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Die Wahrheit · 1930-07-25 · Heft 30 (25.7.1930) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 30 (25.7.1930)
Date
1930-07-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite a | Rudolf Schildkraut. \ Am 16. Juli ist in Hollywood Rudolf Schildkraut, 68 Jahre alt, einer Herzschwäche erlegen. Schildkraut wurde in Konstantinopel als Sohn einer spaniolischen Familie geboren. Er kam in jungen Jahren nach Siebenbürgen, wo er deutsch lernte, 1893 kam er an das Raimund-Theater nach Wien und später an das Carl- Theater. In Wien erweckte er Mitterwurzers Interesse und Alfred von Berger, der damals das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg gründete, berief ihn nach Hamburg. Von da kam er zu Reinhardt, wo er seine größten Erfolge in der Rolle des Shylock und Lear hatte. Nach seinem Wirken in Wien und Berlin, das seinen Namen in der ganzen Welt bekannt machte, ging Schildkraut nach Amerika, wo er als Theaterdirektor und Darsteller in jiddischen Theatern wirkte. Ossip Dymow, der bekannte jüdische Erzähler und Dramatiker, der in den letzten Jahren in Amerika als Gründer und Direktor des Schildkraut-Theaters und als Autor der erfolgreichen Dramen, in denen Rudolf Schildkraut seine letzten großen Gestalten schür, engsten Umgang mit dem verstorbenen Künstler hatte, ließ der JTA die folgende Würdigung der großen Persönlichkeit und der Erinnerung an gemeinsame Arbeit gewidmeten Zeilen zur Veröffentlichung zugehen. Zum erstenmal kam Schildkraut 1912 nach Amerika. Ein Jahr später kam er nach Europa zurück, übersiedelte aber in der Zeit des Krieges mit seinem Sohne, Joseph Schildkraut, und seiner Frau wieder nach Amerika. Das erste Jahr war er der Star im Jewish Art Theatre, unter der Direktion Schnitzer. Dann folgen seine Wanderungen, hier und da zufälliges Auftreten in verschiedenen jiddischen Theatern, einige mißlungene Versuche, englisch zu spielen, und dann die letzte Blüte seiner Karriere, das Schildkraut- Theater, das er, sein Sohn und ich 1925 gegründet haben. Ein kleines intimes Theater, 288 Plätze, das letzte Haus weit in der Bronx. Vierzehn junge talentvolle, aber fast völlig unerfahrene Schauspieler. Der große Künstler Schildkraut, als Lehrer, Ratgeber, Direktor und VateT. Mit welcher jugendlichen Freude, mit welchem Enthusiasmus, Idealismus, baute dieser 65 jährige Mann das schöne Heim der jüdischen Kunst! Die erste Aufführung meines Stückes „Bronx Express" war ein Triumpf Schildkrauts und des Theaters, hunderte Male wurde das Stück gegeben. Der alte Meister zeigte sich wieder in seiner wunderbaren Gestalt des armen jüdischen Arbeiters Chaskel Hungerstolz. Aus den jungen unerfahrenen Schauspielern macht er in kurzer Zeit eine festzementierte Künstlergruppe. Ich war stolz und glücklich, mit ihm Hand in Hand zu arbeiten, als Regisseur und Verfasser. Ich bewunderte seine außerordentliche Kraft, mit welcher er die Bühne beherrschte. Eigentlich war „Bronx Express" sein letzter großer Erfolg auf der Bühne. Nachher spielte er noch mein Drama „Der letzte Liebhaber", in dem er die unerhörte Figur eines alternden Liebhabers schuf, obwohl Schildkraut nie im Leben Liebhaberrollen gespielt hat Seine allerletzte Bühnenrolle war eine Episodenfigur in meiner Tragikomödie „Sänger seiner Trauer", wo er eine alte Marktfrau spielte. Dann wurde er zusammen mit seinem Sohn nach Hollywood gerufen und kam zur Bühne nie mehr zurück. Bei meinem engen Zusammenarbeiten mit Rudolf Schildkraut habe ich in ihm einen Künstler allerersten Ranges kennen gelernt, der Tragödien, Komödien, junge und alte Männer und Frauen mit gleicher Kunst spielte. Ein ungeheurer Kenner der menschlichen Seele, die er intuitiv zu beobachten und darzustellen wußte. Ein Mensch mit einem impulsiven, manchmal wilden Charakter, aber gutem, warmem, echt jüdischem Herzen. Ein geniales Kind mit dem Kopf eines großen Weisen. Eine Persönlichkeit gewaltigen Formats, die vielleicht noch stärker wirkte, als sein geniales Talent Nietzsche und die Juden. Auszüge ans Nietzsches Schriften. Gesammelt von Max Kozower. (Fortsetzung). Band VII, Absatz 250. Was Europa den Juden verdankt? — Vielerlei Gutes und Schlimmes, und vor allem eins, das vom Besten und Schlimmsten zugleich ist: den großen Stil in der Moral, die Fruchtbarkeit und Majestät unendlicher Forderungen, unendlicher Bedeutungen, die ganze Romantik und Erhabenheit der moralischen Fragwürdigkeiten und folglich gerade den anziehendsten, verfänglichsten und ausgesuchtesten Teil jener Farbenspiele und Verführungen zum Leben, in deren Nachschimmer heute der Himmel unserer europäischen Kultur, ihr Abendhimmel glüht — vielleicht verglüht Wir Artisten unter den Zuschauern und Philosophen sind dafür den Juden dankbar. Band VII, Absatz 251. Ich bin noch keinem Deutschen begegnet der den Juden gewogen gewesen wäre, und so unbedingt auch die Ablehnung der eigentlichen Antisemiterei von Seiten aller Vorsichtigen und Politischen sein mag, so richtet sich doch auch diese Vorsicht und Politik nicht etwa gegen die Gattung des Gefühls selber, sondern nur gegen seine gefährliche Unmäßigkeit insbesondere gegen den abgeschmackten und schandbaren Ausdruck dieses unmäßigen Gefühls, — darüber darf man sich nicht täuschen. Die Juden sind aber ohne Zweifel die stärkste, zäheste und reinste Rasse, die jetzt in Europa lebt; sie verstehen es, selbst noch unter den schlimmsten Bedingungen sich durchzusetzen (besser sogar als unter günstigen), vermöge irgendwelcher Tugenden, die man heute gern zu Lastern stempeln möchte — Dank vor allem einem resoluten Glauben, der sich vor den „modernen Ideen" nicht zu schämen braucht; sie verändern sich, wenn sie sich' verändern, immer nur so, wie das russische Reich seine Eroberungen macht — als ein Reich, das Zeit hat und nicht von gestern ist: nämlich nach dem Grundsatze „So langsam als möglich"! Ein Denker, der die Zukunft Europas auf dem Gewissen hat, wird bei allen Entwürfen, welche er bei sich über diese Zukunft macht mit den Juden rechnen wie mit den Russen, als den zunächst sichersten und wahriAä Derren-ndO-Schneiderel HIGHEM BRAUNER f Wien II., Praterstraße Nr. 21 Gegründet 1900 Telephon R 41-6-64 empfiehlt sich zur Anfertigung eleganter Herren - Garderoben Orig. englische Stoffe stets lagernd Erstklassige Ausführung Mässige Preise ^TT\ Zanianos-Erlelchteronileii ► ► ► ► nft scheinlichsten Faktoren im großen Spiel und Kampf der Kräfte. Das, was heute in Europa „Nation" genannt wird und eigentlich mehr eine res iacta als nata ist (ja mitunter einer res ficta et picta zum Verwechseln ähnlich sieht) ist in jedem Falle etwas Werdendes, Junges, Leicht-Verschiebbares, noch keine Rasse, geschweige denn ein solches aere perennius, wie es die Judenart ist: diese „Nationen" sollten sich vor jeder hitzköpfigen Konkurrenz und Feindseligkeit sorgfältig in Acht nehmen! (Den Herren Professoren Gleispach und Günther zur Richtschnur. Vom Einsender). Daß die Juden, wenn sie wollten oder wenn man sie dazu zwänge, wie es die Antisemiten zu wollen scheinen — jetzt schon das Uebergewicht, ja ganz wörtlich die Herrschaft über Europa haben könnten, steht fest; daß sie nicht darauf hinarbeiten und Pläne machen, ebenfalls. Einstweilen wollen und wünschen sie vielmehr, sogar mit einiger Zudringlichkeit in Europa, von Europa ein- und aufgesaugt zu werden, sie dürsten darnach, endlich irgendwo fest, erlaubt geachtet zu sein und dem Nomadenleben, dem „ewigen Juden" ein Ziel zu setzen—; und man sollte diesen Zug und Drang (der vielleicht selbst schon eine Milderung der jüdischen Instinkte ausdrückt) wohl beachten und ihm entgegenkommen, mit Auswahl; ungefähr so, wie der englische Adel es tut Es liegt auf der Hand, daß am Unbedenklichsten noch sich die stärkeren und bereits fester geprägten Typen des neuen Deutschtums mit ihnen einlassen könnten, zum Beispiel der adelige Offizier aus der Mark; es wäre von vielfachem Interesse, zu sehen, ob sich nicht zu der erblichen Kunst des Befehlens und Gehorchens — in beidem ist das bezeichnete Land heute klassisch,— das Genie des Geldes und der Geduld (und vor allem etwas Geistigkeit woran es reichlich an der bezeichneten Stelle fehlt) hinzutun, hinzuzüchten ließe. Band VII, Absatz 22. Das alte Testament — ja das ist was ganz anderes: alle Achtung vor dem Alten Testament! In ihm finde ich große Menschen, eine heroische Landschaft und etwas vom Allerseltensten auf Erden, die unvergleichliche Naivität des starken Herzens; mehr noch, ich finde ein Volk. Im Max Freiherr von Springer'schen Walsenhanse, Wien XIV„ Goldschlagstraße 84, werden im Schuljahre 1930/31 einige Waisenknaben zur unentgeltlichen Pflege und Erziehung übernommen. Gesuche, mit Personaldokumenten verseilen, für 6- bis 11jährige Knaben, die ganz oder väterlicherseits verwaist sind, sowie für solche, die mütterlicherseits verwaist sind, deren Vater aber erwerbsunfähig ist, sind bis spätestens 15. August 1930 an das Kuratorium in Wien L, Augustinerstraße 8. einzusenden. machen, war der Zweck der unausgesetzten Kursverschiebungen durch systematischen Ankauf und Verkauf der Effekten, wie sie die Rothschilds von Anbeginn an bei ihren Emissionen betrieben. (Siehe Börne!) Um nun diese Börsen- und Geldmarkt-Manipulationen vornehmen zu können, wurden alle möglichen, ihnen zu Gebote stehenden Mittel angewendet, alle nur auffindbaren Wege eingeschlagen, alle nur zu ersinnenden Börsen- und sonstigen Machinationen ausgeübt alle Hebel in Bewegung gesetzt (Das dürfte Sombart nicht mehr von Börne haben, sondern von irgend einem Skribler der Dreißiger- oder Vierziger jähre des 19. Jahrhunderts!) Natürlich ist nichts leichter, als. einen Großen der Börse wie einen skrupellosen, lediglich auf große Gewinne bedachten Börsenjobber hinzustellen, allein es kann nur mit Absichtlichkeit erklärt werden, wenn derselbe Werner Sombart verschweigt daß diese „Börsenjobber" von allen kontinentalen Regierungen und regierenden Häusern — den Papst inbegriffen — sei es zum Zwecke ihrer Sanierung, sei es zum Wohle ihrer Länder, um „Anleihen" geradezu angeschnorrt wurden. Warum gerade die Rothschilds, warum nicht auch die großen christlichen Bankiers? Weil diese letzteren viel mehr verdienen wollten, weil sie viel weniger kulante Bedingungen stellten und überhaupt weil sie viel zu ängstlich waren, viel weniger großzügig! All dies ersehen wir aus Cortis Buch! Daß aber die Rothschilds nicht nur an der Börse Bescheid wußten, daß sie auch in gewaltige Unternehmungen hineingingen, zu einer Zeit wo das Wirtschaftsleben zumindest am Kontinent noch sehr darniederlag, zeigt uns gleichfalls das Buch von Corti. Ich will gar nicht erwähnen, daß sie für sich selbst neben der Turn und Taxisschen Post einen eigenen Kurierdienst nach Wien, Frankfurt, Paris, London, Neapel einrichteten — eine geniale Idee! — nicht bloß, um alle wichtigen Nachrichten früher zu haben als die anderen, sondern auch zur besseren Wahrung des dazumal sehr willkürlich gehandhabten Briefgeheimnisses. Ganz abgesehen hiervon waren sie die ersten Eisenbahnbauer am Kontinent Die Kaiser Ferdinand-Nordbahn in Oesterreich ist das Werk Salomons, die französische Nordbahn dasjenige James. Allerdings ist die Idee dazu von Nathan ausgegangen, der dieses neue Verkehrsmittel in England schon erfolgreich funktionieren sah. Er war auch der Initiator der gewaltigen Idee des Quecksilber-Monopols, welches Produkt man dazumal nur in Idria in Oesterreich und in Almaden in Spanien gewann. Beide Bergwerke konnten die Rothschilds an sich bringen. Hatte Gutzkow nicht recht, von Nathan zu sagen, er habe alle seine Unternehmungen mit einer Riesenfaust angepackt und alles an ihm sei kolossal gewesen! Als er starb, war sein Leichenbegängnis am 8. August 1836 ein äußeres Zeichen der gewaltigen Stellung, die er sich im Britenreich geschaffen. Die Gesandten der Großmächte, der Lordmayor, die Sheriffs und viele Aldermen der City von London folgten seinem Sarge, dem eine Prozession wreißgekleideter jüdischer Wais-?nk:nder voranschritt. Ganz London war gekommen — es herrschte ein riesiges Gedränge und nur mit Mühe konnte die Ordnung aufrecht erhalten werden. So wurde ein Mann zu Grabe getragen, der kaum vierzig Jahre vorher als ein kleiner jüdischer Händler aus Frankfurt ohne Namen und ohne Ansehen in England eingewandert war. (II/169.) Muß für den Proiessor Werner Sombart das Buch Cortis nicht sehr genant sein, wenn er darin solche Berichte liest und er sich dabei seiner obzitierten Anwürfe erinnert? Oder wenn er liest daß Bismarck selbst 1853 die Verleihung des Roten Adlerordens nebst dem Titel eines Hofbankiers an Freiherrn Meyer Carl von Rothschild, dem in Frankfurt lebenden ältesten Sohne des Neapler Rothschild Carl Meyer beantragte. (Man schui eigens zu diesem Zweck einen Roten Adlerorden für NichtChristen, in ovaler statt in Kreuzesform.) Oder auch bei einer Stelle wie dieser (S. 259): „Wenn Salomon einmal, wie es häufig vorkam, in Frankfurt und nicht in Wien weilte, so fühlten sich die obersten Stellen der Monarchie, die über das Finanzwesen zu wachen hatten, geradezu unbehaglich. Dies kam scharf zum Ausdruck, als im Oktober 1845 in Wien, wo namentlich in Eisenbahnpapieren, wie übrigens in ganz Europa, sehr stark spekuliert wurde, eine plötzliche Baisse und Börsenkrise eintrat-- Metternich wandte sich persönlich an den österreichischen Gesandten in Frankfurt und beauftragte diesen, Salomon aufzufordern, angesichts der Lage des Geldmarktes entweder selbst nach Wien zu kommen oder ein anderes Mitglied des Hauses zu delegieren." Indeß, die Rothschilds gründeten auch die erste österreichische See - Schiffahrts-Gesellschaft den Oesterreichischen Lloyd in Triest, ebenso auch die österreichische Kreditanstalt für Handel und Gewerbe und erwarben schon damals das Witkowitzer Kohlenbergwerk. Ist es nach all dem nicht geradezu frivol, Männer dieses Formats, Großunternehmer, wie sie dazumal zumindest am Kontinent nicht ihresgleichen hatten, in einem auf Wissenschaftlichkeit Anspruch erhebenden Werk, als ganz gewöhnliche skrupellose Börsenjobber hinzustellen? Denn schließlich war vieles von dem Angeführten, namentlich diese Gründungen, die Eisenbahnbauten, schon vor dem Erscheinen des Cortischen Buches allgemein bekannt. Ein tiefer schürfender Nationalökonom hätte auch noch andere Details wissen müssen! Dafür hat Herr Professor Sombart den traurigen Ruhm, daß ein Subjekt wie Theodor Fritsch (auch einer, der vom „Antisemitismus" lebt) in seinem berüchtigten „Handbuch der Judenfrage" sich auch auf den großen, modernen Gelehrten Sombart berufen und jene Anwürfe gegen die Rothschild triumphierend zitieren kann, und wer weiß, wie viele andere Judenschmäher desgleichen! Ein tiefer schürfender Wissenschaftler hätte auch nicht verschweigen dürfen, daß die Rothschilds immer und überall ihren ganzen Einfluß für die Erhaltung des Friedens aufboten und dies am wirksamsten mit der Klausel durchzusetzen glaubten, daß sie im Kriegsfälle aller ihrer Zahlungsverbindlichkeiten auf Anleihen enthoben seien. Ich will aus Cortis Buch nur eine von vielen ähnlichen Stellen zitieren (11/35): „Ich bitte Dich nun, lieber Salomon", schreibt ihm James aus Paris am 19, März 1883, „lasse dem Fürsten Metternich keine Ruhe, das hiesige Ministerium zu verstärken, und quäle ihn zur Erhaltung des Friedens, den ganz Europa so nötig hat, da der Fürst allein die Macht hat ihn zu erhalten. Er weiß und kennt Dich, daß Du ein gerader, offener und ehrlicher Kerl bist der gewiß immer mit Offenheit und Wahrheit zu Werk geht und alle meine Berichte, die ich Dir zeithero für ihn mitgeteilt habe, sich bewährt haben".

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