbotes für Juden in Tamsweg. Die Bezirkshauptmannschaft gab bekannt, . „daß ein diesbezüglicher Beschluß der Marktgemeinde- :* vorstehung Tamsweg nicht gefaßt wurde, sondern

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